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In Ordnung

Strukturprinzipien von Mondrian bis Vasarely

31.10.2026 - 29.03.2027 | Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein

Eingabedatum: 27.10.2026

Werkabbildung
Victor Vasarely, ohne Titel, 1972, Serigrafie, 66 x 66 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Die neue Sammlungspräsentation des Wilhelm-Hack-Museums "Die Unendlichkeit des Raumes. Raumkonzepte in der Moderne" widmet sich den radikalen Neuerungen der Kunst des 20. Jahrhunderts hinsichtlich eines neuen Verständnisses des Bildraumes.

In den vorangegangenen Jahrhunderten wurde, mit der Erfindung der Zentralperspektive, das Bild als "offenes Fenster", als Blick auf eine andere Welt verstanden. Die Moderne hingegen beginnt, die illusionistische Malerei hinter sich zu lassen und stattdessen Bild und Wirklichkeit neu zu verknüpfen. Vom Expressionismus über Dada bis hin zum Surrealismus wird der Bildraum stark emotional aufgeladen. Parallel dazu löst sich mit dem Suprematismus und Konstruktivismus die Darstellung von jeglicher Gegenständlichkeit. Die Schnittstellen zwischen Architektur, Malerei und Bildhauerei werden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterverhandelt und neu ausgelotet. Dabei verweisen insbesondere Reliefarbeiten auf eine grundlegende Verbindung von Bild und Raum beziehungsweise Wandobjekt und Wirklichkeitsraum. Daneben entstehen ungegenständliche Malereien zwischen absoluter Flachheit und unendlicher Tiefe.

Die Sammlungspräsentation "Die Unendlichkeit des Raumes. Raumkonzepte in der Moderne" zeichnet in sieben Kapiteln ein facettenreiches Bild der Transformation und Neuerfindung des künstlerischen Raumbegriffs im 20. und 21. Jahrhundert. Sie zeigt Werke von Max Beckmann, Max Bill, Miriam Böhm, Gianni Colombo, Robert Delaunay, Georg Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, El Lissitzky, Jean Metzinger, Gerold Miller, Piet Mondrian, Ljubow Popowa, Jean-Paul Riopelle, Thomas Ruff, Tomás Saraceno, Leon Polk Smith und anderen.

Das neue Kabinettstück "In Ordnung. Strukturprinzipien von Mondrian bis Vasarely" verhandelt das Raster als autonomes Bildthema, welches erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts innerhalb der geometrischen Abstraktion auftaucht.

Hiervon ausgehend zeigt die Ausstellung das reiche Spektrum scheinbar einfacher Strukturprinzipien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Grafikmappen von Max Bill und Attila Kovács basieren beispielsweise auf präzisen, aufeinander bezogenen Systemen, wobei das Quadrat als Ausgangspunkt ihrer Analysen dient. Zeitgleich untersuchen die ZERO-Bewegung und ihr internationales Umfeld unterschiedliche Aspekte des Rasters: Ob präzise geordnet oder malerisch ausgeführt, insbesondere das Spiel von Licht und Schatten erzeugt eine neue Dynamik, die trotz der reduzierten Bildgestaltung visuell eindrucksvolle Arbeiten entstehen lässt. Rhythmus und Wiederholung werden zwei wichtige Gestaltungsprinzipien in Werken der OP-Art und spielen ebenso als Rasterpunkte bei Roy Lichtenstein oder Sigmar Polke eine bedeutende Rolle.

Das Kabinettstück "In Ordnung. Strukturprinzipien von Mondrian bis Vasarely" präsentiert Werke von Josef Albers, Thomas Bayrle, Max Bill, Enrico Castellani, Carlos Cruz-Diez, Vilmos Huszár, Attila Kovács, Vera Molnár, Piet Mondrian, François Morellet, Roy Lichtenstein, Sigmar Polke, Frank Stella, Günther Uecker, Timm Ulrichs, Victor Vasarely und andere.

English summary:
The Wilhelm-Hack-Museum presents "The Infinity of Space: Spatial Concepts in Modernism" alongside the focused cabinet exhibition "In Order: Structural Principles from Mondrian to Vasarely." While the overarching presentation explores the radical transformation of pictorial space throughout the 20th and 21st centuries—spanning Expressionism, Constructivism, and contemporary approaches—the cabinet exhibition focuses specifically on the grid as an autonomous pictorial motif. Originating in geometric abstraction, structural systems evolved across the second half of the 20th century into diverse forms, from Op-Art and ZERO to the raster dots of Pop Art. The exhibitions bring together major works by pioneering artists such as Piet Mondrian, Victor Vasarely, Max Bill, Josef Albers, Roy Lichtenstein, and Sigmar Polke.

31.10.2026 - 29.03.2027
Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein

Berliner Str. 23, 67059 Ludwigshafen am Rhein

https://www.wilhelmhack.museum/

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Abkehr vom albertianischen „Fenster zur Welt“ markiert einen der radikalsten Paradigmenwechsel der Moderne: An die Stelle des illusionistischen Zentralperspektivraums tritt die Autonomie der Bildfläche, die sich dialektisch zwischen emotionaler Aufladung (Expressionismus) und geometrischer Purifizierung (Konstruktivismus, De Stijl) entfaltet. Künstler wie Mondrian, Lissitzky und Bill transformierten den Raum von einer statischen Darstellungsform in ein relationales Kraftfeld, das durch das Raster als aperspektivisches Ordnungsprinzip strukturiert wird. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts brechen Reliefs, Licht-Schatten-Modulationen und Op-Art (ZERO, Vasarely, Castellani) die reine Zweidimensionalität auf und überführen das Bildobjekt in den phänomenologischen Erfahrungsraum des Betrachters. Die Weiterführung dieser Strukturprinzipien in Pop Art und Gegenwartskunst (Lichtenstein, Polke, Saraceno) vollzieht schließlich die Synthese aus medienkritischer Rasterung und raumgreifender Installation, wodurch der Bildraum endgültig mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit verschmilzt.
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