Das Dorf als Bühne. Bilder als erzählerische Panoramen
07.11.2026 - 17.01.2027 | Galerie im Ostflügel, Schloss Filseck, Uhingen
Eingabedatum: 07.11.2026

Das Dorf ist Schauplatz gemeinsamer Rituale, persönlicher Geschichten und gesellschaftlicher Regeln. Die Werke der Ausstellung Das Dorf als Bühne – Bilder als erzählerische Panoramen beleuchten unterschiedliche Vorstellungen vom dörflichen Leben – zwischen Gemeinschaft und Individualität, Sehnsucht und gesellschaftlichen Spannungen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Werke des Künstlers Karl Hurm (1930–2019), die sich wie ein erzählerischer Leitfaden durch die verschiedenen Themen ziehen.
Karl Hurm fand autodidaktisch zur Malerei und zeichnete bereits seit seiner Kindheit. Nach einer Malerlehre übernahm er Verantwortung im elterlichen Großhandel. Die Fahrten zum Stuttgarter Großmarkt nutzte er für prägende Museumsbesuche. Parallel entwickelte er eine eigenständige Bildsprache, in der Alltag und Imagination ineinandergreifen. Seine Kompositionen inszenieren Figuren und Situationen, verdichten Beobachtungen zu Geschichten und eröffnen phantastische Bildräume.
In Kühe auf dem gefrorenen See (1998) wird das Dorf zur Bühne. Eine Kuhherde steht auf einem gefrorenen Weiher, umgeben von Häusern, deren Fenster wie Logen wirken. Im Vordergrund zieht eine rothaarige Frau in einem kurzen, gemusterten Kleid den Blick auf sich. Wirklichkeit und Inszenierung, Begehren und Risiko liegen dicht beieinander. Das Dorf erscheint als Mikrokosmos, in dem Menschen einander beobachten und zugleich Teil des Geschehens sind.
Ein weiteres zentrales Motiv sind Rituale und Feste – etwa Ernte, Hochzeit oder Kirmes –, die als kollektive Inszenierungen erscheinen. In Fasnetsgruppe (1988) zieht eine Gruppe maskierter Figuren durch eine karge, leicht düstere Winterlandschaft. Die lebhaften Gestalten im Vordergrund stehen im Kontrast zur reduzierten Umgebung und wirken wie Teil einer zeitlosen, archetypischen Handlung.
Weitere Werke hinterfragen das Dorf als Sehnsuchtsort. Gabriela Oberkofler (*1975) setzt sich in ihrem Aquarell Holari (2007) mit tradierten Vorstellungen vom Landleben auseinander. Eine Frau im Dirndl und eine lautmalerische Jodelzeile verweisen auf kulturelle Klischees, die unseren Blick auf das Ländliche bis heute prägen.
So entsteht ein vielschichtiges Panorama des Dorflebens, das vertraute Bilder aufgreift, unterschiedliche Perspektiven zusammenführt und neue Sichtweisen eröffnet.
Die Werke von Karl Hurm stammen aus dem Städtischen Kunstmuseum Karl Hurm in Haigerloch, dem Kunstmuseum Albstadt und dem Buchheim Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger See. Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten aus der Sammlung der Kunsthalle Göppingen.
English summary:
The exhibition "Das Dorf als Bühne – Bilder als erzählerische Panoramen" at Galerie im Ostflügel, Schloss Filseck, explores the village as a setting for collective rituals, personal narratives, and social structures. Centered around the imaginative, narrative paintings of self-taught artist Karl Hurm (1930–2019), the presentation highlights how everyday life and fantasy intertwine in rural microcosms. Alongside Hurm’s works—drawn from several renowned collections—contemporary pieces such as Gabriela Oberkofler's watercolor "Holari" critically examine long-standing cultural clichés and nostalgic perceptions of country life, offering a multifaceted view of rural identity.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Werke des Künstlers Karl Hurm (1930–2019), die sich wie ein erzählerischer Leitfaden durch die verschiedenen Themen ziehen.
Karl Hurm fand autodidaktisch zur Malerei und zeichnete bereits seit seiner Kindheit. Nach einer Malerlehre übernahm er Verantwortung im elterlichen Großhandel. Die Fahrten zum Stuttgarter Großmarkt nutzte er für prägende Museumsbesuche. Parallel entwickelte er eine eigenständige Bildsprache, in der Alltag und Imagination ineinandergreifen. Seine Kompositionen inszenieren Figuren und Situationen, verdichten Beobachtungen zu Geschichten und eröffnen phantastische Bildräume.
In Kühe auf dem gefrorenen See (1998) wird das Dorf zur Bühne. Eine Kuhherde steht auf einem gefrorenen Weiher, umgeben von Häusern, deren Fenster wie Logen wirken. Im Vordergrund zieht eine rothaarige Frau in einem kurzen, gemusterten Kleid den Blick auf sich. Wirklichkeit und Inszenierung, Begehren und Risiko liegen dicht beieinander. Das Dorf erscheint als Mikrokosmos, in dem Menschen einander beobachten und zugleich Teil des Geschehens sind.
Ein weiteres zentrales Motiv sind Rituale und Feste – etwa Ernte, Hochzeit oder Kirmes –, die als kollektive Inszenierungen erscheinen. In Fasnetsgruppe (1988) zieht eine Gruppe maskierter Figuren durch eine karge, leicht düstere Winterlandschaft. Die lebhaften Gestalten im Vordergrund stehen im Kontrast zur reduzierten Umgebung und wirken wie Teil einer zeitlosen, archetypischen Handlung.
Weitere Werke hinterfragen das Dorf als Sehnsuchtsort. Gabriela Oberkofler (*1975) setzt sich in ihrem Aquarell Holari (2007) mit tradierten Vorstellungen vom Landleben auseinander. Eine Frau im Dirndl und eine lautmalerische Jodelzeile verweisen auf kulturelle Klischees, die unseren Blick auf das Ländliche bis heute prägen.
So entsteht ein vielschichtiges Panorama des Dorflebens, das vertraute Bilder aufgreift, unterschiedliche Perspektiven zusammenführt und neue Sichtweisen eröffnet.
Die Werke von Karl Hurm stammen aus dem Städtischen Kunstmuseum Karl Hurm in Haigerloch, dem Kunstmuseum Albstadt und dem Buchheim Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger See. Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten aus der Sammlung der Kunsthalle Göppingen.
English summary:
The exhibition "Das Dorf als Bühne – Bilder als erzählerische Panoramen" at Galerie im Ostflügel, Schloss Filseck, explores the village as a setting for collective rituals, personal narratives, and social structures. Centered around the imaginative, narrative paintings of self-taught artist Karl Hurm (1930–2019), the presentation highlights how everyday life and fantasy intertwine in rural microcosms. Alongside Hurm’s works—drawn from several renowned collections—contemporary pieces such as Gabriela Oberkofler's watercolor "Holari" critically examine long-standing cultural clichés and nostalgic perceptions of country life, offering a multifaceted view of rural identity.
07.11.2026 - 17.01.2027
Galerie im Ostflügel, Schloss Filseck
Filseck 1, 73066 Uhingen
Presse
Kontext
Einordnung:Karl Hurms autodidaktisch geprägte, narrative Malerei lässt sich kunsthistorisch an der Schnittstelle von Naiver Kunst und Magischem Realismus verorten. In seinen bühnenhaften Bildräumen verdichtet sich das ländliche Sujet zu einem psychologisierten *Theatrum Mundi*, in dem vertraute Bräuche ins Archetypische und Phantastische kippen und so die traditionelle Genremalerei transzendieren. Diesem imaginativen Mikrokosmos wird mit Gabriela Oberkoflers Aquarelltechnik eine zeitgenössische, postfolkloristische Position gegenübergestellt: Sie bricht tradierte Idyllen ironisch auf und legt die Inszenierung regionaler Klischees analytisch frei. Im Dialog beider Generationen wandelt sich der ländliche Raum von einer folkloristischen Kulisse zu einer diskursiven Reflexionsfläche über Gemeinschaft, kollektive Rituale und Identitätskonstruktionen.






