Jake und Dinos Chapman im Kunsthaus Bregenz (29.1.-28.3.05)


Eingabedatum: 28.01.2005

Jake und Dinos Chapman im Kunsthaus Bregenz (29.1.-28.3.05)

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Die Chapman-Brüder, die mit zu den bekanntesten, zeitgenössischen britischen Künstlern zählen, zeigen in der Ausstellung "Explaining Christians to Dinosaurs" alte und neueste Arbeiten in gewohnt ironisch/provokanter Manier.

"Jake und Dinos Chapman (*1966 in Cheltenham, *1962 in London; leben und arbeiten in London) gehören zu den Hauptvertretern der zeitgenössischen britischen Kunst. Sie hatten unter anderem 1996 eine Einzelausstellung im Institute of Modern Art in London und waren 1997 an der legendären Ausstellung »Sensation« beteiligt. 2003 wurden sie für den renommierten Turner-Preis vorgeschlagen. Ihre Absicht, zusammenarbeiten zu wollen, hatten sie im November 1992 mit ihrem antiästhetischen Manifest »We are Artists« angekündigt, das sie auf eine Wand des Institute of Contemporary Arts in London schrieben.

Die Chapman-Brüder bewegen sich mit ihrem Werk immer an der Grenze zum Tabubruch. Auf höchst offensive Weise, mit schwarzem Humor und subversivem Witz werfen sie einen Blick auf Themen wie Gewalt, Krieg, Holocaust, Gentechnik und Tod in all ihrer Grausamkeit. Auch wenn ihre Arbeiten auf den ersten Blick aggressiv, skandalös und provokativ wirken, steckt ein Konzept mit philosophischem Anspruch dahinter. »Wir arbeiten analytisch, aber nicht kritisch. Wenn wir das Klonen thematisieren, in zusammengewachsenen Kinderschaufensterpuppen, übersät mit primären Geschlechtsorganen, dann wollen wir nicht die Probleme der Gentechnik lösen.« (Jake Chapman in einem Interview mit Holger Liebs, Süddeutsche Zeitung, 5./6. April 2003, S. 15) Ihren eigenen Worten gemäß geht es ihnen vielmehr darum, »moralische Panik« zu erzeugen.

Wie viele Künstler ihrer Generation beziehen sich Jake und Dinos Chapman in ihrer Arbeit auf historische Kunst. Vom Beginn ihres künstlerischen Schaffens an haben sie sich mit dem Werk des spanischen Malers Francisco de Goya (1746–1828) beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit Goyas »Los Desastres de la Guerra« (Die Schrecken des Krieges,1810–1820) bildet dabei seit über zehn Jahren eine Konstante. In seiner 80 Radierungen umfassenden Serie reflektierte Goya die Besetzung Spaniens der Jahre 1808–1814 durch Napoleon und schuf eine der drastischsten Beschreibungen barbarischer Grausamkeit in der grafischen Kunst. Dem Krieg in Spanien sind die Blätter 2–47 der »Desastres de la Guerra« gewidmet. Eine zweite Gruppe von Radierungen (48–64) hat die Hungersnot in Madrid der Jahre 1811–1812 zum Thema. Die Blätter 65–80 befassen sich mit der Repression unter König Ferdinand VII.

Die Chapman-Brüder erwarben von der Goya-Stiftung einen kompletten, 1937 von den Originalplatten gedruckten Zyklus. Sie überarbeiteten diesen in ihrem Sinn, indem sie die Brutalität des Dargestellten durch teils karikierende Fratzen noch steigerten. »Uns ging es um die Frage, wie und ob moralische Standpunkte in der Kunst sichtbar gemacht werden dürfen oder können.« (Dinos Chapman in einem Interview mit Holger Liebs, Süddeutsche Zeitung, 5./6. April 2003, S. 15) »Insult to Injury« (Beleidigung bis zur Verletzung) nannten sie ihre 2003 entstandenen Übermalungen. Tierköpfe und Clownmasken sind an die Stelle der Gesichter der Gemarterten getreten. Die Interventionen der Künstler zielen darauf ab, die Aussage von Goyas Blättern zuzuspitzen (»Goya reworked and improved«) und provozierend die Frage nach dem ästhetischen Verhältnis von Schönheit und Tod zu stellen. Die schockierende Wirkung der Arbeiten löste bei ihrer Präsentation in Oxford im Frühjahr 2003 heftige Reaktionen aus. »Die veränderten Drucke machen einen glauben, ein Serienmörder mit einem Hang zum Zeichnen psychotischer Clowngesichter hätte das Kupferstichkabinett des Britischen Museums geschändet«, so beschrieb der britische Kunstkritiker Jonathan Jones seinen ersten Eindruck beim Betrachten der Serie. Indem die Chapmans die Grafiken übermalten, brachen sie das Tabu des unverletzlichen Originals. Das Werk richtet sich aber nicht gegen Goya, sondern transformiert »Die Schrecken des Krieges« in die Gegenwart und entwickelt eine neue ästhetische Auffassung.
...
Die Ausstellung im Kunsthaus Bregenz ist die erste große Einzelschau von Jake und Dinos Chapman in Österreich. Neben der 34-teiligen Skulpturengruppe »The Chapman Family Collection« (2002), den Skulpturen »Sex I« (2003), »Sex II« (2003) und »Sex« (2003), den Skulpturen »Death I« (2003) und »Death II« (2003) sowie dem gesamten, 80 Blätter umfassenden Zyklus »Insult to Injury« (2003) wird die jüngste Arbeit »Hell Sixty-Five Million Years BC« (2004–2005) zu sehen sein, die Jake und Dinos Chapman exklusiv für Bregenz realisieren. ..." (Presse: Kunsthaus Bregenz)

Ausstellungsdauer: 29.1.-28.3.05

Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag 10 - 18 Uhr, Donnerstag 10 - 21 Uhr, Montag geschlossen

Kunsthaus Bregenz | Karl Tizian Platz 1 | A-6900 Bregenz | Tel.: +43-55 74) 4 85 94-0







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