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Boris Lurie

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Structural Stowaway

15. 09. - 10. 12. 2023 | basis e.V. Frankfurt

Die Ausstellung Structural Stowaway präsentiert künstlerische Positionen, die sich von China ausgehend mit den Auswirkungen globaler Verflechtungen und geopolitischer Ambitionen sowohl aus historischer als auch zeitgenössischer Perspektive auseinandersetzen. Die Künstler:innen nutzen die Kraft des künstlerischen Ausdrucks, um dieses Geflecht planetarischer Netzwerke und deren mitreisenden blinden Passagiere (engl. stowaway) visuell darzustellen.

Die Künstler:innen eint, dass sie nationale und internationale Großprojekte, Waren- und Datenströme analysieren und dem Betrachter die Möglichkeit geben, diese scheinbar unsichtbaren Bewegungen selbst auf der Weltkarte nachzuvollziehen. Globale Handelsrouten von und nach Asien in den Rest der Welt sind nicht nur offen für die Migration von Menschen, Waren und Kapital, sondern fungieren immer auch als Netze für Kommunikations- und Informationsströme. Diese sind mit Geschichten und Mythen verflochten, welche menschliche Erfahrung und lokale Erklärungen zu globalen Phänomenen verkörpern. Eine dieser Mythen, die sich auf die Reise begeben, ist die faszinierende Geschichte der Piratin Zheng Yisao, welche die Meere des Perlflussdeltas beherrschte. Von den Legenden um ihre Schätze, welche die Piratin von den britischen Eroberern raubte, und der Landschaft der Region als Poesie, erzählt der Sirenengesang der Arbeit von Xiaoshi Qin. Ein weiterer Mythos, der in der Ausstellung neu erzählt wird, handelt von einer diplomatischen Liebesgeschichte im Kalten Krieg. Sie zeigt uns eindringlich, wie politische Spannungen und Grenzen auch das persönliche Leben beeinflussen können. Hu Weis Arbeit Affairs zeigt auf, wie unsere menschlichen Beziehungen geprägt sind von den politischen Kontexten, in denen wir uns befinden.

Musquiqui Chihyings Arbeiten untersuchen historisch durch den kolonialen Handel geprägte Orte und stellen in einem Zeitalter, das durch Chinas globale Expansion geprägt ist, neue Fragen. Die Arbeit The Culture Center
zeigt eine Sammlung von Währungen und ihren Weg zwischen Asien und Afrika. Diese Sammlung wird durch Münzen ergänzt, welche der Künstler mit Kulturinstitutionen Afrikas gestaltet hat, die mit Geldern aus China finanziert wurden. Dieser Dialog zwischen Geldflüssen und deren Einfluss auf unser Leben, unsere Erfahrungen wird durch die Arbeit The Currency, eine Zusammenarbeit Musquiqui Chihyings mit Gregor Kasper und dem Musiker Elom 20ce, erweitert. Die Arbeit des Kollektivs besingt die Macht, welche Währung in Gesellschaften in Asien, Afrika und Europa spielt.

Durch die vielfältigen künstlerischen Positionen der Ausstellung entsteht ein fesselndes Spannungsverhältnis zwischen makroökonomischen Bewegungen und mikroökonomischen Entwicklungen sowie ihren gegenseitigen Abhängigkeiten. In unserer heutigen Zeit, in der geopolitische Ambitionen stets vor dem Hintergrund einer postkolonialen Debatte betrachtet werden müssen, spielen Informationsnetzwerke eine zentrale Rolle. Diese Netzwerke dienen nicht nur als Quelle des Wissens und des Austauschs, sondern können auch Machtstrukturen und Abhängigkeiten formen. Ein Schwerpunkt von Geocinemas Arbeit liegt auf den neuen Kabeln, Satelliten und digitalen Infrastrukturen, die ganze Landschaften modellieren, um eine präzisere Darstellung planetarer Verschiebungen und Erdbeben zu ermöglichen.

Vom Planetaren zum Lokalen bringen uns die Arbeiten der Fotografin Peng Ke. Wie können wir die Landschaft aus einer globalen Perspektive betrachten, die ihren Kern immer im Lokalen hat? Ihre Arbeiten kontrastieren die einheitliche Architekturästhetik der sogenannten Moderne mit lokalen urbanen Praktiken im öffentlichen Raum Shanghais. Kontrastierend stellt sie “kitschige” Delfine glatten, geraden, strengen Bauten aus Glas und Beton gegenüber. Ihre Fotografien schlagen wiederum die Brücke zu dem Export chinesischer urbaner Infrastruktur und Bauprojekte, welche in vielen schnell wachsenden Metropolen der Welt wiederzufinden sind.

Die Ausstellung Structural Stowaway gewährt uns einen Einblick in die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit unserer globalisierten Welt. In einer Zeit, in der Bewegungen und Barrieren die Schlagzeilen beherrschen, lädt uns die Ausstellung dazu ein, über die Komplexität unserer Welt nachzudenken. Sie verdeutlicht, wie Geschichte, Legenden und Mythen unsere Gegenwart durchdringen. Zugleich zeigt sie auf, wie Informationsnetzwerke und globale Strukturen unsere Welt formen.

Kuratiert von Antonie Angerer und Anna-Viktoria Eschbach.

Künstler:innen der Ausstellung:
Musquiqui Chihying, Elom 20ce und Gregor Kasper, Geocinema (Asia Bazdyrieva, Solveig Qu Suess), Peng Ke, Xiaoshi Qin und Hu Wei

basis e.V.
Gutleutstraße 8–12
60 329 Frankfurt
www.basis-frankfurt.de

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