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Passages

14.03. - 17.05.2026 | Kunsthalle Friart Fribourg

Eingabedatum: 11.03.2026

Werkabbildung
Nat Faulkner, Natural Exposure, 2023
Passages ist eine Ausstellung über die Veränderlichkeit von Materie und Form. Während sich Fragen zu Form häufig darauf beziehen, wie Material geformt oder in eine Form gebracht wird, widmet sich die Ausstellung zugleich der existentiellen Dimension, die einem erweiterten Formbegriff innewohnt. Der Moment, in dem etwas Gestalt annimmt, ist oft zugleich der Moment, in dem eine Existenz bzw. Präsenz angedeutet wird, während umgekehrt die Auflösung oder Aufhebung einer Form häufig mit einem Verschwinden, Verlust oder gar einer Zerstörung einhergeht. In der Ausstellung wechseln sich Momente der Formwerdung und der Formauflösung ab; es werden Werke gezeigt, die sich weder als vollständig «stabile Form» noch als formlos fassen lassen, sondern in einem Zustand des Dazwischen existieren.

Sie schaffen Form und deuten gleichzeitig die Möglichkeit ihrer Auflösung an, als würden sie eine grundlegende Instabilität spiegeln. Auch wenn in der Ausstellung Objekte zu sehen sind, liegt der Fokus weniger auf einer festen Gestalt als auf einer Verschiebung und dem Potential einer Transformation. Materie wird als ein Ort der Wandlung betrachtet, einschliesslich körperlicher und psychischer «Materie». Im Zentrum stehen Werke, die von einer Zustandsveränderung handeln – von einem Material in ein anderes, von einer Zeitlichkeit in eine andere, von einer Erscheinungsform in eine andere. Manchmal sind es anarchische und zersetzende Kräfte, die diese Transformation bewirken, und manchmal auch nur die vergehende Zeit und mit ihr eine Art von «Verwitterung» und Vergänglichkeit.

Diese Auseinandersetzung mit Form und ihrer Aufhebung teilt etwas von dem, was bereits mit Konzepten wie Formless (Rosalind Krauss/Yve-Alain Bois) oder Plasticity (Catherine Malabou) beschrieben worden ist. An die Stelle einer Beschäftigung mit dem Transgressiven tritt hier allerdings eine Aufmerksamkeit auf subtile und nicht immer sofort wahrnehmbare Verschiebungen. Die Werke, die sich zwischen verschiedenen Existenzzuständen bewegen, verweisen auf zeitliche und materielle Formveränderungen, von denen einige auch über die zeitliche Begrenztheit der Ausstellung hinaus fortwirken. Zeit wird hier zu einer wesentlichen Kraft – nicht nur für die Verdichtung, Akkumulation und Hervorbringung einer Form, sondern auch für ihr Verblassen.

Passages vereint sowohl neu konzipierte als auch historische Werke von Künstler*innen unterschiedlicher Generationen, die Form als etwas potentiell Unabgeschlossenes und Prozesshaftes verstehen. Als Ganzes betrachtet folgt die Ausstellung einer pulsierenden Bewegung – sie widmet sich Dingen in einem Zustand der Transformation und vermittelt damit selbst zwischen Konkretem und Abstraktem sowie zwischen Formen, die vielleicht «noch nicht» oder «nicht mehr» sind.

Kuratiert von Kathrin Bentele

14.03. - 17.05.2026

Kunsthalle Friart Fribourg

Petites-Rames 22, 1701 Fribourg

https://friart.ch/de

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Ausstellung reiht sich konzeptuell in die Tradition der prozesshaften und postminimalistischen Kunst ein, die seit den späten 1960er Jahren den starren Werkbegriff der klassischen Moderne dekonstruiert. Durch den Verweis auf das Konzept des „Formless“ (L'Informe) von Rosalind Krauss und Yve-Alain Bois sowie Catherine Malabous „Plasticity“ verortet sich die Schau in einem Diskurs, der Materie als dynamisch, instabil und im steten Wandel begriffen versteht. Da konkrete Künstlernamen im Text ungenannt bleiben, rückt die generationenübergreifende Methodik in den Fokus: Die Akteure nutzen ephemere Materialien, chemische oder physikalische Zersetzungsprozesse und die unsichtbare Kraft der Zeit als aktive bildhauerische Techniken. Anstelle transgressiver Zerstörung dominiert dabei eine subtile Ästhetik der Transformation. Damit schlägt die Ausstellung eine Brücke von der historischen Anti-Form-Bewegung zu aktuellen neomaterialistischen Strömungen, in denen physische wie psychische Materie nicht als passiver Träger, sondern als eigenständiger, vergänglicher Akteur auftritt.
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