Eine Stadt als Atelier
22.05. - 19.07.2026 | Kölnischer Kunstverein, Köln
Eingabedatum: 22.05.2026

Mit Beiträgen von / Featuring contributions by Michael Van den Abeele, Chantal Akerman, Danai Anesiadou, Ethan Assouline, Sammy Baloji, Marianne Berenhaut, Kasper Bosmans, Jef Cornelis, Jos de Gruyter & Harald Thys, Laurent Dupont, Jana Euler, Arnaud Eubelen, Collectif Faire-Part, Béla Feldberg, Mona Filleul, Gust Duchateau, Felix Kindermann, Aglaia Konrad, Stéphane Mandelbaum, Céline Mathieu, Hana Miletić, Shaun Motsi, Willem Oorebeek, Jurgen Ots, Marina Pinsky, Sophie Podolski, Emile Rubino, Chéri Samba, Michaela Schweighofer, Beat Streuli, Walter Swennen, Angharad Williams.
Brüssel ist keine Stadt reibungsloser Abläufe. Gerade in ihrer Unvollkommenheit, ihren Improvisationen und Prothesen entfaltet die Stadt eine eigensinnige, fast schon wahnsinnige Energie. Neben ihrer Dysfunktionalität prägen die allgegenwärtige Aneignung und Umdeutung von Geschichte, Räumen und Dingen das städtische Gewebe. Die Durchlässigkeit von Stadtleben und künstlerischem Arbeiten gestaltet sich in Brüssel ungewöhnlich direkt. Was auf der Straße vorgefunden wird, findet seinen Weg ins Werk. Schon der Name Brüssel, Altniederländisch für „Heim im Sumpf“, verweist auf einen weichen, gärenden Untergrund, aus dem stetig Neues hervordringt.
Wer in Brüssel wohnt, wird mit Bricolage konfrontiert: Mit Klebeband umwickelte Karosserien, provisorisch gesicherte Gebäude, wunderliche Schaufenster. Das Notdürftige hinterlässt Narben im Stadtkörper, die wiederum eine eigene Form der Beständigkeit erzeugen. Ad-hoc-Gefüge etablieren sich, sobald Zuständigkeiten ausfransen: Brüssel besteht aus neunzehn Gemeinden, ebenso vielen Bürgermeister:innen, einem Geflecht aus regionalen und nationalen Zuständigkeiten, historischen Konfliktlinien und monarchischer Repräsentation. Dem fragilen strukturellen Zusammenhalt der Stadt treten die Schwergewichte EU und NATO gegenüber. Seit den 1950er Jahren entsteht im Europaviertel jene urbane Neugestaltung, für die der Begriff der „Brüsselisierung“ geprägt wurde. Ein Wort, das heute überall dort auftaucht, wo Geschichte unter dem Druck neuer Zweckmäßigkeiten verschwindet.
Brüssel ist keine Stadt reibungsloser Abläufe. Gerade in ihrer Unvollkommenheit, ihren Improvisationen und Prothesen entfaltet die Stadt eine eigensinnige, fast schon wahnsinnige Energie. Neben ihrer Dysfunktionalität prägen die allgegenwärtige Aneignung und Umdeutung von Geschichte, Räumen und Dingen das städtische Gewebe. Die Durchlässigkeit von Stadtleben und künstlerischem Arbeiten gestaltet sich in Brüssel ungewöhnlich direkt. Was auf der Straße vorgefunden wird, findet seinen Weg ins Werk. Schon der Name Brüssel, Altniederländisch für „Heim im Sumpf“, verweist auf einen weichen, gärenden Untergrund, aus dem stetig Neues hervordringt.
Wer in Brüssel wohnt, wird mit Bricolage konfrontiert: Mit Klebeband umwickelte Karosserien, provisorisch gesicherte Gebäude, wunderliche Schaufenster. Das Notdürftige hinterlässt Narben im Stadtkörper, die wiederum eine eigene Form der Beständigkeit erzeugen. Ad-hoc-Gefüge etablieren sich, sobald Zuständigkeiten ausfransen: Brüssel besteht aus neunzehn Gemeinden, ebenso vielen Bürgermeister:innen, einem Geflecht aus regionalen und nationalen Zuständigkeiten, historischen Konfliktlinien und monarchischer Repräsentation. Dem fragilen strukturellen Zusammenhalt der Stadt treten die Schwergewichte EU und NATO gegenüber. Seit den 1950er Jahren entsteht im Europaviertel jene urbane Neugestaltung, für die der Begriff der „Brüsselisierung“ geprägt wurde. Ein Wort, das heute überall dort auftaucht, wo Geschichte unter dem Druck neuer Zweckmäßigkeiten verschwindet.
22.05. - 19.07.2026
Kölnischer Kunstverein
Hahnenstraße 6, 50667 Köln
Presse
Kontext
Einordnung:Die Ausstellung verortet sich an der Schnittstelle von psychogeografischer Stadtforschung, Post-Konzeptionalismus und postkolonialem Diskurs. Durch die explizite Bezugnahme auf die *Bricolage* und das *Objet trouvé* knüpft das Konzept an Traditionen der Arte Povera und der Situationistischen Internationale an: Die materielle Dysfunktionalität und das Provisorische des urbanen Raums werden hier nicht als Mangel, sondern als formgebende, ästhetische Ressource verstanden. Während Positionen wie die von Chantal Akerman oder Aglaia Konrad den städtischen Raum strukturell, filmisch und architektonisch vermessen, erweitern Künstler wie Sammy Baloji und Chéri Samba das Gefüge um die unerlässliche Dimension der belgischen Kolonialgeschichte. Die phänomenologische Beobachtung der „Brüsselisierung“ dient den Kunstschaffenden als Ausgangspunkt einer breiteren Reflexion über den Konflikt zwischen organisch gewachsenem Gedächtnis und hegemonialer, spätkapitalistischer Zweckmäßigkeit (EU/NATO). Indem die Grenze zwischen Straße und Atelier aufgelöst wird, übersetzt die Ausstellung den städtischen Verfall und die urbane Improvisation in eine vitale, subversive Kunstpraxis.










