Steffani Jemison. Augur
27.06. - 20.09.2026 | Westfälischer Kunstverein, Münster
Eingabedatum: 27.06.2026

Ein Sprung – und die Leere. Ein Augur stellt sich die Zukunft vor und findet Inspiration in den unvorhersehbaren Gesten des Fliegens. In Steffani Jemisons raumgreifender Ausstellung verbinden sich Zustände des Aushaltens und Entkommens zu einer dichten Installation aus Klang, Skulptur, Zeichnung und Video.
Die Idee, sich unter Bedingungen der Einschränkung zu bewegen, prägt die Praxis der Künstlerin Steffani Jemison maßgeblich. „Fugitivity“ (Dt.: Flüchtigkeit/Entzug) [1] ist ein wiederkehrendes Anliegen in ihrer visuellen und textuellen Arbeit, in der Flucht nicht als physisches Entkommen erscheint, sondern als ein sich verändernder Zustand von Sprache, Körper und Denken. „[W]as es bedeutet zu fliehen und was es bedeutet zu bleiben, is untrennbar damit verbunden, was es bedeutet zu kämpfen.“ [2] Ausgangspunkt für ihre Einzelausstellung in Münster ist die „Sprache der Vögel“ (Engl. language of the birds) – ein Konzept, das sich in spirituellen, mystischen und literarischen Traditionen wiederfindet und eine göttliche und vollkommene Sprache beschreibt, die nur Eingeweihten zugänglich ist. Was als symbolische Figur beginnt, entfaltet sich nach und nach als Methode – eine Art des Lauschens auf Bedeutungen und Gesten, die flüchtig bleiben.
Der Titel der Ausstellung verweist beispielsweise auf die antike Praxis, Bedeutungen aus den Rufen und Flugbahnen von Vögeln zu deuten – Formen der Interpretation, die auf Opazität (Undurchsichtigkeit) und Zeichen beruhen, die sich der (menschlichen) Lesbarkeit entziehen. In Resonanz mit Steven Felds Forschungen zu Vogelgesang, Stimme und Ritual hinterfragt die Künstlerin Klang als eine Form des Wissens und des Bewohnens der Welt. Vogelrufe erscheinen dabei nicht einfach als natürliche Signale, sondern als akustische Formen, die menschliche Stimmen widerspiegeln. [3]
Diese Aufmerksamkeit für Kommunikations- und Bewegungsmuster ist eng mit der Auseinandersetzung der Künstlerin mit defensiver Architektur (Engl.: hostile architecture) verknüpft. Durch die Umkehrung von Abschreckungs- und Kontrollmechanismen – wie Vogelabwehrspikes oder vogelvertreibenden Vorrichtungen – deutet ihre Arbeit Instrumente des Ausschlusses zu Werkzeugen der Navigation um. Das, was als Last getragen und empfunden wird, löst sich nicht auf, darf aber vielleicht Raum anders bewohnen und nutzen. Als choreografische Struktur konzipiert, spiegelt die Ausstellung diese Dynamik wider und schlägt eine räumliche Anordnung vor, die Mobilität gleichermaßen einschränkt wie einfordert.
Augur ist Steffani Jemisons erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Sie wird von einem umfassenden öffentlichen Veranstaltungsprogramm mit Workshops, Lesungen und Screenings begleitet. Die Ausstellung markiert das zweite Projekt im Rahmen des einjährigen Forschungs-, Ausstellungs- und Diskursprogramms des Westfälischen Kunstvereins mit dem Titel The Puzzle’s Pulled Apart.
Die Idee, sich unter Bedingungen der Einschränkung zu bewegen, prägt die Praxis der Künstlerin Steffani Jemison maßgeblich. „Fugitivity“ (Dt.: Flüchtigkeit/Entzug) [1] ist ein wiederkehrendes Anliegen in ihrer visuellen und textuellen Arbeit, in der Flucht nicht als physisches Entkommen erscheint, sondern als ein sich verändernder Zustand von Sprache, Körper und Denken. „[W]as es bedeutet zu fliehen und was es bedeutet zu bleiben, is untrennbar damit verbunden, was es bedeutet zu kämpfen.“ [2] Ausgangspunkt für ihre Einzelausstellung in Münster ist die „Sprache der Vögel“ (Engl. language of the birds) – ein Konzept, das sich in spirituellen, mystischen und literarischen Traditionen wiederfindet und eine göttliche und vollkommene Sprache beschreibt, die nur Eingeweihten zugänglich ist. Was als symbolische Figur beginnt, entfaltet sich nach und nach als Methode – eine Art des Lauschens auf Bedeutungen und Gesten, die flüchtig bleiben.
Der Titel der Ausstellung verweist beispielsweise auf die antike Praxis, Bedeutungen aus den Rufen und Flugbahnen von Vögeln zu deuten – Formen der Interpretation, die auf Opazität (Undurchsichtigkeit) und Zeichen beruhen, die sich der (menschlichen) Lesbarkeit entziehen. In Resonanz mit Steven Felds Forschungen zu Vogelgesang, Stimme und Ritual hinterfragt die Künstlerin Klang als eine Form des Wissens und des Bewohnens der Welt. Vogelrufe erscheinen dabei nicht einfach als natürliche Signale, sondern als akustische Formen, die menschliche Stimmen widerspiegeln. [3]
Diese Aufmerksamkeit für Kommunikations- und Bewegungsmuster ist eng mit der Auseinandersetzung der Künstlerin mit defensiver Architektur (Engl.: hostile architecture) verknüpft. Durch die Umkehrung von Abschreckungs- und Kontrollmechanismen – wie Vogelabwehrspikes oder vogelvertreibenden Vorrichtungen – deutet ihre Arbeit Instrumente des Ausschlusses zu Werkzeugen der Navigation um. Das, was als Last getragen und empfunden wird, löst sich nicht auf, darf aber vielleicht Raum anders bewohnen und nutzen. Als choreografische Struktur konzipiert, spiegelt die Ausstellung diese Dynamik wider und schlägt eine räumliche Anordnung vor, die Mobilität gleichermaßen einschränkt wie einfordert.
Augur ist Steffani Jemisons erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland. Sie wird von einem umfassenden öffentlichen Veranstaltungsprogramm mit Workshops, Lesungen und Screenings begleitet. Die Ausstellung markiert das zweite Projekt im Rahmen des einjährigen Forschungs-, Ausstellungs- und Diskursprogramms des Westfälischen Kunstvereins mit dem Titel The Puzzle’s Pulled Apart.
27.06. - 20.09.2026
Westfälischer Kunstverein
Rothenburg 30, 48143 Münster
Presse
Kontext
Einordnung:Steffani Jemisons raumgreifende, multimediale Praxis – die Klang, Skulptur, Zeichnung und Video vereint – verortet sich an der Schnittstelle von Konzeptkunst, Raumsoziologie und postkolonialem Diskurs. Mit dem zentralen Motiv der „Fugitivity“ (Flüchtigkeit) und der bewussten Nutzung von „Opazität“ knüpft die Künstlerin an kritische Theorietraditionen an, die den Entzug aus einer hegemonialen Lesbarkeit als subversiven, emanzipatorischen Akt begreifen. Jemisons Aneignung defensiver Architektur, wie etwa der Umdeutung von Vogelabwehrspikes, transformiert Instrumente räumlicher und biopolitischer Kontrolle in choreografische Werkzeuge der Navigation. Zugleich erweitert sie durch die Einbindung von Klang als Erkenntnisform und dem mystischen Motiv der „Sprache der Vögel“ die konzeptuelle Formensprache um alternative, nicht-westliche epistemologische Dimensionen. Kunsthistorisch reiht sie sich damit in eine aktuelle zeitgenössische Strömung ein, die das Erbe der Institutionskritik und des Minimalismus mit dekolonialen, körperbasierten und architekturkritischen Fragestellungen auflädt.





