Catherine Christer Hennix. Cosmological Critique
10.07. - 15.11.2026 | Badischer Kunstverein, Karlsruhe
Eingabedatum: 10.07.2026

Die Ausstellung Cosmological Critique widmet sich dem komplexen Werk von Catherine Christer Hennix (1948, Stockholm – 2023, Istanbul), die in ihrer Praxis über fünf Jahrzehnte Musik, Mathematik, Sprache und Spiritualität zu einem einzigartigen Denkraum verdichtete. Hennix verstand ihre Arbeiten als „semiotische Objekte“ – Zeichen, Diagramme, Texte sowie Klang- und Lichtkompositionen –, durch die sie Wahrnehmung und bedeutungsbildende Prozesse zu erforschen und transformieren suchte.
Ausgehend von den experimentellen Musikszenen Stockholms und New Yorks entwickelte Hennix ab den späten 1960er Jahren einen Ansatz, der sich zwischen minimalistischer Komposition, mathematischer Forschung und metaphysischer Spekulation bewegt. Prägend für ihre Entwicklung waren Begegnungen mit La Monte Young, Marian Zazeela und Pandit Pran Nath, deren Ideen ihr Verständnis von Zeit, Klang und Kontinuität nachhaltig beeinflussten. Parallel dazu beschäftigte sie sich intensiv mit den philosophischen, logischen und linguistischen Grundlagen der Mathematik und war u. a. Gastprofessorin am ersten Labor für künstliche Intelligenz am MIT.
Cosmological Critique ist die bislang umfangreichste Präsentation der Künstlerin und spannt einen Bogen von frühen grafischen Notationen über immersive Installationen bis hin zu abstrakten Nō-Dramen, Malerei und Skulptur sowie zu Fragen transfeministischer Ästhetik und Politik. Wiederkehrende Ansätze aus Mathematik oder Psychoanalyse fungieren hier weniger als Referenzen, sondern strukturieren die Werke selbst. Diese lassen sich als Manifestationen eines radikalen konzeptuellen und kritischen Projekts lesen, in dem poetische, mathematische, musikalische und künstlerische Erkenntnisformen untrennbar miteinander verwoben sind und sich westliche Denkkategorien und mediale Ordnungen in kosmischer Perspektive auflösen.
Kuratiert von Anja Casser, Lawrence Kumpf und Moritz Nebenführ
Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Malmö Konsthall, The Etymon Foundation (New York) und Empty Gallery (Hongkong) sowie Marcus Pal als künstlerischem Berater.
Catherine Christer Hennix lernte früh, Jazz-Schlagzeug zu spielen, und war bereits in jungen Jahren Mitglied des Elektronmusikstudios in Stockholm, wo sie Computer- und elektronische Musik komponierte. 1976 stellte sie im Moderna Museet unter dem Titel Toposes and Adjoints Stahlskulpturen, Sinuswellen, Malerei, Projektionen und Texte aus und präsentierte dort zuvor ihre musikalischen Kompositionen im Rahmen von Brouwer’s Lattice, einem zehntägigen Festival für Neue Musik, das sie gemeinsam mit dem schwedischen Kurator Ulf Linde organisierte. Von 1978 bis 1979 unterrichtete Hennix Mathematik und Informatik an der State University of New York at New Paltz und verblieb im Bundesstaat New York für den Großteil der anschließenden Dekade, bis sie dann in die Niederlande übersiedelte. Parallel dazu stellte sie ihre Arbeiten weiterhin in Gruppenausstellungen in Europa und den USA aus. Im Jahr 2000 erhielt Hennix den Centenary Prize Fellow Award des Clay Mathematics Institute für ihre Zusammenarbeit mit dem russisch-amerikanischen Dissidenten, Dichter und Mathematiker Alexander Esenin-Volpin. Um 2003 wandte sie sich erneut der Computermusik zu und begann wenige Jahre später, nach langer Pause wieder ein eigenes Ensemble zu leiten. 2018 eröffnete sie die AusstellungenCatherine Christer Hennix: Traversée du Fantasme am Stedelijk Museum Amsterdam und Thresholds of Perception in der Empty Gallery in Hong Kong. Hennix’ Nachlass wird heute von The Etymon Foundation betreut, einer Unterorganisation von Blank Forms, New York, die zuletzt sowohl die Veröffentlichung von Tonaufnahmen aus dem Archiv der Künstlerin als auch die Herausgabe der zweibändigen Sammlung ihrer Schriften Poësy Matters and Other Matters verantwortete.
Ausgehend von den experimentellen Musikszenen Stockholms und New Yorks entwickelte Hennix ab den späten 1960er Jahren einen Ansatz, der sich zwischen minimalistischer Komposition, mathematischer Forschung und metaphysischer Spekulation bewegt. Prägend für ihre Entwicklung waren Begegnungen mit La Monte Young, Marian Zazeela und Pandit Pran Nath, deren Ideen ihr Verständnis von Zeit, Klang und Kontinuität nachhaltig beeinflussten. Parallel dazu beschäftigte sie sich intensiv mit den philosophischen, logischen und linguistischen Grundlagen der Mathematik und war u. a. Gastprofessorin am ersten Labor für künstliche Intelligenz am MIT.
Cosmological Critique ist die bislang umfangreichste Präsentation der Künstlerin und spannt einen Bogen von frühen grafischen Notationen über immersive Installationen bis hin zu abstrakten Nō-Dramen, Malerei und Skulptur sowie zu Fragen transfeministischer Ästhetik und Politik. Wiederkehrende Ansätze aus Mathematik oder Psychoanalyse fungieren hier weniger als Referenzen, sondern strukturieren die Werke selbst. Diese lassen sich als Manifestationen eines radikalen konzeptuellen und kritischen Projekts lesen, in dem poetische, mathematische, musikalische und künstlerische Erkenntnisformen untrennbar miteinander verwoben sind und sich westliche Denkkategorien und mediale Ordnungen in kosmischer Perspektive auflösen.
Kuratiert von Anja Casser, Lawrence Kumpf und Moritz Nebenführ
Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Malmö Konsthall, The Etymon Foundation (New York) und Empty Gallery (Hongkong) sowie Marcus Pal als künstlerischem Berater.
Catherine Christer Hennix lernte früh, Jazz-Schlagzeug zu spielen, und war bereits in jungen Jahren Mitglied des Elektronmusikstudios in Stockholm, wo sie Computer- und elektronische Musik komponierte. 1976 stellte sie im Moderna Museet unter dem Titel Toposes and Adjoints Stahlskulpturen, Sinuswellen, Malerei, Projektionen und Texte aus und präsentierte dort zuvor ihre musikalischen Kompositionen im Rahmen von Brouwer’s Lattice, einem zehntägigen Festival für Neue Musik, das sie gemeinsam mit dem schwedischen Kurator Ulf Linde organisierte. Von 1978 bis 1979 unterrichtete Hennix Mathematik und Informatik an der State University of New York at New Paltz und verblieb im Bundesstaat New York für den Großteil der anschließenden Dekade, bis sie dann in die Niederlande übersiedelte. Parallel dazu stellte sie ihre Arbeiten weiterhin in Gruppenausstellungen in Europa und den USA aus. Im Jahr 2000 erhielt Hennix den Centenary Prize Fellow Award des Clay Mathematics Institute für ihre Zusammenarbeit mit dem russisch-amerikanischen Dissidenten, Dichter und Mathematiker Alexander Esenin-Volpin. Um 2003 wandte sie sich erneut der Computermusik zu und begann wenige Jahre später, nach langer Pause wieder ein eigenes Ensemble zu leiten. 2018 eröffnete sie die AusstellungenCatherine Christer Hennix: Traversée du Fantasme am Stedelijk Museum Amsterdam und Thresholds of Perception in der Empty Gallery in Hong Kong. Hennix’ Nachlass wird heute von The Etymon Foundation betreut, einer Unterorganisation von Blank Forms, New York, die zuletzt sowohl die Veröffentlichung von Tonaufnahmen aus dem Archiv der Künstlerin als auch die Herausgabe der zweibändigen Sammlung ihrer Schriften Poësy Matters and Other Matters verantwortete.
10.07. - 15.11.2026
Badischer Kunstverein
Waldstraße 3, 76133 Karlsruhe
Presse
Kontext
Einordnung:Catherine Christer Hennix positioniert sich an der zentralen Schnittstelle von früher Konzeptkunst, musikalischem Minimalismus und der aufkommenden Medienkunst der späten 1960er Jahre. Durch die enge konzeptionelle Verwandtschaft mit Schlüsselfiguren wie La Monte Young und Marian Zazeela lässt sich ihr Werk historisch in der Avantgarde der experimentellen Drone- und Minimal-Music verorten, erweitert diese jedoch um eine radikal grenzüberschreitende Raum- und Materialästhetik. Indem Hennix Techniken wie Computermusik, Sinuswellen, Stahlskulpturen und grafische Notationen als „semiotische Objekte“ begreift, transzendiert sie klassische Gattungsgrenzen zugunsten einer immersiven, post-medialen Praxis. Ihre einzigartige Verknüpfung von formaler Logik und früher KI-Forschung mit spirituellen Lehren (Pandit Pran Nath) und Nō-Theater markiert dabei eine Abkehr vom reinen Rationalismus der westlichen Moderne. Kunsthistorisch antizipiert dieses Amalgam aus Mathematik, Akustik und Metaphysik hochaktuelle post-kategoriale und transfeministische Diskurse, in denen dominante westliche Epistemologien dekonstruiert und in einen kosmologischen, ganzheitlichen Erfahrungsraum überführt werden.






