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Mit Borrás: NATORU ナとル

TRANSHUMAN N°1

01.03.2026 - 12.04.2026 | Kunstverein Göttingen, Göttingen

Eingabedatum: 27.02.2026

Werkabbildung
Mit Borrás HANABA 突变花 – Adaptasi Circle (still), 2022, Fotorechte bei Mit Borrás
Gehört die Erschaffung einer nahezu perfekten universellen Utopie, in der Natur, Technologie und menschliche Existenz endlich eine ausgewogene und blühende Koexistenz gefunden haben, auch zu den Leistungen aktueller Kunst? Der Kunstverein Göttingen gibt zum Auftakt des Jahres hier eine klar positive Antwort und liefert nebenbei einige stichhaltige Argumente, transhumanistische Entwicklungen nicht ausschließlich skeptisch zu betrachten.

Die erste Soloausstellung des neuen Jahres-Programms 2026 TRANSHUMAN wird von dem spanischen Künstler Mit Borrás ausgerichtet und heißt NATORU ナとル. Im konzeptuellen Zusammenspiel verschiedener Medien zeichnet der Madrilene eine bildgewaltige, immersive Vision davon, wie großartig die Zukunft sein könnte. Zugegeben, ein eher seltener Ansatz in unserer von Skepsis geprägten Zeit, aber gerade deshalb ein vielleicht befreiender Entwurf und ein guter Einstieg in das Thema transhumane Tendenzen.

Mit starker Ausrichtung zu neuen Technologien wie Computer–Renderings und digitalen Filtern, 3D–Print, animierten Videos und Drohnen-Kameraflügen in seinen Ausdrucksmedien arbeitet Mit Borrás seit Jahren systematisch an aufwendigen Videoproduktionen, immer passend fusioniert mit immersiven Raum-Settings in einem markanten Design von hohem Wiedererkennungswert. Für diese aufwendigen Arbeiten betreibt er in Madrid die Produktionsfirma CAVVE zusammen mit seiner Art–Direktorin und Partnerin Rachel Lamot. Als kongeniales Duo unterhalten sie sehr fruchtbare Verbindungen in die Performance– und Videokunst–Szene, aber auch zu nahen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Philosophie, den Bio-Wissenschaften oder der Kybernetik.

Der Künstler ist stark inspiriert von den poststrukturellen Dispositiven des Cyberfeminismus, Post–Naturalismus und Transhumanismus, was seinen Blick für die Möglichkeiten von Technologie und Arten–Hybridität öffnet. Parallel dazu verortet er sich selbst auch stark in den Traditionen der teils jahrtausendealten Naturkonzeptionen des Animismus, Schamanismus, Spiritualismus und Mystizismus, was seiner tiefen Verbundenheit zu Natur erwächst und diese weiter nährt. Maßgeblich beeinflusst von den Theorien Donna Haraways, Bruno Latours, Mark Fischers und Gilles Deleuzes, folgt Mit Borrás einem zyklischen, fluiden, postpatriarchalen und ökologischen Weltbild, was sich auch stark in seinen Werken niederschlägt. Diese sind meist gekennzeichnet durch eine verführend wirksame und teils meditative Fusion von Technik, Natur und Mensch, welche alle seine jüngeren Arbeiten seit 2017 ausmacht.

01.03.2026 - 12.04.2026

Kunstverein Göttingen

Gotmarstraße 1, 37073 Göttingen

https://www.kunstvereingoettingen.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Mit Borrás’ Werk bündelt zeitgenössische Tendenzen der digitalen Medienkunst, indem er Hochtechnologien wie 3D-Druck und computergenerierte Bildwelten mit immersiven Rauminstallationen fusioniert. Seine Ästhetik steht im Spannungsfeld zwischen poststrukturalistischen Theorien – etwa Donna Haraways „Cyborg“-Manifest oder Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie – und einem Rückgriff auf archaische Konzepte wie Animismus und Schamanismus. In bewusster Abgrenzung zu gängigen dystopischen Narrativen entwirft Borrás eine transhumanistische Utopie, die die binäre Trennung von Biologie und Technik auflöst. Diese hybride Formsprache lässt sich kunsthistorisch als konsequente Weiterentwicklung des Post-Naturalismus begreifen, der ökologische Fragestellungen in einer zyklischen, postpatriarchalen Vision neu verortet. So transformiert er die kühle Präzision digitaler Ästhetik in ein meditatives Gesamtkunstwerk, das die Versöhnung von Mensch, Natur und Maschine im 21. Jahrhundert postuliert.
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