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Dora Budor. My energy comes from freedom

27.06. - 06.09.2026 | Bonner Kunstverein

Eingabedatum: 28.06.2026

Werkabbildung
Abb.: Courtesy Bonner Kunstverein
Dora Budors Ausstellung begreift Dissoziation als ihren Wahrnehmungsmodus, in dem der Verlust des Bodens unter den Füßen zu einer sich aufstauenden, formgebenden Kraft wird. Im Bonner Kunstverein setzt sich Budor mit dem Mitte der 1980er-Jahre von Haus-Rucker-Co realisierten Umbau der ehemaligen Blumenhalle zu einem Ort für zeitgenössische Kunst auseinander — einer architektonischen Setzung innerhalb eines von kultureller Ambition und immobilienwirtschaftlichen Interessen geprägten historischen Kontextes. Anstatt die Halle als singulären Raum zu bespielen, bewegt sie sich durch die gesamte Architektur und bezieht ihre Formen aus den psychosozialen Energien des gesellschaftlichen und ökonomischen Lebens. Skulptur, Video, Sound, Installation und Werke anderer Künstler*innen greifen strategisch in ein vermeintlich neutrales und nicht-hierarchisches Ausstellungssystem ein und befragen zugleich das Konzept von Freiheit, das dieses System zu inszenieren versucht.

Die Ausstellung wird von einem Essay von Eleanor Ivory Weber begleitet und durch einen Auftakt aus Bewegtbildarbeiten von Camilla Wills, Eleanor Ivory Weber, Henrik Olesen und Yvo Cho strukturiert. In den Räumen installiert, die der Ausstellung vorgelagert sind oder sie umgeben, verhandeln diese Arbeiten die Grenzen und das Scheitern von Sprache, sozialen Strukturen, Moral und Wertvorstellungen.

27.06. - 06.09.2026

Bonner Kunstverein

Hochstadenring 22, 53119 Bonn

https://www.bonner-kunstverein.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Dora Budors Praxis schreibt sich tief in die Tradition der Institutionellen Kritik und der ortsspezifischen Kunst ein, indem sie den architektonischen und sozioökonomischen Rahmen des Ausstellungsraums selbst zum künstlerischen Material erklärt. Ihre Auseinandersetzung mit dem Umbau durch Haus-Rucker-Co markiert einen post-konzeptuellen Dialog zwischen den radikalen Raumentwürfen der Neo-Avantgarde und heutigen, kapitalistisch geprägten Verwertungslogiken. Durch den multimedialen Einsatz von Skulptur, Video, Sound und Installation dekonstruiert Budor den Mythos des neutralen „White Cube“ und nutzt den Zustand der Dissoziation als ästhetische Strategie, um unsichtbare psychosoziale Machtverhältnisse phänomenologisch erfahrbar zu machen. Die kuratorische Integration von Bewegtbildarbeiten anderer Künstler*innen wie Henrik Olesen oder Camilla Wills erweitert diesen Ansatz um eine diskursive Ebene, die sich im Bereich zeitgenössischer Gesellschaftskritik verorten lässt. Indem sie das Scheitern von Sprache, Moral und normativen Ordnungen verhandeln, vollzieht die Ausstellung einen Brückenschlag von der historischen Konzeptkunst zu einer aktuellen, affektiven Raumkunst, die die vermeintliche Freiheit des Kunstbetriebs als bloße strukturelle Inszenierung entlarvt.
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