Yalda Afsah. Temper
05.09. - 08.11.2026 | Kunsthaus Hamburg
Eingabedatum: 04.09.2026

Im Kunsthaus Hamburg präsentiert die Künstlerin Yalda Afsah ihren neuen Film HEAT erstmals im institutionellen Kontext. Innerhalb einer raumgreifenden Installation tritt die Arbeit in einen Dialog mit zwei weiteren Filmen aus ihrer aktuellen Werkserie, die sich mit kollektiven Ritualen und deren gesellschaftlichen Dimensionen auseinandersetzt.
Mit ihrer neuesten Reihe von Filmen untersucht die deutsch-iranische Künstlerin Yalda Afsah rituelle Praktiken als soziale und körperliche Choreografien, in denen sich universelle Fragen von Macht, Identität und Gemeinschaft verdichten. In ihrer Einzelausstellung im Kunsthaus Hamburg werden die Arbeiten JARRAMPLAS (2024), PAN(2026) und HEAT (2026) erstmals zusammen gezeigt. Entstanden aus Recherchen zu lokalen Ritualpraktiken in Spanien, Bulgarien und Taiwan, untersuchen sie, wie sich soziale Ordnungen und kollektive Erfahrungen in performativen Handlungen manifestieren.
In ihrem Film JARRAMPLAS (2024) verfolgt Yalda Afsah einen Brauch, der jährlich im spanischen Ort Piornal zelebriert wird. Zu sehen sind junge Männer, die mit großer körperlicher Intensität Rüben auf ein im Film zunächst unsichtbares Ziel werfen. Gegen wen oder was sich diese kollektive Aggression richtet, bleibt bewusst offen. Die Künstlerin arbeitet mit gezielter Zurückhaltung kontextueller Informationen und verschiebt den Fokus vom konkreten Ereignis auf die Dynamik der Gruppe. Ihre präzise Beobachtung dieses sich entfaltenden Spektakels – gleichermaßen bedrohlich wie theatralisch – bezieht das Publikum in eine Reflexion über die Rolle des Zuschauens ein.
PAN (2026) widmet sich der Paneurythmie, einem spirituellen Tanzritual, für das jeden Sommer tausende Menschen im bulgarischen Rila-Gebirge zusammenkommen. In einer atmosphärisch verdichteten Komposition entfaltet Yalda Afsah mithilfe einer kreisenden Kamera und visueller Überlagerungen eine vielschichtige Choreografie vereinter Bewegung. Die Bilder oszillieren zwischen stiller Meditation und kollektiver Ektase und untersuchen das Verhältnis von Spiritualität, Körperdisziplin und Gemeinschaftsbildung. Wie in früheren Arbeiten thematisiert Yalda Afsah dabei auch die Abhängigkeit des Menschen von der Natur und seine gleichzeitige Entfremdung von ihr.
HEAT (2026) führte die Künstlerin erstmals nach Asien und ist ihr bislang ambitioniertestes Projekt. Sie begleitete dort eine Feuerwerkszeremonie, die als eine der gefährlichsten der Welt gilt: das taiwanesische Bombing of Master Handan Festival. Während der Feierlichkeiten bewegen sich Menschenmassen in Schutzmontur durch die Nacht, umgeben von einer Kakophonie explodierender Feuerwerkskörper. In dieser körperlich fordernden Parade, die Glaubensvergewisserung, Mutprobe und spirituelle Reinigung in sich vereint, verschmelzen Licht, Klang und Bewegung zu einer komplexen Dramaturgie. Vertrauen und Angst, Widerstand und Hingabe scheinen fließend ineinander überzugehen. Der Brauch lässt sich auf das Ende der Choleraepidemie im 19. Jahrhundert zurückführen, als die Bewohner*innen von Taitung die ganze Nacht Feuerwerkskörper zündeten, woraufhin die Seuche abebbte. In ihrer Darstellung konzentriert sich Yalda Afsah auf die visuelle Eindrücklichkeit des Geschehens und reflektiert dabei die kollektive Bereitschaft, sich und andere zu gefährden, sowie die Normalisierung von Gewalt innerhalb ritualisierter Praktiken. Es entsteht der Eindruck, als würden die prägnanten, bisweilen hypnotischen Bilder die Energie der wogenden Massen aufnehmen. Die Szenen werden von einer dichten Klanglandschaft getragen, die intime Momente im Lärm der Menge hervortreten lässt.
Die Ausstellung macht Yalda Afsahs kontinuierliche Auseinandersetzung mit performativen sozialen Strukturen sichtbar. Sie eröffnet gleichzeitig eine präzise künstlerische Untersuchung der Funktionen von Ritualen in der Gegenwart: als zusammenhaltsfördernde und identitätsbildende Praktiken und zugleich orchestrierte Entladungen teils brutaler kollektiver Affekte.
English summary:
In the solo exhibition 'Temper' at Kunsthaus Hamburg, German-Iranian artist Yalda Afsah presents her latest body of video work, investigating ritual practices as physical and social choreographies of power, identity, and community. For the first time, the three works JARRAMPLAS (2024), PAN (2026), and HEAT (2026) are presented together in a spatial installation. Based on field research in Spain, Bulgaria, and Taiwan, the films examine how collective experiences and social structures manifest in performative acts—ranging from aggressive turnip-throwing in Spain and spiritual mass dances in the Bulgarian mountains to the hazardous Taiwanese Master Handan fireworks festival. Afsah critically captures the oscillation between solidarity, ecstatic discipline, and normalized violence within collective rituals.
Mit ihrer neuesten Reihe von Filmen untersucht die deutsch-iranische Künstlerin Yalda Afsah rituelle Praktiken als soziale und körperliche Choreografien, in denen sich universelle Fragen von Macht, Identität und Gemeinschaft verdichten. In ihrer Einzelausstellung im Kunsthaus Hamburg werden die Arbeiten JARRAMPLAS (2024), PAN(2026) und HEAT (2026) erstmals zusammen gezeigt. Entstanden aus Recherchen zu lokalen Ritualpraktiken in Spanien, Bulgarien und Taiwan, untersuchen sie, wie sich soziale Ordnungen und kollektive Erfahrungen in performativen Handlungen manifestieren.
In ihrem Film JARRAMPLAS (2024) verfolgt Yalda Afsah einen Brauch, der jährlich im spanischen Ort Piornal zelebriert wird. Zu sehen sind junge Männer, die mit großer körperlicher Intensität Rüben auf ein im Film zunächst unsichtbares Ziel werfen. Gegen wen oder was sich diese kollektive Aggression richtet, bleibt bewusst offen. Die Künstlerin arbeitet mit gezielter Zurückhaltung kontextueller Informationen und verschiebt den Fokus vom konkreten Ereignis auf die Dynamik der Gruppe. Ihre präzise Beobachtung dieses sich entfaltenden Spektakels – gleichermaßen bedrohlich wie theatralisch – bezieht das Publikum in eine Reflexion über die Rolle des Zuschauens ein.
PAN (2026) widmet sich der Paneurythmie, einem spirituellen Tanzritual, für das jeden Sommer tausende Menschen im bulgarischen Rila-Gebirge zusammenkommen. In einer atmosphärisch verdichteten Komposition entfaltet Yalda Afsah mithilfe einer kreisenden Kamera und visueller Überlagerungen eine vielschichtige Choreografie vereinter Bewegung. Die Bilder oszillieren zwischen stiller Meditation und kollektiver Ektase und untersuchen das Verhältnis von Spiritualität, Körperdisziplin und Gemeinschaftsbildung. Wie in früheren Arbeiten thematisiert Yalda Afsah dabei auch die Abhängigkeit des Menschen von der Natur und seine gleichzeitige Entfremdung von ihr.
HEAT (2026) führte die Künstlerin erstmals nach Asien und ist ihr bislang ambitioniertestes Projekt. Sie begleitete dort eine Feuerwerkszeremonie, die als eine der gefährlichsten der Welt gilt: das taiwanesische Bombing of Master Handan Festival. Während der Feierlichkeiten bewegen sich Menschenmassen in Schutzmontur durch die Nacht, umgeben von einer Kakophonie explodierender Feuerwerkskörper. In dieser körperlich fordernden Parade, die Glaubensvergewisserung, Mutprobe und spirituelle Reinigung in sich vereint, verschmelzen Licht, Klang und Bewegung zu einer komplexen Dramaturgie. Vertrauen und Angst, Widerstand und Hingabe scheinen fließend ineinander überzugehen. Der Brauch lässt sich auf das Ende der Choleraepidemie im 19. Jahrhundert zurückführen, als die Bewohner*innen von Taitung die ganze Nacht Feuerwerkskörper zündeten, woraufhin die Seuche abebbte. In ihrer Darstellung konzentriert sich Yalda Afsah auf die visuelle Eindrücklichkeit des Geschehens und reflektiert dabei die kollektive Bereitschaft, sich und andere zu gefährden, sowie die Normalisierung von Gewalt innerhalb ritualisierter Praktiken. Es entsteht der Eindruck, als würden die prägnanten, bisweilen hypnotischen Bilder die Energie der wogenden Massen aufnehmen. Die Szenen werden von einer dichten Klanglandschaft getragen, die intime Momente im Lärm der Menge hervortreten lässt.
Die Ausstellung macht Yalda Afsahs kontinuierliche Auseinandersetzung mit performativen sozialen Strukturen sichtbar. Sie eröffnet gleichzeitig eine präzise künstlerische Untersuchung der Funktionen von Ritualen in der Gegenwart: als zusammenhaltsfördernde und identitätsbildende Praktiken und zugleich orchestrierte Entladungen teils brutaler kollektiver Affekte.
English summary:
In the solo exhibition 'Temper' at Kunsthaus Hamburg, German-Iranian artist Yalda Afsah presents her latest body of video work, investigating ritual practices as physical and social choreographies of power, identity, and community. For the first time, the three works JARRAMPLAS (2024), PAN (2026), and HEAT (2026) are presented together in a spatial installation. Based on field research in Spain, Bulgaria, and Taiwan, the films examine how collective experiences and social structures manifest in performative acts—ranging from aggressive turnip-throwing in Spain and spiritual mass dances in the Bulgarian mountains to the hazardous Taiwanese Master Handan fireworks festival. Afsah critically captures the oscillation between solidarity, ecstatic discipline, and normalized violence within collective rituals.
05.09.2026 - 08.11.2026
Kunsthaus Hamburg
Klosterwall 15, 20095 Hamburg
Presse
Kontext
Einordnung:Yalda Afsahs installative Videoarbeiten verorten sich an der Schnittstelle von zeitgenössischer Medienkunst und dem *anthropological turn*, indem sie lokale Rituale als universelle soziale Choreografien analysieren. Durch formale Strategien wie die gezielte narrative Dekontextualisierung, dynamische Kameraführung und immersive Klanglandschaften transformiert Afsah dokumentarische Beobachtungen in affektive Bildräume, die das Spannungsfeld von Individuum, Masse und Disziplin verhandeln. Thematisch knüpft die Werkreihe (*JARRAMPLAS*, *PAN*, *HEAT*) an Diskurse der Ritual- und Performanztheorie an: Kollektive Bräuche fungieren hierbei als ambivalente Schauplätze der Affektregulation, die zwischen Spiritualität, Ekstase und sanktionierter Gewalt oszillieren. Die raumgreifende Inszenierung bindet die Rezipierenden zudem aktiv in die Schaulust und die Reflexion über Machtstrukturen ein und situiert Afsahs Werk im Diskurs über die Konstruktion von Identität und Gemeinschaft in der Gegenwartskunst.








