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Hans-Peter Klie. Hinterlassenschaften (Reliquien)

16.08. - 04.10.2026 | Kulturkirche Neu St. Thomä, Soest

Eingabedatum: 14.08.2026

Werkabbildung
Abb.: Courtesy Hans Peter Klie
Mit dem Projekt HINTERLASSENSCHAFTEN (Reliquien) zeigt der Konzeptkünstler Hans-Peter Klie Installationen und Fotoarbeiten. Die Installationen wurden eigens für die Räumlichkeiten konzipiert.

In der Kulturkirche werden eine multmediale, vielteilige komplexe Installation und digitale serielle Fotoarbeiten gezeigt. In der Galerie des Kunstvereins liegt der Fokus auf analoger Fotografie. 2025 wurde das Werkverzeichnis von Klies analogen Fotoarbeiten (1989 – 2002) fertiggestellt. Klie zeigt im Kunstverein ein Kompendium seiner Arbeiten aus diesen Jahren und ermöglicht einen Blick auf seine Entwicklung als einem Vertreter der Post- oder Nachmoderne.

Im Fokus der Ausstellung stehen Objekte, die zurückbleiben. Diese Hinterlassenschaften können durch ihre Umstände an Bedeutung gewinnen oder verlieren. Besonders hervorgehoben werden Reliquien – alltägliche Gegenstände oder Überreste von Heiligen, die kultisch verehrt werden.

Die Ausstellung thematisiert die Wandelbarkeit von Objekten und deren Bedeutung, sowohl in der digitalen als auch in der realen Welt. Sie hinterfragt den Glauben, dass Kunstwerke nur durch ihre materielle Existenz wertvoll sind, und betont, dass Kunstobjekte eigentlich Werkzeuge der Erkenntnisarbeit sind, die über das Materielle hinausgehen und geistige Prozesse repräsentieren.

Im Zentrum der Ausstellung steht eine Installation im Chor der Kirche Neu St. Thomä in Soest, dessen Boden aus fragmentierten Grabplatten besteht. Diese Steine erzählen Geschichten von Vergänglichkeit und Menschsein und bilden eine „moderne“ Bodenskulptur. Auf diesem Boden stehen zwölf Holztische, die verschiedene „Hinterlassenschaften“ aus Wissenschaft, Philosophie, Religion, Alltag und Magie präsentieren. Die Zahl zwölf verweist symbolisch auf die Apostel, die auf jeweils eigene Art ihre Wahrheit des Glaubens interpretierten.

Die Ausstellung verbindet historische und zeitgenössische Objekte, die zwischen magischer Bedeutung und Bedeutungslosigkeit schwanken. Sie zeigt, wie materielle Dinge als Medium für Kunst, Wissenschaft und Glauben dienen und letztlich zu Hinterlassenschaften werden, die als Symbole oder Relikte weiterwirken.

16.08. - 04.10.2026
Kulturkirche Neu St. Thomä, Soest

Klosterstr. 8, 59494 Soest

https://www.hans-peter-klie.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Hans-Peter Klies Schaffen verortet sich tief in der Tradition der postmodernen Konzeptkunst, die den Fokus vom physischen Kunstwerk auf die zugrundeliegende Idee und den kognitiven Prozess („Erkenntnisarbeit“) verschiebt. Mit seiner seriellen Fotografie – im Spannungsfeld zwischen historisch-analogem und digitalem Paradigma – sowie seinen medienübergreifenden, ortsspezifischen Rauminszenierungen reflektiert er die mediale Bedingtheit von Erinnerung. Die Erhebung von profanen Gegenständen zu „Hinterlassenschaften“ und Reliquien greift die Tradition des Readymades auf und verknüpft sie mit der kunsthistorischen Praxis der *Spurensicherung* sowie klassischen Vanitas-Motiven. Durch die bewusste Platzierung im sakralen Kontext, etwa auf fragmentierten Grabplatten, verschmelzen Institutionskritik und metaphysischer Diskurs; Klie dekonstruiert den materiellen Wert der Dinge und visualisiert eindrücklich die stetige Wandelbarkeit von Bedeutungsträgern in einer zunehmend dematerialisierten Welt.
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