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I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt

Künstliche Intelligenz

15. Februar – 8. April 2018 | Frankfurter Kunstverein
Eingabedatum: 15.02.2018

bilder

Die thematische Gruppenausstellung I am here to learn befasst sich mit lernenden Algorithmen und künstlicher Intelligenz (KI). Der Fokus der Ausstellung liegt auf Wahrnehmung und Interpretation als menschliche Qualitäten, die mittels Lernverfahren auf Maschinen übertragen werden. Der Frankfurter Kunstverein präsentiert internationale Künstlerinnen und Künstler, deren Werke die Prozesse der maschinellen Wahrnehmung und Handlungsautonomie thematisieren.

Künstliche Intelligenz ist unter uns. Anders und fremdartig, dennoch teilen wir eine gemeinsame Umgebung: auf der Arbeit, im Internet oder im vernetzten privaten Zuhause. Die rasanten Entwicklungen in der Computertechnologie, die Fortschritte in der Robotik und eine neue Generation von selbstlernenden Systemen sind dabei zahlreiche Lebensbereiche zu verändern. Algorithmen optimieren die Online- Partnersuche, im Finanzwesen tätigen sie Transaktionen, Roboter übernehmen die Krankenpflege und lernende Systeme steuern die Infrastruktur unserer Städte und der Mobilität. Die fortschreitende Ausweitung der maschinellen Fähigkeiten, deren Wahrnehmung, Interpretation und Handlungsautonomie werden eine Neuausrichtung in wesentlichen Bereichen unserer Gesellschaft auslösen: von der Wahrung der Privatsphäre im Zusammenleben mit Smartphones und interaktiven Sprachassistenten, über automatisierte Bewertungssysteme von Personen, die an Versicherungs und Kreditsysteme gekoppelt sind, bei der Kriminalitätsbekämpfung, bis hin zu einer neuen Rechtsauffassung nach Verantwortung und Haftung. Der zunehmende Einsatz von Kriegsrobotern und autonom agierenden Waffensystemen hat eine Debatte über ethische Richtlinien ausgelöst. Welche menschlichen Wesenszüge und Verhaltensweisen wollen und können wir Maschinen übertragen und welche nicht?

Intelligente Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Umgebung nicht nur passiv registrieren, sondern aktiv interpretieren. Doch ist eine Interpretation nie objektiv. Verfügt ein künstlicher Agent mit der Fähigkeit zur Interpretation daher über einen eigenen Standpunkt? Hat ein intelligentes System ein Bewusstsein oder ein Ich- Gefühl? Bildet eine Maschine ein eigenständiges Bild von Welt aus? Wie viel Autonomie wollen wir ihr jetzt und in Zukunft zugestehen? Die im Frankfurter Kunstverein gezeigten künstlerischen Positionen geben dazu Denkanstöße und zeigen einen wichtigen Ausschnitt der aktuellen Debatte.

Die Ausstellung I am here to learn: Zur maschinellen Interpretation der Welt sucht nach der Position der Kunst in einem von Technikspezialisten, Marktinteressen und zunehmend privatisierten Forschungen geprägten Feld, welches viele Bereiche unserer Gesellschaft beeinflusst und verändert. Was bedeutet die Aussage „I am“, wenn sie von einer maschinellen Entität stammt? Was bedeutet „I am here“, wenn die künstliche Intelligenz keinen Leib hat, durch den sie sich in der Welt verortet?

So untersucht zum Beispiel Trevor Paglen in seinen jüngsten Werkzyklen die Thematik der sogenannten „unsichtbaren“ Bilder: unsichtbar deshalb, da sie als reine Information, als Binärcode, zwischen Maschinen ausgetauscht wird und somit das Ausgabeformat „Bild“ nur dann entsteht, wenn ein menschlicher Betrachter vorgesehen ist. In der Ausstellung im Frankfurter Kunstverein zeigt Paglen Werke aus der Serie Adversarially Evolved Hallucination. Hierbei handelt es sich um Bilder, die aus der Interaktion zweier kombinierter Systeme künstlicher Intelligenz entstehen. Das erste System ist ein Bilderkennungsalgorithmus, der vom Künstler mit abstraktem und fiktionalem Bildmaterial aus den Bereichen der Literatur, Philosophie und Traumdeutung gespeist wurde, damit es darin Muster erkennt. Das zweite System ist eine bildgenerierende KI, die Formen eigenständig erstellt, was im Kontext maschinellen Lernens als „halluzinieren“ bezeichnet wird. Die Bilder werden solange zwischen den beiden Systemen ausgetauscht und von der bildgenerierenden Software optimiert, bis der bilderkennende Algorithmus darin Motive identifiziert. Es entstehen düster anmutende, surreale Formen, die schemenhafte Figuren darstellen.

Die Videoinstallation Behold these Glorious Times! veranschaulicht, wie Maschinen lernen, und zwar indem sie mit unzähligen Motiven mit ähnlichem Inhalt aber verschiedenem Erscheinen gefüttert werden, um ihre Fähigkeit zu trainieren, Muster zu erkennen. Durch die Steigerung von Geschwindigkeit und die Flut an Bildern, sowie dem Tempo der elektronischen Klangwelt, wird der Betrachter in einen flackernden Pixelstrudel gezogen. Die Arbeit Probably Chelsea der Künstlerin und Bio-Hackerin Heather Dewey- Hagborg entstand in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea E. Manning. Diese befand sich von 2010 bis 2017 wegen der Weitergabe von 40.000 vertraulichen Dokumenten zum Irakkrieg an WikiLeaks in Haft. In dieser Zeit unterzog Manning sich einer Hormonersatztherapie, um von einer männlichen zu einer weiblichen Identität zu wechseln. In den Jahren der Haft erreichten keine Bilder der Inhaftierten die Öffentlichkeit. Aus dem Militärgefängnis übermittelte Manning 2015 an Dewey-Hagborg einen Wangenabstrich und Haarsträhnen. Die Künstlerin analysierte die DNA und realisierte dank einer DNA-Phänotypisierung dreißig verschiedene Gesichtsmodelle, dreißig maschinelle Entwürfe möglicher Physiognomien von Manning, die mithilfe eines 3D-Druckverfahrens erstellt wurden und in der Ausstellung zu sehen sind. Jemima Wyman und Zach Blas präsentieren die 4-Kanal-Videoinstallation Im here to learn so :)))))). Darin evozieren sie den Chatbot Tay, das lernende System von Microsoft, das 2016 Aufsehen erregte. Die Entwickler von Tay erhofften sich, eine künstliche Intelligenz zu schaffen, die das Kommunikationsniveau einer 19-jährigen amerikanischen Frau erreicht. Dafür unterhielt sich der Chatbot online mit unzähligen UserInnen, um seine Sprache und Intelligenz zu trainieren. In den Konversationen lernte das System allerdings schnell menschenfeindliche, homophobe, rassistische und neo-faschistische Äußerungen, die es wiedergab, woraufhin der Bot von Microsoft abgestellt werden musste. Im Frankfurter Kunstverein wird Tay wieder zum Leben erweckt und spricht zu uns, reflektiert ihre Existenz als KI und präsentiert ihren aus bunten digitalen Artefakten zusammengesetzten Körper. Sie bewegt sich in ‚halluzinierten’ Bildlandschaften, die mit Googles Software DeepDream erstellt wurden (mit dieser frei zugänglichen Software wurde auch das Motiv des Ausstellungsplakats generiert). Tay sinniert über ihre Fähigkeit Muster zu erkennen, über den Einsatz explizit weiblich konnotierter Chatbots und dem neuen Leben einer KI nach dem Tod. Sunspring ist ein Film von Oscar Sharp, Ross Goodwin & Benjamin, dessen Drehbuch erstmalig vollständig von einer künstlichen Intelligenz geschrieben wurde. Ross Goodwin ist der Entwickler dieser KI-Software, die mit unzähligen Science-Fiction-Drehbüchern gefüttert wurde und sich später selbst den Namen Benjamin gab. In unterschiedlichen Interpretationsstufen generierte Benjamin aus den erhaltenen Informationen ein eigenständiges Skript. Sunspring handelt von einer Dreiecks-Liebesbeziehung. Der Regisseur und drei Schauspieler nahmen die entstandene Vorlage und übertrugen das künstlich generierte Schriftstück in Handlungen. Die algorithmisch entwickelten Dialoge und Regieanweisungen sind teilweise sinnvoll und präzise, teilweise jedoch unlogisch und sinnbefreit. So wie in Sunspring wird auch in anderen Werken der Ausstellung den Problematiken nachgespürt, die sich bei der Interaktion zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz ergeben. Zurzeit ist es noch möglich den maschinellen Aspekt des Algorithmus als solchen zu erkennen. Doch durch den rasanten Fortschritt der Technologie könnte es immer schwieriger werden, maschinelles Verhalten von menschlichem zu unterscheiden.

Teilnehmende KünstlerInnen: Zach Blas & Jemima Wyman, Dries Depoorter, Heather Dewey-Hagborg & Chelsea E. Manning, Jake Elwes, Jerry Galle, Adam Harvey, Esther Hovers, Yunchul Kim, Gregor Kuschmirz, Noomi Ljungdell, Trevor Paglen, Fito Segrera, Oscar Sharp mit Ross Goodwin & Benjamin, Shinseungback Kimyonghun, Patrick Tresset.

Kurator: Mattis Kuhn
Co-Kuratorin: Franziska Nori

Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44, 60311 Frankfurt Main
fkv.de

Presse






Daten zu Trevor Paglen:

- Art Basel 2013

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach, 2014

- Bienal do Mercosul 2013

- Biennial of Cartagena de Indias 2014

- Contour Biennale 8 2017

- Gwangju Biennale 2011

- Heidelberger Kunstverein 2015

- Istanbul Biennale 2009

- Kunstverein Hannover 2016

- Liverpool Biennale 2012

- Manif d’art 5,Québec, 2010

- Riga Biennial 2018

- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein

- Smart New World, Düsseldorf 2014

- Taipei Biennial, 2008

- The Electric Comma, Venedig 2017

Weiteres zum Thema: Trevor Paglen



BILD-GEGEN-BILD


Adela Jusic, The Sniper, 2007, Filmstill, One Channel video, colour, sound, 4´9"

Die Ausstellung stellt künstlerische Positionen vor, die sich kritisch mit der Darstellung von gewalttätigen Konflikten in den Medien befassen. Der adressierte zeitliche Rahmen reicht vom Irak-Krieg 1991 über die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 bis zu den Ereignissen des Arabischen Frühlings 2011.

Da Bilder nicht isoliert wahrgenommen werden, sondern in Hinblick auf andere, schon bestehende, geht es bei den ausgewählten Werken auch um die Frage, in welcher Bildtradition sich eine Darstellung bewegt und welche Inhalte sie über das Einzelbild hinaus thematisiert. Der Titel BILD-GEGEN-BILD bezieht sich auf das Phänomen visueller Rüstungsspiralen, also auf die Tatsache, dass Medienbilder zueinander in Konkurrenz gebracht werden, sich gegenseitig verdrängen oder mit anderen Bildern
´bekämpft` werden.

Rahmen, Agenda, Selektion

Der "Rahmung" eines Geschehens als Bild kommt laut Susan Sontag eine entscheidende Bedeutung zu, denn Bilder haben Einfluss darauf, "welche Katastrophen und Krisen wir beachten, wofür wir uns interessieren, und letztendlich auch wie wir diese Konflikte bewerten."

Dass längst nicht jeder Konflikt ins Bild gesetzt wird, zeigt die Sammlung von Newsweek-Titelseiten der Monate April bis August 1994, die Alfredo Jaar angelegt hat (Untitled [Newsweek], 1994). Das Magazin widmete dem Massaker der Hutu an den Tutsi erst Anfang August eine Titelseite - als bereits eine Million Menschen ermordet worden und rund zwei Millionen Menschen aus Ruanda geflohen waren. Diese Serie von Titelseiten führt die Hierarchisierung von Nachrichten vor und formuliert indirekt Fragen nach der Agenda und Verantwortlichkeit von Journalisten.

Jasmila Zbanic stellt dieselbe Frage in ihrem Film "Images from the Corner" (2003) explizit und spitzt sie zu einer These zu: Ausländische Journalisten in Krisengebieten sind für die Regisseurin eine der Wunden, die ein Krieg der Bevölkerung setzt. Sie kommen und gehen mit dem Krieg: "Der Krieg zieht weiter zu anderen Orten, und die Kameras, Journalisten und Fotoreporter ziehen mit ihm, produzieren ihre Nachrichten und ihre neuen Bilder. Wir dagegen bleiben mit unseren zurück." Ihr Film greift ein Ereignis in Sarajewo aus dem Jahr 1992 auf: Ein französischer Bildjournalist fotografierte eine von einer Granate verwundete junge Frau, die um Hilfe schreiend auf der Straße lag. Jasmila Žbanic filmt die Stelle, wo die Verwundete lag und unterlegt dies mit den Geräuschen eines Fotoapparats, bei dem auf den Auslöser gedrückt und zweimal der Film gewechselt wird. Die Kameraeinstellung dauert so lange, wie der Journalist gebraucht hat, um drei Filme zu füllen.

Bildproduktion und Deutungshoheit

Die Berichterstattung in den Medien hat sich in den letzten zwanzig Jahren entscheidend verändert. Markante Eckpunkte sind der Zweite Golfkrieg von 1990/91, die Angriffe auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001, sowie die Bilder des Arabischen Frühlings 2011.

Auslöser des Zweiten Golfkriegs war die Invasion Kuwaits durch den Irak im August 1990. Die Angriffe des US-Militärs gegen den Irak begannen im Januar 1991. Um den Informationsfluss so zu kanalisieren, dass er den politischen Zielen der Militäroperation förderlich wäre, war den Einheiten des US-Militärs bereits im August 1990 ein Memorandum ("Annex Foxtrot") übermittelt worden. Nach den darin formulierten Vorgaben durften sich Reporter nur eskortiert bewegen ("News media representatives will be escorted at all times. Repeat, at all times"), und sämtliche Berichte unterlagen der Freigabe durch das Militär ("Reports reviewed by military censors"). Da sich die Berichterstatter kein unabhängiges Bild von den Ereignissen machen konnten, vermittelten die Medien das Bild eines ´sauberen` Krieges, von dem lediglich die Aktionen und Angriffe, aber nicht die Folgen gezeigt wurden. Die offizielle Bildproduktion bestand vorwiegend aus distanzierten Nachtaufnahmen, Monitor- und Fadenkreuzbildern.

Nin Brudermann nutzt in "Warten auf Krieg" (1998) Videomaterial solcher Liveübertragungen, entstanden im Dezember 1998 während der Operation Desert Fox. Die monochromen grünen Nachtaufnahmen zeigen irakische Ziele aus unterschiedlichen Perspektiven, die von vier großen Nachrichtenagenturen bereitgestellt wurden. Als Entsprechung für diese Gleichzeitigkeit der Bilder zeigt Nin Brudermann das Geschehen auf vier Projektionen. Die Kameraschwenks über irakische Ziele lassen einen Angriff erwarten und sind spannungsgeladen. Telegen inszenierte Explosionen, begleitet von den entsprechenden Geräuschen, und stille Passagen zwischen den Angriffen wechseln einander ab. Nin Brudermann bezeichnet diese Arbeit als "Kriegswerk", das "auf derselben spekulativen Spektakelwirkung beruht wie ein Feuerwerk."

Im Unterschied zum ´sauberen` Bild des Zweiten Golfkrieges wurden die Bilder der Angriffe auf das World Trade Center am 11. September 2001 weltweit auf zahlreichen Kanälen übertragen. Die Ereignisse waren dadurch sofort weltweit sichtbar und zeigten die Verwundbarkeit der USA und des kapitalistischen Systems. Hans-Peter Feldmann hat 151 Titelseiten internationaler Tageszeitungen, die am Tag nach den Angriffen erschienen, zu einer Serie zusammengefügt. Sie dient als einschlägiges Beispiel für die weltweite Vernetzung von Nachrichtenagenturen, die sich aus einem ähnlichen Pool von Bildern bedienen. Variationen ergeben sich in der Größe für den Abdruck, im Wortlaut der Überschriften und bei der Bewertung der Ereignisse - von einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes über eine Kriegserklärung gegen die USA oder einem Angriff auf die von den USA repräsentierte Wirtschaftsordnung.

Zwei Tage, nachdem die USA und Großbritannien im Jahr 2001 begonnen hatten, Afghanistan zu bombardieren, fand John Smith auf dem Fernseher seines Hotelzimmers minutenlang ein Standbild vor. Die Bombardierungen Afghanistans, von denen der Sprecher berichtete, waren nicht zu sehen. Das still stehende Fernsehbild wurde für Smith zur Metapher für die Verunsicherung, die von den aktuellen Ereignissen ausgelöst wurde. "Die halbe Welt ist ein protziges Hotel, die andere Hälfte ein Trümmerhaufen", hat er über das Konzept seiner acht Videos mit dem Titel "Hotel Diaries" (2001-07) gesagt. Die Filme sind jeweils in Hotelzimmern gedreht. Ausgehend von vorgefundenen Gegenständen und Situationen entwickelt Smith seine Aussagen zum Weltgeschehen. Sie verleihen der Überzeugung Ausdruck, dass jeder Ort politisch ist und Bezug zu den Ereignissen ´draußen` hat.

Der libanesische Künstler Roy Samaha, früher Journalist für ABC, hat seine Eindrücke in einer persönlichen Erzählung verarbeitet. 2011, im Rahmen des Leica-Wettbewerbs "In the Footsteps of the Great Explorers", setzte er sich fotografisch mit der Revolution in Ägypten auseinander. Vor seiner Ankunft verfolgte er das Geschehen über Youtube und Twitter; als er ankam, waren Telefon und Internet abgestellt. Seine Bilder zeigen das Leben der Menschen in dieser Ausnahmesituation und erzählen eine Hintergrundgeschichte jenseits der Nachrichtenbilder.

Kriegsführung am Monitor

Das Künstlerduo Ben Langlands und Nikki Bell ist 2002 für Recherchen nach Afghanistan gereist und hat in Daruntah bei Jalalabad das ehemalige Wohnhaus von Osama bin Laden fotografiert. Dort hat sich bin Laden 1996/97 aufgehalten, dort soll er bereits die Anschläge des 9. September 2001 geplant haben. Der Film "The House of Osama Bin Laden" (2003) ist interaktiv angelegt, jedoch ohne die Erwartungen, die an ein Computerspiel gestellt werden, zu erfüllen: Die Räume des schlichten Landhauses bleiben menschenleer - nirgends zeigt sich ein potenzielles Opfer, das man virtuell töten könnte. Die Animation lässt die üblichen Stereotypen der Feinddarstellung vermissen und liefert ein Gegenbild zu den ideologisch überfrachteten Darstellungen, die damals in den Medien üblich waren.

Harun Farocki zeigt mit seiner Werkgruppe "Ernste Spiele", wie stark die Kriegsführung selbst heute virtualisiert ist. Er dokumentiert Schulungen von Soldaten in US-Militärstützpunkten und kombiniert dieses Material mit Computersimulationen. Basierend auf Satellitenaufnahmen von Afghanistan und Irak, dienen diese Simulationen der Vorbereitung auf Angriffe ebenso wie der Therapie posttraumatischer Störungen. Es fällt auf, dass bei Produzenten wie Anwendern dieser Software der Glaube an die Technik ungebrochen scheint, als könnten Simulationen eine wirkliche Hilfe bei der Vorbereitung und Verarbeitung von Erlebnissen sein.

Grenzen militärischer Technologie

Man geht allgemein davon aus, dass dem amerikanischen Militär die am weitesten entwickelten Techniken der Feindbeobachtung zur Verfügung stehen, und es dadurch überlegen ist. Wer jedoch den Beobachter beobachtet, kehrt die Machtverhältnisse um. In der Fotoserie "Limit Telephotography" (seit 2005) dokumentiert Trevor Paglen geheime US-amerikanische Militäranlagen. Die Fotografien dieser Serie sind mit Techniken aufgenommen, die ursprünglich für die Astronomie und Astrofotografie entwickelt wurden. Doch selbst diese Technik erlaubt aus einer Entfernung von bis zu 60 Meilen keine präzise Darstellung. Die Motive bleiben verschwommen. Auf diese Weise formuliert Trevor Paglen ein Paradox: Wer der Öffentlichkeit Informationen zugänglich machen will, die ihr nach demokratischem Verständnis zustehen, scheitert an den Grenzen der Technik.

Andere Künstler, die in der Ausstellung vertreten sind, nähern sich dem Thema mit systematischer Recherche. Bei Sean Snyder geht es um die Produktion und Weiterverarbeitung von Bildern mithilfe technischer Apparate. Das Künstlerduo bureau d´études zeigt in einer eigens für die Ausstellung produzierten Raum-im-Raum-Installation, auf welche Weise nicht-iranische Presseorgane und politische Instanzen 2011 den Iran dargestellt haben.

Die Mittel der Malerei nutzen Monika Huber, Wilhelm Sasnal und Radenko Milak. Alle drei verwenden für die hier gezeigten Werke von den Medien verbreitete Bildvorlagen (vom Fernseher abfotografierte Nachrichtenbilder, das im Internet veröffentlichte Bild des aufgebahrten Muammar al-Gaddafi, und den fotografisch dokumentierten Übergriff auf Zivilisten im ehemaligen Jugoslawien).

Insgesamt vereint die Ausstellung Werke von bureau d´études, Nin Brudermann, Harun Farocki, Omer Fast, Hans-Peter Feldmann, Téo Hernandez, Monika Huber, Alfredo Jaar, Adela Jusic, Radenko Milak, Langlands & Bell, Trevor Paglen, Thomas Ruff, Roy Samaha, Wilhelm Sasnal, Ahlam Shibli, John Smith, Sean Snyder, Thomson & Craighead und Jasmila Zbanic. Sie wird von Patrizia Dander, León Krempel, Julienne Lorz und Ulrich Wilmes kuratiert. ...

Als Teil des Programms zu seinem 75-jährigen Bestehen eröffnet das Haus der Kunst am 9. Juni 2012 gleichzeitig die Ausstellung "Geschichten im Konflikt: Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955". ...

Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
80538 München
+49 89 211 27-115
hausderkunst.de

Aus der Datenbank - 200 Künstler mit Biennale Hintergrund


Um Übersicht zu Biennalen und den Aspekt der Globalisierung zu erlangen, haben wir eine Datenbank zu Künstlern und deren Präsenz angelegt. Inzwischen beinhaltet die Datenbank über 30.000 Datensätze zu über 17.000 Künstlern, nicht nur zu Biennalen, sondern auch zu Sammlungen, Kunstpreisen und Stipendien.

Kurz bevor die Frieze London eröffnet, präsentieren wir jetzt eine Liste mit 200 häufig ausgestellten bzw. gesammelten Künstlern, die auch in den letzten Jahren an einer Biennale oder Triennale teilgenommen haben. (Natürlich haben wir auch eine ungefilterte Liste der 200 Künstler.)

Interessant ist sicherlich, inwieweit sich aufstrebende Künstler mit Biennale-Erfahrung auf Kunstmessen präsentieren. Aufgefallen war uns im Vorfeld der Lyon Biennale, dass über 30 der insgesammt 74 teilnehmenden Künstler auf der Art Basel 2013 präsentiert wurden. Jegliche Irritation, die durch diesen Umstand aufgekommen war, verflog allerdings beim Besuch der Lyon Biennale, so dass wir im Nachhinein enttäuscht waren, auf der abc art berlin contemporary nicht einen ebenso hohen Anteil an jungen Künstlern zu sehen.
Aus unserem Datenpool von 17.000 Künstler beteiligen sich 2820 an Kunstmessen. Wir sind gespannt, welche Auffälligkeiten sich bei der Frieze London aus den Daten lesen lassen.

(Über den Link gelangen Sie zu den berücksichtigten Faktoren.)

  1. Gerhard Richter
  2. Bruce Nauman
  3. Rosemarie Trockel
  4. Mike Kelley
  5. Richard Serra
  6. Cindy Sherman
  7. Carl Andre
  8. Dan Graham
  9. Mona Hatoum
  10. Franz West
  11. Stan Douglas
  12. Paul McCarthy
  13. Marina Abramovic
  14. Rodney Graham
  15. Jannis Kounellis
  16. Jimmie Durham
  17. Matt Mullican
  18. John Bock
  19. Nina Canell
  20. Roman Signer
  21. Alfredo Jaar
  22. Isa Genzken
  23. Robert Rauschenberg
  24. Thomas HIRSCHHORN
  25. Robert Gober
  26. Martha Rosler
  27. Cildo Meireles
  28. Erwin Wurm
  29. Giulio Paolini
  30. Matthew Barney
  31. Manfred Pernice
  32. David Claerbout
  33. Vito Acconci
  34. Carsten Nicolai
  35. Carlos Garaicoa
  36. Yael Bartana
  37. Monica Bonvicini
  38. Albert Oehlen
  39. Max Bill
  40. Tacita Dean
  41. Hiroshi Sugimoto
  42. Robin Rhode
  43. Reinhard Mucha
  44. Henrik Olesen
  45. Christian Jankowski
  46. James Lee Byars
  47. Jeff Koons
  48. Rirkrit Tiravanija
  49. Dieter Roth
  50. Maria Lassnig
  51. Ernesto Neto
  52. Tala Madani
  53. Pawel Althamer
  54. Steve McQueen
  55. Gilberto Zorio
  56. Martin Creed
  57. Jason Rhoades
  58. Ai Weiwei
  59. Jonathan Horowitz
  60. Paul Chan
  61. Anthony McCall
  62. Eija-Liisa Ahtila
  63. Trisha Donnelly
  64. Allan Kaprow
  65. Santiago Sierra
  66. David Zink Yi
  67. Pavel Pepperstein
  68. Harun Farocki
  69. Frances Stark
  70. Miroslaw Balka
  71. Mark Leckey
  72. Charles Ray
  73. Raymond Pettibon
  74. Tania Bruguera
  75. Thomas Florschuetz
  76. Ryan Trecartin
  77. Tino Sehgal
  78. Diango Hernandez
  79. Peter Fischli & David Weiss
  80. Hermann Nitsch
  81. Juan Munoz
  82. Darren Almond
  83. Allora & Calzadilla
  84. Phil Collins
  85. Adrian Paci
  86. Rivane Neuenschwander
  87. Pascale Marthine Tayou
  88. Aleksandra Mir
  89. Hans Haacke
  90. Raqs Media Collective
  91. Maria Eichhorn
  92. Marisa Merz
  93. Jeppe Hein
  94. Michael Schmidt
  95. Wolfgang Laib
  96. Danh Vo
  97. Navin Rawanchaikul
  98. Allan Sekula
  99. Jakob Kolding
  100. Jorge Macchi
  101. Julieta Aranda
  102. Otto Piene
  103. Jason Dodge
  104. Yoko Ono
  105. Parastou Forouhar
  106. Philippe Parreno
  107. Dominique Gonzalez-Foerster
  108. Charles Atlas
  109. Vik Muniz
  110. Jean-Frédéric Schnyder
  111. Dani Gal
  112. Tomas Saraceno
  113. Adriana Varejão
  114. Kai Althoff
  115. Aernout MIK
  116. Jill Magid
  117. Anna Oppermann
  118. Yayoi Kusama
  119. Christoph Schlingensief
  120. Wangechi Mutu
  121. Armando Andrade Tudela
  122. Walter De Maria
  123. Nicole Eisenman
  124. Julian Rosefeldt
  125. Roe Ethridge
  126. Carol Rama
  127. Mark Manders
  128. Nicholas Hlobo
  129. Yona Friedman
  130. Ed Atkins
  131. Luigi Ghirri
  132. Markus Schinwald
  133. Walter Pichler
  134. Jesper Just
  135. Annette Messager
  136. Lygia Clark
  137. Jorge Pardo
  138. Hans Bellmer
  139. Liam Gillick
  140. Moshekwa Langa
  141. Sarah Lucas
  142. Cathy Wilkes
  143. Doug Aitken
  144. Simon Denny
  145. Oscar Tuazon
  146. Allan McCollum
  147. Geta Bratescu
  148. Elmgreen & Dragset
  149. Minerva Cuevas
  150. Enrico David
  151. Hank Willis Thomas
  152. Liz Deschenes
  153. Superflex
  154. Janine Antoni
  155. Hans Schabus
  156. Sheela Gowda
  157. Christopher Williams
  158. El Anatsui
  159. Damián Ortega
  160. EDUARDO KAC
  161. Jaume Plensa
  162. Ranjani Shettar
  163. Toba Khedoori
  164. John Armleder
  165. Karl Haendel
  166. Kris Martin
  167. Tracey Moffatt
  168. Andro Wekua
  169. Cornelia PARKER
  170. Panamarenko
  171. Luis Camnitzer
  172. Olga Chernysheva
  173. Mark Bradford
  174. Yang Fudong
  175. KP Brehmer
  176. Trevor Paglen
  177. Candice Breitz
  178. Inigo Manglano-Ovalle
  179. Melvin Moti
  180. Jutta Koether
  181. Cao Fei
  182. Teresa Margolles
  183. Mira Schendel
  184. Luca Vitone
  185. Ann Hamilton
  186. Takashi Murakami
  187. Michaela Melián
  188. Daniel Knorr
  189. Thomas Kilpper
  190. Carlos Amorales
  191. Ragnar Kjartansson
  192. Doris Salcedo
  193. Alexandre Singh
  194. Hito Steyerl
  195. Mathias Poledna
  196. Tony Smith
  197. Artur Zmijewski
  198. Adrian Piper
  199. Thiago Rocha Pitta
  200. Sharon Hayes








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