Jesper Just- Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal (04.03.-15.04.07)


Eingabedatum: 21.02.2007



bilder

Der dänische Künstler Jesper Just (*1974) arbeitet vorwiegend mit dem Medium Film und kann heute zu einer der interessantesten Positionen im Bereich des bewegten Bildes gezählt werden.

Liebe, Sehnsucht, Begehren und Verachtung sind die großen Themen in Justs inszenierten Kurzfilmen. Sie sind geprägt von Theatralik und Sinnlichkeit bei gleichzeitiger Distanz zum Gezeigten. Die Protagonisten der Filme äußern extreme Gefühle durch minimale Gesten oder hingebungsvolle Gefühlsausbrüche. Dabei bleiben sie dennoch immer unnahbar, da weder ihre Vorgeschichte noch ein über die Szene hinaus- gehender Kontext tatsächlich näher erläutert werden. Was bleibt, ist der Eindruck eines sehr intensiven Momentes, der von allen Zusammenhängen losgelöst zu sein scheint. Die filmischen Arbeiten Justs huldigen der kompromisslosen Hingabe an die Emotion - sei die Hoffnung auf Erwiderung noch so aussichtslos.

Die Ausstellung in der Ursula Blickle Stiftung zeigt neben einer Neuproduktion eine Auswahl an Filmen der letzten Jahre, die in ihrer Struktur überaus vielschichtig sind. Je mehr man versucht die Arbeiten Justs zu interpretieren oder zu analysieren, desto deutlicher tritt ihre Komplexität in den Vordergrund und desto düsterer erscheint ihr Inhalt. Das Verhalten und die Beziehungen von Justs Protagonisten ist voller psychologischer Fallen, die der Künstler bewusst in seine Plots einbaut. Der Betrachter wird mit Szenen konfrontiert, auf die er nicht vorbereitet ist, in die er vielmehr hineingeworfen wird. Situationen, die geleitet sind von starken Gefühlen, wo selbst die eigene Vernunft nicht vor überschwänglicher Zuneigung, unstillbarem Verlangen, Schmerz und tiefer existenzieller Angst zu schützen vermag.

Nahezu manipulativ setzt Just klassische filmische Techniken ein und kombiniert diese mit musikalischer Untermalung so, dass für den Betrachter vordergründig ein Gefühl von Vertrautheit erzeugt wird. In gewisser Weise ist Justs Arbeit mit der eines Psychotherapeuten zu vergleichen: Er bietet seinen Patienten eine vertraute Struktur an, die es ermöglicht, Dinge wahrzunehmen, die einem zuvor nicht bewusst waren oder an die man seit langem nicht mehr gedacht hatte. Der Unterschied zum Therapeuten liegt bei Just nur darin, dass er von seinem Gegenüber keine Antwort erwartet. Vielmehr liegt es in seinem Interesse, den Betrachter mit seiner Erfahrung sich selbst zu überlassen.

Arbeiten wie "Invitation to Love" (2003), "A Fine Romance" (2004) oder "The Lonely Villa" (2004) legen scheinbar eine homoerotische Deutung nahe oder spielen auf eine erotisch aufgeladene Vater-Sohn-Beziehung an. Just selbst gibt jedoch zu bedenken, dass er nicht auf eine einseitige Interpretation seiner filmischen Inszenierungen abzielt. Vielmehr stehen seine Arbeiten exemplarisch für ein vielschichtiges und hintergründiges Interesse an zwischenmenschlichen Interaktionen, Beziehungen und Abhängigkeiten, die in ihrer Intensität auch an die antike Tragödienkultur erinnern. Just beschäftigt sich dabei gezielt mit den Heimtücken, Verfehlungen und Perversionen menschlicher Emotionen, ebenso wie mit deren Größe und Schönheit.

Die Ausstellung ist zeitgleich auch im Witte de With, Center for Contemporary Art, Rotterdam zu sehen. Eine Auswahl der Arbeiten Jesper Justs wird im April in der ursula blickle videolounge in Wien vorgestellt und im S.M.A.K. in Gent wird eine weitere Ausstellung seiner Arbeiten von April bis Juni präsentiert. (Presse Ursula Blickle Stiftung)

Abbildung: SOMETHING TO LOVE, 2005, 8:10 min, Super 16mm, Courtesy Galleri Christina Wilson, Copenhagen and Perry Rubenstein Gallery, New York,Copyright © Jesper Just 2000-2006,

Öffnungszeiten: Mi 14-17 Uhr, So 14-18 Uhr und nach Vereinbarung

Ausstellungsort:
Ursula Blickle Stiftung, Mühlweg 18
D-76703 Kraichtal-UÖ

ursula-blickle-stiftung.de


ch






Daten zu Jesper Just:

- Art Basel 2013
- Art Basel Miami Beach 2013
- Biennial of Cartagena de Indias 2014
- fast forward2 - ZKM, Karlsruhe
- Galerie Perrotin
- Helsinki Photography Biennial 2014
- ikono On Air Festival
- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V., Sammlung
- Liverpool Biennale 2008
- Liverpool Biennale 2012
- Medienturm Kunstverein Graz
- MoMA Collection
- Sharjah Biennial 11, 2013

Weiteres zum Thema: Jesper Just



fast forward 2. The Power of Motion - ZKM Museum für neue Kunst, Karlsruhe


Die Ausstellung "fast forward 2" präsentiert Neuerwerbungen an Video- und Medienkunst der Sammlung Goetz. Im Mittelpunkt der ausgewählten Arbeiten steht die Macht der Bewegung und Beschleunigung, aber auch deren Gegenteil, die Entschleunigung.

Seit den 1960er Jahren beschäftigt sich Ingvild Goetz mit der Video- und Medienkunst und hat im Laufe der Jahre eine repräsentative Sammlung von internationalem Rang zusammengetragen.
Bereits 2003 wurde mit der Ausstellung "fast forward" ein Großteil ihrer Video- und Medienkunstsammlung in den Räumen des ZKM präsentiert. Seither hat die Sammlung eine entscheidende Erweiterung erfahren, die nun in "fast forward 2" der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Mit rund 50 Videos, Videoinstallationen und Filmen von 35 Künstlerinnen und Künstlern werden Werke präsentiert, die sich mit den Themen Bewegung, Beschleunigung und Entschleunigung auseinandersetzen. Die meisten der Werke sind dabei in den letzten Jahren entstanden.
Ein entscheidendes Anliegen der Sammlung von Ingvild Goetz ist es, neben etablierten Künstlern wie Mike Kelley oder MMatthew Barney auch jüngere noch unbekannte Positionen einzubeziehen.

Einige der Videos werden in Seefracht-Containern präsentiert, die im Lichthof des ZKM installiert wurden. Diese ungewöhnliche Ausstellungsarchitektur bezieht sich erneut auf die Themen Dynamik, Mobilität und Globalisierung, die auch auf inhaltlicher Ebene in den Videos wiederkehren.

Begleitend zur Ausstellung wird im ZKM_Medientheater ein Filmprogramm stattfinden, das folgende Künstler mit ausgewählten Filmen vorstellt:
14.07.: Jochen Kuhn, 21.07.: Ulrike Ottinger und 28.07. Wilhelm Sasnal

Künstlerliste:
AES+F, Francis Alÿs, Janine Antoni, Matthew Barney, Ulla von Brandenburg, Christoph Brech, Ergin Cavusoglu, Paul Chan, David Claerbout, Nathalie Djurberg, Stan Douglas, Juan Manuel Echavarría, Dominique Gonzalez-Foerster, Rodney Graham, Isaac Julien, Jesper Just, Mike Kelley, Kimsooja, Jochen Kuhn, Óscar Muñoz, Marcel Odenbach, Hans Op de Beeck, Ulrike Ottinger, Mary Reid Kelley, Robin Rhode, Julian Rosefeldt, Aïda Ruilova, Wilhelm Sasnal, Christine Schulz, Laurie Simmons, Frank Stürmer, Fiona Tan, Ryan Trecartin, Yang Fudong, Zhao Liang.

Abbildung: Fiona Tan, Saint Sebastian, 2001, Filmstill, © Fiona Tan

Ausstellungsdauer: 18.6.-3.10.10

Öffnungszeiten:
Mi-Fr 10-18 Uhr
Sa-So 11-18 Uhr
Mo-Di geschlossen

ZKM Museum für neue Kunst
Lorenzstraße 19
76135 Karlsruhe

zkm.de/goetz


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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    Thomas Wrede Modell. Landschaft Fotografie

    Das Kunsthaus zeigt die erste umfassende Werkübersicht von Thomas Wrede, die mit Fotografien von den frühen 1990er Jahren bis zu den aktuellen Werkgruppen erstmals die Zusammenhänge und künstlerischen Entwicklungen seiner Arbeiten dokumentiert weiter


    Georg Herold

    Georg Herold, 1977 bis 1983 Schüler Sigmar Polkes, stellte Anfang der 1980er-Jahre zusammen mit Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen radikal und sarkastisch Kunst und Kunstbetrieb in Frage und entwickelte in diesen Jahren ein Werk, das wie eine Dada-inspirierte Enzyklopädie des Provisorischen anmutet weiter

    Aleksandra Waliszewska

    Der Neue Kunstverein Wien präsentiert in seiner Herbstausstellung die Arbeiten von Aleksandra Waliszewska. weiter

    ART DÜSSELDORF - Galerienliste

    Die Liste der teilnehmenden Aussteller der ART DÜSSELDORF, die vom 17. bis 19. November 2017 auf dem Areal Böhler stattfinden wird, steht fest. weiter



    Peter Zumthor - Dear to Me

    Das Kunsthaus Bregenz ist ein besonderer Ort. Seine Atmosphäre macht wachsam, sie öffnet Augen, Ohren und Poren. Für das Jubiläumsjahr — das KUB ist heuer 20 Jahre — wurde sein berühmter Architekt Peter Zumthor eingeladen. Der Pritzker-Preisträger entschloss sich, keine Ausstellung im gewöhnlichen Sinne einzurichten, sondern Denk-, Schau- und Hörkästen seiner künstlerischen Vorlieben und Inspirationen zu verwirklichen: Dear to Me. weiter

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