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Human AI Art Award: Christopher Kulendran Thomas. Peace Core (surround).

25.06.2026 - 13.09.2026 | Kunstmuseum Bonn

Eingabedatum: 23.06.2026

Werkabbildung
Abb.: Christopher Kulendran Thomas, Peace Core, 2025, mit Annika Kuhlmann; Installationsansicht Peace Core, Gagosian, New York, 2025. Image courtesy the artist and Gagosian. Foto: Maris Hutchinson
Die Deutsche Telekom und das Kunstmuseum Bonn verleihen zum dritten Mal den Human AI Art Award, den sie 2024 gemeinsam ins Leben gerufen haben. Diesjähriger Preisträger ist der Künstler tamilischer Abstammung Christopher Kulendran Thomas. Mit der Preisverleihung am 24. Juni wird auch die knapp dreimonatige Ausstellung im Human AI Art Space vor dem Kunstmuseum Bonn eröffnet. Sie wird sein Werk Peace Core, 2026 als ortsspezifische immersive Installation zeigen. Der Human AI Art Award würdigt Künstler*innen, die im Spannungsfeld von Bildender Kunst und modernster Technologie, insbesondere Künstlicher Intelligenz, arbeiten und hier Pionierarbeit leisten.

Christopher Kulendran Thomas: „Die Unterscheidung zwischen den beiden Fiktionen ‚Mensch‘ und ‚KI‘ ist ein Thema, mit dem sich all meine Arbeiten der vergangenen Dekade auseinandersetzen. Ich möchte der Jury sowie der Deutschen Telekom und dem Kunstmuseum Bonn dafür danken, dass sie mir die Möglichkeit geben, eine meiner Installationen räumlich neu zu denken und sie diesen Sommer in Bonn der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen.“

Preisträgerausstellung im Human AI Art Space am Kunstmuseum Bonn

Für den Human AI Art Award 2026 adaptiert Christopher Kulendran Thomas seine Arbeit Peace Core zu einer immersiven Installation und spannt mit der Thematisierung von politischen und kulturellen Narrativen einen Bogen vom geopolitischen Kipppunkt zum Tiktok-Algorithmus. Die Mehrkanalarbeit zeigt US-amerikanische TV-Shows in den letzten Augenblicken vor dem Anschlag des 11. September 2001. Ein KI-Algorithmus priorisiert und mischt diese Ausschnitte endlos und bewahrt somit den Moment vor dem War on Terror, in dessen Folgen die tamilische Unabhängigkeitsbewegung von der sri-lankischen Regierung zerschlagen wurde. Das Werk stellt Fragen nach der Pax Americana und der Rolle von Technologien in der Produktion und Konservierung von Kultur und Identität.

Kooperation und Jurybegründung

Die Deutsche Telekom und das Kunstmuseum Bonn setzen ihre erfolgreiche Kooperation mit dieser außergewöhnlichen Künstlerposition fort. „Als Deutsche Telekom legen wir großen Wert auf einen verantwortungsvollen und ethisch reflektierten Umgang mit modernen Technologien. Dabei setzen wir uns bewusst mit ihren gesellschaftlichen Auswirkungen auseinander“, sagt Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. „Vor diesem Hintergrund fördern wir ausdrücklich die künstlerische Betrachtung von Künstlicher Intelligenz als Brücke zwischen Technologie und Alltag. Kunst kann abstrakte Entwicklungen emotional erlebbar machen. Zugleich eröffnet sie Räume für Reflexion und Dialog. Vor allem darin liegt ihre Stärke und ihr gesellschaftlicher Wert.“

Dr. Claudia Emmert, Intendantin des Kunstmuseums Bonn und Jurymitglied, reflektiert die Entscheidung der Jury: „Christopher Kulendran Thomas setzt sich in seinem Werk mit der fragilen Balance zwischen Herkunft und Zukunft auseinander – mit der Frage, wie moderne Technologien und algorithmische Prozesse Traditionen nicht nur verändern, sondern aktiv überschreiben. Vor dem Hintergrund seiner tamilischen Herkunft und der systematischen Zerstörung der Kultur Tamil Eelams seit 2009, gewinnt diese Untersuchung eine existenzielle Tiefe.

Kulendran Thomas macht in seinen Installationen die KI zum Dirigenten der kulturellen Evolution. Damit führt er den Besucher:innen sowohl die schöpferische Kraft als auch das manipulative Potenzial algorithmischer Intelligenz vor Augen. Seine Kunst verortet sich meisterhaft im Spannungsfeld zwischen freier Inspiration und technologischer Determination und stellt die Frage, wer in einer vernetzten Welt die Deutungshoheit über unsere Geschichte behält.“

Der Künstler Christopher Kulendran Thomas lebt und arbeitet in London und Berlin. Er verbrachte seine prägenden Jahre in London, nachdem seine Familie vor der zunehmenden ethnischen Unterdrückung der Tamilen in Sri Lanka geflohen war. Heute nutzt der Künstler für seine interdisziplinäre Praxis innovative Technologien und kollaboriert mit Technolog:innen, Architekt:innen, Schriftsteller:innen, Journalist:innen, Designer:innen, Musiker:innen und Aktivist:innen aus aller Welt. Kulendran Thomas’ Werke sind in bedeutenden Sammlungen vertreten, wie der des Museum of Modern Art in New York. Einzelausstellungen seiner Werke fanden statt im FACT, Liverpool (2025); im WIELS, Brüssel (2024); in der Kunsthalle Zürich (2023); KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2022); Institute of Contemporary Arts, London (2022); Schinkel Pavillon, Berlin (2019); Institute for Modern Art, Brisbane (2019); Spike Island, Bristol (2019); und Tensta konsthall, Stockholm (2017).

25.06. - 13.09.2026
Kunstmuseum Bonn

Helmut-Kohl-Allee 2, 53113 Bonn

https://www.kunstmuseum-bonn.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Christopher Kulendran Thomas verortet sich mit seiner kollaborativen Praxis an der Schnittstelle von Post-Internet-Art, zeitgenössischer Medienkunst und postkolonialem Diskurs. In seiner immersiven Mehrkanal-Installation „Peace Core“ nutzt er Künstliche Intelligenz nicht lediglich als generatives Werkzeug, sondern als kuratorische Instanz, die historisches Archivmaterial (US-Fernsehen vor 9/11) endlos remixt und neu montiert. Diese Form der dynamischen Appropriation Art löst das lineare Geschichtsverständnis auf und überführt es in eine algorithmisch determinierte Gegenwart. Thematisch verknüpft Thomas globale geopolitische Zäsuren wie die Pax Americana mit der Unterdrückung der tamilischen Kultur und macht die KI so zum Austragungsort globaler Erinnerungspolitik. Indem er die binären Konstrukte von „Mensch“ und „Maschine“ dekonstruiert, reiht er sich in eine aktuelle Kunstströmung ein, die das manipulative wie schöpferische Potenzial technologischer Netzwerke kritisch reflektiert und die Frage neu stellt, wer im digitalen Zeitalter die Deutungshoheit über kulturelle Identität und historische Narrative besitzt.
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