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Joe Colombo - Vitra Design Museum, Weil am Rhein (21.1.-10.9.06)


Eingabedatum: 06.01.2006

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In die Decke eingelassene Fernseher, schwenkbare Wände mit eingebauter Minibar, "nukleare Städte" unter der Erde – der italienische Designer Joe Colombo schuf Entwürfe, die auch aus einem James-Bond-Film seiner Zeit stammen könnten. Sie atmen den Geist der schrillen sechziger Jahre, beeindrucken aber zugleich durch Funktionalität und markante Formen. Als einer der erfolgreichsten Gestalter seiner Zeit entwarf Colombo Designklassiker, darunter der Sessel "Elda", der Stuhl "Universale" oder die Leuchte "Alogena". 1971 starb Joe Colombo im Alter von 41 Jahren. Die Ausstellung "Joe Colombo – Die Erfindung der Zukunft" ist die erste internationale Retrospektive, mit der das Werk Colombos gewürdigt wird.

In enger Kooperation mit dem Nachlass von Joe Colombo entstanden, präsentiert die die Ausstellung eine Fülle bislang noch nicht gezeigter Materialien zu Joe Colombos Schaffen. Darunter sind frühe Originalstücke und teilweise Prototypen von allen wichtigen Möbelentwürfen Colombos, aber auch viele originale Handskizzen, Pläne, Broschüren, Architekturmodelle, mehrere Filme und Originalfotos. In vier Gruppen gegliedert, folgt die Ausstellung der rasanten Entwicklung von Colombos kurzem Leben und vermittelt einen lebhaften Eindruck von seiner großen Produktivität, die Zeitgenossen schon zu seinen Lebzeiten faszinierte.


Der erste Bereich zeigt Colombos Frühwerk in den Fünfziger Jahren. Colombo studierte bildende Kunst an der Mailänder Brera-Akademie und schloss sich Anfang der fünfziger Jahre zunächst der Bewegung der Nuklearen Malerei um Enrico Baj und Sergio Dangelo an. Schon früh interessierte er sich auch für Architektur, entwarf die Utopie einer unterirdischen, nuklearen Stadt, frequentierte die Mailänder Jazzclubs und begann, sich auch für Design zu interessieren.

Im zweiten Bereich wird der Beginn von Colombos Karriere als Designer präsentiert, die um 1962 begann. Innerhalb weniger Jahre entwarf Colombo viele seiner bekanntesten Entwürfe und begann eine produktive Zusammenarbeit mit wichtigen Designunternehmen seiner Zeit, darunter Kartell, Zanotta, Stilnovo, O-Luce, Alessi, Rosenthal und viele andere, die seine Entwürfe großteils bis heute produzieren. Mit dem "Universale" von 1964-67 schuf Colombo einen der ersten Stühle, die komplett in einer Gussform hergestellt werden, und auch aus Schichtholz, Leder und Rattangeflecht gestaltete er formal innovative Möbel. Auch Colombos Leuchtenentwürfe zählen zu den vielen bekannten Einzelobjekten, die er entwarf.

Im Verlauf seiner kurzen Karriere wandte sich Colombo vom Einzelentwurf jedoch immer mehr der Gestaltung ganzer Interieurs und der Suche nach modularen und flexiblen Objekten zu. Im dritten Bereich der Ausstellung werden Sitzmöbel wie der "Tube Chair" und der "Multi Chair" präsentiert, die beide auf einfachste Weise ein Maximum an unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten bieten, aber auch die vielen Containermöbel, die den Wohnraum der Zukunft als multifunktionale Einheiten prägen sollten. Colombos Vision einer rationalen Welt, in der Design auf wissenschaftlicher Recherche basieren sollte, veranschaulichen auch seine vielen Entwürfe im Bereich des Industriedesigns, darunter Autos, Uhren, Skibindungen, Gläser, Klimaanlagen sowie das Bordservice für die italienische Fluglinie Alitalia.

Vier ausgewählte Projekte aus Colombos letzten Schaffensjahren zeigen im vierten Bereich der Ausstellung, wie der Designer es 1969 bis 1971 schaffte, die Synthese aller seiner zuvor entwickelten Idee zu verwirklichen. In futuristischen Interieurs wie der Visiona 1, seinem eigenen Appartement von 1970 und dem Total Furnishing Unit von 1971 verschmolz Colombo die einzelnen Objekte des Wohnraums zu komplexen, multifunktionalen "Wohnmaschinen", die sich den Bedürfnissen und Wünschen des Menschen anpassen sollten. Mit diesen Entwürfen, die ihrer Zeit in vielem weit voraus waren, schuf Colombo Ikonen des futuristischen Designs der Sechziger Jahre.

Gerade die vielen Fotos von Colombos eigenen Appartements, auf denen er selbst zu sehen ist, machen deutlich: Colombo war nicht nur einer der wichtigsten Designer seiner Zeit, sondern auch ein begnadeter Kommunikator und Selbstdarsteller. Stets elegant gekleidet und nie ohne seine Pfeife im Mund, lieferte Colombo zu seinen Entwürfen zugleich die passenden Bilder: die eines "Design-Dandys", der fasziniert von den Möglichkeiten neuer Technologien und der Verbesserung des menschlichen Alltags war. Selbst ein so einfaches Objekt wie die Pfeife verbesserte er maßgeblich verbessern, indem er den Boden abflachte, sodaß man die Pfeife auf dem Tisch abstellen konnte, ohne dass sie umfiel. Colombo war eben beides – einer der großen Zukunftsvisionäre des 20. Jahrhunderts und zugleich ein Pragmatiker, für den die Zukunft bei den kleinen Dingen des Alltags begann.

Eine Ausstellung des Vitra Design Museums in Zusammenarbeit mit der Triennale di Milano und dem Studio Joe Colombo, Mailand (Presse / Vitra Design Museum)

Abbildung: Joe Colombo, Tube Chair, 1969, Slg. Vitra Design Museum, Foto: Vitra Design Museum / Andreas Sütterlin

Öffnungszeiten: Di-So, Feiertage, jeweils 11-18 Uhr

Vitra Design Museum
Charles-Eames-Str. 1
D -79576 Weil am Rhein


ch




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