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B3 Biennale

Spezial: Zwischen Hühnerfarmen und Autogaragen. New Yorks neues SoHo.


Eingabedatum: 10.08.2011

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Storefront Galerie

Neben den informellen Apartment-Galerien finden sich in Bushwicks Straßen durchaus auch Kunsträume, die eher an konventionelle White Cubes erinnern. Bei “Regina Rex” treffen verrottende Mandarinen auf makellos weiße Laken, deren Reinheit auf Ewigkeit in Gips gegossen wurde.

Währenddessen thronen in der “Storefront”-Galerie abgegriffene Taschenbücher von Walter Gropius oder LeCorbusier in mystischer Erhabenheit auf Sockeln oder werden als schwarze Fragmente zu konstruktivistischen Tableaus an die Wände montiert. Gemeinsam mit düsteren Aufnahmen des nächtlichen Eismeers, hüllen die Exponate (die unter dem deutschen Titel “Dunkle Wolke” gezeigt werden) die Räumlichkeiten in einen Dunst aus beunruhigender Fremde und melancholischer Nostalgie.

Ein paar Häuserblocks weiter führt eine unscheinbare Tür zur “Microscope Gallery”, die seit September letzten Jahres von den Künstlern Elle Burchill und Andrea Monti eröffnet wurde und sich vor allem auf Film, Video, Sound und Performance Kunst spezialisiert. Der Vorwurf, Bushwick-Galerien beschränkten sich lediglich auf eine kleine Clique befreundeter Künstler, lässt sich spätestens hier ausräumen. Neben lokalen Neuentdeckungen werden auch Werke von etablierten Künstlern gezeigt, die sich bereits einen Namen in der Kunstgeschichte gemacht haben.

Mit Anton Perich präsentiert die Miniaturgalerie etwa einen Zeitgenossen Andy Warhols, der mit seiner Mal-Maschine sogar den heimlichen Neid des großen Pop-Helden auf sich zog. Anhand elektrischer Farbdüsen, die auf Licht und Schatten reagieren, entwirft dieses Maschinenungetüm “elektrische Bilder”, die ästhetisch irgendwo zwischen Tintenstrahldruck und Mark Rothko anzusiedeln sind.

Auf die Frage, warum gerade Bushwick als Heimat für die Galerie auserkoren wurde, antwortet Elle Burchill: “Wir wollten an einem Ort sein, wo Leute die Kunst wirklich noch um der Kunst willen schätzen, wo interessante Dialoge stattfinden und man Neuentdeckungen machen kann. Im Sinne von aktiven Künstler-Szenen ist Manhattan eigentlich schon seit 20 Jahren am Sterben. Und obwohl in Williamsburg immer noch viel Interessantes passiert, hat es sich mittlerweile - wie Manhattan - zu einem Touristenziel entwickelt. Die billigeren Mieten sind sicherlich ein Hauptgrund warum in Bushwick viele Künstler die Freiheit haben, Dinge auszuprobieren und Risiken einzugehen. Es finden zahllose Underground-Events und illegale Parties statt, aber daneben sind auch qualitativ hochwertige Galerien entstanden. Es geht in Bushwick noch nicht (wie in Williamsburg) darum, von irgendeinem Hype zu profitieren. Bis jetzt ist Bushwick noch in einer Phase in der die Künstler und Galerien zur Szene beitragen. Es herrscht ein starkes Gemeinschaftsgefühl und eine positive Atmosphäre, die man spüren kann.”

Lesen Sie hier die Fortsetzung Teil 3

Factory Fresh, factoryfresh.net
Microscope Gallery, microscopegallery.com
Centotto, centotto.com
Storefront Gallery: storefrontbk.com
Regina Rex: reginarex.org
Rooftopdance: rooftopdance.com

Eine Karte mit einer Übersicht aller Galerien in Bushwick findet man hier: bushwickbk.com

Verena Straub












Weiteres zum Thema: Bushwick



"Every outside surface is a fair game..." - >Brooklyn Street Art< (Buchbesprechung)


Sie machen Jagd auf freie Wandflächen, Verkehrsschilder, Ampeln, Stromkästen, Türnischen und Häuserecken. Sie nutzen die ganze Stadt als Leinwand und verwenden Fotokopien, Schablonen, Aufkleber, Plakate, Sprühdosen oder Möbelreste. Wenn sie nachts durch die Straßen ziehen, schmücken sie sie mit ihren bissigen Kommentaren zur Politik, pointierten, ortsbezogenen Bildwitzen oder einfach nur schrillen Figuren und Schriftzügen. Man liebt sie oder haßt sie, achtet sie als Künstler der Subkultur, die den grauen urbanen Alltag versüßen oder verachtet sie als Vandalen, die den öffentlichen Raum mit ihren Bildfindungen verschmutzen. Vor allem in lebhaften und im Wandel begriffenen Städten fühlen sie sich zu Hause: die Street Art Künstler.

Nach den bereits veröffentlichen Street- Art- Büchern >Berlin Street Art< und >London Street-Art<, stellt Prestel mit >Brookly Street Art< nun die Street-Art aus den aktuellen New Yorker Künstlervierteln in Brooklyn vor. Dazu zählen Williamsburg, Greenpoint, Bushwick, DUMBO und Red Hook. Laut Beschreibung des freien Photographen und Innenarchitekten, Jaime Rojo, der die Photographien zum 112 Seiten starken Bildband beigesteuert hatte, wimmelt es in diesen Bezirken nur so von kreativen Freigeistern. Als Gegenpol zum immer geschäftiger und hochpolierter werdenden Manhattan, hat sich in den ehemaligen Industriegegenden auf der anderen Seite des East River eine lebhafte Street-Art-Szene herausgebildet. Anhand der 150 Farbabbildungen soll das eigentlich Ephemere für die Ewigkeit auf Papier gebannt werden. Das Buch versteht sich als Hommage an eine Szene, deren Künstler meist anonym oder unter Pseudonym arbeiten und sich, von Ausnahmen wie dem Briten Banksy einmal abgesehen, zumeist außerhalb des musealen Kontextes und Kunstmarktes bewegen.

In dem handlichen Hardcover versucht Rojo seine Street-Art-Photos zu Themenkomplexen oder Motivgruppen wie z.B. Portraits, Waffen und Bewaffnete, Blumen oder Totenköpfe zusammenzufassen und ergänzt die Abbildungen durch eine Künstlerliste und zwei kurze englischsprachige Texte. Die Prestel-Veröffentlichung ist ein schönes, unterhaltsames Bilderbuch, das es vermag, für kurze Zeit etwas Brooklyner Street-Art-Flair ins eigene Wohnzimmer zu zaubern: "Catch it while you can, appreciate its message in the moment of discovery, a fleeting moment. The artwork, like the neighborhood, may be overtaken. But for the lucky one who discovers it, it is a reminder that in this town, anything is still possible." (Jaime Rojo und Steve P. Harrington).

Jaime Rojo: >Brooklyn Street Art<, Hrsg. Steven P. Harrington
112 Seiten, engl. Text, 150 Farbabbildungen, gebunden
Prestel Verlag, München 2008

ISBN: 978-3-7913-3963-4
14,95 EUR / 27,50 sFr

New. New York


Im Fokus der Ausstellung im Essl Museum steht derzeit die Stadt New York, die oft als Welthauptstadt der Gegenwartskunst bezeichnet wird. "New. New York" bietet einen Einblick in das Schaffen von 19 jüngeren Künstlerinnen und Künstlern aus dem New Yorker Stadtteil Bushwick/Brooklyn, in dem sich in den letzten Jahren eine vibrierende junge Kunstszene mit zahlreichen Ateliers, Kulturinitiativen und alternativen Kunsträume entwickelt hat. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit das dortige Kunstgeschehen auch heute noch internationale Maßstäbe setzt und wie sich die Produktionsbedingungen für junge Künstler verändert haben.
Die gezeigten Künstlerinnen und Künstler befinden sich in verschiedenen Stadien ihrer Karriere. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bekannte Materialien und Medien - wie Malerei, Fotografe, Skulptur - in oft überraschender Form für ihre Werke einsetzen und dadurch etwas Neues schaffen. Indem sie beispielsweise erfrischend Materialien wie Beton und Fotografie kombinieren, grenzen sie sich vom tradierten Kunstkanon ab und entwickeln ihre eigenen künstlerischen Ausdrucksformen. Sie lösen bestehende Kunstgenres auf, weisen Material ungewohnte Funkionen und Bedeutungen zu und lassen alte Technologien wieder aufleben, ohne dies je zum Programm zu erheben.

Die New Yorker Kunstwelt war seit jeher wegweisend für das weltweite Kunstgeschehen, insbesondere in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, begonnen beim abstrakten Expressionismus über Minimalismus, Konzeptkunst, Land Art, Pop Art, Video- und Performancekunst. Auch heute ist die kulturelle und intellektuelle Vielfalt in New York immer noch höher als in jeder anderen Stadt.
New York hat zudem auch eine besondere Bedeutung für das Essl Museum. Denn in jener Stadt haben sich das Sammlerpaar Agnes und Karlheinz Essl im Jahr 1959 kennengelernt und ihre ungebrochene Leidenschaft für zeitgenössische Kunst entdeckt. In der Sammlung Essl finden sich daher zahlreiche New York-Bezüge, wie etwa Werke von Alex Katz, dem noch bis 6. Januar 2013 eine Ausstellung im Essl Museum gewidmet ist.

Mit "New. New York" legen die Sammler den Fokus auf das junge Kunstschaffen und präsentieren die aktuellen Entwicklungen in der fruchtbaren New Yorker Kunstszene des 21. Jahrhunderts.
Die Ausstellung findet im Rahmen der Reihe „emerging artists“ statt, in welcher das Essl Museum alle zwei Jahre junges Kunstschaffen aus unterschiedlichen Weltregionen vorstellt.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung:
Jude Broughan, Vince Contarino, Brent Everett Dickinson, Rob Fischer, Ryan Ford, Egan Frantz, Rico Gatson, Robin Kang, Steven and William Ladd, Sarah Lee, Christopher McDonald, Ann Pibal, Lisa Sigal, Shelly Silver, Reid Strelow, Siebren Versteeg, Letha Wilson, Tamara Zahaykevich


Öffnungszeiten: DI – SO 10.00 – 18.00 Uhr, MI 10.00 – 21.00 Uhr

ESSL MUSEUM – Kunst der Gegenwart
An der Donau-Au 1, A-3400 Klosterneuburg / Wien
www.essl.museum