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B3 Biennale

Rabih Mroué - Between Two Battles

11.11.16 - 26.02.2017 | Kunsthalle Mainz
Eingabedatum: 10.11.2016

bilder

Auszug aus Rabih Mroué: Between Two Battles
„Lange Zeit hat meine Tante mütterlicherseits TV-Schnee aufgezeichnet, weil sie dachte, dass er unterschwellige Botschaften von den Feinden des Libanons beinhaltet. Sie versuchte hartnäckig diese Botschaften zu entschlüsseln, doch sie scheiterte jedes Mal. Mit der Zeit wurde sie süchtig nach TV-Schnee und sie vergaß, dass es sich um Botschaften der Feinde handelte. Sie zeichnet TV-Schnee immer noch auf und archiviert ihn. Vielleicht, weil sie Schnee liebt und es in Beirut nie schneit. Oder vielleicht, weil sie Tänzerin werden wollte und in diesen Berichten ihre eigenen choreografischen Partituren fand.“

TV-Schnee gab den Anlass zu Rabih Mroués Arbeit Between Two Battles, die gleichzeitig den Ausstellungstitel liefert. Between Two Battles verknüpft eine alltägliche Erfahrung im Leben der Bewohner des Libanons – das graue Rauschen – mit einer konkreten Figur, der Tante des Künstlers. Der schwarz-weiße Schnee ist auch uns bekannt. Vor einigen Jahrzehnten tauchte er während des nächtlichen Sendeschlusses auf. Anders als oft vermutet, bildet er nicht die Hintergrundstrahlung im Weltraum ab, sondern es handelt sich um eine Vielzahl von Schwingungsüberlagerungen im Gerät selbst. Dieses technische Phänomen greift Rabih Mroué auf, um eine Geschichte zu spinnen – eine Erzählung über ein Familienmitglied, den Libanon, dessen Bewohner, Wetterphänomene und politische Situation.

Der Titel Between Two Battles zielt auf die Pause ab, den (kurzen) Zeitraum zwischen zwei Kämpfen. Er verdeutlicht das Ende des einen Gefechtes und kündigt gleichzeitig die nächste, definitiv folgende Schlacht an. Kein Ende ist in Sicht, es regiert das Prinzip von Schlag und Gegenschlag. Allerdings befinden wir uns im Moment des Dazwischen, in dem Ruhe herrscht, mitten in einer kurzen Atempause, die zum Nachdenken anregt.

Rabih Mroué ist mit beiden Momenten – Kampf und Waffenruhe – sehr vertraut. 1967 im Libanon geboren erlebt er die Zeit des Bürgerkrieges von 1975 bis 1990 bewusst mit. Er muss erfahren, wie seine eigenen Familienmitglieder durch Angriffe bedroht und sogar verletzt werden. Diese existentiellen Erfahrungen prägen sein Denken und seine Kunst bis heute: Inhaltlich beschäftigen sich seine Arbeiten mit den politischen Entwicklungen im Libanon und dem Nahen Osten. Bilder von Krieg und Terror, persönliche Erlebnisse und deren Auswirkungen auf das Individuum bilden ein wiederkehrendes Thema. Dabei entstehen nie dokumentarische Werke, ganz im Gegenteil – aus gesammelten Fakten entwickelt er komplexe Erzählungen in denen er fiktive Elemente mit realen Geschehnissen und persönlichen Erlebnissen verwebt. Schreckensmeldungen, Gewalttaten, grauenhafte Bilder verbindet er mit Schilderungen, die zwar nüchtern erzählt, doch bis ins Legendenhafte reichen. Er setzt damit der Nüchternheit von Tatsachenberichten und Bildern aus Zeitung, Funk, Fernsehen oder dem Internet eigene Geschichten, Interpretationen der Ereignisse und seine Sprache entgegen, denn den medial gelieferten Darstellungen der Begebenheiten misstraut er zutiefst. Er hinterfragt deren Wahrheitsgehalt und verfolgt, wie mittels gestreuter Bilder und Nachrichten die Geschichte eines Landes neu geschrieben wird. Gleichzeitig strickt er selbst aktiv an Geschichte und Gegenwart mit, indem mit seinen Werken seine eigene, persönliche Sicht auf Gesehnisse wie Entwicklungen verbreitet.

Mittlerweile ist Rabih Mroué einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler des Libanons. Sein vielfältiges Werk umspannt Literatur, Theater, Performance und bildende Kunst. An den Schnittstellen dieser Disziplinen entwickelt er neue, zeitgemäße Wege, die verschiedenen Gattungen und deren Sprachen miteinander zu verbinden. Er hinterfragt die Abgrenzung zwischen Theater und Kunst, das Verhältnis zwischen Raum und Form des Kunstwerkes sowie dessen Ansprache des Betrachters. Wie und durch welche Medien (Video, Installation, Performance) kann der Betrachter erreicht und in die Thematik hineingezogen werden? Wie kann sich Individualität entfalten, wenn sich das Leben in steter Gefahr befindet? Wie greifen durchlebte, geschilderte und erfundene Lebensrealität ineinander? Rabih Mroué widmet sich den politischen und kulturellen Kontexten der herrschenden Konflikte ebenso wie er die Konstruktion von Identität, Geschichte oder die Relevanz von Erinnerung und Vergessen ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit rückt. So verhilft er einem komplexen Prozess, der unmittelbaren Einfluss auf Formierung und Beschaffenheit von Individuum, Gesellschaft, Politik, Ökonomie und Kunst hat, zu seiner absolut nötigen öffentlichen Wahrnehmung.

Kunsthalle Mainz
Am Zollhafen 3–5
55118 Mainz
kunsthalle-mainz.de

Presse






Daten zu Rabih Mroué:

- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- BIENNALE OF SYDNEY, 2006
- CAFAM Biennale, 2014
- CONTOUR 7, A Moving Image Biennale in Mechelen 2015
- documenta 13, 2012
- Eine Geschichte Zeitgenössische Kunst aus dem Centre Pompidou, 2016
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Istanbul Biennale 2009
- MACBA COLLECTION
- Manifesta 7
- MoMA Collection
- Sfeir-Semler - Galerie
- SHARJAH BIENNIAL 9, 2009

Weiteres zum Thema: Rabih Mroué



Landschaft (Entfernung) - Württembergischer Kunstverein Stuttgart (31. 3.-10.6.07)


Kuratorin Katrin Mundt

Vom 31. März bis 10. Juni 2007 zeigt der Württembergische Kunstverein das Projekt «Landschaft (Entfernung)». Die Ausstellung präsentiert elf künstlerische Positionen, die das Phänomen Landschaft auf formal wie inhaltlich sehr unterschiedliche Art und Weise beleuchten. Sie wenden sich den mehr oder weniger natürlichen landschaftlichen Räumen ebenso zu wie ihren künstlerischen verfassten Repräsentationen. Sie erproben und eignen sich Landschaft an als Medium ideologischer Botschaften wie auratischer Naturerlebnisse, als Spiegel und Bühne des (Künstler-) Subjekts, als ermüdete Form künstlerischen Ausdrucks und Material alternativer Raumentwürfe.

Die Ausstellung umfasst Werke aus den letzten 30 Jahren, darunter Film- und Videoarbeiten, Fotografien, Zeichnungen und eine ortsspezifische Installation. Im Rahmen der Ausstellung wird außerdem ein Filmprogramm (27. April) sowie eine Performance des Videokünstlers, Regisseurs und Schriftstellers Rabih Mroué (28. April) zu sehen sein.

Im herkömmlichen Verständnis wird Landschaft meist gleichgesetzt mit Vorstellungen idyllisch verklärter Natur, einer obsoleten künstlerischen Tradition oder, ganz nüchtern, den für einen Ort typischen geografischen Formationen. dem Zusammentreffen bestimmter Demgegenüber wird Landschaft heute viel eher als Material und Ergebnis der Produktion von Raum verstanden. Sie wird gemäß (mehr oder weniger eindeutig benennbaren) politischen, ideologischen, traditionellen oder individuellen Interessen erzeugt und ist somit deren Inschrift Ausdruck und Repräsentation. Sie leuchtet dem Betrachter lediglich aus dem Grunde als «natürlich» ein, als die Ursachen und Motive hinter ihrer Entstehung nicht sichtbar (gemacht) werden: Landschaft ist in diesem Sinne eine polemische Setzung von Bedeutung, die ihre Rechtfertigung schuldig bleibt. Permanent umstritten, ist sie ein räumliches Arrangement auf Zeit.

Während konventionelle Formen künstlerischer Landschaftsdarstellung dem Entwurf, der Affirmation und der Naturalisierung dieser ideologisch geprägten Räume dienten, werden die hier gezeigten Positionen hingegen von dem Verdacht geleitet, dass die vorgebliche Transparenz des Raums eine optische Täuschung ist. Die Zurichtung von Landschaft auf ein ideologisches Sinnzentrum hin wird hier systematisch sabotiert. An ihre Stelle treten multiperspektivische und oft widersprüchliche Betrachtungen von Landschaft. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten wählen etwa unterschiedliche Formen künstlerischer Intervention, die sich direkt in die Oberfläche der Landschaft einschreiben, konfrontieren miteinander inkompatible Landschaftsbilder mit dem Zweck ihrer gegenseitigen Entwertung, oder analysieren Räume mit Hilfe kritisch-dokumentarischer Strategien, die sich zwischen klassischer Recherche und künstlerischer Überformung bewegen.

Diese unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Phänomen Landschaft lassen sich in einem allgemeineren Sinn als eine Auseinandersetzung mit Problemen der Entfernung lesen. Die Arbeiten nutzen und befragen Strategien der kritischen oder physischen Distanzierung, der Beobachtung aus der Entfernung oder im Detail, der medialen Brechung, die zugleich verfremdet und auf neue Art und Weise sichtbar macht (also ent-fernt) sowie Prozessen der schrittweisen oder radikalen Entfernung und Neumodellierung von Raum. ... (Presse WKV)

Abbildung: Ceal Floyer, Warning Birds, 2002, Courtesy Ceal Floyer und Lisson Gallery, London

Öffnungszeiten: Di, Do-So: 11-18 Uhr / Mi: 11-20 Uhr


Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Schlossplatz 2, 70173 Stuttgart
Fon: +49 (0)711 - 22 33 70

wkv-stuttgart.de



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