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An American Family - Kunstverein München (23.04.- 21.05.06)


Eingabedatum: 18.04.2006



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Die 1973 von Craig Gilbert produzierte Fernsehserie An American Family ist ein herausragendes Dokument der Film- und Fernsehgeschichte: Sie markiert nicht nur einen entscheidenden Einschnitt in der amerikanischen Nachkriegskultur, sondern nimmt auch die gegenwärtige Flut von "Reality TV"-Produktionen um gute dreißig Jahre vorweg. In der Tradition zahlreicher Vorläufer des dokumentarischen Films - von Frederick Wiseman über Jean Rouch und Andy Warhol - zeichnet An American Family sieben Monate aus dem Leben der kalifornischen Familie Loud nach.

Die Louds wurden als typische Kernfamilie präsentiert, die durch die kulturellen Transformationen, die das US-Amerika der frühen 70er Jahre charakterisierten, auseinander gerissen wird. Die Filmemacher Alan und Susan Raymond drehten für An American Family über 300 Stunden Material, das zu zwölf einstündigen Episoden editiert und in wöchentlichen Abständen auf dem amerikanischen Sender PBS ausgestrahlt wurde.

Am 11. Januar 1973 wurde die erste Episode übertragen und die Serie entwickelte sich schnell zum nationalen Medienereignis, das von einem Millionenpublikum verfolgt wurde. Die dokumentarische Darstellung von Scheidung, West-Coast Wohlstand und offen gelebter Homosexualität löste hitzige Debatten um das Wertesystem der Nation und ihrer Haltung gegenüber Familie und Sexualität aus. Darüber hinaus wurde die Rolle des Fernsehens in der Darstellung und Konstruktion des 'amerikanischen Nationalcharakters' diskutiert. An American Family war eine der ersten TV-Serien, die "normale Menschen" zu Medienstars machte.

Während die Fernsehserie von zahlreichen Intellektuellen angegriffen und verurteilt wurde, übte sie auf einige prominente Künstler und Akademiker wie zum Beispiel Dan Graham, John Cage und die Anthropologin Margaret Mead eine große Faszination aus. 1973 schrieb Margaret Mead in einer Ausgabe von TV Guide:

In An American Family wußte keiner, was passieren würde. Die Serie ist ganz sicher keine Form der Fiktion, aber auch keine konventionelle Fernsehdokumentation (...) Es handelt sich hier vielmehr um eine neue Kunstform. Meiner Meinung nach ist sie so neu und bedeutend wie die Erfindung des Dramas oder des Romans - eine völlig neue Sichtweise, die es Menschen ermöglicht, zu lernen das Leben zu betrachten, indem sie das echte Leben anderer Menschen, so wie es durch die Kamera interpretiert wird, beobachten.

Der Kunstverein München präsentiert An American Family in einer Ausstellung vom 22. April bis 21. Mai 2006. Neben sämtlichen Episoden der Serie werden zwei Dokumentarfilme über den Werdegang der Familie Loud nach der Ausstrahlung von An American Family zu sehen sein. Zudem wird in einem Rechercheraum die Rezeption und öffentliche Debatte um die Serie nachgezeichnet.

Am 22./23. April finden zudem ein Screening und eine Konferenz zum Thema statt. Zunächst werden ab Samstag, den 22. April um 18.00 Uhr nach einer Einführung durch den Regisseur Alan Raymond sämtliche Episoden von An American Family in einem 12-stündigen Screening vorgeführt. Am Sonntag, den 23. April 2006, präsentiert Alan Raymond ab 14 Uhr Archivmaterial sowie zwei weitere Filme, die das Leben der Familie Loud in den Jahren nach der Ausstrahlung der Serie dokumentieren: An American Family Revisited. The Louds Ten Years Later (1983) und Lance Loud! A Death in an American Family (2003). Die jüngste Dokumentation konzentriert sich auf den verstorbenen Lance Loud, den genialischen Sohn der Familie, Freund und Fan von Andy Warhol, Frontsänger der bekannten New Yorker No-Wave-Band The Mumps, prominenter Journalist und erster offen schwuler Mann, der im Fernsehen auftrat. Zum Abschluß des Wochenendes wird um 17 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Alan Raymond (Regisseur AAF), Stuart Comer (Kurator Film & Video, Tate Modern, London) und Christof Decker (Filmwissenschaftler, München) stattfinden.

An American Family ist konzipiert in Zusammenarbeit mit Stuart Comer (Tate Modern) und CASCO, Utrecht. (Presse KV München)

Kunstverein München
Galeriestraße 4 D-80539 München
Tel: ++49 (0) 89 221 152

kunstverein-muenchen.de

ch




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