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Modelle - Allegorien des Realen, Kunsthalle Göppingen (4.3.-22.4.2007)


Eingabedatum: 19.02.2007


Modelle – Allegorien des Realen
Kunsthalle Göppingen 04.03. – 22.04.2007

Der französische Philosoph Jean Baudrillard hat unsere Zeit einmal wie folgt charakterisiert: Es gäbe heute keine Realität mehr, sondern nur noch Abbilder ohne Ursprung - Simulakra und Modelle, die ihren Bezug zu dem verloren haben, was sie repräsentieren und modellieren. Wieder einmal säßen wir in Platons Höhle und beschauten gebannt das Spiel der Schatten, nämlich die tanzenden, zitternden und zuckenden Schatten der Massenmedien. Die Dinge, die diese Schatten werfen, erkennen wir nicht mehr. Deshalb sprach Baudrillard von der "Agonie des Realen". Die Apokalypse hat längst stattgefunden - nur hat es keiner gemerkt.

Die Ausstellung "Modelle - Allegorien des Realen" in der Kunsthalle Göppingen sagt dieser apokalyptischen Kulturkritik Lebewohl. Zum Gegenstand hat sie das Modell - doch die Künstler Xu Zhongmin, Won Ju Lim, Yuan Shun und Clemens Fürtler weisen in ihren Bildern aus Modellen ein neues, weniger fatalistisches Verhältnis zur Idee, zu den Möglichkeiten und zur Ästhetik des Modells auf. An Stelle der Melancholie angesichts einer verlorenen Ursprünglichkeit oder "Realität" tritt das selbstbewusste, eindrucksvolle Bilder hervorbringende Spiel mit Modellen der Wirklichkeit - ob im mythischen Landschaftsmodell bei Yuan Shun, in der auf einer Modelleisenbahnanlage basierenden "Bildmaschine" Clemens Fürtlers oder in den geheimnisvoll anmutenden Projekten Won Ju Lims. Yuan Shun spielt in seinen Landschaften mit Momenten der Ununterscheidbarkeit zwischen Fotografie und Modell, Won Ju Lims Arbeiten wohnt ein durchaus poetisches Moment inne, das selbst in Modulen und Modellen eine ästhetische, sogar verklärende Qualität entdeckt. Xu Zhongmin wiederum hat einen mystischen Zugang zum Modell, während in Fürtlers (Modell-)Eisenbahn eine winzige Kamera die endlosen Fahrten der Lokomotive durch ein vertracktes Schienennetz dokumentiert - alles ist in Bewegung, doch nichts kommt jemals an.

Die Fotografien, Projektionen und Installationen der Künstler setzen Modelle ein als Zugang zu Welt, als Instrument von Wahrnehmung und Erkenntnis. Das Kunstwerk als das "künstliche" Bild oder als Modell ist einmal mehr Schnittstelle, Mittler zwischen Betrachter und einer imaginären, nichtsdestotrotz "realen" Welt. Das Modell ersetzt oder überlagert nicht die Realität, wie die "enttäuschten Heilsverkünder der Postmoderne" (Beat Wyss) annehmen, es ist vielmehr Teil eines umfassenden Prozesses der Wirklichkeitsbildung - eine Wirklichkeit, die in Bildern, in Kunstwerken real wird. Eine ursprüngliche, reine, paradiesische Realität gibt es allenfalls in Platons Ideenhimmel. Und der ist schwer ausstellbar.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Wolf-Guenter Thiel (Beijing Royal Art Museum) und Katharina Neuburger und Jörg Scheller, den beiden Redakteuren des Hochschulmagazins Munitionsfabrik der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Die siebzehnte Ausgabe (Februar 2007) ist der Debatte um simulierte Welten und Modelle gewidmet, dem Thema der Kunstwerke der Ausstellung. Das Hochschulmagazin enthält eine Vielzahl von Essays u.a. von Beat Wyss, Boris Groys, Luca di Blasi, Martin Andree, Marc Jongen, von den Kuratoren und von jungen Wissenschaftlern der Karlsruher Hochschulen. (Presse KH Göppingen)

Abbildung: Yuan Shun, mindscape #16, 2003-2004, c-print, 128 x 180 cm, VG Bild-Kunst, Bonn

Öffnungszeiten: Di – Fr 13 – 19 Uhr, Sa und So 11 – 19 Uhr; Mo geschlossen.

Kunsthalle Göppingen
Marstallstraße 55, D-73033 Göppingen
Tel. 49 (0) 71 61/65 07 77

kunsthalle-goeppingen.de


ch





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