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Quer zum Strom. Malerei und Grafik der 1980er Jahre

23.11.2025 - 25.01.2026 | Rathaushalle, Frankfurt (Oder)

Eingabedatum: 22.11.2025

Werkabbildung
Cornelia Schleime, o. T., 1980, Öl auf Leinen © Künstlerin, Foto: Ludwig Rauch
Sie schwammen gegen den Strom: Künstlerinnen und Künstler, die in den 1980er Jahren in der DDR lebten, suchten nach Freiräumen, nach Ausdruck, nach Wahrheit. Ihre Werke erzählen von Aufbruch, Widerspruch und innerer Freiheit. Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) zeigt sie in der Ausstellung Quer zum Strom in der Rathaushalle Frankfurt (Oder) – mit Malerei und Grafik aus der eigenen Sammlung.

Die 1980er Jahre in der DDR waren geprägt von einem widersprüchlichen kulturellen Klima: gesellschaftliche Erstarrung traf auf revolutionäres Aufbegehren, Kontrolle auf künstlerische Eigensinnigkeit. Viele Kunstschaffende bewegten sich auf einem schmalen Grat zwischen staatlicher Anpassung und subversiver Gegenwehr. Trotz der Restriktionen entstanden Freiräume, in denen experimentelle Kunstformen wachsen konnten und kritische Bildinhalte ihren Weg in offizielle Ausstellungen fanden.
Die Werke der 67 Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung zeigen eindrucksvoll die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen jener Dekade. Von expressiven und surreal verschlüsselten Arbeiten über realistische Darstellungen gesellschaftlicher Prozesse bis hin zu streng konstruktiven, geometrisch-abstrakten Kompositionen. Während einige Künstler*innen das Figürliche und Erzählerische suchten, widmeten sich andere der nonfigurativen Kunst – einer „stillen Kunst“ von autonomer, sinnlicher Kraft. Auch Werke von Künstler*innen, die die DDR verlassen hatten, sind Teil der Schau. Viele von ihnen entwickelten ihre individuelle Bildsprache bereits im Osten und setzten sie im Westen fort – unter neuen Bedingungen, aber mit vertrauter Handschrift. Damit verbindet Quer zum Strom künstlerische Entwicklungen diesseits und jenseits der Mauer und vereint Kunstschaffende, die sich nicht treiben ließen, sondern durch die Strömungen ihrer Zeit navigierten.

Mit Werken von Karl-Heinz Adler, Wolfgang Barton, Annemirl Bauer, Lutz Dammbeck, Hartwig Ebersbach, E.R.N.A., Lothar Fiedler, Lutz Fleischer, Lutz Friedel, Ellen Fuhr, Ingrid Goltzsche-Schwarz, Hans-Hendrik Grimmling, Clemens Gröszer, Klaus Hähner-Springmühl, Bernd Hahn, Claus Hänsel, Angela Hampel, Günter Hein, Peter Herrmann, Veit Hofmann, Günther Hornig, Monika Janus-Sommer, Anton Paul Kammerer, Petra Kasten, Klaus Killisch, Siegfried Klotz, Matthias Körner, Claudia Kutžera, Heide-Marlis Lautenschläger, Wolfgang Leber, Helge Leiberg, Peter Makolies, Michael Morgner, Maja Nagel, Monika Maria Nowak, Volker Palma, Frank Panse, Christine Perthen, Stefan Plenkers, Núria Quevedo, Neo Rauch, Ulrich Richter, Karin Sakrowski, Hans Scheib, Hans Scheuerecker, Jürgen Schieferdecker, Christine Schlegel, Cornelia Schleime, Gil Schlesinger, Sven Schmidt, Eva-Maria Schreiter, Wolfgang Smy, Erika Stürmer-Alex, Hans Ticha, Gudrun Trendafilov, Dieter Tucholke, Steffen Volmer, Ulla Walter, Falko Warmt, Claus Weidensdorfer, Trak Wendisch, Jürgen Wenzel, Anna Werkmeister, Gerhard Wienckowski, Karla Woisnitza, Doris Ziegler, Dieter Zimmermann

23.11.2025 - 25.01.2026

Rathaushalle, Frankfurt (Oder)

Rathaushalle Marktplatz 1, 15230 Frankfurt (Oder)

https://www.blmk.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Die beschriebene Kunst der 1980er Jahre in der DDR markiert die finale Erosion des dogmatischen Sozialistischen Realismus. An seine Stelle trat ein stilistischer Pluralismus, der von expressiv-figurativen, oft mythologisch verschlüsselten Bildwelten (z.B. bei Hartwig Ebersbach, Angela Hampel) über gesellschaftskritischen Realismus bis hin zu nonfigurativer, konstruktivistischer Kunst (z.B. Karl-Heinz Adler) reichte. Künstlerische Strategien wie metaphorische Verschlüsselung und die Hinwendung zur eigenen Körperlichkeit dienten als subversiver Ausdruck von Individualität und als Kommentar zur gesellschaftlichen Erstarrung. Diese Generation, oft als „unangepasst“ oder Teil einer subkulturellen Szene beschrieben, artikulierte so den inneren Zerfall des Systems. Die Einbeziehung von ausgereisten Künstlerinnen wie Cornelia Schleime verweist zudem auf die Verflechtungen der alternativen Kunstszenen in Ost und West vor dem Mauerfall.
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