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Kerry James Marshall. The Histories / Geschichte(n)

27.02. - 16.08.2026 | Kunsthaus Zürich

Eingabedatum: 20.02.2026

Werkabbildung
Kerry James Marshall, Untitled (Painter), 2008 Acryl auf PVC-Platte, 184,8 × 155,6 cm Richard Norton Memorial Fund and purchase through the generosity of Nancy B. Tieken © Kerry James Marshall. Foto: Harvard College
Mit der gross angelegten Ausstellung «Kerry James Marshall: The Histories / Geschichte(n)» präsentiert das Kunsthaus Zürich vom 27. Februar – 16. August 2026 erstmals in der Schweiz das monumentale Werk des US-amerikanischen Künstlers Kerry James Marshall, einem der wichtigsten Maler der Gegenwart. Seine lebendigen, vielschichtigen Gemälde stellen Fragen nach Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und historischer Verantwortung – und eröffnen neue Perspektiven auf die Kunstgeschichte.

Zum ersten Mal wird dem afroamerikanischen Künstler Kerry James Marshall (geb. 1955 in Birmingham, Alabama; lebt in Chicago) in der Schweiz eine umfassende Ausstellung seiner grossformatigen, bis zu sieben Meter breiten Gemälde gewidmet. Nach London ist die Ausstellung im Kunsthaus Zürich zu sehen, bevor sie weiter nach Paris reist. Marshall zählt zu den einflussreichsten Kunstschaffenden der Gegenwart und übt einen nahezu beispiellosen Einfluss darauf aus, wie Repräsentation, Kunstgeschichte und soziale Machtverhältnisse durch die Malerei zum Ausdruck gebracht werden.

KÖNNERSCHAFT UND KUNSTGESCHICHTE

Marshall malt grosse, allegorische, anspielungsreiche und höchst virtuose Gemälde, die von einem konzeptuell komplexen Geflecht persönlicher und kultureller Bezugspunkte leben. Er greift auf einen reichen Fundus an Bildmotiven aus Geschichte und Populärkultur zurück, die in manchen Fällen zuvor kaum miteinander in Verbindung gebracht wurden. Inhaltlich steht im Zentrum von Marshalls Schaffen ferner die kritische Auseinandersetzung mit der marginalisierten Darstellung Schwarzer Menschen in der westlichen Bildtradition. Bereits früh beschäftigte er sich mit der Kunstgeschichte und ihren Institutionen – mit Museen, Akademien und den darin vermittelten Bildkonventionen. Seit Mitte der 1980er-Jahre untersucht er gezielt das Genre der Historienmalerei – einst höchstes künstlerisches Prestigeformat. Seine Frage: Wie lässt sich Schwarze Geschichte überhaupt sichtbar machen, wenn weisse Institutionen ihr über Jahrhunderte keinen Raum gaben?

EIN PIONIER NEUER SICHTBARKEIT

Marshall gilt als Wegbereiter im Aufbrechen kunsthistorischer Ausschlussmechanismen. Einen Wendepunkt markierte Marshalls Retrospektive «Mastry» (2016), die in Chicago, New York und Los Angeles gezeigt wurde. Sie war eine der ersten grossen mehrteiligen Museumsausstellungen eines lebenden Schwarzen Künstlers und wurde international als Meilenstein gefeiert.

Parallel dazu veränderte sich in den letzten zwanzig Jahren die öffentliche Sichtbarkeit Schwarzer Kunst markant. Marshall selbst reflektierte 2010 im Arts Club of Chicago die geringe Zahl Schwarzer Besuchender und die ebenso geringe Präsenz Schwarzer Figuren in musealen Sammlungen – ein Verhältnis, das seiner Ansicht nach symptomatisch für strukturelle Ausschlüsse ist.



FARBENPRACHT UND KRITISCHE BEFRAGUNG

Seine Gemälde wirken auf den ersten Blick farbenprächtig und virtuos. Unter der Oberfläche entfalten sich komplexe Erzählungen über Themen wie Bürgerrechtsbewegungen, transatlantische Sklaverei, kulturellen Transfer und Schwarze Alltagskultur. Das Werk «The Club» (2011/12) etwa zeigt eine lebhafte Clubszene, die zugleich tief in historischen Symbolen und Identitätsfragen verwurzelt ist. Marshall verbindet präzise Maltechnik – glänzende Haut, textile Oberflächen, ikonografische Muster – mit einer Erzählung über Freude, Präsenz und Selbstbestimmung.

WERK MIT UNIVERSELLER AUSSAGE

Ausstellungskurator Mark Godfrey fasst die Bedeutung von Marshalls Werk zusammen: «Wenn anhaltende Ungleichheit dazu führt, Mythen eines goldenen Zeitalters zu konstruieren, wenn ausgelöschte Geschichten Anerkennung fordern, dann konfrontieren uns diese Gemälde mit der Frage, was nötig wäre, um sich der Geschichte ehrlich zu stellen. […] Die universelle Botschaft lautet zudem, dass damit ein Prozess der Heilung beginnt.»

«I never think of artworks as having a quality that's intended to mobilize people to action. They don't make people do things. But they do put questions in the mind of a viewer that they may not have entertained before.» (Kerry James Marshall)

Mit dieser gross angelegten Ausstellung würdigt das Kunsthaus Zürich einen der bedeutendsten Kunstschaffenden der Gegenwart – und öffnet einen Raum für Diskussion, Reflexion und neue Perspektiven. Ein Aufruf zur Sichtbarkeit in der Kunst wie in der Gesellschaft.

27.02. - 16.08.2026

Kunsthaus Zürich

Heimplatz 1, 8001 Zürich

https://www.kunsthaus.ch

Presse

Kontext

Einordnung:
Kerry James Marshall gilt als Schlüsselfigur der zeitgenössischen Malerei, indem er das klassische Genre der Historienmalerei radikal dekonstruiert und aus einer afroamerikanischen Perspektive neu besetzt. Seine monumentalen, allegorischen Kompositionen brechen die jahrhundertelange Unsichtbarkeit Schwarzer Subjekte im westlichen Kanon auf und fordern durch eine höchst virtuose Maltechnik sowie komplexe Ikonografien die institutionellen Machtverhältnisse heraus. Marshall verknüpft dabei kunsthistorische Referenzen mit Populärkultur und bürgerrechtlichen Themen, um strukturelle Ausschlussmechanismen innerhalb der Kunstgeschichte zu thematisieren. Indem er Schwarze Identität und Geschichte in das ehemals prestigeträchtigste Bildformat überführt, fungiert sein Werk als notwendige Korrektur einer eurozentrischen Bildtradition und integriert Fragen nach Repräsentation und kollektiver Heilung in den musealen Diskurs der Gegenwart.
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