Günther Uecker. Die Verletzlichkeit der Welt
08.02. - 14.06.2026 | Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen
Eingabedatum: 01.02.2026

Günther Uecker (1930-2025) zählt international zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Nachkriegsmoderne bis in die Gegenwart. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen zeigt mit der Ausstellung Günther Uecker: Die Verletzlichkeit der Welt ab dem 8. Februar 2026 die letzte mit Günther Uecker in enger Zusammenarbeit entwickelte Museumsschau, die seine intensive Beziehung zu dem ehemaligen Künstlerbahnhof Rolandseck in den Blick nimmt. Umgesetzt wird die von Jutta Mattern kuratierte Ausstellung nun gemeinsam mit dem Uecker Archiv als Hommage an das vielschichtige Werk des Künstlers. Präsentiert werden rund 45 Werke aus den Jahren 1957 bis 2024. Im Fokus stehen dabei Ueckers "übernagelte Objekte" sowie seine Fragestellung nach der "Verletzlichkeit des Menschen durch den Menschen", mit der sich der Künstler lebenslang in seinen Malereien, textilen Objekten, Nagelreliefs und -objekten, kinetischen Arbeiten, Lichtobjekten, Installationen, Bühnenbildern sowie Filmen befasst hat.
Günther Uecker wurde 1930 in Wendorf in Mecklenburg geboren. In den 1950er-Jahren studierte er Malerei in Wismar und an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee, verließ 1953 die DDR und siedelte ins Rheinland über, wo er an der Kunstakademie Düsseldorf sein Studium ab 1955 fortführte. Dort entstanden seine ersten Nagelbilder und -reliefs, die anhand dicht gesetzter Nägel Strukturen erzeugen, die im Schattenwurf der Nägel Lichtdynamiken hervorbringen. Werkgruppen wie Nagelfelder oder Sandmühlen, die zu Ueckers "biografischen Erinnerungsbildern" zählen, verweisen etwa durch die Wandelbarkeit der Form durch Bewegung auf Zyklen der Natur und das Verhältnis des Menschen zu ihr. Mit der Verbindung von Materialität, Struktur und Zeit legte er seinen Werken oftmals eine spirituelle Rezeption zugrunde. Durch die Düsseldorfer ZERO-Gruppe, die 1958 Heinz Mack und Otto Piene gründeten und der sich Günther Uecker anschloss, erlangte er internationale Bekanntheit. Bei dem Mitternachtsball – ZERO ist gut für Dich wurde die Gruppe im November 1966 im Künstlerbahnhof Rolandseck aufgelöst.
Die 1960er-Jahre prägten Günther Ueckers persönlichen Bezug zum ehemaligen Künstlerbahnhof Rolandseck und zu Johannes Wasmuth (1936-1997), der 1964 den verlassenen Bahnhof entdeckte und zusammen mit Vertreter*innen der rheinischen Kulturszene, darunter Uecker, zu einem Ort für Kunst, Musik und Literatur machte. Die Schau Günther Uecker: Die Verletzlichkeit der Welt rückt anhand von zwei ortsspezifischen Arbeiten den Entstehungsmoment des Kunstbahnhofs in den Fokus: Der Film Die Treppe (1964) zeigt Uecker, der sich durch das Setzen einer Nagelspur vom Vorplatz bis in das Treppenhaus des Gebäudes dem spätklassizistischen Bahnhof mit Hammerschlägen annähert. Die Arbeit Bett zum Aufwachen (1965) fertigte Uecker für Wasmuth persönlich an – eine mit Nagelreliefs gestaltete räumliche Struktur mit Baldachin, die Wasmuth als Bett inmitten des maroden Bahnhofsgebäudes dienen sollte. Der Ort etablierte sich in der Folgezeit zu einer strahlkräftigen Kulturstätte fernab der Epizentren der Kunst entlang des Rheins.
Mit diesem Bezugspunkt beleuchtet die Ausstellung Günther Ueckers ikonische Werkreihe der Nagelreliefs und ihr vorausgegangene Arbeiten. Besonderen Stellenwert erhalten die "übernagelten Objekte" alltäglicher Gegenstände wie Tisch, Stuhl, Klavier und Nähmaschine, die in Zusammenhang mit Ueckers Bett zum Aufwachen innerhalb der Ausstellung einzuordnen sind und in einen Dialog miteinander treten. Werke aus der Reihe Verletzungen und Verbindungen oder Stoffarbeiten wie der 1994 realisierte Brief an Peking (Menschenrechte) zeugen von der Beschäftigung des Künstlers mit Krieg, Unterdrückung und ökologischen Krisen. Sie sind ein wesentlicher Teil der Ausstellung und verweisen auf den humanistischen Ansatz und die soziale Verantwortung, die Uecker zeitlebens mit seiner Kunst verband.
Günther Ueckers Werke wurden vielfach international ausgestellt und rezipiert. Als er 2025 in Düsseldorf verstarb, hatte er seine Arbeiten bereits in über 60 Ländern gezeigt. Zuletzt gestaltete er mit Lichtbogen Kirchenfenster für den Schweriner Dom St. Marien und St. Johannis, im Arp Museum wird einer seiner Entwürfe zu sehen sein.
Zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König ein Katalog (dt./engl.) mit einem Vorwort von Julia Wallner und Texten von Ory Dessau, Heinz-Norbert Jocks und Jutta Mattern; begleitet von historischen Texten von Max Imdahl, Wieland Schmied, Heiner Stachelhaus und Alexander Tolnay sowie von Gedichten und Textauszügen von Günther Uecker.
Günther Uecker wurde 1930 in Wendorf in Mecklenburg geboren. In den 1950er-Jahren studierte er Malerei in Wismar und an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee, verließ 1953 die DDR und siedelte ins Rheinland über, wo er an der Kunstakademie Düsseldorf sein Studium ab 1955 fortführte. Dort entstanden seine ersten Nagelbilder und -reliefs, die anhand dicht gesetzter Nägel Strukturen erzeugen, die im Schattenwurf der Nägel Lichtdynamiken hervorbringen. Werkgruppen wie Nagelfelder oder Sandmühlen, die zu Ueckers "biografischen Erinnerungsbildern" zählen, verweisen etwa durch die Wandelbarkeit der Form durch Bewegung auf Zyklen der Natur und das Verhältnis des Menschen zu ihr. Mit der Verbindung von Materialität, Struktur und Zeit legte er seinen Werken oftmals eine spirituelle Rezeption zugrunde. Durch die Düsseldorfer ZERO-Gruppe, die 1958 Heinz Mack und Otto Piene gründeten und der sich Günther Uecker anschloss, erlangte er internationale Bekanntheit. Bei dem Mitternachtsball – ZERO ist gut für Dich wurde die Gruppe im November 1966 im Künstlerbahnhof Rolandseck aufgelöst.
Die 1960er-Jahre prägten Günther Ueckers persönlichen Bezug zum ehemaligen Künstlerbahnhof Rolandseck und zu Johannes Wasmuth (1936-1997), der 1964 den verlassenen Bahnhof entdeckte und zusammen mit Vertreter*innen der rheinischen Kulturszene, darunter Uecker, zu einem Ort für Kunst, Musik und Literatur machte. Die Schau Günther Uecker: Die Verletzlichkeit der Welt rückt anhand von zwei ortsspezifischen Arbeiten den Entstehungsmoment des Kunstbahnhofs in den Fokus: Der Film Die Treppe (1964) zeigt Uecker, der sich durch das Setzen einer Nagelspur vom Vorplatz bis in das Treppenhaus des Gebäudes dem spätklassizistischen Bahnhof mit Hammerschlägen annähert. Die Arbeit Bett zum Aufwachen (1965) fertigte Uecker für Wasmuth persönlich an – eine mit Nagelreliefs gestaltete räumliche Struktur mit Baldachin, die Wasmuth als Bett inmitten des maroden Bahnhofsgebäudes dienen sollte. Der Ort etablierte sich in der Folgezeit zu einer strahlkräftigen Kulturstätte fernab der Epizentren der Kunst entlang des Rheins.
Mit diesem Bezugspunkt beleuchtet die Ausstellung Günther Ueckers ikonische Werkreihe der Nagelreliefs und ihr vorausgegangene Arbeiten. Besonderen Stellenwert erhalten die "übernagelten Objekte" alltäglicher Gegenstände wie Tisch, Stuhl, Klavier und Nähmaschine, die in Zusammenhang mit Ueckers Bett zum Aufwachen innerhalb der Ausstellung einzuordnen sind und in einen Dialog miteinander treten. Werke aus der Reihe Verletzungen und Verbindungen oder Stoffarbeiten wie der 1994 realisierte Brief an Peking (Menschenrechte) zeugen von der Beschäftigung des Künstlers mit Krieg, Unterdrückung und ökologischen Krisen. Sie sind ein wesentlicher Teil der Ausstellung und verweisen auf den humanistischen Ansatz und die soziale Verantwortung, die Uecker zeitlebens mit seiner Kunst verband.
Günther Ueckers Werke wurden vielfach international ausgestellt und rezipiert. Als er 2025 in Düsseldorf verstarb, hatte er seine Arbeiten bereits in über 60 Ländern gezeigt. Zuletzt gestaltete er mit Lichtbogen Kirchenfenster für den Schweriner Dom St. Marien und St. Johannis, im Arp Museum wird einer seiner Entwürfe zu sehen sein.
Zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König ein Katalog (dt./engl.) mit einem Vorwort von Julia Wallner und Texten von Ory Dessau, Heinz-Norbert Jocks und Jutta Mattern; begleitet von historischen Texten von Max Imdahl, Wieland Schmied, Heiner Stachelhaus und Alexander Tolnay sowie von Gedichten und Textauszügen von Günther Uecker.
08.02.2026 - 14.06.2026
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen
Presse
Kontext
Einordnung:Günther Uecker prägte als zentraler Vertreter der deutschen Nachkriegsmoderne und Mitglied der ZERO-Gruppe eine Ästhetik, die Licht, Struktur und Bewegung radikal neu definierte. Durch seine ikonischen „übernagelten Objekte“ und Nagelreliefs transformierte er materielle Schwere in kinetische Energiefelder, in denen Lichtdynamiken und Schattenwürfe die Statik überwinden. Während seine frühen Werkgruppen wie die „Sandmühlen“ zyklische Naturprozesse und spirituelle Rezeptionen thematisieren, weitet sich sein Werk zunehmend in den gesellschaftspolitischen Raum aus. Die Verbindung von aggressiver Nagelung und fragiler Materialität dient dabei als Metapher für die „Verletzlichkeit des Menschen durch den Menschen“. Ueckers Schaffen bildet somit eine Brücke von der prozesshaften Abstraktion hin zu einem tiefen Humanismus, der ökologische Krisen und soziale Verantwortung in den Fokus der zeitgenössischen Kunst rückt.







