Arno Fischer. Fotografie
31.01. - 28.06.2026 | Schloss Filseck, Uhingen
Eingabedatum: 23.01.2026

Die Ausstellung gibt Einblick in das fotografische Werk Arno Fischers (1927–2011) und präsentiert zentrale Serien, die vom Berlin der Nachkriegszeit über die Jahre des Kalten Krieges bis nach New York in den 1980er Jahren führen. Fischer interessierte sich weniger für das große politische Ereignis als für die leisen, oft übersehenen Momente des Alltags – für das Poetische im Nüchternen und das Bedeutsame im Unscheinbaren.
1927 in Berlin-Wedding geboren und früh verwaist, begann Fischer nach seinen Kriegserfahrungen 1946 ein Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Während des Studiums wandte er sich zunehmend der Fotografie zu und entwickelte einen sozialdokumentarischen Blick auf seine Umgebung. Eine entscheidende Bestärkung erfuhr er 1955 durch den Besuch der Wanderausstellung The Family of Man, kuratiert von Edward Steichen. Die international ausgerichtete Schau, die humanistische Fotografie und universelle menschliche Erfahrungen in den Mittelpunkt stellte, prägte Fischers Verständnis von Fotografie nachhaltig.
Diese Haltung zeigt sich exemplarisch in seiner Werkreihe Situation Berlin (1953–1960), in der Fischer das Leben in der in vier Sektoren geteilten Stadt festhielt. Er fotografierte politische Kundgebungen ebenso wie Rummelplätze, Baustellen oder den Kurfürstendamm und richtete den Blick bewusst auf Szenen jenseits des offiziell „Bildwürdigen“. In der Aufnahme Ost-Berlin, Friedensfahrt, Prenzlauer Berg (1957) etwa steht nicht das Ereignis selbst, sondern die beobachtenden Menschen im Zentrum des Bildes.
Einen weiteren wichtigen Werkkomplex bilden Fischers Arbeiten für die Modezeitschrift Sibylle (1956–1995), deren Bildsprache er maßgeblich mitprägte. Als bedeutendste Mode- und Kulturzeitschrift der DDR bot sie ihren Fotograf*innen bemerkenswerte gestalterische Freiräume. Fischer entwickelte hier eine reportagehafte Modefotografie, die den unverwechselbaren Stil der Zeitschrift entscheidend formte.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt zudem auf Fischers Reisen nach New York in den Jahren 1978 und 1984, die er gemeinsam mit der Fotografin und seiner Partnerin Sibylle Bergemann unternahm. Beide entwickelten unabhängig voneinander eigenständige Bilder der Stadt, geprägt von sozialen Gegensätzen, kultureller Vielfalt und urbanen Umbrüchen – Arbeiten, die beispielhaft für Street Photography stehen.
Neben seinem fotografischen Schaffen engagierte sich Fischer intensiv in der Lehre, unter anderem in Leipzig und Dortmund, sowie als Mitbegründer der Fotoschule am Schiffbauerdamm und der Ostkreuzschule. Ein eigener Ausstellungsbereich widmet sich seinem künstlerischen Umfeld und zeigt Arbeiten von Sibylle Bergemann und weiteren Weggefährt*innen, wie Ute und Werner Mahler, Roger Melis, Brigitte Voigt u.a. Diese erweitern den Blick auf Fischers Werk und machen die gemeinsamen Einflüsse sowie den geteilten Blick auf den entscheidenden Moment sichtbar.
1927 in Berlin-Wedding geboren und früh verwaist, begann Fischer nach seinen Kriegserfahrungen 1946 ein Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Während des Studiums wandte er sich zunehmend der Fotografie zu und entwickelte einen sozialdokumentarischen Blick auf seine Umgebung. Eine entscheidende Bestärkung erfuhr er 1955 durch den Besuch der Wanderausstellung The Family of Man, kuratiert von Edward Steichen. Die international ausgerichtete Schau, die humanistische Fotografie und universelle menschliche Erfahrungen in den Mittelpunkt stellte, prägte Fischers Verständnis von Fotografie nachhaltig.
Diese Haltung zeigt sich exemplarisch in seiner Werkreihe Situation Berlin (1953–1960), in der Fischer das Leben in der in vier Sektoren geteilten Stadt festhielt. Er fotografierte politische Kundgebungen ebenso wie Rummelplätze, Baustellen oder den Kurfürstendamm und richtete den Blick bewusst auf Szenen jenseits des offiziell „Bildwürdigen“. In der Aufnahme Ost-Berlin, Friedensfahrt, Prenzlauer Berg (1957) etwa steht nicht das Ereignis selbst, sondern die beobachtenden Menschen im Zentrum des Bildes.
Einen weiteren wichtigen Werkkomplex bilden Fischers Arbeiten für die Modezeitschrift Sibylle (1956–1995), deren Bildsprache er maßgeblich mitprägte. Als bedeutendste Mode- und Kulturzeitschrift der DDR bot sie ihren Fotograf*innen bemerkenswerte gestalterische Freiräume. Fischer entwickelte hier eine reportagehafte Modefotografie, die den unverwechselbaren Stil der Zeitschrift entscheidend formte.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt zudem auf Fischers Reisen nach New York in den Jahren 1978 und 1984, die er gemeinsam mit der Fotografin und seiner Partnerin Sibylle Bergemann unternahm. Beide entwickelten unabhängig voneinander eigenständige Bilder der Stadt, geprägt von sozialen Gegensätzen, kultureller Vielfalt und urbanen Umbrüchen – Arbeiten, die beispielhaft für Street Photography stehen.
Neben seinem fotografischen Schaffen engagierte sich Fischer intensiv in der Lehre, unter anderem in Leipzig und Dortmund, sowie als Mitbegründer der Fotoschule am Schiffbauerdamm und der Ostkreuzschule. Ein eigener Ausstellungsbereich widmet sich seinem künstlerischen Umfeld und zeigt Arbeiten von Sibylle Bergemann und weiteren Weggefährt*innen, wie Ute und Werner Mahler, Roger Melis, Brigitte Voigt u.a. Diese erweitern den Blick auf Fischers Werk und machen die gemeinsamen Einflüsse sowie den geteilten Blick auf den entscheidenden Moment sichtbar.
31.01.2026 - 28.06.2026
Galerie im Ostflügel, Schloss Filseck
Schloss Filseck, 73066 Uhingen
Presse
Kontext
Einordnung:Arno Fischer markiert eine Schlüsselposition der deutschen Fotografiegeschichte, indem er den internationalen Humanismus einer „Family of Man“ in den spezifischen Kontext der DDR-Moderne und des geteilten Berlins übertrug. Sein Werk bricht mit dem Pathos des offiziellen Bildauftrags und etabliert stattdessen eine sozialdokumentarische Ästhetik des Beiläufigen, die das Poetische im Nüchternen verortet. Durch die Fusion von Reportageelementen und Modefotografie in der Zeitschrift *Sibylle* sowie seine Street Photography in New York schuf Fischer eine bildsprachliche Brücke zwischen Ost und West. Gemeinsam mit Weggefährt*innen wie Sibylle Bergemann oder Ute Mahler definierte er den „entscheidenden Moment“ neu und prägte als Lehrer sowie Mitbegründer der *Ostkreuzschule* Generationen von Fotograf*innen, die einen empathischen, subjektiven Blick auf die soziale Realität kultivierten.






