Lutz Dammbeck. Herakles Konzept (1977-1987)

Film - Foto - Buch - Aktion

7.3.2015 - 28.6.2015 | Weserburg I Museum für moderne Kunst, Bremen
Eingabedatum: 10.03.2015

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Lutz Dammbeck (1948 in Leipzig geboren) fasste seine Montagen aus Zeitungsausschnitten, Archivalien und Fotografien, seine Film- bzw. Mediencollagen aus Malerei, Tanz, Film und Musik, seine Installationen, Bilder, Fotografien und Texte 1984 unter der Bezeichnung „Herakles Konzept“ zusammen. Als ein sich permanent fortschreibendes Gesamtkunstwerk entwickelte sich das Herakles Konzept zu Lutz Dammbecks zentralem Thema, um das sich seine Arbeit bis heute dreht. Ausgangspunkt des Herakles Konzeptes bilden drei literarische Texte, die Lutz Dammbeck inspirierten: Das eigensinnige Kind, ein Märchen nach den Gebrüdern Grimm, Herakles 2 oder die Hydra von Heiner Müller aus dem Jahr 1972 und Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss. Die drei Teile des Romans erschienen 1975, 1978 und 1981 in Westdeutschland, und als Gesamtausgabe 1983 in der DDR.

Während das eigensinnige Kind für das Individuum steht, das versucht sich im Widerstand gegen gesellschaftliche Konventionen und Fremdbestimmung zu bilden und seine Sinne in eigener Verantwortung zu gebrauchen, durchstreift Herakles im Text von Heiner Müller als mythische Figur den Wald, der für die gesellschaftlichen Machtverhältnisse und ihre Bestimmung des Menschen steht, und damit auch für seine eigene Verstrickung in das System. Demgegenüber steht Herakles bei Peter Weiss für die herbeigesehnte Befreiung der Menschheit bzw. für die umfassende Selbstbefreiung der Unterdrückten. Modelle für die Aneignung des proletarischen Kampfes gegen die Unterdrückung leitet Weiss von Werken der bildenden Kunst und der Literatur ab.

Die antike Figur des Herakles – halb Mensch, halb Gott – bietet Dammbeck den Rahmen für seine Auseinandersetzung mit Kultur und Geschichte, mit Kunst, Macht, Philosophie und Wissenschaft. Das Thema des Herakles ist die Eigenverantwortung jedes einzelnen, sich für künstlerische Freiheit und individuelle Autonomie und gegen die Zurichtung des Individuums im Interesse anderer Mächte einzusetzen.

In der Ausstellung werden die Anfänge und die Entstehung des Herakles Konzeptes von 1977 bis 1987 thematisiert und damit die Arbeiten von Lutz Dammbeck, die trotz Zensur und Verboten noch in der DDR entstanden sind, bevor er 1986 ausreiste. Zu sehen sind Werke, die zum Herakles Konzept hinführen bzw. dieses manifestieren, wie die Aktionen oder Aufführungen der Mediencollagen La Sarraz (1981), Herakles (1985) und REALFilm (1986) bzw. ihre Filmdokumentationen. Gezeigt werden unter anderem Notizen und das Story Board zur Mediencollage Herakles mit Requisiten, wie Masken und einem Leuchtstab, das originalgrafische Buch zu REALFilm sowie Collagen.

Ergänzt wird die Ausstellung zum einen durch Arbeiten, die im Vorfeld entstanden sind und Aktionen der Szene dokumentieren, zu der Dammbeck in der DDR gehörte, wie die Künstlerzeitschrift Originalgrafische Faltblätter (1976) und einzelne Ausgaben von originalgrafischen Zeitschriften mit Beiträgen von Lutz Dammbeck, und zum anderen durch eine Auswahl seiner Filme. In den letzten Jahren umfasst das Werk Dammbecks neben großen Museums-Installationen wie in der Hamburger Kunsthalle (2006 und 2009), der Akademie der Künste Berlin (2007), im Kunstraum des Deutschen Bundestags (2012) oder im Sprengel Museum Hannover (2013) vor allem lange Dokumentarfilme, für die er Recherche und Collagetechniken als künstlerische Mittel nutzt, so bei den Filmen Das Meisterspiel (1998) oder Das Netz (2003).

Teil des Herakles Konzepts ist die von Lutz Dammbeck konzipierte Internetseite herakleskonzept.de

Weserburg I Museum für moderne Kunst

Teerhof 20, 28199 Bremen

weserburg.de

Presse



Lutz Dammbeck:


- Preisträger 2005, Käthe-Kollwitz-Preis


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