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Daphne Ahlers, Leda Bourgogne, Evelyn Plaschg, Puppies Puppies

5. 06. - 4. 09. 2022 | Kunsthalle und Kunstmuseum Bremerhaven
Eingabedatum: 07.06.2022

Daphne Ahlers, Leda Bourgogne, Evelyn Plaschg, Puppies Puppies

Daphne Ahlers, Doubts, 2019, courtesy die Künstlerin und Sundy, Londonbilder


english below

Die Ausstellung führt vier Positionen einer jüngeren Künstler:innengeneration zusammen, die sich mit Körper, Begehren, Gender und Geschlecht beschäftigen. Die gezeigten Arbeiten erstrecken sich über die gesamte Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen – von Malerei über Zeichnung, Skulptur und Installation bis hin zum Ready-made.

Daphne Ahlers (*1986) arbeitet im Bereich der Skulptur. Ihre Werke spielen mit Assoziationen, die den Körper bzw. Körperlichkeit aufrufen. Im Mittelpunkt stehen hierbei die soziale Konstruktion des Geschlechts wie auch die ihm eingeschriebenen trennenden und einordnenden Zuschreibungen. Die diesen (patriarchalen) Diskursen zugrundeliegenden bzw. sie in ihrer Reproduktion immer wieder neu erzeugenden Denk- und Handlungsweisen, Formen und Symbole werden in Ahlers Arbeiten humorvoll, aber auch ohne Scheu vor erotischen Aufladungen aufgerufen, um sie zugleich zu kommentieren, zu überarbeiten, zu unterlaufen und in »alternative Ausdrucksweisen« zu überführen. Ahlers Arbeiten bedienen sich dabei historischer wie popkultureller Bezüge: Sei es der Hexenbrunnen »Witches’ Well« des Edinburgh Castle, ein Mahnmal an die Verfolgung und Hinrichtung von über 4.000 vermeintlichen schottischen Hexen, oder das Motiv der »Schamkapsel«, Element der männlichen Mode des 15. und 16. Jahrhunderts wie auch Schutzbekleidung im heutigen Kampfsport. Für ihre Arbeiten hat Ahlers die Begriffe »soft sculpture«, für die sie vor allem weiche und biegsame Materialien wie Schaumstoff, Latex und Stoffe verwendet, und »shell scultpure«, die auf Formen basieren, die „Weiches vor Gewalteinwirkung beschützen sollen“, geprägt. Das Weiche, Biegsame, Anpassungsfähige hat also für Ahlers eine wichtige, zu schützende Bedeutung. Es ist quasi eine Haltung, eine Art positive Abgrenzung oder Widerstand gegen das Harte und kann als Potential bzw. Symbol für die Möglichkeit der Formbarkeit gesellschaftlicher Diskurse verstanden werden.

Die Arbeiten von Leda Bourgogne (*1989) – zu denen objekthafte Bilder ebenso zählen wie Lyrik, Performance, Zeichnung, Skulptur und Installation – finden ihren Ausgangspunkt in einem Interesse an Psychoanalyse, Philosophie, Literatur, Film und feministischen Diskursen. Wie sich die Bezüge in den Arbeiten überlappen, fortschreiben, mitunter aber auch fragmentarisch nebeneinanderstehen, spiegeln sich diese Momente auch formal-ästhetisch in ihren Werken wider. Eine weitere zentrale Rolle nimmt in Bourgognes Arbeiten der Körper ein. Dieser wird in seinen unterschiedlichen Facetten aufgerufen: Sowohl als organisch und verletzlicher als auch als Objekt (erotischen) Begehrens. Der Körper ist bei Bourgogne jedoch kein ganzer, sondern ein fragmentierter, zuweilen ein beschädigter, dessen Wunden jedoch versorgt wurden. Dieses Motiv des Ambivalenten, des Nicht-Fassbaren, des Widersprüchlichen, Unvollständigen und Instabilen verweist dabei auf die Fragilität von Identitätskonstruktionen wie es auch die Grenzen zwischen dem Intimen und Öffentlichem, dem Privaten und Politischen zu befragen und aufzulösen sucht.

Die künstlerische Praxis von Evelyn Plaschg (*1988) ist im Bereich der Zeichnung angesiedelt. Im Fokus ihrer Arbeit steht der Körper – ihr eigener wie der der anderen –, dem sie sich ausgehend von Fotografien und Stills annähert, die während Treffen mit Freund:innen entstehen, bei denen sie miteinander agieren und sich gegenseitig filmen. So erzählen Plaschgs Arbeiten vom Begehren nach dem eigenen Körper und dem Selbst, aber auch vom Interesse am anderen, am kollektiven körperlichen Erleben, an (realen und imaginierten) sozialen Räumen, in denen sich Körper begegnen. Die eigene Körperlichkeit realisiert sich immer auch als Teil eines sozialen Gefüges. Körper und Identitäten sind durchlässig, nach außen hin offen, selbst wenn sie für sich bleiben. Trotz ihrer Unmittelbarkeit und Verletzlichkeit – denn es sind nackte Körper, die Plaschg zeichnet – bleiben ihre Arbeiten dennoch auf Distanz, sind ephemer und ungreifbar. Die Körper werden zwar auf- und vorgeführt, verwehren sich jedoch aufgrund ihres »Unausgearbeitet-Seins«, ihrer Durchlässigkeit und Verschwommenheit, der Ausschnitte, Verzerrungen und Perspektiven sowie einer Farbigkeit, die sich meist um einen Farbton auffächert. So weisen Plaschgs Zeichnungen gleichermaßen ein exhibitionistisches Moment auf wie sie von Aspekten des Entzugs und der Verschlossenheit durchzogen sind.

Die konzeptuellen und oftmals auf dem Ready-made-Prinzip basierenden Arbeiten von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) (*1989) zeichneten sich bis vor wenigen Jahren dadurch aus, dass sie unter dem Pseudonym »Puppies Puppies« von einem anonymen Künstler:innensubjekt verfasst wurden. Der Name ließ weder Rückschlüsse auf Ethnie und Geschlecht noch auf soziale Herkunft oder Anzahl der Personen zu. Die damit verbundene Verunmöglichung der Zuordnung zu einer sozialen Identität wie auch die daraus entstandenen »Mythen« über die mögliche Künstler:innenpersona waren stets Teil ihrer Arbeiten sowie der darin auftretenden »Figuren« – zumeist Charaktere aus der Populärkultur. Das Heraustreten von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) aus dieser verschleierten Identität begann 2018 und überlagerte sich mit dem realen »Transitioning« der Künstlerin. Mit ihren sehr persönlichen Arbeiten fragt Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo)danach, welche Projektionsfläche das Konzept Identität bietet. Handelt es sich doch weniger um ein eigentliches »Selbst« als vielmehr um eine Idee, die davon konstruiert wird und bei der Fiktionen eine wichtige Rolle spielen. In den letzten Jahren ist die aktivistische Praxis und das Engagement für die Rechte von (Transgender-)Minderheiten in den USA zentraler Teil der Praxis von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) geworden. So befragt sie mit ihren Arbeiten nicht zuletzt auch die (politische) Rolle von Künstler:innen.

Kuratiert von Stefanie Kleefeld

_________________________________ The exhibition brings together four positions of a younger generation of artists dealing with body, desire, gender, and sex. The works on display cover a broad range of artistic forms of expression, from painting and drawing, to sculptures and installations, to ready-mades.

Daphne Ahlers (*1986) works in the field of sculpture. Her pieces play with associations invoking the body or corporeality, with the focus on the separating or sorting attributions inscribed in gender. The modes of thinking and acting, the forms and symbols, which are based on these (patriarchal) structures or also reproduce them time and again, are humorously evoked in Ahlers’ works that do not shy away from erotic charging, to then comment on them, rework and subvert them, and transform them into “alternative forms of expression.” Her works draw on historical and pop cultural references: be it the “Witches’ Well” of Edinburgh Castle, a monument remembering the persecution and execution of more than 4,000 alleged Scottish witches, or the motif of the codpiece, an element of male fashion in the 15th and 16th century as well as a protective piece of clothing in today’s marshal arts. For her works, Ahlers coined the terms “soft sculpture,” for which she mainly uses soft and malleable materials such as foam, latex and textiles, as well as “shell sculpture” based on forms “meant to protect something soft against violent impact.” So the soft, supple and adaptable worthy of protection possesses an important meaning for Ahlers. It is an attitude, so to speak, a kind of positive demarcation or resistance against hardness and can be understood as a potential or symbol of the possibility of social discourses becoming malleable.

The works of Leda Bourgogne (*1989), which include object-like pictures as well as poetry, performance, drawing, sculpture, and installation, start from her interest in psychoanalysis, philosophy, literature, film, and feminist discourses. Just as the references in her works overlap, are continued or fragmentarily juxtaposed, these moments are also reflected in formal-aesthetic terms. The body plays a further key role in Bourgogne’s art, which evokes it in its various facets: both as organic and vulnerable and as an object of (erotic) desire. However, the body in her work is not whole, but instead fragmented, occasionally damaged, its wounds are in need of care. This moment of ambivalence, of incomprehensibility, of contradictoriness, incompleteness and instability, point to the fragility of identity constructions, while calling into question and seeking to dissolve the boundaries between the intimate and public, the private and political.

Evelyn Plaschg’s (*1988) artistic practice is situated in the field of drawing. Her work focuses on the body—her own and the body of others—which she approaches based on photographs and stills made when meeting friends, when acting together and filming each other. Plaschg’s works tell of the desire for one’s own body and self, but also of the interest in other, collective, bodily experiences in (real and imagined) social spaces where bodies encounter each other. Her own corporeality is always also realized as part of a social structure. Bodies and identities are permeable, open to the outside, even if they remain alone. Despite their directness and vulnerability—for the bodies are naked—her works maintain a distance, they are ephemeral and impalpable. The bodies are staged and shown, but they remain defiant. This has to do with their “crudeness,” their permeability and blurriness, with the details, distortions and perspectives, and with a coloring mostly consisting of variations of one shade. Plaschg’s drawings thus reveal an exhibitionistic moment and at the same time aspects of withdrawal and reticence.

Up to a few years ago, the conceptual works of Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) (*1989) often based on the principle of the ready-made were authored under the pseudonym of “Puppies Puppies” by an anonymous artist subject. Neither the ethnicity nor the gender, neither the social background nor the number persons could be deduced from the name. Ascribing a social identity was impossible, and the ensuing “myths” on the possible artist personas were always a part of the works as well as the “figures” appearing in them—mostly characters from pop culture. In 2018, Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) began emerging from this concealed identity and coincided with the real “transitioning” of the artist. With her very personal works, Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo) raises questions about the projection screen that the concept of identity offers. For at issue is less a real “self” than an idea constructed by it, in which fictions play an important role. In the past years, activism and advocating for the rights of (transgender) minorities in the United States have become a crucial part of the practice of Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo). Therefore, the (political) role of artists is also questioned in her works.

Kunsthalle und Kunstmuseum Bremerhaven
Karlsburg 1/4
27568 Bremerhaven


Presse





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