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Landschaft als Metapher - Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal (11.9.-16.10.05)


Eingabedatum: 23.08.2005

bilder

Natur ist heute ein ebenso vermessener Raum wie der urbane Ballungsraum der Großstädte. Satelliten gesteuerte Technik ermöglicht die gradgenaue Beschreibung jedes erdenklichen Flecks dieser Erde. So sind auch vermeintlich noch unentdeckte Regionen längst in den Atlanten der Zivilisation detailgenau vermerkt. Die unberührte Natur kann daher heute nur mehr eine Idealvorstellung sein, ein Traum, ein Bild.
Die Ausstellung "Landschaft als Metapher" stellt zwanzig fotografische Positionen internationaler Künstler aus Japan, den USA, England, Italien, Österreich, Deutschland sowie den Niederlanden zusammen, die sich seit den 1980er Jahren fast ausschließlich mit dem Thema der Landschaft auseinandersetzen.
Natürlich ist Landschaft nicht allein Beschreibung eines idealisierten "reinen" Naturzustandes, sondern in ihr kann auch gesellschaftlicher und struktureller Wandel kritisch zum Ausdruck kommen. So ist die von Industrialisierung und Besiedelung geprägte Landschaft in das allgemeine Bildgedächtnis gerückt und aus unserer heutigen Vorstellung von Naturdarstellung nicht wegzudenken. In diesem Sinne bewegen sich die Exponate der Ausstellung zwischen den beiden Extremen der Darstellung von Natur: Landschaft einerseits als Inbegriff der idealen reinen zivilisationsfernen Natur, andererseits als Spiegel moderner und postmoderner Kultivierung.
Die Metapher wird allgemein genutzt um bildlich etwas zu umschreiben, für das man kein passendes Wort hat, oder das man nicht beim Namen nennen möchte. So nimmt die Landschaft in den vorgestellten Arbeiten eine stellvertretende Funktion ein. Sie kann im fotografischen Bild Wunschwelt werden, Ausdruck des Bedürfnisses nach Unmittelbarkeit, Meditation, Ruhe, Harmonie, Weltflucht - wie z. B. in den Arbeiten von L. Davis, Hiroschi Sugimoto und Th. J. Cooper. Sie kann aber auch Sinnbild einer Krise oder des Umbruchs werden – Dokument der menschlichen Zerstörung und Selbstzerstörung. Hierfür stehen Arbeiten von z. B. N. Hatakeyama, M. Spiluttini oder W. Niedermayr.
Einzelne Arbeiten der Ausstellung schaffen eine beeindruckende Verknüpfung von romantischer und kritischer Landschaftsdarstellung, indem sie klassische Darstellungsformen wählen, anhand derer sie subtil auf Eingriffe in und Entfremdung von der idealen Natur hinweisen. Die Landschaftsdarstellung orientiert sich hier am kunstgeschichtlichen Kodex und appelliert an unsere kulturelle Erinnerung (z. B. E. Esser, L. Ghirri, P. de Pietri, P. Bialobrzeski). Kultivierte Landschaft umfasst aber eben auch die „Un-Orte“ der postindustriellen Gesellschaft als Gegensatz zur idealen Landschaft. Orte, als vernachlässigte Teile im urbanen Kontext, tote Winkel Brachflächen, durch Bauten zerstörte oder durch künstliche Eingriffe manipulierte Natur (Hans-Christian Schink, E. Raab, M. Tusch, D. Bouwhuis). Besonders in den Arbeiten junger zeitgenössischer Fotografen lässt sich eine scheinbar teilnahmslose Darstellung, die das vorgefundene kühl und registrierend dokumentiert, ausmachen. Trotz der schonungslosen Auswahl der Motive liegt diesen Fotografien eine besonders metaphorische Stärke zugrunde. Denn nicht unmittelbar für den (verlorenen) Ort selbst steht der Un-Ort, sondern er weist über sich hinaus auf eine viel komplexere gesellschaftliche Entwicklung. Die Darstellung gebändigter und klassifizierter Natur in Form der Abstraktion wie z. B. bei T. Matsue oder den kultivierten Gartenlandschaften von L. Ghirri stehen im klaren Gegensatz zu den romantischen Landschaften eines E.Esser.
Absicht der Ausstellung ist es, ganz unterschiedliche Intentionen der Künstler zu vergleichen, wobei es in keinem Falle um die Vedute geht, also konkrete Landschaften oder Landschaftsausschnitte, die als geografische oder lokale Repräsentation zu verstehen sind. Vielmehr wird die Landschaft zum Ausdruck von Sehnsucht, Angst oder Kritik. Sehnsucht nach romantisch empfundener Harmonie mit der Natur; Angst vor der eigenen Entfremdung durch das Verschwinden einer "natürlichen" Umgebung oder vor der Übermacht der Natur; Kritik in der Konfrontation von Natur und Zivilisation.

Künstler der Ausstellung: Robert Adams, Luca Andreoni / Antonio Fortugno, Peter Bialobrzeski, Dik Bouwhuis, Thomas Joshua Cooper, Lynn Davis, Elger Esser, Luigi Ghirri, Naoya Hatakeyama, Bill Jacobson, Taiji Matsue, Walter Niedermayr, Paolo de Pietri, Emanuel Raab, Stefano Scheda, Hans-Christian Schink, Annalisa Sonzogni, Margherita Spiluttini, Hiroshi Sugimoto, Martin Tusch" (Presse / Ursula Blickle Stiftung)

Abbildung: Naoya Hatakeyama, Lime Hill (Quarry Series), 270403, 1986-1991

Öffnungszeiten: Mi 14-17 Uhr, So 14-18 Uhr und nach Vereinbarung

Ursula Blickle Stiftung, Mühlweg 18, 76703 Kraichtal-Unteröwisheim Tel +49 7251 60919

ursula-blickle-stiftung.de

ch











Daten zu Hiroshi Sugimoto:


- Art Basel 2013

- Art Basel 2016

- Art Basel Hong Kong 2014

- Art Basel Hong Kong, 2016

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach, 2014

- Das imaginäre Museum, 2016

- Dojima River Biennale 2013

- Frieze London 2013

- Gagosian Gallery

- Lyon Biennale, 1995

- MACBA COLLECTION

- Malerei in Fotografie. Strategien der Aneignung

- Marian Goodman Gallery

- MoMA Collection

- Museum Morsbroich, 2014

- Pace - Gallery

- Preistraeger Praemium Imperiale Painting

- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt

- Sammlung DZ Bank, Frankfurt

- Sammlung F.C. Flick

- Solomon R. Guggenheim Collection

- Triennale der Photographie in Hamburg 2015

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Deichtorhallen: JAPAN - Keramik und Fotografie - Tradition und Gegenwart (31.1- 4.5.03)


Nachdem die Hamburger Deichtorhallen Ende letzten Jahres (02) mit einer "Manga" - Ausstellung die japanische Comicwelt beleuchteten, zeigt das Museum nun die japanische Keramik und Fotografie. Ausstellungsbesucher haben so auch über einen längeren Zeitraum die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Aspekten japanischer Kunst vertraut zu machen.

Presseerklärung / Auszug: "... Die japanische Keramik beeindruckt durch ihre bruchlose Tradition, die in der klassischen Teekeramik bis heute besteht, auf deren Wurzeln aber auch skulpturale, keramische Objekte der freien Kunst entstehen. Die Fotografie dagegen stellt ein westliches Medium dar, deren Inhalte sowohl vom japanischen wie auch dem europäischen und amerikanischen Kulturkreis beeinflusst sind. Spezifische, „japanische“ Themen wie die unüberschaubaren Stadtlandschaften als Orte der Massengesellschaft werden hier ebenso thematisiert wie der Konflikt zwischen den traditionellen Lebensformen und der Gegenwart. Szenen aus dem pulsierenden großstädtischen Leben Tokyos, wie bei Homma, Seto oder Kasai stehen ruhige Landschaftsaufnahmen von entlegenen Gegenden gegenüber, wie sie bei Seino, Sasaoka oder Sugimoto zu finden sind. Auch die Brüche in der Kultur durch westliche Einflüsse und Modernisierung sowie das Verhältnis von Natur und Zivilisation bilden weitreichende Themengruppen.

Die Keramik hingegen ist stark ihrer tausendjährigen Tradition verhaftet. Sie genießt, anders als in Europa, einen wesentlich höheren Stellenwert. Am deutlichsten tritt dies bei den großen modernen Meistern der Teekeramik, Arakawa, Kaneshige, Miwa und Nakazato, hervor, die alle mit dem Prädikat "Menschlicher Staatsschatz" ausgezeichnet sind. Dieser Tradition folgen Künstler wie Ohi, Tsuji und Tanaka. Den Teekeramiken heutiger Künstler stehen gleichgewichtig modernste Tonplasiken (z. B. von Fukami, Matsumoto oder Akiyama) gegenüber wie auch neue, expressive Gefäßformen, wie sie bei Katsumata, Kobayashi oder Yagi zu finden sind. Die umfangreiche Präsentation dieses bei uns nur wenig wahrgenommenen Mediums soll einen weiteren Schritt zum Verständnis dieser uns oft so fremden wie auch anziehenden Kultur beitragen.
An der Ausstellung werden rund 20 Keramiker und 20 Fotografen teilnehmen."

KÜNSTLERLISTE

Keramikkünstler: Yo AKIYAMA - Sueharu FUKAMI - Kiyoyuki KATO - Chieko KATSUMATA - Hideo KOBAYASHI - Kosei MATSUI - Hideo MATSUMOTO - Kinpei NAKAMURA - Oguna NAKANO - Harumi NAKASHIMA - Toshio OHI - Hoju SAKAI - Akira SOMA - Shigemitsu TAKEUCHI - Sajiro TANAKA - Seimei TSUJI - Morihiro WADA - Akira YAGI

Fotokünstler: Nobuyoshi ARAKI - Mikiko HARA - Naoya HATAKEYAMA - Takashi HOMMA - Osamu KANEMURA - Chikashi KASAI - Norio KOBAYASHI - Hiroyuki MASUYAMA - Ryuji MIYAMOTO - Daido MORIYAMA - Yoichi NAGANO - Yurie NAGASHIMA - Asako NARAHASHI - Keiko SASAOKA - Yoshiko SEINO - Masato SETO - Hiroshi SUGIMOTO - Takashi YASUMURA - Tsukasa YOKOZAWA

Ausstellungsdauer: 31.1. - 4.5.2003

Öffnungszeiten
Di-So, 11-18 Uhr, Mo geschlossen

Deichtorhallen Hamburg | Deichtorstr. 1-2 | D-20095 Hamburg |
Tel. +49 (0) 40-321030

deichtorhallen.de


Hiroshi Sugimoto



Die grandiosen fotografischen Serien von Hiroschi Sugimoto (*1948 in Tokio) beeindrucken durch ihre unübertreffliche Klarheit und Präsenz. Stets erreichen seine Werke eine auf die reine Essenz reduzierte, absolute Verkörperung des gewählten Bildmotivs.
Unsere exquisite Monografie versammelt erstmals ausgewählte Arbeiten aus allen bisherigen Serien des Meisterfotografen, darunter natürlich auch seine bekanntesten: Sugimotos enigmatische Porträts von Wachsfiguren scheinen uns den lebenden Personen gegenüber treten zu lassen; die extrem lang belichteten Theaters überhöhen weiß leuchtende Kinoleinwände zu magischen Altarbildern; und mit den faszinierenden Dioramas – Fotos von naturwissenschaftlichen Schaukästen – ermöglicht uns der Zauberkünstler, weit in die Vergangenheit zu reisen und Frühmenschen oder gar vor Jahrmillionen ausgestorbene Tierarten zu beobachten. (Englische Ausgabe ISBN 978-3-7757-1640-6)

Ausstellungen: K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 14.7.2007–6.1.2008 · Museum der Moderne Salzburg 8.3.–15.6.2008 · SMB Nationalgalerie, Berlin 4.7.–5.10.2008 · Kunstmuseum Luzern 25.10.2008–25.1.2009

»So großartig die Fotografien sind, so großartig ist auch die exakte Graphik und die absolut außergewöhnliche Qualität des Druckes – Hochachtung an den Verlag!« kunst + bücher

»Zusammen mit einer schlichten Gestaltung des Buches und höchster Druckqualität ist hier ein echtes Schmuckstück entstanden.« PHOTONEWS


Hiroshi Sugimoto
Text von Kerry Brougher, Pia Müller-Tamm, Hiroshi Sugimoto, gestaltet von Takaaki Matsumoto
Deutsch
2007. 384 Seiten, 221 Abb., davon 39 farbig, 181 in Triplex
26,00 x 28,50 cm
Leinen mit Schutzumschlag
Lieferbar
ISBN 978-3-7757-1934-6
€ 68,00