Anna-Sophie Berger - Places to fight and to make up

Kapsch Contemporary Art Prize 2016

22. 10. 2016 - 29. 01. 2017 | mumok, MuseumsQuartier, Wien
Eingabedatum: 24.10.2016

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Anna-Sophie Berger (geb. 1989 in Wien) ist die erste Preisträgerin des Kapsch Contemporary Art Prize, einer Auszeichnung zur Förderung junger Künstler_innen mit Lebensmittelpunkt in Österreich, die 2016 von der Kapsch Group gemeinsam mit dem mumok ausgelobt wurde. Der Preis ist dotiert mit 5.000 Euro sowie einer Einzelausstellung im mumok, zu der eine Publikation erscheint. Zusätzlich wird eine Arbeit von der Kapsch Group für die Sammlung des mumok angekauft.

Die Ausstellung Places to fight and to make up widmet sich grundlegenden Fragen der Kommunikation. Dabei stehen die Einflüsse der modernen Kommunikationsmedien auf die Dialog- und Diskursfähigkeit unserer Gesellschaft, die Interaktion von Mensch und Objekt sowie der Umgang mit Gegenständen und deren Aufbewahrung im Mittelpunkt der gezeigten Arbeiten. Objekte besitzen für Berger zahlreiche Bedeutungen – sogenannte Kapazitäten –, die sich erst in Wechselwirkung mit ihrem jeweiligen Umfeld ausbilden.

Der permanente Informationsfluss scheint heutzutage schier unendlich. Unsere Informationsverarbeitung erfolgt oft assoziativ und intuitiv. Inwieweit haben digitale Kommunikationsprozesse Auswirkungen auf unseren Dialog in der realen Welt? Agieren wir ungeduldiger, unaufmerksamer oder gar uninteressierter? Die für das mumok konzipierte, ortsspezifische Installation zeigt als zentrales Element zwei gegenüberstehende Parabolspiegel aus Beton, die einem kaum frequentierten Kinderspielplatz des dritten Wiener Gemeindebezirks entnommen und in die spezifische Öffentlichkeit des Museums überführt werden. Es handelt sich dabei um ein Spielgerät für Kinder, das über einen akustischen Effekt Kommunikation ermöglicht: „Schall lässt sich ebenso fokussieren wie Wasser und Luft, Licht oder Wärme. Was in normaler Lautstärke im Mittelpunkt des Spiegels gesprochen wird, lässt sich sowohl im dreißig bis vierzig Meter entfernten, gegenüberliegenden Spiegel als auch an jedem beliebigen Punkt entlang der Schallachse wahrnehmen. Dadurch werden am Parabolspiegel physikalische Phänomene erfahrbar.“ (Moser Spielgeräte GmbH)

Obwohl diese Art der Interaktion stark an das Kommunikationsverhalten heutiger Generationen erinnert – ständig mit allen und allem vernetzt zu sein –, soll die Installation nicht als Kritik verstanden werden, sondern vielmehr als ein Verweis auf Orte, an denen Dialog möglich wird. Je nach Lage erhält das Objekt eine spezifische Neubewertung: von einem zweckentfremdeten, mit Graffiti besprühten Spielobjekt
zum Kunstobjekt und wieder zurück. Die Parabolspiegel erzählen zudem eine ihnen „eingebrannte“ Geschichte: Zweimal jährlich werden sie gereinigt, nur um sogleich von ihren Nutzer_innen wieder als Kommunikationsplattform verwendet zu werden.

Die Arbeit Pea Earring (2015) bildet das fragile Gegenstück zum massiven Parabolspiegelpaar. Es handelt sich dabei um einen Ohrring aus einem Erbsensamen, der von einer klauenförmigen Silberfassung umrahmt wird. Das dekorative Schmuckstück führt den Gedanken der sicheren Aufbewahrung weiter.

Anna-Sophie Berger hebt das Potenzial des Objekts hervor, indem sie auf die Fähigkeit des Samens verweist, Leben und Nahrung zu spenden. Die beiden Papierarbeiten choicest relic (1) und choicest relic (2) (2016) zeigen Wasserflecken auf weißem Papier, die wie konservierte Überreste aus dem öffentlichen Raum erscheinen. Erneut steht der Aufbewahrungsgedanke im Vordergrund. Konkret handelt es sich hierbei um Spuren früherer Arbeiten Bergers, die durch das Auflegen eines nassen Mantels entstanden sind. Der Titel wurde von der Künstlerin frei nach Samuel Beckett adaptiert. Der Schriftsteller beschreibt damit
den hilflosen Versuch einer Gesellschaft, ihre eigenen Spuren zu idealisieren und zu historisieren. Die Ironie daran: Bereits die Auswahl des vermeintlich wertvollsten Relikts trägt eine subjektive Wertung in sich.

Anna-Sophie Berger konzipierte im Rahmen ihrer Ausstellung Places to fight and to make up ein Künstlerbuch mit dem Titel Manual, das als Bestandteil und Erweiterung der musealen Installation zu verstehen ist. Mit Texten von Anna-Sophie Berger, Marianne Dobner und Tess Edmonson.

Kurzbiografie Anna-Sophie Berger
Anna-Sophie Berger studierte Modedesign und transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Neben zahlreichen Gruppenausstellungen hatte sie erste Einzelausstellungen u. a. bei JTT und Ludlow 38 in New York, der White Flag Projects Library in St. Louis sowie im 21er Haus und bei Mauve in Wien. Bis zum 17. Mai 2016 bespielte sie die KUB Billboards des Kunsthauses Bregenz. Seit 2015 unterrichtet sie an der Universität für angewandte Kunst Wien in der Abteilung Kunst- und Wissenstransfer.

Der Kapsch Contemporary Art Prize 2016
Auf Vorschlag von zehn Kunstexpert_innen haben sich 17 Künstler_innen um den Kapsch Contemporary Art Prize beworben. Eine international besetzte Jury, bestehend aus mumok Direktorin Karola Kraus, Georg Kapsch, CEO der Kapsch Group, Eva Birkenstock, Leiterin des Kunstvereins Düsseldorf, Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig, sowie Stephanie Weber, Kuratorin für zeitgenössische Kunst im Lenbachhaus München, wählte die Künstlerin Anna-Sophie Berger als Gewinnerin des neuen Kunstpreises aus.

„Anna-Sophie Berger überzeugt nicht nur aufgrund der Vielfalt der von ihr ausgewählten Medien, sondern auch durch ihre Übersetzung aktueller Bilderlogiken in überzeugende Installationen. Dabei ist es charakteristisch für ihr Werk, dass sich die von ihr behandelten Inhalte überlagern. So tauchen auch Bergers Arbeiten, Schnappschüsse und Selfies – jeweils gleichzeitig und gleichwertig – in unterschiedlichen virtuellen und realen Räumen auf“, begründet die Jury ihre Wahl. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober 2016 im Rahmen der Ausstellungseröffnung im mumok statt.

mumok Museum moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien
Museumsplatz 1,
1070 Wien
mumok.at

Presse



Anna-Sophie Berger:


- Berlin Biennale 2016

- Künstlerhaus - Halle für Kunst & Medien Graz 2015

- Ural Industrial Biennial 2017


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