Arthur Köpcke in der Kunsthalle Fridericianum, Kassel (27.3. – 2.5.04)


Eingabedatum: 16.03.2004

bilder

Eine Ausstellung zum 75. Geburtstag des Künstlers, der vor allem durch seine Fluxus-Aktivitäten bekannt geworden ist, darüber hinaus aber über ein umfanreiches Werk verfügt wie die Ausstellung in Kassel jetzt unter dem Titel "was ist das" zeigt. U.a. werden zu sehen sein: reading/work-pieces, Bilder (Puderbilder, Rebusbilder, action- und workshop-pieces u.a.) und Objekte, sowie z.T. unveröffentlichte Briefe und Dokumente aus dem Fluxus-Kontext. Fotos, Audio-Tapes und Filme stellen Köpcke als Performer vor.

"Arthur Köpcke (geboren 1928 in Hamburg, gestorben 1977 in Kopenhagen) war einer der interessantesten Künstler in der Szene der sechziger und siebziger Jahre. Sein umfangreiches Werk ist eine Collage aus Literatur, Malerei, Objekt-, Konzept- und Aktionskunst. Vieles wirkt auf den ersten Blick paradox, nicht greifbar: So stehen ephemere Aktionen und die Zeit überdauernde Werke, sprödes, lapidar formuliertes Konzept und opulente Malerei gleichwertig nebeneinander. Einerseits arbeitete Köpcke anti-institutionell an der Auflösung des tradierten Werkcharakters, andererseits produzierte er Kunst und stellte im Kunstkontext aus. Er wechselte nicht nur scheinbar mühelos die Medien, sondern auch die Rollen - als Künstler, als Galerist und Kunstvermittler – die Schreibweise seines Namens und die Sprache, in der er sich artikulierte: Deutsch, Dänisch und Englisch. Wie ein roter Faden zieht sich durch seine gesamte künstlerische Praxis die schnelle unbekümmerte Aneignung neuer Stile und Ausdrucksformen; zentrale Impulse der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre sind hier ablesbar. Immer wieder wurden Versatzstücke aus Arbeiten anderer Künstler dem eigenen Werk einverleibt, Anregungen humorvoll und ironisch reflektiert, weiterentwickelt und in etwas Neues, Eigenes umgewandelt. Dennoch lässt sich das, was auf den ersten Blick gattungsmäßig nur schwer zu fixieren und in Ordnungsschemata kaum einzufügen ist, in einen (chronologischen) Zusammenhang bringen, der die Erschließung dieses erstaunlichen Puzzles erst ermöglicht.

1958 siedelte Köpcke aus Hamburg nach Kopenhagen über und eröffnete gemeinsam mit seiner Frau Tut die - kommerziell wenig erfolgreiche - Galerie Køpcke, die bald zur wichtigsten dänischen Plattform einer jungen internationalen Avantgarde avancierte. Hier stellten z.B. Piero Manzoni, Dieter Rot, Niki de Saint-Phalle und Daniel Spoerri aus. Interessant ist, dass sich die Ausstellungspolitik der Galerie - Informel, Nouveau Réalisme und Fluxus - sehr direkt in Köpckes eigener künstlerischer Arbeit niederschlug.

Von Beginn an standen die Auseinandersetzung mit Wort und Bild sowie deren Wahrnehmung im Zentrum von Köpckes Interesse. Doch erst durch Fluxus, internationales Sammelbecken progressiver künstlerischer Kräfte im Zwischenbereich von Musik, Theater, Literatur und Bildender Kunst, fanden seine "versuche verschiedener art" (Köpcke) zu einer Synthese. Köpcke war Teilnehmer und Organisator zahlreicher Fluxus-Veranstaltungen und eine Schlüsselfigur für Fluxus in Dänemark - und ganz Skandinavien. Unter dem Einfluss von Fluxus entstand Köpckes konzeptuelles Schlüsselwerk, das "reading/work-pieces-manuscript", auf das sich Köpcke auch in der bildnerischen Arbeit ab 1964 immer wieder bezog. Hier entwickelte der Künstler eine eigenwillig originäre, von der amerikanischen Pop Art beeinflusste lapidare Bildsprache, mit der er den Fluxus-Geist ins Tafelbild hineinholte. Die Rebus- und Rätselbilder, action- und workshop-pieces sind "obwohl malerisch, doch nicht Malerei, sondern Gedanken auf Leinwand." (Henning Christiansen).

Die Sprengkraft des umfangreichen Bilder-Konvoluts, das High and Low auf so unnachahmliche Weise miteinander verbindet, kann von der Kunstgeschichte erst heute, aus zeitlicher Distanz, angemessen beurteilt werden. Köpckes Bilder nahmen nicht zuletzt durch ihre Trash-Ästhetik vieles von dem vorweg, was in der Malerei folgender Jahrzehnte entwickelt wurde.
Die Kunst der sechziger Jahre postulierte, neben anderem, die Durchlässigkeit der Grenzen von Kunst und Leben. Intensiver als die meisten Künstler aus dem Fluxus-Kreis führte Arthur Köpcke diese Grenzüberschreitung vor. Köpckes Kunst war wie sein Leben: reich an Facetten, Sprüngen und Brüchen. Das eine beeinflusste das andere und vice versa. [Susanne Rennert]" ( Quelle / Presse Kunsthalle Fridericianum)

Foto: Courtesy: Kunsthalle Fridericianum + Leihgeber: Arthur Köpcke, Pieces No. 58-77 + 124, 1965, Öl, Tusche, Collage, Leinwand, 100 x 72 cm, Sammlung Falckenberg

Ausstellungsdauer: 27.3. – 2.5.04

Öffnungszeiten: Mi–So 11–18 Uhr

Kunsthalle Fridericianum | Friedrichsplatz 18 | 34117 Kassel | Tel. 0561 - 707 27 20

fridericianum-kassel.de

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