Kuno Gonschior · Farben sehen

20. 09 - 15. 11. 2020 | Kunsthalle Recklinghausen
Eingabedatum: 24.09.2020

Kuno Gonschior

Kuno Gonschior, Vibration Grün-Violett-Orange, 1961-63-69, Öl auf Leinwand, Märkisches Museum Wittenbilder

Zwölf Jahre nach der letzten Museumsausstellung Kuno Gonschiors im Ruhrgebiet präsentiert die Kunsthalle Recklinghausen mehr als 60 ausgewählte Gemälde des Künstlers aus allen Schaffensperioden und gibt einen umfassenden Einblick in das Werk eines der wichtigsten deutschen Farbmaler der Moderne, der 2010 in Bochum verstarb.

Ehemals Schüler von K. O. Götz an der Kunstakademie Düsseldorf, lehrte er von 1982 bis 2000 selbst freie Malerei an der UdK Berlin und nahm u. a. 1977 an der documenta 6 teil. Seine Werke sind in wichtigen Sammlungen des In- und Auslandes vertreten. Frühe Bekanntheit erlangte Kuno Gonschior in den 60er Jahren mit seinen Leuchtfarbenbildern, deren Farbpunkte und komplementäre Nachbilder das Auge bis an die Schmerzgrenze reizen. In Auseinandersetzung mit den Konzepten der "Interaction of color" und der Konkreten Kunst untersuchte er seither mit seiner Malerei aus Farbpunkten, später dann pastosen Farbzügen und Farbflecken das Wesen und die Qualität von Farbe. Dabei ging er genauso konzeptionell durchdacht wie sinnlich und emotional vor. Kuno Gonschior interpretierte seine malerische Arbeit als eine Erkenntnissuche vor jeder Theoriebildung. Seine Bilder, die im Laufe der Jahre immer großformatiger wurden, erschaffen virtuelle Farbräume und besitzen eine mitreißende Vitalität. Sie durchbrechen Sehgewohnheiten und lassen die Freiheit der Farbe erlebbar werden.

Kuno Gonschior lässt sich als ein Maler der Farbe begreifen. Von Anfang an ist sie Objekt und Thema seiner Bilder – ohne jeden literarischen oder philosophischen Bezug. Sie stellt nur sich selbst aus, bringt nur sich selbst zur Erscheinung. Zunächst ist die Farbe in seinen Werken nur optisch, später dann immer stärker auch haptisch relevant. So entsteht das Paradox einer stofflich anmutenden Farbmasse, die trotzdem eine räumliche Tiefe suggeriert, in der sich der Blick des Betrachters verlieren kann. Doch das Relief des Farbkörpers, seine gleichzeitig mitgesehene Materialität, verspannt den Raum immer wieder in die Bildfläche und nimmt ihm so die Möglichkeit, sich illusionistisch zu verflüchtigen, sich ins Unendliche oder Metaphysische auszudehnen. Die Stofflichkeit der Farbe und ihre gleichsam immaterielle Erscheinung werden spannungsvoll überblendet und in einer das Sehen herausfordernden Balance gehalten. Jedes Bild ist ein Bekenntnis zur Malerei um der Malerei Willen und eine überzeugende Auseinandersetzung mit der Farbe als Farbe und der Farbe als Material. Die Malerei Gonschiors lehrt Farbe zu sehen und zu denken.

Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die großzügige Unterstützung der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.

Kunsthalle Recklinghausen
Große-Perdekamp-Straße 25–27
45657 Recklinghausen
www.kunst-re.de

Presse



Kuno Gonschior:


- Daimler Art Collection

- Sammlung Deutsche Bank 2020

- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD


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