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Neue Medienkunst-Stipendiaten am Edith-Russ-Haus

Mai | Edith-Russ-Haus, Oldenburg
Eingabedatum: 16.05.2021

Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen vergibt das Edith-Russ-Haus für Medienkunst im Jahr 2021 wieder drei Stipendien zur Förderung künstlerischer Arbeiten im Bereich der Medienkunst, die mit jeweils 12.500 Euro dotiert sind. Diese gehen an: Rana Hamadeh für ihre Arbeit „Just Machines“, Jim Jasper Lumbera für sein Projekt „The Black Dog Which Causes Cholera“ und Hira Nabi für ihr Werk „How to Love a Tree“. Insgesamt hatten sich 483 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt für die drei Produktions- und Aufenthaltsstipendien beworben.

... In der Jury waren in diesem Jahr Emily Pethick (Leiterin der Rijksakademie, Amsterdam), Cosmin Costinas (Leiter von Para Site, Hong Kong), sowie Edit Molnár und Marcel Schwierin (Leitung Edith-Russ-Haus).

Viele der künstlerischen Projekte wurden unter dem Druck und den Bedingungen der laufenden Pandemie geplant, aber ihre Interessen und Anliegen gingen weit über deren Grenzen hinaus und stellten ambitionierte Versuche dar, über große Themenfelder nachzudenken. „Wir entdeckten mehrere wiederkehrende Themen, wie zum Beispiel sich verändernde Zukunftsszenarien vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe, die Herausforderungen der Migrationsbewegungen, die Transformation des Kunstobjekts in Bezug auf den Status des Museums in einer postkolonialen Kulturlandschaft, mentale Fragilität und die Möglichkeiten für neue Formen der Verbundenheit“, erläutert Marcel Schwierin vom Leitungsteam.

Über die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre Projekte:

Rana Hamadeh
Der ambitionierte Antrag von Rana Hamadeh berührte mehrere dieser Themen. Sie wird ihre vorgeschlagene Arbeit, „Just Machines“, eine Mehrkanal-Videoinstallation, während des gesamten Jahres 2021 als Teil des Dachprojekts „The Destiny Project“ entwickeln. Die Künstlerin schreibt: „Das Projekt untersucht insbesondere die Produktion, den Konsum, die Zirkulation und die Artikulation von ,Begehren‘ innerhalb des zeitgenössischen globalen öffentlichen Diskurses. Es richtet sich auf die Ökonomien, Technologien und Schicksale/Destinationen,öffentlicher Begehrlichkeiten‘, wie sie sich in Bereichen wie Finanzen, KI, prädiktiver Analytik und den aufkommenden Praktiken rund um algorithmische Gerechtigkeit manifestieren.“

Die Jury war besonders an ihrem Ansatz interessiert, zeitgenössische Fragestellungen durch die Überarbeitung von historischem Material anzusprechen und dabei mit visuellen Sprachen zu experimentieren, um so ein neues Vokabular zu etablieren, welches Mythologien und neue Technologien verbindet. In dieser speziellen Arbeit wird Hamadeh die vernetzten Strukturen der sophokleischen Tragödie Oedipus Rex in eine Reihe von virtuellen Räumen und Szenen übersetzen.

Ihre Arbeit zielt auf Komplexität – anstatt Dinge zu destillieren und herunterzubrechen –, um eine Erfahrung der unzähligen Verflechtungen des Lebens zu ermöglichen. „Just Machines“ setzt die kontinuierliche Auseinandersetzung der Künstlerin mit den sprachlichen, rechtlichen und performativen Infrastrukturen und Technologien der Justiz fort und wendet sich diesmal der zutiefst relevanten Frage nach dem „Begehren“ als treibender Kraft unserer Gesellschaft zu.

Jim Jasper Lumbera
Das fantasievolle und kreative Werk von Jim Jasper Lumbera beschäftigt sich intensiv mit Archiven und Elementen indigener Folklore, um Erzählungen und Verknüpfungen herzustellen, die in der Gegenwart relevant sind. Er bewegt sich gekonnt durch verschiedene Medien und künstlerische Sprachen und setzt sich sensibel mit spirituellen Praktiken und Mythologien der Philippinen auseinander.

Der jüngste Teil seines Projekts „The Black Dog Which Causes Cholera“ beschäftigt sich mit der kolonialen Geschichte der Philippinen, zeigt aber auch eigentümliche Resonanzen mit der aktuellen Pandemie. Lumbera hat 7.000 Bilder von Bewegung und Widerstand gesammelt – sie zeichnen die Rückeroberung von Gebieten durch Straßenhunde während der Ausgangssperren 2020 auf den Philippinen nach. Seine Installation wird das traditionelle Format von 35-mm-Dias mit zeitgenössischen hochauflösenden Live-Feed-Videobildern kombinieren.

Der Künstler erklärt: „Die Arbeit initiiert die Schaffung einer Begräbnisstätte für die Geister unserer kolonialen Vergangenheit, die in den Grenzrahmen des kolonialen Blicks in der Fotografie gefangen sind, der die Seelen unserer Identität und Geschichte verbarg. Der Vorschlag beinhaltet den Bau eines Denkmals auf der Massengrabstätte der Choleraopfer während des Krieges um 1900, in dem Ort, der zufällig meine Heimatstadt ist und wo ein Vulkan im Herzen des Sees ruht. Das lange Spektakel meiner Stadt ist die Verfolgung unserer Mythen und ihre kontinuierliche Manifestation in unserem aktuellen sozialen Klima.“

Das Hauptziel von Lumberas Projekt ist es, die koloniale fotografische Rahmung unserer zeitgenössischen biometrischen Perspektive zu brechen, sowie den Fluch des kolonialen Blicks in der Fotografie und der globalen Geschichte zu identifizieren und aufzuheben. Auch der humorvolle Unterton von Lumberas Ansatz entging der Jury nicht, und wir schätzten sein sensibles Geschichtenerzählen durch Bilder. Lumbera wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Joey Singh entwickeln.

Hira Nabi
„Wie können wir in einer zerstörten Landschaft mit der Natur koexistieren?“, fragt Hira Nabis neues Projekt, das in Form von zwei Bewegtbildarbeiten und einem Audiowalk realisiert werden soll. Um den kollektiven Charakter ihrer Kunst und ihre Bedenken hinsichtlich der Neuinterpretation der postkolonialen Landschaft in Bezug auf die verschwindende Wildnis zu unterstreichen, plant Nabi außerdem, einen Teil ihres Stipendiums zu nutzen, um eine kommunale Aufräumaktion in Murree (Pakistan) zu organisieren, die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts als Garnisonsstadt und „Hill Station“ (Bergstation) für das koloniale britische Militär gegründet wurde.

Nabi schreibt: „Was geschah mit diesen Zwischenräumen des englischen Simulakrums im kolonialen Hinterland? Ich arbeite an einer kurzen Bewegtbildarbeit mit dem Titel ‚How to Love a Tree‘, die im Wald und der umliegenden Stadt Murree spielt. ... Diese Arbeit ist meine Betrachtung eines Ortes ökologischer Ruinen; sie ist mein Versuch, Erzählungen und Zeugnisse darüber zusammenzutragen, wie Rohstoffgewinnung und -erschöpfung befohlen wurden und wie ganze Spezies menschlicher und nicht-menschlicher Wesen unterjocht wurden, aber nicht ohne ihre Spuren der Widerstandsfähigkeit zu hinterlassen.“


Mit ihrem neuen Projekt stellt Nabi eine der zentralen Fragen, mit denen sich derzeit viele junge Künstler beschäftigen: Wie kann die moderne Gesellschaft eine Beziehung zur Natur aufbauen, die nicht auf den Prämissen von Beherrschung, Ausbeutung und Zerstörung beruht? „How to Love a Tree“ erweitert diese zentrale Frage, indem es filmische Beziehungen und botanische Migrationen in Südostasien erforscht, um zu versuchen, sich neue soziale Formen und Allianzen vorzustellen.

Edith-Russ-Haus für Medienkunst
Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg
www.edith-russ-haus.de



Rana Hamadeh:


- Contour Biennale 8 2017

- EVA International – Ireland’s Biennial, 2014

- Kochi-Muziris Biennale 2018

- Liverpool Biennial 2014

- Lyon Biennale 2013

- Momentum 9


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