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Tom Burr „Surplus of Myself“

10. Juni–1. Oktober 2017 | Westfälischer Kunstverein, Münster
Eingabedatum: 14.06.2017

bilder

Unter Berücksichtigung der fünften Iteration der „Skulptur Projekte“ wird der Westfälische Kunstverein eine umfassende Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers Tom Burr (*1963, New Haven, CT) ausrichten. Der in New York und New Haven lebende Künstler setzt sich bereits seit den späten 1980er Jahren mit Fragen des öffentlichen Raumes in Abgrenzung des privaten Raumes auseinander. Seit jeher stoßen seine Arbeiten ästhetische Diskurse um Ortsspezifik, Minimalismus, Dandyismus, Camp und schwule Subkultur an.

Tom Burr nutzt die Formensprache der Minimal Art, lädt diese dann jedoch (ganz entgegen ihrer ureigenen Absicht) mit unzähligen Konnotationen und Verweisen auf. Diese sind oftmals mit der Emanzipation von Subkulturen oder der eigenen Biografie des Künstlers verbunden. Kind der 1960er Jahre in New Haven, nahe am Campus der Yale University aufgewachsen, verarbeitet Burr architektonische Einflüsse, wie etwa den damals vorherrschenden Baustil des Brutalismus, Ikonen aus Musik, Literatur und Politik, sowie Künstlerpersönlichkeiten, in deren Nachfolge er sich betrachtet. Diese
Arbeitsweise, einer kontextuell aufgeladenen Kunstproduktion, die das historische und soziale Umfeld miteinbezieht, hat Tom Burr in den 1990er Jahren vor allem in den USA höchst populär werden lassen.

In der Ausstellung in Münster wird Burr bestehende Arbeiten zeigen sowie neue Skulpturen produzieren.

Westfälischer Kunstverein
westfaelischer-kunstverein.de

Presse






Daten zu Tom Burr:

- Almine Rech Gallery

- Art Basel 2013

- Art Basel 2016

- Art Basel Hong Kong 2014

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach, 2014

- art berlin 2017

- art cologne 2015

- Das achte Feld, Köln

- Frieze London 2016

- Galleria Franco Noero

- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015

- Migros Museum, Sammlung

- Stuart Shave/Modern Art

- Whitney Biennale 2004

Weiteres zum Thema: Tom Burr



Warum etwas zeigen, was man sehen kann? - Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (25.2.-7.5.6)


In Räume sind geschlechtsspezifische Differenzen eingeschrieben. Zugleich regulieren Räume Geschlechterverhältnisse. Nach wie vor wird die Kontrolle über den Körper erst durch eine kontrollierte Raumorganisation mit klaren Bewegungs- und Aufenthaltshierarchien möglich gemacht. Die Ausstellung "Warum etwas zeigen, was man sehen kann?" widmet sich verschiedenen künstlerischen Strategien der Decodierung, um bestimmte Hierarchien und Machtmechanismen innerhalb von Körper, Architektur und Stadtplanung aufzuzeigen und zu kritisieren. Die Ausstellung setzt beim Körper und seinen geschlechtsspezifischen Codes an, sie widmet sich dem Verhältnis von Körper und Raum und hinterfragt genderspezifische Raumordnungen auch innerhalb einer Stadt.

Nicht nur im und am Körper schreiben sich gesellschaftliche Vorstellungen, Werte und Normen von Geschlecht ein, sondern sie werden ebenso in seiner Sprache und seinen Bewegungen sichtbar. Diese meist früh erlernten Handlungen sind so stark verinnerlicht, dass sie uns kaum mehr bewusst sind. Dem Projekt "The Way You Move" (2003-2005) von Marion Porten liegt das Vorhaben einer Dekonstruktion von Gesten zugrunde. In zwei Filmen, einer Handlungsanweisung und einem Möbelsetting, geht sie der Frage nach, wie sich Geschlechter räumlich und körperlich konstruieren. Das gebaute Möbeldisplay zitiert beispielsweise die "Machtmöbel" eines Nelson Rockefeller: "I couldn’t believe how simple his New York office was. But the big thing was his trick desk. It had a large pull-out drawer with Steps on it. Rockefeller would strut up and step onto the top of his desk in order to address any assembled group." (Felicia Roosevelt)

Valie Export hat in ihrer Fotoserie der "Körperkonfigurationen in der Architektur" (1972-1976) mit ihrem eigenen Körper Formen vorhandener städtischer Bauten, Übergänge, Gebäudeecken sowie Treppen abgeformt bzw. gestisch kommentiert. Ihr Körper nimmt dabei die Formen auf, schwarze oder rote Übermalungen und Betonungen der aufgenommenen Figur heben die räumliche Situation hervor. Exports Körperkonfigurationen wirken wie eine Maßnahme der Hinterfragung von Dualismen wie organischen-unorganischen, weiblichen-männlichen, runden-eckigen Formen im städtischen Raum. Durch das Nachahmen untersucht bzw. verinnerlicht sie ihre Umwelt, ganz dem Motto folgend, dass man durch die Einnahme einer anderen Position Erkenntnisse erzeugt: "Seit 1972 beschäftige ich mich zeichnerisch, fotografisch und aktionistisch mit der Darstellung von Körperhaltungen als Ausdruck innerer Zustände, dargestellt in der Natur wie in der Architektur, als Anpassung, Einfügung, Zufügung etc." (Export)

Die Arbeit "The Boy Mechanic" (1993-2006) von Kaucyila Brooke unterliegt einem inventarisierenden Konzept. Seit über einem Jahrzehnt dokumentiert die Künstlerin fotografisch, filmisch und zeichnerisch das Kommen und Gehen von Lesbenbars in Städten der USA. Es handelt sich hierbei um Orte, die in fast jeder Stadt existieren, jedoch unsichtbar gemacht sind oder bleiben. Brooke spürt in der Architektur und ganz allgemein in der Organisation von Räumen die verschiedenen Systeme auf, mit der wir Umwelt und letztlich uns selbst klassifizieren, und stellt angesichts dieser Systematiken wiederum die Frage, wie weit die so geschaffene Klarheit auch Mittel zur Repression ist und Ausgrenzung auf verschiedenen Ebenen zur Folge hat. Zum Teil handelt es sich auch um das Dokumentieren toter Relikte einer sozialen Praktik, deren räumliche Hüllen oft im Gegensatz zum Leben in ihnen stehen.

Tom Burr knüpft mit seinen Arbeiten in ähnlicher Weise wie Brooke an Orte an, die durch eine soziale Praxis entstehen, nicht jedoch als solche geplant wurden. Formal lehnt sich Burr an die skulpturale Sprache der Minimal Art an, bricht diese jedoch auf und lädt sie sinnlich auf. Im Michel Foucault’schen Sinne sind die Objekte Tom Burrs eine Untersuchung von Heterotopien, "soziale Räume, die in jeder Gesellschaft existieren, aber gewissermaßen von ihr entgrenzt sind: Orte außerhalb aller Orte." "Palm Beach Views" (1999) ist eine Fotoserie mit Ansichten von Privathäuser umgrenzenden hohen, dichten, beschnittenen Hecken. Die "Gartenwände" grenzen das Private vom Öffentlichen ab. Gleichzeitig sind sie im minimalistischen Sinne beschnittene Natur, die ggf. auch als geheime Treffpunkte ihre Nutzung finden können. Hier wie auch in den Installationen "The Stalls", „The Screens" oder "Quatered" geht es u.a. um skulpturale Objekte als potenziell funktionale Räume. Häufig bilden Verweise zu Filmen und Literatur weitere Referenzen in der Arbeit Tom Burrs.

Vom Körper-Raum (Porten) über die Erfahrung Körper und Architektur (Export) hin zur Nutzung von Raum in der sozialen Praxis (Brooke, Burr) geht es in dem Film "Filter City"(2003) von Knut Åsdam um das Verhältnis zweier Frauen im architektonischen, politischen und sozialen Umfeld einer nicht genau zu bestimmenden, sich verändernden Stadt. Städte bilden häufig die Hintergrundfolie eines Filmes. In Åsdams Film ist die Stadt selbst Subjekt, und man kann mitunter kaum zwischen dem Dialog der beiden Frauen und dem, den sie mit der Stadt führen, unterscheiden. Die Protagonistinnen sind im Zusammenhang mit den Orten mehr zu sehen als im Zusammenhang einer linearen Geschichte. Die Charaktere bedienen sich unterschiedlicher Sprechweisen: die eine aktiv, suchend, neugierig, die andere resigniert, einsam, fast depressiv. Die städtische Umgebung bildet hierbei den Spiegel des Innenlebens und ist eine fast austauschbare Matrix von Filter City.

Kuratiert von: Julia Schäfer
(Presse gfzk)

Galerie für Zeitgenössische Kunst
Karl-Tauchnitz-Straße 11
D-04107 Leipzig
Fon: +49-341-140 81 25

gfzk.de

Sammlung Grässlin


Die Stiftung Grässlin eröffnet mit dem KUNSTRAUM GRÄSSLIN und den RÄUMEN FÜR KUNST in St. Georgen im Schwarzwald eine neue Form des Sammlermuseums. Die Einweihung des Neubaus KUNSTRAUM GRÄSSLIN findet kurz vor Beginn der Art Basel am 10. Juni 2006 statt. Hier werden Arbeiten von Mike Kelley, Martin Kippenberger und Albert Oehlen gezeigt. In den RÄUMEN FÜR KUNST wird ein Überblick über die Sammlung Grässlin präsentiert.

Im Bereich der Gegenwartskunst sind in den vergangenen Jahren eine Reihe beachtenswerter Privatsammlungen gewachsen, deren herausragendes Kennzeichen der direkte Kontakt des Sammlers mit den Künstlern seiner eigenen Generation und ihren Werken ist. Die Familie Grässlin gehört zu diesem Kreis ambitionierter Sammler. Im Gegensatz zu anderen Privatsammlungen kann man die Sammlung Grässlin eher als ein Gruppenunternehmen, als eine Art Kollektiv sehen, an dem die fünf Familienmitglieder – Anna, Bärbel, Thomas, Sabine und Karola Grässlin – beteiligt sind und in dem sich die unterschiedlichen Positionen der Beteiligten widerspiegeln.
Die Wurzeln der Sammlung Grässlin liegen in den 70er Jahren, als die Eltern Dieter und Anna Grässlin begannen, Werke des deutschen Informel zusammenzutragen. Dass es sich hierbei um Namen handelt, die heute klassische kunsthistorische Werte verkörpern, spricht für den Mut und die Weitsicht des Ehepaares Grässlin. Ihre Kinder Bärbel, Thomas, Sabine und Karola begannen 1981, Künstlerpositionen der 80er Jahre zu sammeln. Ihr Augenmerk richtete sich erneut auf die Kunst der unmittelbaren Gegenwart, worin sich auch der Glaube an die Kräfte dieser Kunst äußerte, gleichzeitig aber auch das Bedürfnis, sich mit dem Neuen auseinander zu setzen. Ein riskantes Unterfangen, denn die Kunst der 80er Jahre, für die sie sich entschieden, war keineswegs gefällig und bei weitem nicht unumstritten. Vielmehr wurden Werke von Werner Büttner, Martin Kippenberger und Albert Oehlen wie auch die plastischen Arbeiten von Isa Genzken, Hubert Kiecol, Georg Herold oder Meuser als sperrig, zynisch oder gar anmaßend empfunden. Positionen, die durch Ironie und Desavouierung dem bürgerlichen Verständnis von zeitgenössischer Kunst widersprachen. Seit Anfang der 90er Jahre wird die Sammlung durch internationale junge Positionen wie Kai Althoff, Cosima von Bonin, Tom Burr, Mark Dion, Michael Krebber, Simon Dybbroe Møller, Christian Philipp Müller, Vincent Tavenne oder Jan Timme erweitert, die sich mit konzeptuellen Fragestellungen und Ortsbezogenheit auseinandersetzen.
Das Konzept der Sammlungspräsentation setzt auf eine Vernetzung mit der lokalen Stadtstruktur – der Neubau KUNSTRAUM GRÄSSLIN wird begleitet von dem bereits seit 1995 bestehenden Projekt RÄUME FÜR KUNST, das leerstehende Ladenlokale und ehemalige Einzelhandelsgeschäfte als Ausstellungsorte nutzt. Der Museumsbesuch wird so zum Stadtspaziergang. Der KUNSTRAUM GRÄSSLIN, das Lager und das Restaurant Kippyʼs wurden von dem Kölner Architekten Lukas Baumewerd entworfen. Drei autonome Baukörper fügen sich zu einem Ensemble zusammen. Jedem Kubus ist eine klare Funktion zugeschrieben (Ausstellung, Kommunikation / Gastronomie, Kunstlager). In regelmäßigen Abständen sollen im Ausstellungsraum wie in den externen RÄUMEN FÜR KUNST künstlerische Positionen aus dem Sammlungsbestand präsentiert werden.
Der Neubau befindet sich im Ortskern eines typischen Schwarzwälder Industriestädtchens. Der große Vorplatz mit Gastronomie sowie die offene Schaufensterfront, die die Situation der RÄUME FÜR KUNST im Ort widerspiegelt, dient als Willkommensgruß an die Bürger sowie an die an- und durchreisenden Touristen und Kunstinteressierten.
Die Stiftung Grässlin wurde im Jahr 2004 von der Familie Grässlin gegründet, um den Ausstellungsbetrieb zu tragen. Alle Familienmitglieder vereint die persönliche Bindung an den Ort. „Jenseits der pittoresken Schwarzwaldidylle sollen von dem KUNSTRAUM-Ensemble Impulse für die Gemeinde ausgehen. Wir erhoffen uns ein lebendiges Haus, das Gäste auch von auswärts in die Stadt lockt.“ (Familie Grässlin)





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