Anzeige
B3 Biennale

Korpys / Löffler - PERSONEN, INSTITUTIONEN OBJEKTE, SACHEN

2. 12. 2017 - 18. 02. 2018 | Kunsthalle Tübingen
Eingabedatum: 02.12.2017

Werkabbildung

Personen, Institutionen, Objekte, Sachen, 2014 3-Kanal, HD-Video, 21:46 Min. Filmstill Courtesy: Meyer Riegger Berlin / Karlsruhe; die Künstler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 bilder

Seit den frühen 1990er Jahren untersucht das international bekannte Künstlerduo Korpys/Löffler die Wirkmechanismen medial vermittelter Bilder und ihre Inszenierungsstrategien. Eine wesentliche Motivation ihrer künstlerischen Arbeit ist dabei die Hinterfragung des postulierten und gemeinhin akzeptierten Wahrheitsgehalts dieser Inszenierungen. Ihr stellen sie neue Annäherungsmodelle entgegen. Mit einem eng verwobenen, thematischen Parcours durch die Räume der Kunsthalle Tübingen führt die Ausstellung wichtige Arbeiten der letzten zwanzig Jahre und jüngst entstandene Filminstallationen in einer großen Werkschau zusammen.

Die Ränder des Geschehens beobachten und im scheinbar Nebensächlichen Indizien zu sammeln, um Muster und Machtstrukturen hinter dem Vordergründigen erkennen zu können, ist eine durchgängige Arbeitsmethodik von Korpys/Löffler. Seit über 25 Jahren befassen sich beide mit den Methoden moderner Überwachung, dem geheimen Wirken und offiziellen Repräsentationen von staatlicher und institutioneller Macht, ebenso wie den Herausforderern gesellschaftlicher Oppositionen und der Protestkultur.

Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind intensive, oft investigative Recherchen und ungewöhnliche Filmprojekte, die mittels verschiedenster Medien und begleitender Objekte aufgefächert und erweitert werden. So entwickeln sie ungewöhnliche Rauminstallationen, in denen das jeweilige Thema durch ständige Medien- und Seitenwechsel umkreist wird. Korpys/Löffler kombinieren dabei Dokumentarisches und Fiktionales, Biografisches und Literarisches. Es entstehen raffiniert vertonte und ungewöhnlich montierte Filmproduktionen. Jenseits der oft medialen, bildgewaltigen Darstellungsstereotypen und Imagekampagnen finden sie dabei neue und auf Erfahrung und Zeugenschaft beruhende Bilder und alternative Erzählstränge.

Macht kann in den Augen der Künstler unterschiedliche Gesichter haben. So filmten sie bei Auftritten des amerikanischen Präsidenten George W. Bush (2002) oder Papst Johannes Paul II. (2004), schufen Portraits über den Präsidenten des BDI (2000) oder die beiden verstorbenen Gründer des größten deutschen Lebensmitteldiscounters (2013). Macht zeigt sich in Personen, Institutionen, Objekten und Sachen (2014), wie auch der Titel einer jüngeren Videoinstallation lautet. Dieser rückt zugleich die von Horst Herold (*1923) gegründete, gleichnamige Datenbank PIOS in das Blickfeld; ein bahnbrechend geltendes Instrument zur Terrorismusbekämpfung in der BRD der 1970er Jahre. Damals stattete der Präsident des BKA sein Institut unter strengster Geheimhaltung mit Computern und Datenbanken aus, um möglichst vielen Daten der gesamten Bevölkerung zu sammeln und auszuwerten, um dann mittels Abweichungsund Ausschlusskriterien nach möglichen Tätern zu fahnden.

Auch die neuen Netzwerke und Suchmaschinen des durchdigitalisierten 21. Jahrhunderts, und vor allem die staatlichen Überwachungssysteme wie PRISM und TEMPORA, folgen noch heute dem Grundgedanken der damals entwickelten negativen Rasterfahndung, und das in gänzlich globalen Dimensionen.

Die Ausstellung beginnt mit umfangreichen Werkkomplexen zu dieser Zeit der späten 1970er Jahre wie dem Konspirativen Wohnkonzept (1998 – 2001/2017), Bundesanwaltschaft (1999) oder Sandhaufen (1996/2017) und endet mit aktuellen Recherchen zur Entdeckung einer "Konspirativen Wohnung" in Tübingen 1985. Neben den Filminstallationen Atom (2010), Nuclear Football (2004) und Gesang der Jünglinge (2009) sind neuere mehrkanalige Filmproduktionen zu sehen. So portraitierten die Künstler die Räumlichkeiten der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und den streng geheimen, unzugänglichen Neubau der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes
in Berlin, der sukzessiv in Betrieb genommen wird. Dabei wenden sie Methoden von Überwachung nicht auf Personen, sondern auf die Institutionen ihrer Herkunft, selber an. Bereits in frühen Projekten der späten 1990er Jahre hatten sich Korpys/Löffler der filmischen Visualisierung machtpolitischer Architekturen wie dem Hauptquartier der UNO oder dem World Trade Center in New York, dem Pentagon in Washington oder dem NATO-Standort in Brüssel gewidmet.

Andree Korpys (*1966) und Markus Löffler (*1963) leben in Berlin und Bremen, lehrten von 2007-2009 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und haben seit 2009 eine Professur an der Hochschule für Künste in Bremen inne.

Kunsthalle Tübingen
kunsthalle-tuebingen.de/


Presse






Daten zu Korpys / Löffler:

- art berlin 2017
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD

Weiteres zum Thema: Korpys / Löffler



Sichtbarkeiten_Zwischen Fakten und Fiktionen, Edith-Ruß-Haus, Oldenburg (21.1.-19.3.06)


[...] dieses ständige Sperrfeuer von Bildern hüllt alles in einen Schleier; wir sehen nichts, wie einer, der im Smog herumgeht. William S. Burroughs, 1986

In einer Gesellschaft, in der Realität vor allem über die Kanäle der Massenmedien vermittelt wird und deren digital produzierte Bilder von Computern analysiert und interpretiert werden, stellt sich die Frage, wie sich heute zwischen Fakten und Fiktionen noch unterscheiden lässt. Die Grenze zwischen Realität und Repräsentation verschwimmt und wird durch mediale Produktionen und Projektionen ersetzt. An die Stelle real erfahrbarer Aktionen und Erlebnisse sind Bildschirmereignisse getreten. Persönliche Erfahrungen werden durch medial vermittelte Meinungen ausgetauscht, die unser Denken und Handeln bestimmen.

Die Ausstellung Sichtbarkeiten_Zwischen Fakten und Fiktionen thematisiert die medialen Wirklichkeitsinszenierungen einer globalen Informationsgesellschaft und hinterfragt den Wahrheitsgehalt der medialen Bilder. Der Status des Visuellen wird dabei auf den Prüfstand gestellt. Die ausgewählten künstlerischen Arbeiten benutzen die Mittel der Simulation und Inszenierung, um Realitätskonstruktionen sichtbar und Fiktionen durchschaubar zu machen. Sie stellen die Frage, wie sich eine immer komplexer werdende Wirklichkeit ohne verharmlosende Repräsentation durch Film und Fernsehen darstellen lässt. Sie handeln vom schmalen Grad zwischen authentischer Erfahrung und inszenierter Authentizität. Die methodischen Ansätze und künstlerischen Strategien reichen dabei vom scheinbar unverfälschten Dokumentarismus bis zur bewussten Irreführung, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Die in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Werke benutzen die medialen Formen der Informationsvermittlung, um aus dem Medium heraus die Frage nach Inszenierung und Repräsentation neu zu stellen. Sie legen die Mechanismen der Manipulation offen, mit denen die mediale Konstruktion von Wirklichkeit betrieben wird und entwickeln Gegenstrategien zur gängigen Medienpraxis, indem sie aktiv in die Produktion massenmedialer Bilder eingreifen. In einer Welt der permanenten Reizüberflutung und Übermacht der medialen Bilder lassen sie uns nachdenken über die Bilder selbst und das, was sie uns vermitteln.

KünstlerInnen:
The Atlas Group / Walid Raad, Miriam Bäckström, Shane Cooper, Harun Farocki, Benjamin Heisenberg, Lynn Hershman Leeson, Korpys/Löffler, Marc Lee und Christoph Ganser, Aernout Mik, Michael Najjar, Saskia Olde Wolbers, Sean Snyder, Brian Springer, The Yes Men
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Öffnungszeiten: Di-Fr 14-17 Uhr, Sa-So 11-17 Uhr

Edith-Ruß-Haus für Medienkunst
Katharinenstraße 23, D-26121 Oldenburg
t. +49 (0) 441 - 235 3194
edith-russ-haus.de


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    Magdeburg


    Anzeige
    Atelier


    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    rundgang


    Anzeige
    Ausstellung




    Mary Bauermeister - Zeichen, Worte, Universen

    Das künstlerische Werk Mary Bauermeisters (geb. 1934) zählt alleine aufgrund seiner Vielseitigkeit zu den ungewöhnlichsten OEuvres der zeitgenössischen Kunst. weiter

    Laura Bielau, Susann Dietrich, Claudia Piepenbrock, Christian Retschlag

    Mit Laura Bielau, Susann Dietrich, Claudia Piepenbrock und Christian Retschlag präsentiert der Kunstverein Hannover in vier parallelen Ausstellungen aktuelle Arbeiten der ehemaligen Stipendiaten des »Preis des Kunstvereins – Atelierstipendium Villa Minimo« (2015–2017). weiter

    Justus Bier Preis für Kuratoren

    ... an Andreas Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten weiter


    Takako Saito. You and me

    „You and me“: der Gedanke des Spiels mit dem Publikum prägt fast alle Werke von Takako Saito (*1929), seien es Buchobjekte, Performances, Schachspiele, Klangarbeiten, Shops oder Kleider. weiter


    Lisa Pahlke / Richard Leue

    Das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main zeigt in der diesjährigen Ausstellung der Stipendiaten der Jürgen Ponto-Stiftung im MMK 3 Werke von Lisa Pahlke und Richard Leue. weiter

    Der Kölnische Kunstverein bekommt Nikola Dietrich als neue Direktorin

    Die Kuratorin Nikola Dietrich wird ihre Position als Direktorin am 1. Juli 2018 antreten, in der Nachfolge von Moritz Wesseler, der seit 2013 Direktor des Kunstvereins ist. weiter


    Maya Schweizer - Die Luke, eine Fliege und dort die Puschkinallee

    Das sah doch mal anders aus? Der Blick der Kamera geht hoch über ein Areal in Berlin,... weiter

    Der Begriff Text in Texten zur zeitgenössischen Kunst

    weiter



    Eintracht/Zwietracht??

    Vom 8. Dezember 2017 bis 14. Januar 2018 zeigt das Museum für Photographie Braunschweig die Mitgliederausstellung »Eintracht/Zwietracht??«. weiter

    Zum Begriff "Strategie" in Texten zur zeitgenössischen Kunst

    weiter


    Un-Curating the Archive Teil II: 1990 – 2002

    Dieter Roelstraete hat sich 2009 kritisch zum archival oder historiographic turn geäußert. Die Rückwendung zur Vergangenheit brächte die Zukunft und jede Utopie zum Verschwinden. weiter


    Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

    Bis einschließlich Sonntag, 11. März 2018 können sich Studieninteressierte für die Eignungsprüfungen zur Aufnahme eines Bachelor-, Diplom- oder Lehramtsstudiums an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle anmelden. weiter

    Der Begriff "System" in Texten zur zeitgenössischen Kunst

    414 mal taucht der Wortstamm System im Textkorpus auf. weiter



    Land in Sicht

    Seit 2011 präsentieren das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern und das Staatliche Museum Schwerin gemeinsam im Dreijahresrhythmus auf Schloss Güstrow die Kunstankäufe des Landes. weiter

    Neue Goethe-Zentren eröffnen in Baku und Eriwan

    Mit der Eröffnung von zwei neuen Goethe-Zentren in Aserbaidschan und Armenien weitet das Goethe-Institut sein Netzwerk und die kulturelle Programmarbeit in der Kaukasus-Region weiter aus. weiter



    Carmen Herrera – Lines of Sight

    Mit der bisher größten Ausstellung von Werken aus 70 Arbeitsjahren präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf die kubanisch-amerikanische Künstlerin Carmen Herrera. weiter

    Elke aus dem Moore wird neue Leiterin der Akademie Schloss Solitude

    Elke aus dem Moore, die derzeitige Leiterin der Abteilung Kunst im Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) in Stuttgart, wird neue Direktorin der Akademie Schloss Solitude, sie folgt Jean-Baptiste Joly, der die Akademie seit Beginn leitete. weiter


    Sehgewohnheiten in Texten zur zeitgenössischen Kunst

    reflektiert die Künstlerin Sehgewohnheiten weiter



    DAS FENSTER ZUM CODE

    Immersive Technologien generieren unsere Welt zum digitalen Gesamtkosmos, unsere Wahrnehmung wird erweitert und entfremdet uns von der physisch-analogen Wirklichkeit. weiter

    Lubaina Himid erhält den diesjährigen Turner Prize

    Die in Sansibar geborene Künstlerin Lubaina Himid erhält den mit 25.000 Pfund dotierten und seit 1984 verliehenen Turner Prize. Lubaina Himid ist mit 63 Jahren die bisher älteste und erste schwarze Künstlerin, die den Preis gewinnt. weiter