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Über das Geistige in der Kunst. 100 Jahre nach Kandinsky und Malewitsch

30. 09. 2018 - 10. 03. 2019 | Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt
Eingabedatum: 29.09.2018

Was kann 100 Jahre nach den Anfängen der Avantgarde das „Geistige“ in der Kunst sein? Dieser Frage gehen die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (DG) in München und das Museum für Konkrete Kunst (MKK) in Ingolstadt in der Doppelausstellung „Über das Geistige in der Kunst. 100 Jahre nach Kandinsky und Malewitsch“ nach. Für die Ausstellung haben die Kuratorinnen rund 20 künstlerische Positionen ausgesucht, die sich entweder explizit auf Wassily Kandinsky oder Kasimir Malewitsch berufen, oder aber deren Gedankengut in die heutige Zeit übertragen. An beiden Spielorten sind für die Präsentation neue Arbeiten entstanden. In München steht die Auseinandersetzung mit Kandinsky im Mittelpunkt, während die Ingolstädter Schau Kasimir Malewitsch ins Zentrum rückt. Während der Münchner Teil bereits am Mittwoch, 12. September 2018 eröffnet, findet die Vernissage des Ingolstädter Abschnitts am Samstag, 29. September 2018 um 19 Uhr statt. Im Zeitraum von 30. September bis 10. November 2018 sind die Ausstellungen parallel zu sehen. Im gemeinsamen Katalog, der zur Münchner Eröffnung erscheint, ist die komplette Schau abgebildet.

Kandinsky und Malewitsch
1912 erschien die bahnbrechende Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ von Wassily Kandinsky. Zeitgleich mit ihm beschäftigten sich Künstler wie Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch mit ähnlichen Gedanken. Sie suchten nach Möglichkeiten, wie man das Unsichtbare, das Transzendente, das Spirituelle darstellen könnte und sie gelangten alle zu einem ungegenständlichen Malstil, bei dem allein den Farben und Formen Bedeutung zukam. Über hundert Jahre später stellt sich die Frage, welche Relevanz dieser geistigen Dimension in der ungegenständlichen Kunst geblieben ist. Die Konkrete Kunst gilt seit der Nachkriegszeit als eine streng mathematische Richtung, der jede spirituelle Bedeutung angeblich fehle, obwohl ihre Ursprünge bei Kandinsky, Mondrian und Malewitsch liegen. Eine junge Generation sieht sich nicht mehr in direkter Nachfolge solcher engen Stilbezeichnungen. Sie bezieht sich vielmehr assoziativ auf die Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ihren synästhetischen Ansatz, Klang, Farbe und Bewegung zu einem Kunstwerk zu formen.

Rückbezüge, sakrales Leuchten und Sphärenöffnung in Ingolstadt
Malewitschs metaphysische Kunsttheorie wirft Fragen nach dem Kosmos, der Unendlichkeit und der Sichtbarmachung des Unsichtbaren auf. Die Kuratorinnen präsentieren in Ingolstadt Positionen von zwölf zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern sowie Werke aus der Sammlung, die an diese Fragen anschließen. Die Arbeiten von Edith Dekyndt und Lienhard von Monkiewitsch setzen sich direkt mit Malewitschs „Schwarzem Quadrat“ (1917) auseinander. Beide Künstler spüren der Sogkraft nach, die das berühmte schwarze Quadrat auf weißem Untergrund bis heute entfaltet und machen sich die Tiefenwirkung zunutze, die den Betrachtenden in andere Sphären hinüberzieht. Anders nähert sich die Schweizer Künstlerin Andrea Wolfensberger dem „Geistigen“ in der Kunst: Sie bannt die Gebete und Gedichte aus christlicher, arabischer, tibetischer und jüdischer Kultur in Form von Schwingungsrillen, ähnlich einer Schallplatte, auf Hartgipsscheiben. Die Arbeiten von Raimer Jochims fallen durch ihr tiefes Leuchten mit fast sakraler Wirkung ins Auge, die ihren Ausgang bei den Farbverläufen auf altmeisterlichen Bildern nehmen. Christian Meggert aus der Schweiz eröffnet mit seinen Spiegelarbeiten magische, „überirdische“ Sphären. Die Annäherung ans „Geistige“ findet hier, wie bei den anderen KünstlerInnen der Ausstellung, ohne missionarischen Eifer und das Streben nach einer gesellschaftlichen Utopie statt. Was jedoch über die Zeiten verbindet, ist der Glaube an die Kraft und die Magie der Kunst.

Künstlerliste Ingolstadt
Edith Dekyndt (*1960, Belgien), Rainer Eisch (*1967, Schweiz), Ann Veronica Janssens (*1956, England), Raimer Jochims (*1935, Deutschland), Koka Ramishvili (*1956, Georgien), Lienhard von Monkiewitsch (*1941, Deutschland), Jan van Munster (*1939, Niederlande), Brigitte Schwacke (*1957, Deutschland), Semiconductor (England), Julius Stahl (*1978, Deutschland), Erik Sturm (*1982, Deutschland), Andrea Wolfensberger (*1961, Schweiz) sowie Werke aus der Sammlung.

Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstr. 6–8
85049 Ingolstadt

mkk-ingolstadt.de

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