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B3 Biennale

click doubleclick – das dokumentarische Moment - Haus der Kunst, München (8.2.-23.4.06)


Eingabedatum: 10.01.2006

bilder

Die Fotografie befindet sich im Moment in einer Phase des Umbruchs, in der ein veränderter Begriff des Dokumentarischen entsteht. Dabei geht es weniger um eine Darstellung der Wirklichkeit als vielmehr um eine künstlerisch begründete Vorstellung von Welt.

Der Titel der Ausstellung steht symbolisch verkürzt für das technische Übergangsstadium der Fotografie von einer analogen - click - zu einer digitalen, mit dem Computer erzielten Technik der Bildherstellung - doubleclick. Trotz verschiedener Produktionsmethoden und bildnerischer Strategien gibt es das gemeinsame Element der subjektiven Sicht auf die Wirklichkeit in der Formensprache des Dokumentarischen.

Als Walker Evans (1903-1975) zum Ende seines Lebens gefragt wurde, ob seine Fotografien Dokumente seien, antwortete er, dass die Polizei fotografische Dokumente eines Tatortes herstelle, es sich aber bei seinen Bildern um Fotografien im dokumen-tarischen Stil handele. Bei Aufnahmen dieser Art geht es also nicht um eine klassische Form der Dokumentarfotografie, deren Ziel die fotografische Verdopplung des Motivs ist, sondern um das Formulieren einer persönlichen Sehweise, die auch das Verhältnis des Fotografen zur Welt zeigt.

Die ausgewählten Fotografinnen und Fotografen verbindet das Interesse am gültigen Bild. Ihre Werke dienen nicht vorrangig der Illustration soziologischer, politischer oder anthropologischer, sprich gesellschaftlicher Themen. Ihre Arbeiten reflektieren diese Themen zwar und beziehen ihren Stoff aus der Auseinandersetzung mit ihnen, sie sind aber als künstlerische Selbstäußerungen zu verstehen, die sich im Dialog entwickeln. Ihre Bilder haben keinen Belegcharakter, sie stellen sich nicht in den Dienst der Wissenschaft, sie haben keinen Nutzen. Vielmehr formulieren sie einen Glauben an das Kunstwerk als ästhetisches Objekt mit seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Gleichzeitig weisen die vorgestellten Werke - trotz ihrer unterschiedlichen Produktions-arten - eine Welthaltigkeit auf, eine enge, wahrhaftig erscheinende Verbindung mit ihren Motiven, die man als dokumentarisches Moment bezeichnen kann. Ihre jeweilige Konstruktion von Authentizität kann sich als Summe von Einzelteilen einer fotografischen Serie oder als Verdichtung verschiedener Aufnahmen zu einem digital bearbeiteten Einzelbild ausdrücken, als beabsichtigte Behauptung oder als intendierte Künstlichkeit. Der Betrachter der individuellen Bildfindungen versucht die Konstruktion zu dechiffrieren, immer schwankend zwischen Erkennen und Verwerfen, Staunen und Faszination, Glauben und Zweifel.

click doubleclick vereint Werkgruppen international anerkannter Fotografinnen und Fotografen mit Arbeiten einer jüngeren Generation: Tina Barney, USA; Laurenz Berges, D; Dirk Braekman, B; David Claerbout, B; Luc Delahaye, F; Rineke Dijkstra, NL; Patrick Faigenbaum, F; Stephen Gill, GB; Paul Graham, GB; Andreas Gursky D; Scott McFarland, CAN; Hans van der Meer, NL; Martin Parr, GB; Judith Joy Ross, USA; Thomas Ruff, D; Taryn Simon, USA; Alec Soth, USA; Heidi Specker, D; Jules Spinatsch, CH; Thomas Struth, D; Larry Sultan, USA; Juergen Teller, D; Wolfgang Tillmans, D; Jeff Wall, CAN.

Die Fotografien von Laurenz Berges, Andreas Gursky, Taryn Simon und Juergen Teller haben im Haus der Kunst ihre Weltpremiere. Die Werke von Tina Barney, Dirk Braekman, David Claerbout, Stephen Gill, Paul Graham, Scott McFarland, Martin Parr, Alec Soth, Jules Spinatsch und Wolfgang Tillmans feiern ihre Deutschlandpremiere. Auch die Arbeiten von Luc Delahaye, Rineke Dijkstra und Thomas Ruff sind zum Teil zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. (Presse / Haus der Kunst)

Abbildung: Martin Parr, Mexico, Mexico City, 2002, From the series "Parking spaces", C-Print, 31 x 41 cm, © Martin Parr/Magnum Photos


ch






Daten zu Martin Parr:

- art basel miami beach, 2014
- ARTRIO 2013, Brasilien
- Das imaginäre Museum, 2016
- Gruppenausstellung
- KIAF 2016
- Kunstverein - Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt
- MoMA Collection
- Sammlung DZ Bank, Frankfurt
- The Making of Art, 2009, Schirn

Weiteres zum Thema: Martin Parr



Symposium "True Colors" im Internationalen Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen


Mit 30minütiger Verspätung sprach der bekannte Hamburger Fotograf F.C. Gundlach seine Begrüßungsworte. Mit unerwarteten Schlangen und ein wenig Organisationschaos begann das Symposium, welches ganz im Zeichen der Farbe stand. Er sei lediglich der "Begrüßungsonkel", wie sich Gundlach schelmenhaft selber nannte - und so überließ der Fotograf nach wenigen Minuten den Teilnehmern das Feld.

Bis zu den 80ern galt die Verwendung von Farbe in der künstlerischen Fotografie als verpönt, so der Ausstellungsorganisator Ingo Taubhorn. Sie sei zu kommerziell und oberflächlich dazu noch bunt, verspielt und eigentlich nicht Ernst zu nehmen. Schwarz-weiß Fotografie galt allein als ausdrucksstark und seriös. Mittlerweile ist in den letzten zehn Jahren ein Paradigmenwechsel festzustellen. Bestes Beispiel und auch Anlass für das Symposium ist die aktuelle Ausstellung von Martin Parr (Die Retrospektive. Photographische Werke 1971-2001) in den Deichtorhallen. Parr hat in den 70ern als schwarz-weiß Fotograf begonnen, ging dann aber zur Farbfotografie über. Seine Bilder haben sozialdokumentatorischen Anspruch und damit international bekannt geworden.

Die Mischung der Vorträge aus Darstellungen von Künstlern, Wissenschaftlern und Publizisten beleuchtete das Thema "Farbe" aus mehreren Richtungen. Der schwedische Fotograf Lars Tunbjörg zeigte Fotos aus einem Zyklus über seine schwedische Heimat. Mit dem Fotoband "Country by itself" wurde er bekannt und erhielt zahlreiche Preise. Seit 1984 fotografiert er in Farbe, um nach eigenen Aussagen, dem Sujet mehr Facetten und Prägnanz zu geben. Die Bilder zeigen Insignien des schwedischen Mittelklasselebens ohne Ironie und Abwertung. Menschenleer sind diese. Die Farbe wirkt auf den Betrachter mit klinischer Präzision.

Etwas profaneren aber nicht unwichtigen Dingen widmet sich Martin Jürgens. Er ist einer der wenigen Fotorestauratoren in Deutschland und betreut die Sammlung F.C. Gundlach. Jürgens gibt einen Einblick in die Schwierigkeiten der Erhaltung fotografischer Werke. Ein Künstler bedenkt nur selten wie wichtig die Kenntnis des Materials bis in letzte Detail ist, um Fotos langfristig für die Nachwelt zu erhalten. Gerade für Sammler ist dieses ein wichtiger Aspekt. Am Samstag präsentierte dann u.a. auch Jürgen Baldauf das Konzept seines Magazins "vorn". Bislang einmalig in Deutschland. Es gibt für die Fotografen und Art Direktoren keine Vorgaben. Jeder ist frei in der Gestaltung seiner Strecke. Die Auflage beträgt zur Zeit beachtliche 10.000 Stück. Thematisiert werden Mode, Design und Kunst.

Farbe wird inzwischen in allen Bereichen, sei es künstlerisch oder gewerblich, verwendet. Die übergeordnete Fragestellung des Symposiums "Wie farbig ist die Wirklichkeit und ist die Farbe wirklich?" konnte natürlich nicht abschließend beantwortet werden, nichtsdestotrotz eine aufschlussreiche Veranstaltung.


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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