Antony Gormley. Expansion Field

60 aus Corten-Stahl gefertigte Skulpturen

05.09.2014 - 11.01.2015 | Zentrum Paul Klee, Bern
Eingabedatum: 21.08.2014

bilder

Antony Gormleys EXPANSION FIELD wird zum ersten Mal in der grossen Ausstellungshalle des Zentrum Paul Klee gezeigt. Diese neue Arbeit besteht aus 60 aus Corten-Stahl gefertigten Skulpturen, deren Formen direkt vom menschlichen Körper und seinen Haltungen abgeleitet sind. Die streng konzipierte Rauminstallation eröffnet kultur- und kunstgeschichtliche Referenzen von der Frühgeschichte bis zu Minimal Art und Body Art. Das orthogonale Feld setzt der organischen Formensprache der Architektur des ZPK von Renzo Piano einen Kontrapunkt entgegen.

Das Zentrum Paul Klee präsentiert die erste Einzelausstellung von Antony Gormley in einem Schweizer Museum.
EXPANSION FIELD schliesst an die verschiedenen «Field»-Arbeiten, die Gormleys Œuvre immer wieder geprägt haben, an, seien es EUROPEAN FIELD oder ASIAN FIELD, wo zigtausende kleiner Tonfiguren Räume einnehmen, seien es die sich nicht auf einen Blick erschliessenden Felder wie HORIZON FIELD im Bregenzer Wald, wo eine Anzahl auf derselben Höhe übers Meer platzierter lebensgrosser Figuren eine Fläche von mehr als 150 Quadratkilometern besetzen.

Diese Werke leiten sich einerseits von festgehaltenen Augenblicken gelebter Zeit ab und können mit Körper- und Performance-Kunst assoziiert werden. EXPANSION FIELD kann andererseits aber auch in Verbindung mit frühgeschichtlichen Monumenten wie den megalithischen Steinreihen in Carnac in der Bretagne oder als Kommentar des Strassenrasters von Manhattan gebracht werden. EXPANSION FIELD besitzt eine starke Affinität zu den seriellen Werken von Donald Judd wie seine monumentale Installation in Marfa, Texas oder zu Walter de Marias The Lightening Field in New Mexico. Sie unterzieht die Sprache des Kubismus einer Neubewertung, während es den Anspruch der Minimal Art nach Verbindlichkeit weiterführt.

EXPANSION FIELD erweist sich geradezu als prädestiniert für eine Installation im Zentrum Paul Klee, kontrastiert das Werk doch auf spannungsvolle Weise die organische Formensprache der Architektur von Renzo Piano und weist zugleich Berührungspunkte zum Universum Paul Klee auf, etwa aufgrund des Interesses beider Künstler an Zusammenhängen und dem Wechselspiel zwischen natürlicher Entwicklung und konstruierten Realitäten.

Drei frühere Plastiken des Künstlers, die die Thematik der Expansion behandeln und einen Dialog zwischen Wachstum, Raum und Serialität kreieren, werden in einem Kabinett neben der Rauminstallation EXPANSION FIELD ausgestellt.

Statement von Antony Gormley

EXPANSION FIELD: Körper und Raum, vermittelt durch Architektur.

Die Obsession, die mich seit Jahren umtreibt, dreht sich darum, den Körper viel mehr als einen Ort, denn einfach als ein Objekt zu erforschen, und seinen Raum wieder mit dem Raum im Grossen und Ganzen zusammenzuführen. Ich möchte bestätigen, dass, während wir in einer gebauten Umgebung leben und wir das einzige Lebewesen sind, das seinen Lebensraum nach Euklidischen Prinzipien konstruiert, im Moment wo wir die Augen schliessen und uns der Dunkelheit des Körpers bewusst werden, uns in einem grenzenlosen, sich stetig ausdehnenden Raum ohne Dimensionen befinden. Dieser intime Erfahrungsbereich besitzt die­selben unendlichen Eigenheiten wie der Nachthimmel.

In EXPANSION FIELD findet die kosmologische Konstante eines sich ausdehnenden Universums ihre Anwendung auf den subjektiven Raum des Körpers. Das Werk besteht aus 60 Behältern, die den unstabilen Ort des Körpers als architektonisches Feld evozieren: 60 Gehäuse der Finsternis oder der Nacht, jedes vom Volumen meines Körpers abgeleitet, aber dann in eine architektonische Geometrie überführt.

Verfertigt aus Corten-Stahl und hermetisch verschweisst, sind dies absolute Raumverschiebungen; Volumina von Nacht ins Licht gestellt. Sie leiten sich von bis zu dreissig unterschiedlichen Körperhaltungen ab, die jeweils bis zu sechs Mal ausgedehnt worden sind, wobei sich die Ausdehnung in alle Richtungen erstreckt. Die stufenweise Ausdehnung dieser Körperzonen erfolgt zufällig, die Körper selbst sind aber in einer klaren Rasterstruktur angeordnet, die zu durchlaufen der Körper der Betrachterin, resp. des Betrachters eingeladen ist.

Dies ist ein reflektiver Feld, worin die subjektive Erfahrung durch entleerte Objekte in Gang gebracht wird. Es regt im selben Ausmass zu Projektionen an, wie es die Selbstwahrnehmung befördert.

Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
3000 Bern 31

zpk.org


Pressemitteilung






Daten zu Antony Gormley:

- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Hong Kong 2014
- Art Basel Hong Kong, 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art cologne 2015
- ARTRIO 2013, Brasilien
- Beaufort 2003
- BIENNALE OF SYDNEY, 2006
- documenta 8, 1987
- Dopplereffekt. Bilder in Kunst und Wissenschaft - Kunsthalle zu Kiel
- Galerie Thaddaeus Ropac
- Gwangju Biennale, 2000
- Preistraeger 1994, Turner Prize
- Preistraeger Praemium Imperiale Sculpture
- SAMMLUNG WEMHÖNER
- Sammlung Würth
- Tate Post War Collection ,London
- White Cube - Gallery

Weiteres zum Thema: Antony Gormley



Antony Gormley im Kunsthaus Bregenz (12.7.-4.10.09)


In seiner Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper zählt der britische Künstler Antony Gormley (geb. 1950 in London) zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwart. Vier seiner wichtigsten Werkreihen werden nun im Kunsthaus Bregenz präsentiert.

In seiner Serie "Expansions" setzt Gormley sich mit der Begrenzung eines Körpers durch die Haut auseinander. Er befragt Objekte nach deren Anfang und Ende und kommt zu einer Neudefinition der Haut. "Body" und "Fruit" beispielsweise sind von der Abgussform eines Körpers in der Startposition eines Schwimmers vor dem Sprung ins Becken hergeleitet. Durch Verwendung eines konstanten Maßstabes vergrößert er die Form mittels runder Holzstäbe, die von Knotenpunkten an den Extremitäten des Körpers aus strahlenförmig wegführen. Anschließend verbindet er die Enden der Hölzer, um wieder zu einer einheitlichen Oberfläche zu gelangen. Durch die Wiederholung der Haut entsteht ein neuer Körper mit ineinander übergehenden Ei-Formen.

Um die Auflösung fester Raum-Grenzen geht es dem Bildhauer in seiner Serie "Clearing" (2009). Annähernd zwölf Kilometer Aluminiumstange sind in Bögen vom Fußboden zur Decke und zwischen den Wänden gespannt, sodass eine dreidimensionale Installation entsteht durch die der Besucher hindurchgehen kann:
"Ich beabsichtigte, die festen Koordinaten eines Raumes zu zerstören und ein Raum-Zeit-Kontinuum zu erschaffen (eine endlose Linie), das sowohl ein Ding wie auch eine Zeichnung darstellt", erklärt Gormley.

Gormley beschäftigt sich mit dem Thema der Masse und dem definierten Körpervolumen genauso wie mit Energiesystemen, -feldern und -vektoren.
Der menschliche Körper wird dabei zum einen Thema, aber auch zum Werkzeug und Arbeitsmaterial.

Abbildung: Antony Gormley, Clearing IV, 2005, 10 km 16-swg-Aluminiumrohr, 12,7 x 12,7 mm, Maße variabel
Installationsansicht, Sean Kelly Gallery, New York
Foto: Steven P Harris
© Antony Gormley. Courtesy of Galerie Thaddaeus Ropac (Paris/Salzburg) und White Cube (London)

Öffnungszeiten:
Di-So 10–18 Uhr
Do 10–21 Uhr
12.7.–23.8. tägl. 10–20 Uhr

Kunsthaus Bregenz
Karl Tizian Platz
A-6900 Bregenz

kunsthaus-bregenz.at


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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