Anzeige
kunstsammlung

Uriel Orlow. Theatrum Botanicum

14. 04. - 17. 06. 2018 | Kunst Halle Sankt Gallen
Eingabedatum: 05.04.2018

Werkabbildung

Uriel Orlow, The Fairest Heritage, 2016-2017 (Videostill) Courtesy: der Künstler, La Veronica, Modica, und Mor Charpentier, Parisbilder

In seiner forschungsbasierten und prozessorientierten Praxis beschäftigt sich Uriel Orlow (geb. in Zürich, lebt und arbeitet in London, Lissabon und Zürich) mit blinden Flecken in der Darstellung von Geschichte und den daraus resultierenden Fragen nach Restitution, u.a. der Rückführung der Erinnerung in die Gegenwart.

In der Kunst Halle Sankt Gallen präsentiert Orlow die gross angelegte Werkreihe Theatrum Botanicum (2015–2017), welche die botanische Welt als politische Bühne betrachtet. Aus den Blickwinkeln von Südafrika und Europa zeigt das Projekt Pflanzen als Zeugen und Akteure in der Geschichte, als dynamische Agenten, die Natur und Menschen, Tradition und Moderne verbinden – über verschiedene Geographien, Geschichten und Wissenssysteme hinweg.

Filme, Soundarbeiten,
Fotografien und Installationen beleuchten ‘botanischen Nationalismus‘ und andere Vermächtnisse des Kolonialismus, Pflanzenmigration, Biopiraterie, Blumendiplomatie während der Apartheid, die Rolle der Klassifizierung und Benennung von Pflanzen, aber auch den von Mandela und seinen Mitinsassen in Gefangenschaft auf Robben Island gepflanzten Garten.

Das Herzstück der Ausstellung bildet eine Video-Trilogie, welche die ideologische und kommerzielle Konfrontation zweier unterschiedlicher und doch ineinandergreifender Heiltraditionen sowie ihrer Verwendung von Pflanzen
erkundet (The Crown Against Mafavuke), Fragen nach dem Schutz von indigenem Urheberrecht nachgeht (Imbizo Ka Mafavuke (Mafavuke’s Tribunal)) und die Präsenz von Pflanzenheilkunde im postkolonialen Kontext dokumentiert (Muthi). Die Soundarbeit What Plants Were Called Before They Had a Name beispielsweise ist vor dem Hintergrund der Expeditionen zu verstehen, die dem europäischen Kolonialismus in Südafrika (und auch andernorts) vorausgingen und deren Ziele das Kartographieren des Gebiets und die Klassifizierung seiner natürlichen Ressourcen waren, welche wiederum den Weg für Besetzung und Ausbeutung ebneten. Die vermeintliche Entdeckung und die anschliessende Katalogisierung von Pflanzen missachtete bestehende indigene Namen und botanisches Wissen und löschte diese letztlich aus, indem Linnés System der Klassifizierung mit seiner spezifischen europäischen Rationalität aufgezwungen wurde. What Plants Were Called Before They Had a Name fungiert als mündliches Pflanzen-Wörterbuch indigener südafrikanischer Sprachen wie Khoi, SePedi, SeSotho, SiSwati, SeTswana, xiTsonga, isiXhosa und isiZulu.

Im Keller der Bibliothek des Kirstenbosch National Botanical Garden in Kapstadt gefundenes Filmmaterial verwendete Orlow als Ausgangspunkt für die Videoarbeit The Fairest Heritage. Die Filme waren 1963 anlässlich des
50. Jahrestags der Gründung des Gartens in Auftrag gegeben worden, um unter anderem seine Geschichte zu dokumentieren, ebenso wie die Jubiläumsfeierlichkeiten mit ihren ‘nationalen’ Tänzen, Pantomimen kolonialistischer Eroberung und Besuchen internationaler Botaniker*innen; die einzigen Afrikaner*innen in den Filmen sind Arbeiter*innen. Da Blumen als neutral und passiv gelten, waren sie vom Boykott lange ausgeschlossen und ‘botanischer Nationalismus‘ und Blumendiplomatie gediehen unkontrolliert im In- und Ausland. Orlow arbeitete für The Fairest Heritage mit einer Schauspielerin zusammen, die sich und ihren Körper in diese aufgeladenen Bilder begibt, das gefundene Filmmaterial bewohnt, ihm entgegentritt und dadurch die Geschichte und das Archiv selbst in Frage stellt.

«Theatrum Botanicum» wirft nicht nur einen tiefgründigen Blick auf Kolonialismus und neue Geschichtsschreibung, sondern bietet auch die Möglichkeit, sich eingehend mit der Arbeitsweise Uriel Orlows auseinanderzusetzen.
Uriel Orlow (*1973 in Zürich) lebt und arbeitet in London, Lissabon und Zürich. Er studierte am Central Saint Martins College of Art & Design London, der Slade School of Art sowie der Université de Genève, und promovierte 2002 in Bildender Kunst.
Einzelausstellungen (Auswahl): PAV – Parco Arte Vivente, Turin/IT (2017); Parc Saint Léger – Centre d’Art Contemporain, Pougues-les-Eaux/FR (2017); The Showroom, London/UK (2016); Castello di Rivoli, Turin/IT (2015); John Hansard Gallery, Southampton/UK (2015); Depo, Istanbul/TR (2015). Orlows Werke wurden international in zahlreichen Museen und Galerien ausgestellt, u.a. in London/UK (Tate Modern, Tate Britain, Whitechapel Gallery, ICA und Gasworks), Paris/FR (Palais de Tokyo, Fondation Ricard, Maison Populaire, Bétonsalon), Zürich/CH (Kunsthaus, Les Complices, Helmhaus und Shedhalle) sowie Genf/CH (Centre d’Art Contemporain und Centre
de la Photographie).

Des Weiteren war er mit seinen Arbeiten u.a. an folgenden Übersichtsausstellungen vertreten: 7. Moskauer Biennale, Moskau/RU (2017), Sharjah Biennale 13, Sharjah/UAE (2017), Manifesta 9, Genk/BE (2012); 54. Biennale di Venezia, Venedig/IT (2011). Orlows Filme wurden u.a. an den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen/DE, am Locarno Festival, Locarno/CH, an der Videoex, Zürich/CH, am Centre Pompidou, Paris/FR; am BFI London Film Festival, London/UK; im Kino der Kunst, München/DE; am Visions du Réel, Nyon/FR sowie an der Biennale de l’Image en Mouvement, Genf/CH gezeigt.


Kunst Halle Sankt Gallen
Davidstrasse 40
CH-9000 St. Gallen
k9000.ch

Presse






Daten zu Uriel Orlow:

- Aichi Trienniale 2013
- Bergen Trienniale 2013
- Biennale Venedig 2011 Pav
- EVA International 2016
- EVA International – Ireland’s Biennial, 2014
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- MACBA COLLECTION
- Moscow Biennial 2017
- Sharjah Biennial 13, 2017
- Yesterday Will Be Better, Aargauer Kunsthaus
- Yinchuan Biennale 2018

Weiteres zum Thema: Uriel Orlow



Yesterday Will Be Better - Aargauer Kunsthaus


Mit der Gruppenausstellung "Yesterday Will Be Better" nimmt das Aargauer Kunsthaus die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft in den Blick. Insgesamt 35 Positionen aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Zeichnung und Skulptur stellen Fragen nach dem Erinnern und Wünschen.

Mit dem Titel bezieht sich die Ausstellung auf eine Arbeit des Fluxus-Künstlers George Brecht, der das Sprichwort "früher war alles besser" zum Paradox "gestern wird besser sein" umdreht.
Diesem Ansatz folgend wurden zahlreiche internationale Künstler eingeladen, sich mit dem Verhältnis von Vergangenheit und Zukünftigem auseinandersetzen.

Die Künstlerin Fiona Tan präsentiert mit ihrer Fotoinstallation "Vox Populi Switzerland" Familienbilder aus Schweizer Familienalben als Archive der Erinnerung. In der Wandarbeit "List of Names" von Douglas Gordon wird hingegen das subjektive Namensgedächtnis zum Thema gemacht.
In anderen Arbeiten spielen Formen der Nacherzählung, der Rekonstruktion oder der Re-Lektüre eine entscheidende Rolle, um den Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft zu spannen.

Die Künstler, die in der Ausstellung mit Werken vertreten sind, entstammen ganz unterschiedlichen kulturellen und geographischen Hintergründen. Dabei ist es das Ziel der Ausstellung, das Thema aus möglichst vielfältigen Perspektiven anzugehen und facettenreiche Blickwinkel aufzuzeigen.

Künstlerliste:
Lida Abdul (AF), Yael Bartana (IL), Muriel Baumgartner (CH), Manon Bellet(CH), Pierre Bismuth (F), George Brecht (USA), Hans Danuser (CH), Simon Dybbroe Møller (DK), Angus Fairhurst (UK), Mounir Fatmi (MA), Hans-Peter Feldmann (D), Cyprien Gaillard (F), Douglas Gordon (UK), Stefan Gritsch (CH), Andres Lutz / Anders Guggisberg (CH), Mona Hatoum (UK), Alexander Heim (D), Pierre Huyghe (F), Susan Hiller (USA), huber.huber (CH), Jorge Macchi (ARG), Kris Martin (BE), Claudia und Julia Müller (CH), Oskar Muñoz (CO), Deimantas Narkevius (LTU), Rivane Neuenschwander / Cao Guimarães (BR), Uriel Orlow (CH), Lorna Simpson (USA), Fiona Tan (NL), Adam Thompson(UK), Carey Young (UK)

Abbildung: Jorge Macchi, Globe, 2008, Wasserfarbe auf Papier, 36.7 x 46.5 cm, Gerahmt, Courtesy Alastair Cookson

Ausstellungsdauer: 21.8.-7.11.10

Öffnungszeiten:
Di-So 10-17 Uhr
Do 10-20 Uhr

Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
CH-5001 Aargau

aargauerkunsthaus.ch


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    rundgang


    Anzeige
    karma


    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    Atelier




    Figuren - Rineke Dijkstra und die Sammlung des Sprengel Museum Hannover

    Mit Rineke Dijkstra (*1959 in Sittard,Niederlande, lebt in Amsterdam) ehrt die Stiftung Niedersachsen eine der herausragenden Fotografinnen der Gegenwart. weiter


    »Stephen Gill. Vom Dokument zum Experiment«

    Ab dem 28. April 2018 zeigt das Museum für Photographie Braunschweig in seinen beiden Torhäusern die erste museale Einzelausstellung des britischen Künstlers Stephen Gill in Deutschland. weiter


    PROJEKTIONEN - FACETTEN DER ERINNERUNG

    Die Ausstellungsreihe »Projektionen« stellt nacheinander vier filmische Arbeiten zeitgenössischer Künstler vor, die das Zusammenspiel von Erinnerung und Identität auf unterschiedlichste Weise thematisieren. weiter


    ÜBER_LEBEN niemand mischt sich ein | zufallsindoktrinator # 147

    niemand mischt sich ein | zufallsindoktrinator # 147
    niemand hat macht | niemand kennt sich aus | wir sind mächtiger als irrglaubt !
    | Arbeits- und Diskursraum | Ausstellung | Guerilla Tour |
    ein Projekt von starsky | niemand weiter


    Ulrich Horndash - Veduta 4

    Im April 2018 wird die Architektur der Kunsthalle Darmstadt zum Bildträger. weiter

    Irene Kopelman. ON GLACIERS AND AVALANCHES. GLAZIOLOGISCHE SPURENLESE

    Klimawandel, Gletscherschwund und sich ändernde Wasserpegel: Glaziologinnen und Glaziologen erforschen seit Jahrzehnten die Veränderungen der Gletscher und ihre Auswirkungen auf die Natur. Was passiert, wenn eine Künstlerin die Forschenden begleitet? weiter

    Ruinart und die Kunst

    Im jüngsten Kunstprojekt von Ruinart geht es um die faszinierenden Bilder des Chinesen Liu Bolin, die während seines Aufenthalts in Reims entstanden sind, der Titel: „Reveal the (in) visible“. Zu sehen vom 26. bis 29. April in der Galerie Deschler in der Auguststraße 61 | 10117 Berlin. (Sponsored Content) weiter


    Mika Rottenberg

    Die in Argentinien geborene und in Israel aufgewachsene Künstlerin Mika Rottenberg beschäftigt sich mit den Kreisläufen der Produktion und der Zirkulation von Waren. weiter


    Kocheisen+Hullmann: Zwischenblüte ambitionierter Metamorphosen

    In der Serie „Halbschatten“ erstellen die beiden Künstler seit 2014 Linolschnitte, in denen fantastische und irritierende Bildwelten aufscheinen. weiter

    Alex Da Corte THE SUPƎRMAN

    Der Kölnische Kunstverein freut sich mit THE SUPƎRMAN die erste institutionelle Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstler Alex Da Corte in Deutschland präsentieren zu können. weiter

    Der Begriff Erinnerung in Texten zur zeitgenössischen Kunst

    Ahnungen, Erinnerungen und, als Erinnerung an die, als Erinnerung lediglich erahnbar, als Erinnerung und Dokument, als Erinnerung und Spurensuche weiter


    Der Begriff - lernen - in Texten zur zeitgenössischen Kunst

    als lernende Organisation, andere lernen die Stadt, Athen lernen angedeutet wird, Athen lernen mit neuen, Athen lernen positioniert sich weiter



    The Beauty of Hunting. Einblicke in die Ästhetische Ethnologie

    Im Rahmen eines Kooperationsprojekts stellt das Künstlerhaus den Ausstellungsraum »Made in Balmoral« erstmals dem Institut für Kulturwissenschaft der Universität Koblenz-Landau zur Verfügung. weiter


    Matthias Wollgast THE STEPS WITH NO NAME

    Die Abhängigkeit der Kunst von ihrem jeweiligen Kontext und damit verbunden die ständige Umwertung kultureller Werte durch ihre Geschichte und Rezeption sind zentrale Themen im Werk von Matthias Wollgast. weiter

    ADKV-ART COLOGNE-Preis für Kunstkritik an Radek Krolczyk

    Mit Radek Krolczyk zeichnet die Jury einen Kritiker aus, der stets seine Distanz zu den Zentren des Kunstbetriebs bewahrt hat und die Binnenperspektive des Kunstbetriebs immer wieder durchbricht. weiter


    Marina Abramović - The Cleaner

    Radikal, umstritten und bewundert zugleich: Marina Abramović ist eine der meistdiskutierten internationalen Künstlerinnen ... weiter


    Edwin Zwakman - Reality is not a Place

    Ein fotografisches Verwirrspiel mit Realität und Fiktion liefern die Werke des niederländischen Künstlers Edwin Zwakman. weiter


    Douglas Gordon "k.364"

    In der Grabbe Halle des K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen präsentiert der international renommierte schottische Künstler Douglas Gordon (*1966) seine eindrucksvolle, raumgreifende Videoinstallation „k.364“, 2010.
    (Sponsored Content) weiter


    Haegue Yang ETA 1994–2018

    Mit der weltweit ersten Überblicksausstellung der Künstlerin präsentiert das Museum Ludwig die Vielfalt ihres gesamten Schaffens anhand von über 120 Werken. weiter


    European Media Art Festival Report - Notizen aus der Wirklichkeit

    Der Journalismus ist zunehmend in Verdacht geraten, als neutraler Berichterstatter zu versagen. Eine kaum durchschaubare Anzahl scheinbar Wahrheitssuchender Akteure hat stattdessen begonnen, Kategorien wie Fiktion und Realität verschwimmen zu lassen. weiter