Spezial: Zeitgenössische Kunst in Istanbul, Teil 2


Eingabedatum: 05.04.2012

bilder

Neben den staatlichen und den großen privaten Museen setzen sich in Istanbul seit den letzten Jahren ebenso engagiert besonders kleinere Galerien und Projekträume mit junger Kunst auseinander. Zum Beispiel die Dirimart Garibaldi Galerie - eine der bekanntesten zeitgenössischen Galerien der Stadt.
Die Galerie, 2002 gegründet, arbeitet mit jungen und etablierten türkischen Künstlern und vertritt auch eine wachsende Auswahl an internationalen Namen wie Katharina Grosse und Bjorn Melhus. Der Ausstellungsraum befindet sich in einem prächtigen alten Gebäude, unweit der Istikal Avenue, einer der gefragtesten Einkaufsstraßen im Viertel Taksim.

Bis 5. März war in der Galerie der Film „The Leopard“ des britischen Künstlers und Filmemachers Isaac Julien zu sehen. Der 20minütige Film ist die auf nur eine Leinwand beschränkte Version seiner 5-Kanal Installation „Western Union: Small Boats“ von 2007 (Abbildungen siehe: isaacjulien.com). Es werden Geschichten von afrikanischen Migranten nahtlos mit antiken Mythen verbunden. Dabei geht es um Träume, Hoffnungen und um deren Zerstörung. Die Bilder sind mit haarscharfer HD Qualität gefilmt, sie sind verträumt und doch nie weit von der Realität entfernt: Tänzer rollen scheinbar schwerelos Stufen hoch, Bilder von prächtigen Palästen und zerstörten Holzbooten folgen dicht aufeinander. Die meisten Szenen fangen mit Großaufnahmen an, die erst nach einer Weile in einen größeren Kontext eingefügt werden können. Dem Betrachter bleibt es überlassen, die ihm zur Verfügung gestellten Puzzlestücke zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Wie in vielen Werken Juliens, geht es zunächst besonders um die Atmosphäre, um das komplette Einbeziehen des Besuchers – fast wie in einen Sog. Die einzelnen Szenen wechseln nur langsam, jede Szene scheint wie ein Gemälde komponiert und durchdacht zu sein. Ein Berg aus kaputten Holzbooten, offensichtlich Zeugen der Strapazen und dem Tod der Flüchtlinge, wirkt bei Julien durch die sich vorwiegend auf blau und rot beschränkende Farbkomposition erschreckend ästhetisch.

Migration ist ein Thema, das sich durch viele von Juliens Werken zieht. Er verankert seine Arbeiten in einem postkolonialen Diskurs, oft verbunden mit psychoanalytischen Theorien. Seine einmalige Filmsprache entsteht durch die Zusammenführung von Performance und Tanz, Poesie und Fotografie. Das Thema der Migration wird als wichtiges politisches Statement benutzt. Dennoch ist die Art der künstlerischen Umsetzung manchmal etwas flach, die Szenen allzu bekannt: In goldene Folien gewickelte Leichen liegen unweit von sich am Strand vergnügenden Touristen. Szenen, in denen Menschen zu ertrinken scheinen, werden mit dramatischer, klassischer Musik unterlegt. Doch gerade durch Ästhetisierung des Politischen macht der Künstler aufmerksam auf die Verharmlosung von Themen wie der Migration in der Politik. Er öffnet koloniale Wunden, die nicht in Vergessenheit geraten sollen. Er hinterfragt die Wahrheit und deren Idealisierung. Und er präsentiert seine Themen in solch einer kraftvollen Schönheit, dass es wohl wirklich zu schön ist, um wahr zu sein.

Isaac Julien „The Leopard“: 2. Februar bis 5. März 2012
Dirimart Garibaldi
Istikal Caddesi Deva Cikmazi No.2
Garibaldi Binasi Kat Floor 2
Beyoglu
Istanbul
dirimart.org


Teresa Reichert



Isaac Julien:


- *1960 in London, England.

- Almine Rech Gallery

- Art Basel 2013

- Art Basel Hong Kong 2014

- Art Basel Hong Kong 2016

- Art Basel Hong Kong 2018

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach 2014

- ARTRIO 2013 Brasilien

- Biennale Venedig 2015

- documenta 11 2002

- Eine Geschichte Zeitgenössische Kunst aus dem Centre Pompidou 2016

- fast forward2 - ZKM Karlsruhe

- Frieze LA 2019

- Frieze LA 2019

- Galeria Helga de Alvear

- Göteborg Biennial for Contemporary Art, 2011

- ikono On Air Festival

- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V. Sammlung

- Marrakech Biennale, 2010

- MoMA Collection

- Prospect New Orleans 1, 2008

- Sammlung DZ Bank Frankfurt

- Sammlung Kunstmuseum Liechtenstein

- SAMMLUNG WEMHÖNER

- Solomon R. Guggenheim Collection

- Victoria Miro - Gallery

- Whitney Biennale 2004
Biennale für aktuelle Fotografie 2020 erweitert ihr digitales VermittlungsangebotKünstlerliste Helsinki Biennial 2020Peter Weibel erhält den TREBBIA-Preis 2020STARTS Prize der Europäischen Kommission: Einreichungen ab heute möglichDie Hochzeit als Höhepunkt des LebensKunstgegenstände als neues Gut zur WertschöpfungEva Kraus wird neue Intendantin der Bundeskunsthalle Jochen Lempert. Fotos an BüchernInterpretation der Signatur Marcel Duchamps durch Künstliche IntelligenzRobert-Jacobsen-Preis der Stiftung Würth für die Bildhauerin Eva RothschildGoethe-Institut hat eine neue Präsidentin: Carola LentzChristoph Müller erhält die Maecenas-EhrungPraemium ImperialeDoris Salcedo erhält Possehl-Preis für Internationale KunstArs Electronica Festival 2019 – die HighlightsIserlohner Kunstpreis an Robert SchadHans-Thoma-Preis 2019 an Christa NäherChristina Végh wird neu Direktorin der Kunsthalle BielefeldMit ihrer Aktion “LOLita” rückt die FrankfurterHauptschule Goethe in seinem Jubiläumsjahr ins VisierKathrin Baumstark übernimmt die künstlerische Leitung des Bucerius Kunst ForumsWerner Haypeter erhält August-Macke-MedaillePreisträger ars viva 2020: Karimah Ashadu | Thibaut Henz | Cemile SahinJohan Holten wird neuer Direktor der Kunsthalle Mannheim Daniel Hug neuer Art Director der COLOGNE FINE ART Christian Kaspar Schwarm erhält den ART COLOGNE-Preis-2019 Personalien: Julia Draganović neue Direktorin der Villa MassimoDas indonesische Künstler_innenkollektiv ruangrupa wird die documenta 15 leitenGroßer Hans-Purrmann-Preis an Kristina BuchErinnern & Vergessen - # WOD On Tour“ einzuladen !Aram Haus ist neuer künstlerischer Leiter der ART BODENSEE


Anzeige
Responsive image


Anzeige
Responsive image


Anzeige
Responsive image


Anzeige
Responsive image


Anzeige
Responsive image

Chatbot

Was der Bot u.a. jetzt bereits beantworten kann: Was ist Kunst, was macht die Kunst, Konzeptkunst, wozu Kunst, Künstler und was macht art-in.de? Um Fragen, die er noch nicht beantworten kann, kümmern wir uns. Es ist ein Experiment im Aufbau. Wir freuen uns über alle Fragen.


Card image cap

Josef Bauer. Demonstration

2.06. - 4.10. 2020 | LENTOS Kunstmuseum Linz

Card image cap

Charlotte Posenenske: Work in Progress

30.5. – 2.8.2020 | K20, Düsseldorf

Card image cap

Camilla Steinum zusammen und getrennt

ab 26. 05. wieder geöffnet - 05. Juli 2020 | Kunstverein Göttingen

Card image cap

Vier Auszeichnungen vom Art Directors Club (ADC)

Mai 2020 | Bauhaus-Universität Weimar

Card image cap

Shift #3: Vom (Nicht-)Produktiven

27.5.20 | Akademie der Bildenden Künste Nürnberg