Jordan Baseman

Nobody Likes Us But We Dont Care

21.03. - 04.05.2014 | Kunstverein Freiburg
Eingabedatum: 21.03.2014

bilder

In der Ausstellung werden fünf Filme sowie eine Installation gezeigt. Zusätzlich wird eine Auswahl von Ansichten aus Aserbaidschan präsentiert, die Baseman erst kürzlich im Kaukasus aufgenommen hat. Es sind Schauplätze seines Films Nobody Likes Us But We Don't Care (2014), nach dem die Ausstellung benannt ist.

Baseman ist ein Erzähler, dessen in Filme übertragenen Geschichten, auf Erfahrungen anderer Menschen basieren. Die Mehrzahl der Auswahl der Werke in der Ausstellung befasst sich mit dem Thema Sterben und Tod. Die Geschichten, die diese Personen wiedergeben, überspannen die gesamte Dauer seiner Filme, geben ihnen eine starke dokumentarische Dimension und entwickeln sich auf eine Art und Weise, die für künstlerische Filme eher ungewöhnlich ist. Im Vorspann jedes Filmes sind die Namen der Sprecher sowie deren Berufsbezeichnung zu lesen, Angaben, die die Stimmen in der wirklichen Welt jenseits des Kunstwerks verorten. Jedoch lässt die Eigenartigkeit der erzählten Geschichten oftmals offen, bis zu welchem Ausmaß ein Bericht authentisch und in Echtzeit gesprochen oder doch erfunden und schriftlich ausgearbeitet wurde. Diese Unsicherheit ergibt sich durch das komplizierte Verhältnis zwischen der Tonspur und den Bildern der meisten seiner Filme. In The Last walk (2011/2014) etwa beschreibt der in Großbritannien bekannte Performancekünstler Stuart Brisley während eines abendlichen Spaziergangs mit seinem Hund das fürchterliche Spektakel eines Mannes, der sich selbst verbrennt. Die verzweigten, glitzernden Formen der begleitenden Bildfrequenzen sind fast abstrakt; es könnten Flammen sein, die Brisley beschreibt. Oder entsteht dieser Eindruck nur durch die Andeutung seiner Geschichte?

In der Installation Deadness (2013) wird Basemans Sammlung gefundener Fotografien von einbalsamierten und für die Beerdigung aufgebahrten Toten von fünf Diaprojektoren auf Wände projiziert. Durch das Einbalsamieren erhalten die Körper eine möglichst lebensnahe Erscheinung, mit dem Ziel, die Hinterbliebenen zu trösten und die Verstorbenen möglichst lebendig in Erinnerung zu behalten. Als Kunstinstallation kann diese absolut künstliche Reproduktion des Aussehens metaphorisch für die Erhaltung ihrer Subjekte verstanden werden, vergleichsweise wie im Genre Porträt. Aber noch nicht einmal Kunst kann dem Anspruch, Trost zu spenden, gerecht werden oder die Illusion der Wiederherstellung bieten, wenn von offiziellen Exekutionsberichten die Rede ist, um die July the Twelfth 1984 (2003/2014) konstruiert ist. Die bildlose Dunkelheit des Films, lediglich durch weiße Großbuchstaben transkribierter Untertitel gebrochen, stellt die undeutliche, zeitgleiche Berichterstattung der Tonaufnahme der Gefängnismitarbeiter während der Vollstreckung der Todesstrafe unmissverständlich klar. Der Film wird zur Metapher für das Gefühl der Verlorenheit des Ereignisses als solches, wie für das verlorengegangene Leben, das diese Hinrichtungsmethode beendete.

Die erzählerische Dynamik der Filme von Jordan Baseman kann jedoch ebenso Hoffnung präsentieren: Nobody Likes Us But We Don't Care (2014) zeigt die Aufnahme der Probe einer aserbaidschanischen Heavy Metal Band. Die Energie der Musiker kompensiert die Armut und Hoffnungslosigkeit, die sich in den Aufnahmen des öden Ortes und der Landschaft, die sie umgeben, offenbart.

Kunstverein Freiburg
Dreisamstr. 21
79098 Freiburg

www.kunstvereinfreiburg.de


Pressemitteilung




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