Vermessung der Welt. Heterotopien und Wissensräume in der Kunst


Eingabedatum: 06.06.2011

bilder


Das Museum ordnet, sammelt, bündelt, reflektiert und schließt aus. Es schafft sich Bezugssysteme und baut daraus Kartografien einer lesbaren Welt. Im Sinne ihrer erzieherischen Gründungsidee, klärt das Museum auf und bildet aufgrund von Fakten und Bezügen eine Deutung des eigenen Seins in der Bedingtheit der Umgebung. Das Museum wie auch jede Ausstellung mit den darin enthaltenen Dingen, formt sich damit zu einem reduzierten Abbild der Welt, wird zum Katalysator eines möglichen Verständnisses und zum Offenbarer abstrahierter Wirklichkeiten, die insbesondere in der zeitgenössischen Kunst im Sinne Foucaults in einer doppelten „Raum-Zeit-Gebundenheit“ stehen und sowohl in der Anordnung wie auch werkimmanent in einer zeit- und institutionsgeschichtlichen Auseinandersetzung zu sehen sind. Gerade in jüngerer Zeit haben Künstler/innen diese Aufgabe des Wissensspeichers immer wieder kritisch hinterfragt, auf seine Ausschließlichkeit und Ausschließbarkeit hin untersucht und haben museales Sammeln als eigene künstlerische Strategie erkundet.
...
Mit dem Entwerfen oder Erfinden einer Ordnung wird jedoch gleichzeitig eine Aussage mit erzeugt, wie die Welt ist und wie sie nicht ist. Jeder Versuch, ein Ordnungssystem zu entwerfen, hat also ontologische Implikationen. Er begründet eine Sichtweise beziehungsweise ein Weltbild. Genau hier liegt der Punkt, an dem Bilder für die Konstruktion von Ordnungen und für die Erzeugung einer Ontologie eine zentrale oder entscheidende Rolle spielen. Bilder sind Weltbilder, indem sie durch ihre spezifische Konstruktion Weltverhältnisse erzeugen, hervorbringen und sichtbar machen. Kunstwerke, welche Ordnungen herstellen oder systematische Strukturen entwickeln, erzeugen ein geordnetes Bild von der Welt.
In diesem Sinne befragt die Ausstellung die Art und Weise, wie zeitgenössische Kunst Ordnungssysteme entwirft und legt einen Fokus auf den Akt des Vermessens. Dieser kartografische Prozess, der zum reduzierten Abbild von Verbindungen und Sinnzusammenhängen führt, gilt als Sinnbild und als der Spiegel der menschlichen Gehirnstruktur mit dem zur Diskussion gestelltem Ziel einer übergeordneten Wissensstruktur. Damit wird letztendlich auch die Frage nach einer Differenz zwischen wissenschaftlichen Wissensordnungen und künstlerischen Wissensordnungen zum verdeckten Thema der Ausstellung. Künstlerische Systematisierung trachtet nämlich hauptsächlich danach, eine ästhetische Erfahrung ordnender Querverbindungen zu ermöglichen, sodass einerseits die Welt, wie sie sich den Künstlern und Künstlerinnen in ihren Arbeiten darstellt, besser verstanden werden kann, und andererseits das Selbst, das Teil der Welt ist, wichtige Aspekte seiner persönlichen, sozialen und kulturellen Identität erwirbt
In den Arbeiten der unterschiedlichen Künstler/innen werden Zusammenhänge an der eigenen Bedingtheit des Körpers, des Materials, der Zeit, des Raumes und auch einer ästhetischen Erfahrung ge- und vermessen. In einem Zeitrahmen von den späten 1960er Jahren bis heute tun sich für den Raum der Ausstellung wiederum Bezüge auf, die rückwärtsschauend und in sich ganze Kosmen auflisten und sich sowohl wissenschafts- wie auch kultur- und kunstgeschichtlich bedingen.

Kurator/in: Peter Pakesch, Katrin Bucher Trantow

Künstler/innen der Ausstellung: Franz Ackermann, Ai Weiwei, Stefan Arztmann, Alighiero e Boetti, Marcel Broodthaers, Wolfgang Buchner, Clegg & Guttmann, Hanne Darboven, Mark Dion, Charles & Ray Eames, Stephan Huber, Peter Kogler, Ulrike Königshofer, Joseph Kosuth, Zoe Leonard, Sharon Lockhart, Constantin Luser, Vera Lutter, Tobias Madison, Helen Mirra, Matt Mullican, Vik Muniz, Rivane Neuenschwander, Gabriel Orozco, Nam June Paik, Grayson Perry, Michelangelo Pistoletto, Dieter Roth, Daniel Spoerri, Simon Starling, Ernst Strouhal, Thomas Struth, Hiroshi Sugimoto, Superflex, Sofie Thorsen, Corinne Wasmuht, Christopher Williams, Manfred Willmann, Terry Winters, Heimo Zobernig, zweintopf

Abbildung: Stephan Huber, Myspace:Mentalstammbaummap, 2009

Öffnungszeiten
Di–So 10-18 Uhr

Kunsthaus Graz
Lendkai 1
8020 - Graz
T +43-316/8017-9200
kunsthausgraz.at

Medienmitteilung






Daten zu Stephan Huber:

- art berlin 2017
- documenta 8, 1987
- HEIMsuchung, Kunstmuseum Bonn
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD

Weiteres zum Thema: Stephan Huber



ARTISTS´ GAMES, PUBLIC´S GAMES


Spieltheorien stehen seit einigen Jahren in fast allen Disziplinen (von der Anthropologie bis zur Ökonomie) hoch im Kurs - und sie haben auch in der Kunst Konjunktur. Die überwiegend interaktiven Arbeiten von Christoph Draeger, Hans-Peter Feldmann, Jochen Flinzer, Meschac Gaba, Eva Grubinger, Takafumi Hara, Carsten Höller, Felix Stephan Huber, Kirsten Johannsen, Jozef Legrand und Uri Tzaig reichen von Gesellschaftsspielen über Anleitungen zu "Körperkunststücken" bis zu großflächig projizierten Computerspielen. Zu empfehlen für Kinder und Erwachsene, Spieler und Kunstinteressierte zwischen 3 und 98 Jahren.

kunstverein-ulm.de/
10. August - 29. September 2002
Schuhhaussaal - Kramgasse 4
89073 Ulm
Tel. 0731/ 66258
Dienstag bis Freitag 14 - 18 Uhr
Samstag und Sonntag 11 - 17 Uhr


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    Atelier


    Anzeige
    berlin




    Georg Herold

    Georg Herold, 1977 bis 1983 Schüler Sigmar Polkes, stellte Anfang der 1980er-Jahre zusammen mit Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen radikal und sarkastisch Kunst und Kunstbetrieb in Frage und entwickelte in diesen Jahren ein Werk, das wie eine Dada-inspirierte Enzyklopädie des Provisorischen anmutet weiter

    Aleksandra Waliszewska

    Der Neue Kunstverein Wien präsentiert in seiner Herbstausstellung die Arbeiten von Aleksandra Waliszewska. weiter

    ART DÜSSELDORF - Galerienliste

    Die Liste der teilnehmenden Aussteller der ART DÜSSELDORF, die vom 17. bis 19. November 2017 auf dem Areal Böhler stattfinden wird, steht fest. weiter



    Peter Zumthor - Dear to Me

    Das Kunsthaus Bregenz ist ein besonderer Ort. Seine Atmosphäre macht wachsam, sie öffnet Augen, Ohren und Poren. Für das Jubiläumsjahr — das KUB ist heuer 20 Jahre — wurde sein berühmter Architekt Peter Zumthor eingeladen. Der Pritzker-Preisträger entschloss sich, keine Ausstellung im gewöhnlichen Sinne einzurichten, sondern Denk-, Schau- und Hörkästen seiner künstlerischen Vorlieben und Inspirationen zu verwirklichen: Dear to Me. weiter

    Georg Hornemann erhält Cologne Fine Art Preis 2017

    Der gebürtige Dessauer Georg Hornemann kam bereits als 15-Jähriger mit dem Bauhaus in Berührung, als er bei einem der ehemaligen Goldschmiedemeister in die Lehre ging. weiter

    Erik van Lieshout Sündenbock

    Mit »Sündenbock« zeigt der Kunstverein Hannover die bislang umfassendste Ausstellung von Erik van Lieshout in Deutschland weiter


    Alexander Kluge Pluriversum

    Das Museum Folkwang präsentiert die erste große Museumsausstellung des Filmemachers weiter


    Alicia Framis. fearless

    Das Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit sowie der Schutz vor Diskriminierung, Folter und staatlicher Willkür wird in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 ebenso festgeschrieben wie das Recht jedes Menschen auf Arbeit, Bildung, kulturelle Teilhabe oder Rede- und Glaubensfreiheit weiter


    America '67

    Die Doppelausstellung America '67 wirft einen Blick auf den Zustand der USA im Jahr des großen gesellschaftlichen Umbruchs vor 50 Jahren. weiter

    Praemium Imperiale vergeben

    In diesem Jahr sind die Preisträger Shirin Neshat (Malerei), El Anatsui (Skulptur), Rafael Moneo (Architektur), Youssou N´Dour (Musik) und Mikhail Baryshnikov (Theater/Film). weiter


    VON DA AN

    Exakt 50 Jahre später widmet sich die Ausstellung VON DA AN. RÄUME, WERKE, VERGEGENWÄRTIGUNGEN DES ANTIMUSEUMS 1967 – 1978 dieser Geschichte. Mit Dokumenten und Objekten, Rekonstruktionen und Wiederaufführungen ... weiter

    DGPh-Bildungspreis geht an "Wirsprechenfotografisch"

    Als Preisträger 2017 hat sich die Jury für das junge Projekt "Wirsprechenfotografisch" entschieden, das die Photographie als universelle Kommunikationsform nutzt. weiter

    Birte Endrejat AKTIVITÄTSZONEN

    Birte Endrejat arbeitet ortsbezogen, das heißt, sie ist vor Ort und schaut sich um und hört und schreibt mit. Ausgangspunkt für Endrejats Annäherungen sind Fragen wie: Was machen Orte mit den Menschen? weiter


    The Parthenon of Books

    Die letzten Veranstaltungen zur documenta haben begonnen, z.B. die Verteilung der verbotenen Bücher. weiter


    Hildegarde Duane, Western Woman

    Die in Los Angeles lebende Künstlerin Hildegarde Duane, die seit Mitte der Siebzigerjahre medienübergreifend arbeitet, umwirbt in ihren Video- und Fotogeschichten die Randbereiche massenmedialer Unterhaltung und deren archetypische Figuren weiter