Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten

26.10.2013 – 23.02.2014 | ZKM in Kooperation mit der Weserburg | Museum für moderne Kunst, Bremen
Eingabedatum: 03.11.2013

bilder

Mit der Retrospektive „Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten“ zeigt die Weserburg | Museum für moderne Kunst die bislang umfangreichste Schau mit Werken des Hamburger Künstlers Werner Büttner. Zusammen mit Martin Kippenberger und Albert Oehlen prägte er seit den frühen 1980er-Jahren nachhaltig die europäische Kunstszene. Bilder, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen zeugen von Büttners Einfallsreichtum, Ironie aber auch beißendem Spott gegenüber den gesellschaftlichen Realitäten. Die Ausstellung hebt die Bedeutung von Werner Büttner in Bezug auf die Entwicklung der deutschen Malerei im ausgehenden 20. Jahrhundert hervor, die er maßgeblich mit beeinflusst hat und stellt ihn als eine ihrer zentralen Figuren und Vordenker dar.

„Damals wie heute nahm und nehme ich die Malerei so ernst wie mein Kochgeschirr oder mein Auto“ (Werner Büttner).

Zu Beginn der 1980er-Jahre etablierte sich in einigen deutschen Kunstzentren eine vitale, ungestüme und zuweilen radikale Malerszene, die das, was Malerei bis dahin war oder sein wollte, provokant in Frage stellte. Mit bewusst trivialen oder absurden Motiven und Themen wurde die Malerei vermeintlich der Lächerlichkeit preisgegeben. Schroffe Ablehnung gegenüber dieser Kunstszene war zunächst die Folge, deren wichtigsten Kristallisationspunkte Köln, Berlin und Hamburg waren. In einer betont lapidar erscheinenden Malweise, die zwischen Abstraktion und Anleihen aus der Gegenstandswelt schwankte, wurden von den Künstlern großformartige Bilder geschaffen, die den ‚guten Geschmack‘ und die ‚Qualitäts-Kunst‘ attackierten. Häme und Zynismus auf die sich etablierende, neoliberale Gesellschaft der Helmut Kohl-Ära standen dabei im Vordergrund vieler Werke. Trotz der vorderhand eingenommenen „Scheißegal“-Attitude kann die Kunstszene, die sich um Büttner versammelte, als eine dezidiert Politische bezeichnet werden. Im Zentrum der damaligen Hamburger Malerszene standen neben Werner Büttner Martin Kippenberger und Albert Oehlen; ebenfalls zu seinem Umfeld gehörten Hubert Kiecol, Markus Oehlen und Georg Herold.

„Büttners Kunstbegriff ist realistischer. Die einzige Wahrheit der postrevolutionären Phase lautet: die Taktik des Überlebens gilt auch für die Kunst. (...) Büttner verwendet also seine Bilder als Kampfformel, seine Malerei als Kampfmittel, mit denen er sich zur Wehr setzt, mit denen er angreift und sich verteidigt. Er greift alles und jeden an, auch sich selbst und die Malerei. (...) Daher tragen seine Arbeiten so wunderbare, ironische Titel wie Probleme des Minigolfs in der europäischen Malerei (1982/1983). Seine Arbeiten sind ’Propaganda gegen alles’, ’Rebellische Umdeutung gemeiner Wahrheiten’.“ (Peter Weibel)


Die rund 300 Bilder, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen der Ausstellung widmen sich hauptsächlich dem Maler Werner Büttner, der nach dem Wiedererstarken der gegenständlichen Malerei in den 1960er und 70er-Jahre angetreten war, mit ihrem Illusionismus zu brechen und ihr endgültig alles Bourgeoise zu nehmen. Durch seine betont ruppige und grobschlächtige Malweise wendet sich Büttner gegen die bis dahin gängigen Vorstellungen, was abstrakte und was gegenständliche Kunst zu sein hat. Er nimmt alle schriftlichen, mündlichen oder künstlerischen Äußerungen aus seiner Lebenswelt auf, zermalmt das Vorgefundene motivisch wie inhaltlich und setzt es schließlich neu im Bild zusammen, sodass zuweilen markante Kombinationen entstehen, wie „Stillleben mit Wolpertinger und beschädigtem de Chirico“ (1984). Auch in seinen neueren Arbeiten, C- Prints, deren Motive Büttner trotz ihrer scheinbaren Nähe zu digital erstellten Bildern ganz handwerklich mit Messer und Schere collageartig zusammensetzt, wird dieses Einbeziehen sämtlicher lebensweltlicher Ausdrucksformen deutlich. Kaum ein anderer Künstler aus der Hamburger Malerszene der Zeit pflegt einen solch hintersinnigen Umgang mit Sprache und ihrem Verhältnis zur Kunst wie Werner Büttner. Titel wie „Die Probleme des Minigolfs in der europäischen Malerei“ (1982) oder „Moderne Kunst kann man verstehen, moderne Welt nicht“ (1985) zeugen von seinem sinisteren Humor und Tiefsinn im Diskurs mit der Kunst. Andere Titel wie „Die Russische Revolution vom Hörensagen und in Öl“ (1985) oder „Wetterfester Schmetterling“ (2008) sprechen wiederum von Büttners treffender Gesellschaftskritik.

Weserburg I Museum für moderne Kunst
Teerhof 20,
28199 Bremen,
Germany

http://www.weserburg.de



PM






Daten zu Werner Büttner:

- Art Basel 2013
- art berlin 2017
- art cologne 2015
- Flashback - Museum für Gegenwartskunst, Basel, 2006
- Kunstverein Hamburg
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD

Weiteres zum Thema: Werner Büttner



Max Liebermann in der Kunsthalle Göppingen (23.11.03-21.3.04)


Neben rund 120 Grafiken von Max Liebermann werden Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern (Werner Büttner, Rineke Dijkstra, Bernhard Fuchs, David Hockney, Jaume Plensa, Annelies Strba) gezeigt, die auf Liebermann Bezug nehmen.

Pressemitteilung / Auszug: "Die Ausstellung "Max Liebermann. Das Lebendige ist das A und O aller Kunst" gibt mit rund 120 Grafiken einen eindrucksvollen Überblick über Werk des deutschen Spätimpressionisten. In der Kunststiftung Dr. Hans-Joachim und Elisabeth Bönsch ist das grafische Werk Liebermanns fast vollständig vertreten. Handzeichnungen und einige Gemälde ergänzen den umfangreichen Liebermann-Bestand auf Schloss Filseck. . . .

Seit den 1870er Jahren galt Max Liebermanns Interesse den Darstellungen von einfachen, arbeitenden Menschen, die mit genügsamer Selbstverständlichkeit ihrer Tätigkeit nachgehen. Allerdings wird gerade dieser Blick auf das Unspektakuläre zu einem Affront gegen den Geschmack der bürgerlichen Gesellschaft, der der junge Künstler als Sohn einer reichen jüdischen Fabrikantenfamilie selbst entstammte. Mit seinen Alltagsszenen, seinen Darstellungen von Handwerkern, Bauern und Arbeitern wird Liebermann in den Augen der konservativen Kritik zum „Apostel der Häßlichkeit“. In diesen Jahren wurde das geliebte Holland für ihn zu einer künstlerischen Wahlheimat. „In der Intimität liegt seine Schönheit. Und wie das Land, so seine Leute: nichts Lautes, keine Pose oder Phrase.“, schreibt Liebermann 1901. Noch dazu bot Amsterdam im Gegensatz zur rasanten Hektik anderer Metropolen eine überschaubare und anheimelnde städtische Atmosphäre. Liebermann war fasziniert vom Treiben im Amsterdamer Judenviertel. In zahllosen Blättern bannt er die Dynamik der Massen, die er in den späteren Studien fast expressiv auffasst. Bilden diese Studien einen Schwerpunkt der Ausstellung, so fasziniert in gleicher Weise die umfangreiche Gruppe der Strandszenen. An den Stränden von Katwijk, Scheveningen und Zandvoort, an Fluss- und Seeufern in Kösen und in Todtmoos im Schwarzwald wurde Liebermann immer wieder zum Beobachter des unbefangenen Badevergnügens. Die Entwicklung dieses Motivs zeigt, wie sich die Figuren aus der anfänglichen Erstarrung zu quirliger Lebendigkeit entwickeln. Das unzählig variierte Motiv der badenden Knaben dokumentiert Liebermanns Wende vom Naturalismus zu einer impressionistischen Sichtweise, die dem Zauber des flüchtigen Augenblickes gewidmet ist. Nicht mehr dem tätigen Menschen gilt seine Aufmerksamkeit, sondern dem vom Alltag losgelösten, bürgerlichen Müßiggänger. Restaurant-Terrassen und Wirtshausgärten in Hamburg und Berlin, Seebäder und Promenaden sind die Orte der Highsociety. Dabei bietet das mondäne sportliche Treiben, vor allem der Tennis- und Pferdesport mit seiner momentanen Bewegungsdramatik die reizvollsten Motive. Zudem schuf Liebermann in seinen späteren Jahren eine umfangreiche Porträtgalerie, eine Art Who's who für die Jahre 1890 bis 1930. Kaum jemand mit Rang und Namen aus Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft fehlte. Seit der Jahrhundertwende macht Liebermann verstärkt die eigene Erscheinung zum Gegenstand seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Die Selbstbildnisse Liebermanns, die in der Kunststiftung Bönsch zahlreich vertreten sind, eröffnen einen nahen Blick auf die Person des Künstlers, der sich selbst charakterisiert. „Ich bin in meinen Lebensgewohnheiten der vollkommenste Bourgeois: ich esse, trinke, schlafe, gehe spazieren und arbeite mit der Regelmäßigkeit einer Turmuhr. [....] Mein Leben war und ist Mühe und Arbeit. [...]“ . . .

In einem eigenen Kabinett, das die umfangreiche Werkschau Max Liebermanns ergänzt, schlagen sechs Bilddialoge einen Bogen zur Gegenwartskunst. Ausgewählte Arbeiten von Werner Büttner, Rineke Dijkstra, Bernhard Fuchs, David Hockney, Jaume Plensa und Annelies Strba befragen die Liebermann'schen Werke aus zeitgenössischer Sicht. "

Abbildung: Kunststiftung Bönsch: Max Liebermann, Selbstbildnis, 1924

Ausstellungsdauer: 23. November 2003 - 21. März 2004
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-17, Sa, So und an Feiertagen 11-18 Uhr

Kunsthalle Göppingen | Marstallstr. 55 | D-73033 Göppingen | Tel.: 07161 650-777
kunsthalle-goeppingen.de




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