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Nico Joana Weber - Monstera deliciosa

11.1. - 17.2.2018 | artothek, Köln
Eingabedatum: 06.01.2018

Werkabbildung

Bildnachweis: Archiv Fa. Gail (28/71, Erich Schick; 110/68, Fritz Schöttner)bilder

Monstera deliciosa ist der Name einer tropischen Urwaldpflanze, die einen einzigartigen Siegeszug in die Wohn- und Büroräume in unseren, klimatisch gemäßigten Breiten erlebt hat. Inbegriff jeder Innenausstattung der 50er und 60er Jahre hat das Gewächs in der heutigen Zeit ein Comeback erfahren. Anspruchslos, gerne im Halbschatten wächst und wuchert sie auf Fensterbänken und Blumenständern und versucht so manchen architektonischen Fauxpas zu überspielen.
Beispielsweise die gestalterisch fragwürdigen Fassadenverblendungen aus Fliesen, die Nico Joana Weber seit 2010 – dem Jahr ihres Umzugs nach Köln – als wiederkehrendes Motiv verfolgt und in vielen Arbeiten thematisiert hat.

In der artothek wird Nico Joana Weber neue Arbeiten zeigen, die auf dem Bildarchiv einer Firma für Baukeramik, die Fliesen für Fassadenverkleidungen herstellt, basieren. Aus dem vorgefundenen Material entwickelt sie eine raumbezogene Installation, die die Zeit des Wiederaufbaus reflektiert, in der auch die artothek ihr spezifisches Aussehen erhielt. Der organisch geschwungene Balkon der artothek steht den glatten Oberflächen der Nachkriegsarchitektur gegenüber und schlägt die Brücke zu einer Moderne des tropischen Südamerikas, die die natürliche Umgebung in den baulichen Strukturen aufgreift. Hier verliert ganz subtil die Trennung zwischen Innen- und Außenraum an Bedeutung und unterminiert so europäische Architekturstandards des 20. Jahrhunderts.

Zur Eröffnung erscheint das Künstlerbuch „Monstera deliciosa“, Grass Publishers, Brauweiler.




artothek
Am Hof 50
50667 Köln

museenkoeln.de/artothek


Presse








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Max Regenberg: Urban Decorations – Die dekorierte Stadt


Urban Decorations – Die dekorierte Stadt bringt uns Stadtbilder näher, mit denen wir im Grunde tagtäglich konfrontiert sind. Wir nehmen diese aber meist weniger bewusst wahr als der Künstler Max Regenberg (*1951). Das Phänomen der Außenwerbung, der Großplakatierung an Wänden oder in Leuchtkästen sowie Bild- und Schriftstatements im öffentlichen Raum beschäftigt ihn seit rund 40 Jahren. So kann er heute auf ein enorm umfangreiches photographisches Material blicken, aus dem er für die aktuelle Ausstellung ca. 85 repräsentative und weitgehend zuvor nicht gezeigte Werke sowie Dokumentationsstücke als Vitrinenmaterial ausgewählt hat. Regenberg gibt damit Einblick in seine einzigartige wissenschaftlich-künstlerische Studie, die er seit Ende der 1970erJahre in Eigeninitiative über das Thema betreibt, begonnen nach seiner Ausbildung in einem Kölner Studio für Werbephotographie.

Als er 1977 nach Kanada auswanderte, stellte er dort wie auch auf anschließenden Reisen durch die USA fest, wie weit fortgeschritten und einflussreich die Medienwelt dort war. Und diese Bewegung sollte sich zukünftig auch nach Europa fortsetzen, ohne dass sie im Allgemeinen kritisch reflektiert worden wäre. Dies war eine zentrale Erfahrung, die ihn auf seinem Weg bestärkte, die Werbewelt weiter im Auge zu behalten – doch eben nicht als Werbephotograph, sondern als Künstler im Umgang mit Photographie und visuellen Darstellungen, als sensibler Beobachter, der im weiten Feld zwischen Hochkunst und Profankultur auf Text-Bild-Befragungen zielt.

Das Archiv von Max Regenberg umfasst heute neben Tausenden von ihm analog aufgenommenen Photographien in Negativen und Abzügen ähnlich viele originale Großplakate, Werbeanzeigen und Literatur, die die Entwicklung sich wandelnder Werbestrategien plastisch vor Augen führen. Gleichwegs untersucht er das photographische Medium als künstlerisches Mittel und vermag so auch auf die kontinuierlich wachsenden Wechselwirkungen der zunächst unterschiedlich intendierten Bildwelten zu verweisen. Damit transportiert Max Regenberg nicht nur die Geschichte der modernen Photographie, sondern auch seine Sicht auf den fortschreitenden „Pictorial Turn“. Mehr und mehr stellt der Photograph fest, dass sich die Botschaften technischwerblichen und künstlerischen Ursprungs im Stadtraum vermischen. Wir treffen also auf
zahlreiche, visuelle und sprachliche Codes sowie Klischees, die an uns appellieren und deren Hintergründe sich lohnen, entschlüsselt zu werden.

Stellt uns Max Regenberg in seiner Ausstellung Schwarz-Weiß-Photographien vor, so gehen diese auf die Jahre 1978 bis 1985 zurück und wurden von ihm als Handabzüge ausgearbeitet. In einer ersten Gruppe sind Motive aus Kanada, Frankreich, Österreich und Deutschland, hier vor allem aus Köln vorgestellt: Großplakate oder auch dafür vorgesehene Freiflächen im Stadtbild, positioniert an Parkplätzen und brachen Ecken, Bushaltestellen und Häuserfassaden, teils auf hohe Pfosten gesetzt, damit sie von weit her sichtbar sind.

Mit seiner schwarz-weißen Serie „M come to Where“ stellt Max Regenberg eine ebenso früh begonnene Serie vor. In über 40 Photographien, die er an internationalen Orten aufgenommen hat, fokussierte er speziell auf die Zigarettenwerbung von Marlboro, die in vielen Versionen an geradezu jeder Straßenecke allgegenwärtig war und uns mit Klischees aus der schier grenzenlosen Cowboy- und Westernwelt zu beeindrucken suchte.
Weiter noch trifft man in der Ausstellung unter anderem auf einnehmend farbige großformatige Exponate, die in jüngster Zeit entstanden. Sie lassen nicht nur in beeindruckender Weise die farbigen Tafeln in urbaner Umgebung erleben, sondern scheinen es durch ihre Dimension selbst mit der Ästhetik der Großplakate aufzunehmen.

Immerzu gelingt es Regenberg, offenbar signifikante Konstellationen zu finden, in denen die Versprechungen werblicher Wunschwelten mit der faktgegebenen Wirklichkeit eine aussagestrake Liaison eingegangen sind. Im urbanen Asphaltgrau ebenso wie in städtischer Vegetation heben sich die Farben der Werbewelten heraus, Bilder im Bild, die uns auf Distanz stellen und so zugleich einen neuen, kritischeren Überblick gewinnen lassen. Deutlich wird, wie präzise Regenberg seine Motive ansteuert, sie fixiert und damit geradezu dem Strom des Vergessens entreißt, um sie umso klarer ins Bewusstsein zu heben. Konsequent schließt sich auch Regenbergs Interesse für sogenannte „Schriftbilder“, Werbetafeln und Plakatierungen an, die Worte und Texte ikonisch verwenden und bisweilen wie Kommentatoren einer vorgefundenen Situation auftreten. Der Künstler befragt mit dieser Bildreihe einerseits die unmittelbare Wirkung von Schrift im Vergleich zum Bild, andererseits den jeweils zum Ausdruck kommenden Gehalt der beiden Kommunikationsmittel, schließlich die unterschiedliche Struktur und Systematik.

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur präsentierte das Werk von Max Regenberg bereits 2007 beispielhaft in der Gruppenausstellung Stadt–Bild–Köln. Es gehört zur programmatischen Ausstellungspraxis des Hauses, dass spezifische künstlerische Positionen in ihrer weiteren Entwicklung nochmals vertieft vorgestellt werden. Zur Ausstellung wird die Monographie „Billboards“ von Max Regenberg angeboten,
herausgegeben von Thomas Zander, mit Texten von Klaus Honnef und Jeff Rian, Buchhandlung Walther König, Köln, 2014.


Parallele Ausstellungen:

Blick in die Sammlung: Fassaden & Surfaces (Raum 2)

Die Ausstellung Fassaden & Surfaces umfasst über 130 Photographien, entstanden zwischen 1924 und 2015, von 18 Photographen, die sich auf mehreren Ebenen mit verschiedenartigen Ausdruckswerten von Frontseiten und Oberflächen auseinandersetzen. Gezeigt werden Ansichten in Schwarz-Weiß und Farbe, die sich mit Außenseiten von Gebäuden, Materialien und Strukturen in Industrie- und Gewerbebereichen, mit Werbetafeln, Text- und Bildbotschaften im Straßenbild, Sachaufnahmen, Dokumentationen von Kunstwerken sowie formalästhetischen und medienreflexiven Betrachtungen befassen.

Es geht um äußere Erscheinungsbilder mit vielfältigen Hintergründen, um Momente, in denen sich der anvisierte Gegenstand und die jeweilige Bildfläche formal stark annähern, zudem um stoffliche und haptische Qualitäten, die visualisiert bzw. via Photographie archiviert werden. Vielfach erweisen sich die beobachteten Phänomene als offenkundige und versteckte Botschaften, die auf Menschen zurückgehen, die aber selbst kaum in Erscheinung treten. Allenthalben haben die Photographen der Faszination und Wirkung von profanen Substanzen und Zeichen im alltäglichen Umfeld nachgespürt und damit mittelbar gesellschaftlich kulturelle Befindlichkeiten und Ideale festgehalten.

Entsprechend der Schaffenszeit der Bildautoren und den Entstehungsorten ihrer Arbeiten in den USA und Europa treten folgende stilistische Ansätze in einen Dialog: Neue Sachlichkeit und Straight Photography, Subjektive Fotografie, New Color Photography, dokumentarischserielle Konzepte und Photographien der Gegenwartskunst. Die Exponate stammen sämtlich aus dem Bestand der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur. Präsentiert werden Werke von Boris Becker, Joachim Brohm, Chargesheimer, William Christenberry, Jim Dine, Walker Evans, Ruth Hallensleben, Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser, Werner Mantz, August Sander, Toni Schneiders, Wilhelm Schürmann, Stephen Shore, Georgi Stanchev, Otto Steinert, Henry Wessel und Ludwig Windstosser.

Nico Joana Weber: Selva Negra (Raum 3)

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Förderung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln e.V.

Nico Joana Weber reflektiert in ihren Arbeiten kulturell konnotierte Landschafts- und Naturvorstellungen im Dialog mit architektonischen Formensprachen und Strukturen insbesondere der klassischen Moderne. Ihre künstlerischen Medien sind die Photographie, der Film und die Installation. Entstanden sind ihre Werke in der näheren Umgebung wie beispielsweise in der brutalistischen Architektur der Ruhr-Universität in Bochum, aber auch in fernen Ländern wie Brasilien und Argentinien. So zeigt die Ausstellung Selva Negra neben großformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen künstlich angelegter Grotten und einer räumlichen Intervention auch einen Film, den Nico Joana Weber in Südamerika gedreht hat.

Dort ist unter anderem das von Le Corbusier entworfene Haus Curutchet in der Provinz Buenos Aires zu sehen. In diesem begegnen sich gebaute Formen und eine natürliche Pflanzenwelt, von der Künstlerin in eindrückliche Bilder transformiert.

Nico Joana Weber (*1983) hat am Goldsmiths College in London und der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert, sie ist die diesjährige Villa-Romana-Preisträgerin.

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur,
Im Mediapark 7,
50670 Köln,
photographie-sk-kultur.de

Während der Internationalen Photoszene Köln gelten folgende Sonderöffnungszeiten:
Mi. 21.9., 14-19 Uhr, Fr. 23.9., 14-22 Uhr, Sa./So. 24./25., 11-19 Uhr.


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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