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Ein Feuerwerk der Malerei - Wilhelm Sasnal im K21 Düsseldorf


Eingabedatum: 22.10.2009

bilder

Alle paar Jahrzehnte wird sie totgesagt und treibt doch stets neue Blüten; Künstler wie Gerhard Richter oder Luc Tuymans haben sie immer wieder hinterfragt und doch verteidigt, haben sie weitergeführt und sie auf ihre Möglichkeiten hin abgeklopft: die Malerei. Auch der 1972 in Tarnów geborene Wilhelm Sasnal hat sich der selbstreflexiven, aber dennoch figürlich-gegenständlichen Malerei verschrieben und lotet das Feld der Malerei aufs Neue aus.

Das K21 widmet dem jungen polnischen Shootingstar vom 5. September 2009 bis zum 11. Januar 2010 die umfassendste Einzelausstellung außerhalb seines Heimatlandes und zeigt um die 80 Werke aus den zehn Jahren nach seinem Studienabschluss Ende der 1990er Jahre bis heute.

Frisch und frei hat Sasnal seine Arbeiten gemeinsam mit dem Kurator Julian Heynen nicht chronologisch, sondern nach Themenkomplexen geordnet. So wird dem Betrachter die Möglichkeit gegeben, sich in dem weit verzweigten Kosmos aus bedingungsloser Malerei, aus Foto-, Comic- und Filmzitaten, sowie aus inhaltlichen Verweisen auf Politik, Geschichte und Privatleben zu verfangen und den Assoziationsketten des Künstlers gleichsam auf Schritt und Tritt zu folgen. Dabei ist Sasnals Malerei in den seltensten Fällen schön. Vielmehr schwingt in vielen Bildern eine leicht beklemmende Verdunklung bzw. etwas zaghaft Unheilvolles mit, das sich bisweilen in den Bildtiteln auflöst, manchmal aber nur vages Erahnen bleibt.

Beispielsweise hängt in einem Karee der Ausstellung ein recht kleines Gemälde, auf dem in Schwarz und Weiß zwei Männer recht reduziert angedeutet sind. Obwohl die Gesichter keinerlei Portraitcharakter aufweisen, ist der Bezug zur schwarz-weißen Fotovorlage unschwer zu erkennen. Der Werktitel verrät, dass es sich bei den beiden Männern um Robert Oppenheim, den Erfinder der Atombombe, und seinen Bruder handelt (>R. Oppenheim und sein Bruder<,2008). Dem Bild sind sind zwei großformatige, ebenfalls in Schwarz und Weiß gehaltene Gemälde mit einer großen Kugelform im Mittelpunkt (beide >Ohne Titel<, 2008) gegenübergestellt. Wo das Bild auf der linken Seite noch mit einem Atompilz in Verbindung zu bringen ist, hat Sasnal die rundliche Form auf dem rechten Bild ein wenig modifiziert, so dass sie nun an einen kugeligen Hut erinnert. Zwischen den "Kugelbildern" und dem >Oppenheim< prangt ein riesiges, buntes Stillleben, arrangiert aus Nahrungsmitteln in Dosen und Gläsern (>Lebensmittel<, 2008): zwar wenig appetitanregend, aber ein Vorrat, der in Kriegszeiten Leben retten könnte.

Allerdings sind nicht alle Gemälde Sasnals so bedeutungsschwanger. Auf vielen seiner Portraits nähert er sich ganz unverstellt den Menschen seiner Zeit und fängt einen Ausschnitt des Alltags seiner Freunde, Verwandten und Bekannten ein. Ein Portrait seiner Frau >Anka< (2001), ein urinierender junger Mann, eine Nahaufnahme des nackten “Maler-Bauches“ mit offener Hose (>Mein Bauch<, 2006) oder knutschende Teenies werden genauso malerisch fixiert, wie der Schattenriss einer Katze, die auf einer Stereoanlage schläft (>Ohne Titel (Hiena)<, 2008).

Nicht nur thematisch auch malerisch ist das Spektrum Sasnals herrlich weit gefasst. An der Krakauer Akademie der Schönen Künste im Kontext der sich gegen die akademische Tradition auflehnende und die populäre Bildsprache favorisierenden Malergruppe >Ladnie< (Hübsch) ausgebildet, malt Wilhelm Sasnal mal flächig-plaktiv, mal gestisch-impulsiv, mal grafisch-linear und hat dabei stets das Gegenständliche, den Bezug zur Realität im Blick. Selbst ein zunächst abstrakt erscheinendes Gemälde wie das mit orange-gelb-rötlichen Tupfern gemalte >Ein Augenlid< (2004) offenbart sich als Darstellung eines real beobachteten Phänomens und zeigt das Spiel aus Licht und Farbe, das man bei geschlossenen Augen am Augenlid wahrnimmt. Auf dem pechschwarzen >Feuer< (2007) dagegen macht sich Sasnal gar nicht mehr die Mühe, den illusionistischen Pinsel zu schwingen und breitet eine komplette Jacke auf der Leinwand aus.

Frei nach dem eigenen Motto "Es gibt keine Regel" zelebriert Wilhelm Sasnal die Freiheit der Malerei nach allen Regeln der Kunst!

Wilhelm Sasnal
5. September 2009 - 11. Januar 2010

K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Ständehaus
Ständehausstraße 1
40217 Düsseldorf
www.kunstsammlung.de/

Stefanie Ippendorf



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