Gabriela Oberkofler "Die Geranie soll eine wichtige Rolle spielen"


Eingabedatum: 11.10.2011

bilder

Gabriela Oberkofler, Haus | 2011, Filzstift auf Papier | 21 x 30 cm, Sammlung Columbus, Ravensburg

Erste Preisträgerin des mit 30.000,- Euro dotierten >Columbus-Förderpreis für aktuelle Kunst< ist die Südtiroler Künstlerin Gabriela Oberkofler. Ihre Zeichnungen, Skulpturen und Installationen sind Bilder der Erinnerung an Kindheit und Herkunft. Oberkoflers Werke provozieren eine Sehnsucht nach Freiheit und artikulieren zugleich eine Wehmut des Verlustes. Der von der Ravensburger Unternehmensgruppe Columbus gestiftete Förderpreis ist in seinem Segment der höchstdotierte Kunstpreis in Deutschland.

Für Avantgarde-Freaks oder auch nur hippe Zeitgenossen muss die Kunst Gabriela Oberkoflers eine beständige Provokation sein. Kindlich anmutende Buntstiftzeichnungen von Tieren, Pflanzen und dörflichen Architekturen, aus Obstkisten oder Altholz gefertigte Skulpturen, Performances mit allerlei Nutztieren, im Dirndl und am Akkordeon, handelnd und/oder jodelnd. Das scheint alles sehr weit weg von dem, was zeitgenössische Kunst auszeichnet. Überhaupt ereignen sich ja die Fortschritte der Kunst in den Metropolen dieser Welt. Neues entsteht im urbanen Raum und sicher nicht in einem kleinen Südtiroler Bergdorf. Aktuelle Kunst hat politisch (im günstigsten Fall: politisch korrekt) zu sein und die großen Themen der aktuellen Krisen zu thematisieren. So entsteht gesellschaftliche Relevanz - oder auch nicht. Bei Gabriela Oberkofler jedenfalls brannten die Ameisenhaufen schon einige Monate vor den Londoner Stadtteilen. Die großen Themen bewegt sie immer in Referenz auf den soziokulturellen Mikrokosmos des Bergdorfes ihrer Kindheit. Fest sitzende Erinnerungen und Traditionen werden aufgebrochen und mit dem Jetzt verschränkt. Das Ganze changiert zwischen kindlich naiver Freude und abgründiger Melancholie. Die Bilder, die Oberkofler so freisetzt, brechen sich mit unseren Entfremdungen. Sie selbst spricht von einem Kreislauf zwischen "heimkommen und wieder gehen". Als Betrachter würde man in eine Falle gehen, wenn man Oberkoflers Tun mit einer rückwärts gewandten Sehnsucht im Sinne von "zurück zu den Ursprüngen" verwechseln würde. Ihre obsessive Arbeit an ihrer Herkunft, dieses penetrante Mitnehmen-Wollen ihrer Heimat in die Welt und ins Museum bricht sich vielmehr mit dem Gefühl eines Lebens, das einem zwischen den Fingern zu zerrinnen scheint.

Öffnungszeiten: Mo bis Do 10 - 18 Uhr, Fr 10 - 17 Uhr

Kunsthalle Ravensburg
Eywiesenstraße 6
88212 Ravensburg

Medienmitteilung




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