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Die Fackeln des Prometheus. Johann Heinrich Füssli und Javier Téllez

20. 06. bis 12. 10. 2014 | Kunsthaus Zürich
Eingabedatum: 24.06.2014

Vom 20. Juni bis 12. Oktober 2014 präsentiert das Kunsthaus Zürich anhand von zwei künstlerischen Positionen, wie zwischen 1770 und heute der Prometheus-Mythos adaptiert und neu interpretiert wurde. Die Ausstellung «Die Fackeln des Prometheus. Johann Heinrich Füssli und Javier Téllez» kombiniert fünf Werke der Frühmoderne mit einer Filminstallation der Gegenwartskunst.

Der gefesselte Prometheus, dessen Ikonografie in die griechische Antike zurückreicht, wurde bei Johann Heinrich Füssli (1741–1825) zur Identifikationsfigur des modernen Künstlers schlechthin. Ausgehend von einer anatomischen Spielerei, den sogenannten «Fünf-Punkte-Zeichnungen», in welchen die Positionen von Kopf, Händen und Füssen durch fünf willkürlich gesetzte Punkte auf einem Blatt Papier vorgegeben waren, entwickelte Füssli seinen subjektiven und hochexpressiven Figurenstil. Mit seinen Skizzen und Gemälden appellierte Füssli an die grenzenlose Schöpferkraft des modernen Menschen, verschwieg aber auch nicht die Gefahren, die mit dem Emanzipationsschub einhergingen. Im Mythos wird Prometheus für seinen Feuerraub bestraft. An einen Felsen des Kaukasus geschmiedet, wird ihm vom Adler des Zeus täglich die Leber aus dem Leib gehackt. Erst nach vielen Generationen darf Herakles ihn befreien. Als weitere Strafe schickten die Götter Pandora auf die Welt, die den Menschen Unheil bringen sollte.

PROMETHEUS-FEUER ENTFACHT

Prometheus wurde in der ganzen antiken Welt verehrt. Man bewunderte seine Tatkraft, durch die er rohe Gewalt und angestammte Macht in die Schranken wies. Diese Botschaft ist auch heute wieder hochaktuell. Einmal entzündet, lässt sich das Prometheus-Feuer kaum mehr unter Kontrolle bringen. Europa brauchte mehr als ein Jahrhundert, bis es die ungestüme Dynamik der industriellen Revolution zu bändigen und nutzbringend anzuwenden verstand. Als man im antiken Griechenland beschloss, die Olympischen Spiele zu Ehren des Zeus alle vier Jahre durchzuführen, entzündete man das Feuer ausgerechnet mit einer Prometheus-Fackel. Bis heute erinnert das Olympische Feuer, das von Athen aus über den ganzen Planeten gereicht wird, an die befreiende Tat des antiken Helden.

ARISCHE IDEALE UND «ENTARTETE» KUNST

Im 19. und 20. Jahrhundert haben sich Künstler wie Gustave Moreau, Arnold Böcklin, Max Klinger, Constantin Brancusi, Jacques Lipchitz, Barnett Newman und Tim Rollins von den Licht- und Schattenseiten der Prometheus-Sage inspirieren lassen. Eine der eindrücklichsten Arbeiten der Gegenwartskunst zu diesem Themen-Komplex entstand 2011. Das Kunsthaus zeigt sie in der raumfüllenden Filminstallation «Rotations (Prometheus and Zwitter)» von Javier Téllez (*1969), sozusagen als Fenster auf die Ausstellung, die Mirjam Varadinis dem venezolanischen Shooting-Star im Herbst im Kunsthaus einrichten wird.
Téllez‘ Arbeit «Rotations» handelt von zwei Skulpturen, die in entgegengesetzter Richtung rotieren: auf der einen Seite die Grossplastik «Prometheus» von 1937, die der NS-Künstler Arno Breker (1900-1991) für das Propagandaministerium in Berlin geschaffen hatte; auf der anderen das fragile Werk eines Art Brut-Künstlers namens Karl Genzel (eigentlich Karl Brendel, 1871-1925) mit dem Titel «Zwitter» aus dem Jahr 1920. Genzel gehörte zu jenen Künstlern, die Prinzhorn in seinem berühmten Buch «Bildnerei der Geisteskranken» (1922) ausführlich besprochen hatte. In seiner Anstaltszelle wechselten masslose Produktivität, Wutanfälle, halluzinatorische Erlebnisse und Freiheitsbegehren mit Tatenlosigkeit und Resignation.
«Prometheus» und «Zwitter» wurden im Jahr 1937 in den beiden wohl umstrittensten Ausstellungen des 20. Jahrhunderts in München gezeigt: Brekers überlebensgrosse Akt warb für die arischen Ideale der Nazi-Ideologie in der «Grossen Deutschen Kunstausstellung», während Karl Genzels kleine Holzskulptur mit den überdimensionierten Genitalien in der Ausstellung «Entartete Kunst» als Beispiel für die Pathologisierung der europäischen Avant-Garden herhalten musste.
Die Wirkungsgeschichte des antiken Schöpfungsmythos, seine bedrohliche Dynamik und die erweckten Hoffnungen werden in dieser Ausstellung auf engstem Raum in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit vor Augen geführt.



Kunsthaus Zürich,
Heimplatz 1,
CH–8001 Zürich
kunsthaus.ch




Pressemitteilung





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