1937 – 2017: Von Entarteter Kunst zu Entstellter Kunst

Dezember 2019 | Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Eingabedatum: 12.12.2019

bilder

„1937 – 2017: Von Entarteter Kunst zu Entstellter Kunst” Adam Szymczyk und Studierende konzipieren eine veränderbare Ausstellung zum 40jährigen Bestehen der HGB-Galerie

*Den Auftakt zum 40-jährigen Jubiläum der HGB-Galerie bildet das Ausstellungsprojekt „1937 – 2017: Von Entarteter Kunst zu Entstellter Kunst”, konzipiert von Adam Szymczyk, umgesetzt gemeinsam mit Ilse Lafer, Arthur Zalewski und Kilian Schellbach in Zusammenarbeit mit Studierenden der HGB. *

Auszug aus dem Statement von Adam Szymczyk: „Ich wurde 2018 von Ilse Lafer eingeladen, ein Seminarkonzept an der HGB Leipzig vorzuschlagen. Als Antwort auf diese Einladung habe ich den Studierenden einen Vorschlag unterbreitet, der eine Brücke schlägt vom Sprach- und Bildgebrauch im öffentlichen Raum der Nazizeit zu aktuellen sozio-politischen und ästhetischen Diskursen. Anlass für die Themenwahl des Seminars sind die Ereignisse und Debatten, die zur Entfernung von Olu Oguibes ´Denkmal für Fremde und Flüchtlinge`, dem so genannten Obelisken mit dem Satz ´Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt`, viersprachig auf deren vier Seiten wiederholt, vom ursprünglichen Standort, dem Königsplatz in Kassel, wo er als Beitrag des Künstlers zur documenta 14 (2017) errichtet wurde. Die Beseitigung des Obelisken von dem vom Künstler gewählten Platz und sein Umzug an einen anderen, von der Gemeinde vorgeschlagenen, Ort wurden in einem demokratischen Prozess genehmigt, an dem der Künstler, der amtierende Oberbürgermeister, der Kulturausschuss und die Stadtverordneten der Stadt Kassel beteiligt waren, während die Medien zu jedem Detail dieses Falls Bericht erstatteten.

Im Vorfeld dieser Debatte wurde der Satz ´entstellte Kunst`, der auf die berüchtigte ´entartete Kunst`- Prägung der Nazis beziehbar ist, 2017 von einem hessischen AfD-Mitglied bewusst verwendet, um Oguibes Werk und andere künstlerische Arbeiten in der documenta 14 zu beschreiben. Dieser Satz forderte eine Antwort.

Ein einjähriges Seminar begann, das für Studierende aller Klassen an der HGB Leipzig offen war, und von Ilse Lafer, Kilian Schellbach und Arthur Zalewski begleitet wurde. Die Ausstellung ´1937 – 2017: Von Entarteter Kunst zu Entstellter Kunst` ist ein mögliches Ergebnis daraus. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung historischer und zeitgenössischer Sprachen und mit Bildern nationalistischer, fremdenfeindlicher und reaktionärer politischer Parteien und sozialer Gruppierungen. Die in diesem Jahr entstandenen, und in der Ausstellung präsentierten Werkkomplexe versuchen eine Antwort auf die Gewalt im normativen Sprachgebrauch zu verkörpern. Werke und diskursive Interventionen von eingeladenen Gästen, darunter Olu Oguibe, Henrike Naumann, Dorota Sajewska und Artur Żmijewski, sind Teil des Lernprozesses und teilweise in der Ausstellung präsent. Die Frage nach der ´Norm` wird hier zum Thema, um eine Konstruktion zu stören, in der das ´Normale` über das als ´entartet` oder ´entstellt` Bezeichnete herrscht: über die neue schöne Welt ohne Fremde.“

Diese Form der Kollektiven, experimentellen Ausstellungspraxis zeigt zugleich den Kurs für das 40-jährige Jubiläum der Galerie an: Geplant ist, den Galerieraum für ein Jahr von seiner klassischen Repräsentationsfunktion zu entkoppeln, und ihn primär als einen „Ort der gemeinsamen Arbeit am Inhalt“ zu begreifen. Demgemäß steht das kommende Jahr in vielfältiger Weise unter dem Vorzeichen der künstlerischen Forschung: Es ist eine Zusammenarbeit mit der neuen Gesellschaft für bildende Kunst Berlin (nGbK) sowie der Gesellschaft für künstlerische Forschung, Deutschland in Planung. Zugleich sollen die institutionellen wie auch infrastrukturellen Bedingungen des Ausstellens und Zeigens durch eine Ausstellungsserie mit dem Arbeitstitel „How to make/ de-make/ re-make an institution“ untersucht werden. Ein Schwerpunkt dieser Serie gilt dem Archivieren, der zugleich Anlass gibt, das neue, 40 Jahre umfassende, digitale Galeriearchiv öffentlich zu präsentieren. Darüber hinaus liefert dieses Jahr den idealen Startpunkt für „Ausstellen als künstlerische Form“, das Studierende dazu einlädt eigene Ausstellungsprojekte zu entwicklen.

Hochschule für Grafik und Buchkunst
Academy of Fine Arts Leipzig
Wächterstraße 11
D-04107 Leipzig
www.hgb-leipzig.de

Presse




Anzeige
Responsive image


Anzeige
Responsive image


Anzeige
Responsive image

Chatbot

Was der Bot u.a. jetzt bereits beantworten kann: Was ist Kunst, was macht die Kunst, Konzeptkunst, wozu Kunst, Künstler und was macht art-in.de? Um Fragen, die er noch nicht beantworten kann, kümmern wir uns. Es ist ein Experiment im Aufbau. Wir freuen uns über alle Fragen.


Card image cap

Eintauchen in den Rheinfall

31. Juli 2020 - | Neuhausen am Rheinfall

Card image cap

Hajra Waheed HUM

11.07. - 06.09.2020 | Portikus, Frankfurt

Card image cap

Sturdy Black Shoes

9. 07. - 4. 10. 2020 | im Edith-Russ-Haus

Card image cap

Das KOG wird 50!

Die Ausstellung ist ab dem 9. Juli zu sehen | Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg

Card image cap

Folkwang RUNDGANG 2020 im TV-Format

Juli 2020 | Folkwang Universität der Künste

Card image cap

Potsdamer Universitätsstipendium

Juli 2020 | Universität Potsdam

Card image cap

Linnea Semmerling neue Direktorin der Stiftung IMAI

Juli 2020 | Stiftung imai, Düsseldorf