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Boris Lurie

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Okkultismus – Heavy Metal – Superman. Mike Kelley

23. 03. - 8. 09. 2024 | K21 Ständehaus, Düsseldorf
Eingabedatum: 24.03.2024

Okkultismus – Heavy Metal – Superman. Mike Kelley

Mike Kelley, Ectoplasm Photograph 7, 1978/2009, © Mike Kelley Foundation for the Arts/VG Bild-Kunst, Bonn 2024bilder


Das Werk von Mike Kelley (1954 in Detroit, Michigan – 2012 in Los Angeles, Kalifornien) ist experimentell, opulent und verstörend – und es gilt als eines der einflussreichsten seit den späten 1970er-Jahren. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt in K21 eine umfassende Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit Tate Modern, London, der Pinault Collection, Paris, und dem Moderna Museet, Stockholm entstand.

Ob spiritistische Vorstellungen, Heavy Metal oder die Superman-Comics: Kelley greift Bilder und Mythen aus Pop- und Subkultur auf, um bleibende Fragen nach dem Ort des Menschen in der Welt und der Gesellschaft zu stellen. Prägungen durch Politik und Erziehungssysteme werden ebenso thematisiert wie Klassen- und Genderzugehörigkeit. So fiel Mike Kelley in den 1990er-Jahren mit Skulpturen aus Stofftieren und weiblich konnotierten Handarbeiten auf. Hinter deren vermeintlicher Harmlosigkeit tat sich aber Unheimliches, Bedrohliches, Abseitiges auf. Einer seiner letzten großen Werkkomplexe „Day is Done“ (2005) schöpft aus Karneval, Halloween und Schultheater. In solchen volkstümlichen Bräuchen sieht Kelley ritualisierte Verstöße gegen gesellschaftliche Konventionen. Auch die Kunst selbst kann zu den Orten gezählt werden, an denen solche Regelverstöße stattfinden können. In ihrer Mitte inszeniert Kelley den Künstler als eine höchst fragile Figur.

Darauf bezieht sich auch der Titel der Ausstellung „Ghost and Spirit“. In einem frühen Entwurf zu einer nie aufgeführten Performance mit dem Titel „Under a Sheet“ (unter einem Laken) weist Mike Kelley auf eine Unterscheidung hin: Ein Gespenst ist jemand der verschwunden ist, ein Geist aber ist eine Erinnerung, die bleibt, eine Energie, die bleibenden Einfluss hat. Etwas mehr als 10 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod im Jahr 2012 bildet diese Unterscheidung des noch jungen Mike Kelley die Klammer um die Retrospektive im K21. Ist der Künstler eine verschwundene Person oder spüren wir angesichts der Werke seinen bleibenden Einfluss? Welche Energien hinterlässt Mike Kelley, dessen Werk drei Künstlergenerationen nachhaltig beeinflusst hat? Kunst machen heißt, Dinge erschaffen, die zuvor nicht da waren, Ideen in materielle Gegenstände verwandeln, Begriffen einen Körper geben. Ein schöpferischer, magischer Akt, der nicht zufällig an das Ausströmen von Ektoplasma erinnert, jenes geheimnisvollen Sekrets, das sich aus den Körperöffnungen der Medien ergießt, wenn diese in spiritistischen Sitzungen mit Geistern in Kontakt treten.

Mit der mehrteiligen Foto-Text-Arbeit „The Poltergeist“ (1978) hat Mike Kelley im Ektoplasma Fragen der Verkörperung, der Erinnerung und des Vergessens kondensiert. Sie bilden den roten Faden, der das faszinierend vielseitige Werk von Mike Kelley durch mehr als 1000 m² Ausstellungsfläche verbindet. Er führt von den frühen Performances, aus den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren, deren handschriftliche Skripte erstmals öffentlich gezeigt werden, und dem für die Ausstellung partiell rekonstruierten Werkkomplex „Monkey Island“ (1982-1985) zu dem die 1980er-Jahre bestimmenden Großprojekt „Half a Man“ (1987-1991), zu dem auch Kelleys Arbeiten mit Plüschtieren gehören.
Meist selbstgehäkelt, -genäht oder -gestrickt markieren diese Kuscheltiere Kelleys internationalen Durchbruch. Er fand sie auf Flohmärkten und Garagenverkäufen. Sie waren gebraucht und präsentieren sich schadhaft, ausgebessert, verschmutzt und zerliebt. Kelleys Arrangements, seine Titel wie „More Love Hours Than Can Ever Be Repaid and The Wages of Sin“ (1987) und sein späterer Einsatz von Tonbändern mit aufgesprochenem Text in der Serie der „Dialogues“, unterminierten den ersten Eindruck des süßen, knuddeligen Kinderspielzeugs und spielten auf die Ambivalenzen von Handarbeit, Warenform und Gabe an. Sie ließen über Genderfragen und über Machtstrukturen in der Familie nachdenken.

Aber sie wurden auch als unheimlich empfunden und zur großen Überraschung des Künstlers von vielen Betrachter*innen mit sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht. Kelley begegnete dieser Publikumsreaktion indem er ab Mitte der 1990er-Jahre begann, sich mit Verschwörungstheorien und der Macht der Imagination sowie besonders mit der Rolle der Erinnerung auseinanderzusetzen. Aus dieser Phase sind Werke wie „Timeless/Authorless“ (1995) zu sehen, die sich auf die amerikanische Popkultur und die Psychoanalyse, insbesondere auf das in der Zeit populäre Repressed Memory Syndrome bezogen, der Annahme, dass Gedächtnislücken auf Traumatisierungen durch Missbrauch beruhen. Kelley begann seine eigene (katholische) Erziehung und seine künstlerische Ausbildung als institutionellen Missbrauch zu lesen und zeigte, wie alle Formen der Erinnerung, der Geschichte und auch Zukunftsvorstellungen auf Glaubenssysteme angewiesen sind, die er durch seine Arbeiten immer wieder infrage stellte.

Seine letzten beiden großen Werkkomplexe führen diese Pfade konsequent fort. In der Serie „Kandors“ (1999-2011) spürt Kelley dem prototypisch amerikanischen Pop-Mythos Superman nach und erkundet die psychologischen Untiefen dieser Figur. Als Betrachter*innen betreten wir in der Apsis von K21 symbolisch die Festung der Einsamkeit, den geheimen Rückzugsort des Man of Steel, und erleben in einem dröhnenden installativen Environment, wie Erinnerung, Trauma und Vergessen und die Suche nach Identität und Geschichte auseinanderdriften. „Day Is Done“ (2005) entstand aus der Beschäftigung mit Dokumenten populärer Extracurricular Activities in High-School-Jahrbüchern:
Theateraufführungen, Musik- und Bandauftritte, säkulare Relikte religiöser Rituale und Bräuche sowie karnevaleske Aktionen aller Art. Kelley entführt uns im größten Raum der Ausstellung in eine turbulente, bunte und laute Welt zwischen Horrorfilm und Musical, zwischen Fragment und Gesamtkunstwerk. „Day is Done“ – Das Tagwerk ist volbracht. – Es folgt mit der ausgelassenen Feier auch der Exzess, die hellen und die dunklen Seiten der Begierden und das Unheimliche der Nacht, das nicht selten allein in den Abgründen der eigenen Psyche lauert.

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
K21 Ständehaus
Ständehausstraße 1
40217 Düsseldorf
www.kunstsammlung.de

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