Nina Könnemann / Marcus Weber

8. 06. - 22. 07. 2017 | kunstbunker forum für zeitgenössische Kunst e.V., Nürnberg
Eingabedatum: 12.06.2017



bilder

Mit den Ausstellungen von Nina Könnemann und Marcus Weber eröffnet das diesjährige Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm des kunstbunker – forum für zeitgenössische kunst e. V., Nürnberg.
Die beiden Filme „Unrise“ (2002) und „What’s New“ (2015) von Nina Könnemann (Jg. 1971) belegen das wiederkehrende Interesse der Künstlerin an Phänomenen städtischen Lebens.
Schauplatz des rund dreieinhalbminütigen Films „What’s New“ ist eine vor einer Böschung platzierte Plakatwand, die sich in der viel frequentierten Umgebung eines Berliner U-Bahnhofs befindet. In kurzen, zwischen Close-up und Totale wechselnden Einstellungen hält die Kamera über einen offensichtlich längeren Zeitraum hinweg auf kontinuierlich erneuerte Werbeplakate, die entweder ein Hip Hop-Konzert annoncieren, für ein neues Gartengrill-Modell oder die ‚Marke’ Berlin Werbung machen. Die Kamera ist neutral: sie verzeichnet einerseits das wechselnde Wetter und andererseits verschiedene Gebrauchsformen, die mit der Plakatwand in Verbindung stehen. Hinter dieser verschwinden immer wieder Menschen oder tauchen plötzlich auf, ohne dass klar würde, welchen Verrichtungen sie dabei nachgehen; die Plakate selbst zeigen Spuren von Graffitis oder sind durch Abrisse beschädigt. Den auf den ersten Blick dokumentarischen Charakter des Films durchbrechen schlaglichtartige Cuts auf die realen Objekte und Ereignisse, die über die Plakate beworben werden, wenn die Kamera etwa das Grillgerät abtastet oder einen Blick auf die von der Crowd gefeierte Hip Hop-Performance wirft.
Der rund zehnminütige Film „Unrise“ ist ebenfalls im Grunde dokumentarisch angelegt. Schauplatz ist der, seinerzeit frisch fertig gestellte, unterirdische Regionalbahnhof am Potsdamer Platz zum Zeitpunkt der Love Parade. Die Kamera folgt den durchwegs jungen, oft offenbar erschöpften, oft noch von der Party exaltierten Besucherinnen und Besuchern, die sich zu unbestimmbarer Tages- oder eher Nachtzeit in dem ansonsten verlassenen, einerseits penetrant ‚neu’ aber auch desolat ‚leer’ aussehenden Bahnhof verloren haben und konfrontiert sie teilweise regelrecht. Der dabei stattfindende Austausch zwischen den Akteuren vor und hinter der Kamera geht nicht ohne eine gewisse Aggression seitens der Gefilmten ab, die Kommunikation bleibt erratisch.
Der dokumentarische Gestus von „Unrise“ ist von Live-Reportagen her bekannt und wird zugleich atmosphärisch überlagert und schwingt sogar um ins Genrehafte, wenn der Film – schon durch den Titel vorbereitet – die apokalyptische Tonalität von Zombie-Filmen annimmt oder an die Verwendung von Amateuraufnahmen erinnert, die in Horrormovies authentizitätsstiftend eingesetzt werden.
Neben seiner künstlerischen Arbeit als Maler und Bildhauer engagiert sich Marcus Weber (Jg. 1965) – u. a. in seinen kuratorischen Projekten – für die historische Erforschung nicht nur der ‚hohen’ malerischen Bildkultur, sondern vor allem der populären Bildsprachen des Comics und der Karikatur. Dieses Interesse spiegelt sich in seiner eigenen Malerei deutlich wider.
Die Bilderserie „Adalbertstraße“ umfasst 24 in Öl gemalte Leinwände im Querformat. Der zwischen 2008 und 2010 realisierte und durch fotografische und zeichnerische Recherche vorbereitete Zyklus hat als Sujet und Anlass die gleichnamige Straße im Berliner Stadtteil Kreuzberg, in der Weber sein Atelier hat.
Die einzelnen Malereien folgen einem konsequent strengen, die Horizontale betonenden Bildaufbau, wobei die Straße als Bühne der sie bevölkernden Charaktere fungiert. Es liegt nahe, „Adalbertstraße“ als Update auf das Genre des modernen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Malern wie Gustave Caillebotte, Camille Pissarro oder auch Adolph Menzel etablierten Großstadtbildes zu verstehen. Dabei bringt Weber malerische Stilisierung, Charakterisierung und Überzeichnung in ein brisantes, gleichermaßen auf die städtisch-urbane Realität, das künstlerische Register des Realismus und den satirischen Zeitkommentar verweisendes Verhältnis – ein pointierter Vorschlag, wie urbane Gegenwart mit den Mitteln der Malerei und zeitgenössischem Anspruch bearbeitet werden kann.
Das Soziotop Kreuzberg am Beispiel Adalbertstraße wird in Marcus Webers malerischer Auslegung ein Schauplatz modernen Zusammen- und Nebeneinanderherlebens: ein multiperspektivisches Porträt, in dem Einzel- und Gruppenanliegen sowie Gemeinschaftsinteressen aufeinanderstoßen und völlig unterschiedliche Subjektentwürfe sich, auf welche Weise auch immer, im Rahmen einer städtischen Gesellschaft regulieren.

kunstbunker
forum für zeitgenössische Kunst e.V.
Bauhof 9, 90402 Nürnberg
kunstbunker-nuernberg.org

Presse






Daten zu Nina Könnemann:

- art berlin 2017

- Galerie Karin Guenther

- Halle für Kunst, Lüneburg

- In the Middle of Affairs - Künstlerhaus Stuttgart

- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD

Weiteres zum Thema: Nina Könnemann



Frankfurter Kunstverein: "Nation" (14.5.-3.8.03)


Unter dem Begriff Nation versteht man Lebensgemeinschaften von Individuen mit dem Bewußtsein gleicher politisch-kultureller Vergangenheit und dem Willen zum Staat. Ab 14.5. wird im Frankfurter Kunstverein zu sehen sein, was inwieweit sich bildende Künstler aktuell zu diesem Thema äußern.

Presseerklärung / Auszug: "Der Begriff Nation hat schon immer eine zentrale Rolle im Bereich politischer Repräsentation gespielt. Auch die zeitgenössische Kunst hat das Thema Nation bzw. nationale Identität aufgegriffen, um andere Modelle repräsentativer Strukturen zu entwickeln oder hegemoniale Modelle in Frage zu stellen.
Die Ausstellung "nation" greift diesen Gedanken auf und versammelt Werke, die sich produktiv mit dem Thema nationaler Identität und damit verbundenen Komplexen wie Nationalismus, politischer Populismus, aber auch Transit und Binnenexotik auseinandersetzen. Bei der Konzeption von "nation" geht der Frankfurter Kunstverein auch von seinem eigenen Standort aus. Kaum eine andere europäische Stadt ist so sehr von der Spannung zwischen Finanzkapitale, Transit und Migration geprägt. Was heißt in diesem Zusammenhang Nation? Wie artikuliert sich nationale Repräsentation auf alltäglicher wie offizieller Ebene? Welche Rolle spielt eine Politik der Symbole bei der individuellen Selbstverortung der jüngeren Generation?

"nation" zeigt Arbeiten von ca. 30, vor allem europäischen Künstlerinnen und Künstlern, die sich zwischen globalem Denken und nationaler Zugehörigkeit damit beschäftigen, was Nation heute noch oder wieder bedeutet."

Darunter u.a.:Thomas Bayrle, Marc Bijl, Sarah Morris, Marcel Odenbach, Shirana Shahbazi, David Zink Yi, Brian Jungen, Nina Könnemann ...

Ausstellungsdauer: 14.5.-3.8.03

Öffnungszeiten: di-so 11-19

frankfurterkunstverein | markt 44 | 60311 frankfurt am main. | tel: +49 (0)69 / 2193140
fkv.de


Nina Könnemann - Grazer Kunstverein, Graz (06.07. - 01.09.07)


Den Ausgangspunkt für die Videos von Nina Könnemann bilden Beobachtungen öffentlicher Ereignisse: Der Morgen nach einer Open-Air Veranstaltung, ein Wohngebiet, das von einem Minitornado gestreift wurde, ein Treffen von Live-Rollenspielern, ein Sturm auf einer Amüsiermeile in einer englischen Hafenstadt. In diesen Szenarien erscheinen die Menschen in Gruppen, als Zuschauer, Teilnehmer oder Spieler. Einzelpersonen werden nur gezeigt, wenn sie einen kollektiven Zustand visualisieren. Diese Situationen sind mit einer Videokamera aus der Hand gefilmt. Nina Könnemann benutzt diese subjektive Art der Kameraführung nicht um eine persönliche Sichtweise zu verdeutlichen. Die charakteristische Anmutung der Handkamera, mit Verwacklern und Unschärfen, soll eine Direktheit, eine filmische "Jetzt-Zeit" erzeugen. Hinzu kommt, dass die stilistische Homogenität des so aufgenommenen Materials es erlaubt, die dokumentierten Ereignisse im Schnitt unauffällig zu manipulieren. Indem sie die Abfolge der szenischen Ausschnitte aus der anzunehmenden zeitlichen Chronologie verschiebt, Geschehnisse durch Wiederholung akzentuiert, und nachinszenierte Sequenzen einfügt, gerät die geläufige Dramatik der Ereignisse in den Strudel des Außerordentlichen. Banalität und Surrealität halten sich dabei auf hintergründige Weise in Balance. Nina Könnemann vertraut der dokumentarischen Darstellungsweise um den Betrachter auf die fiktiven Möglichkeiten von gemeinschaftlichen Szenarien aufmerksam zu machen. (aus "Es ist schwer das Reale zu berühren", Grazer Kunstverein 2007, Verlag: Revolver, Frankfurt am Main). (Presse Grazer Kunstverein)

Öffnungszeiten: Di-Fr 11.00-19.00 Uhr Sa 11.00-15.00 Uhr

Grazer Kunstverein
Bürgergasse 4/II
A-8010 Graz
Tel +43 316 83 41 41

www.grazerkunstverein.org







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