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B3 Biennale

Kasimir Malewitsch und der Suprematismus in der Sammlung Ludwig


Eingabedatum: 15.02.2010


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Nach der Ausstellung „Eine Ohrfeige dem öffentlichen Geschmack. Der Kubofuturismus und der Aufbruch der Moderne in Russland" setzt das Museum Ludwig seine Projektreihe zur russischen Avantgarde fort mit einer kabinettartigen Ausstellung seiner Malewitsch Sammlung. Diese ist eine der international größten des Künstlers und wird nun zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder gezeigt. Die rund 50 grafischen Arbeiten, vier Gemälde und eine Skulptur aus allen Schaffensperioden ermöglichen einen Einblick in die Entwicklung des Künstlers von der gegenständlichen Kunst über die Abstraktion und wieder zurück zur Gegenständlichkeit. Die vier Gemälde Malewitschs aus der Sammlung Ludwig wurden im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung kunsttechnologisch untersucht. Zehn suprematistische Gemälde von Künstlern aus Malewitschs Umfeld von Ekaterina Bugrowa, Iwan Kljun, Nina Kogan, Ljubow Popowa, Kliment Redko, Nicolai Suetin und Ilja Tschaschnik ergänzen die Ausstellung und belegen Malewitschs Einfluss auf seine Zeitgenossen.

Der Begriff Suprematismus steht sowohl für die abstrakten Kompositionen aus reinen Flächenformen als auch für Malewitschs Theorie der reinen Gegenstandslosigkeit in der Kunst; er meint damit „das die Schranken von allem bisher in der Kunst geschaffenen Überschreitende".

Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Präsentation der beiden Gemälde aus der suprematistischen Werkphase Malewitschs „Supremus Nr. 38" von 1916 und „Suprematistische Komposition" von 1915. Dieses wurde für die Ausstellung umfangreich restauriert und beide Gemälde wurden kunsttechnologisch untersucht. Die Ergebnisse werden in der Ausstellung umfassend dokumentiert.

Aufgrund der Resultate der durchgeführten Untersuchungen (UV, Infrarot, Röntgen) und ausgehend von der Objektgeschichte (Ausstellungen, Besitzerwechsel, frühere Restaurierungsmaßnahmen) werden sowohl der heutige Erhaltungszustand, als auch der Entstehungsprozess der beiden Gemälde sichtbar gemacht. Das Publikum lernt durch Detailaufnahmen bestimmte maltechnische Merkmale wie z.B. Oberflächenstrukturen und Pinselführung kennen - aber auch, welchen Einfluss Restaurierungsmaßnahmen auf das Erscheinungsbild der Gemälde haben können. Im Rahmen der Vorbereitung der Ausstellung sind auch zahlreiche Zeichnungen und Papierarbeiten Malewitschs restauriert worden.

Wie die Gemälde in der Sammlung, stammen auch die Zeichnungen Malewitschs aus allen Schaffensperioden, von seinen gegenständlichen Anfängen um 1903 über seine berühmte Erfindung und Ausarbeitung des (abstrakten) Suprematismus bis hin zu seiner Rückkehr zur Gegenständlichkeit. Diese Wende in seinem Spätwerk ist erst seit kurzem zum kunsthistorischen Forschungsgegenstand geworden. Die umfassende Sammlung Ludwig eignet sich hervorragend sowohl zur Erforschung der Abstraktion als auch der Gegenständlichkeit. Das Publikum kann die Entwicklungen in Malewitschs Werk verfolgen und nachvollziehen. Die Gegenüberstellung seiner frühen gegenständlichen Arbeiten mit den späteren ermöglicht einen einzigartigen Vergleich.

Ein Katalog, der die vollständigen Ergebnisse der kunsttechnologi-schen Untersuchungen aller vier Gemälde Malewitschs aus der Sammlung Ludwig dokumentiert und weitere wissenschaftliche Texte zu Malewitsch enthält, erscheint im Frühjahr 2010 mit Unterstützung der Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und des Museum Ludwig e.V.

Mit über 800 Werken betreut das Museum Ludwig eine der weltweit größten Sammlungen der Russischen Avantgarde. Im Mai 2009 ist eine sechsteilige Ausstellungsreihe gestartet (bis 2012), die die Schwerpunkte dieser Sammlung unter neuen Blickwinkeln untersucht. Die Reihe ist verbunden mit intensiver Forschung zu Technik, Bilderrahmen und Datierung. Die Ausstellungsreihe wird kuratiert von Katia Baudin, stellvertretende Direktorin des Museum Ludwig in Zusammenarbeit mit Emily Joyce Evans, wissenschaftliche Volontärin. Petra Mandt hat die kunsttechnologischen Untersuchungen durch-geführt und ihre Dokumentation erarbeitet.

Im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung am 4. Februar von 19 bis 22 Uhr laden die Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und Museums Ludwig und das Museum Ludwig zum „Russischen Roulette" ein: es gibt ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, Führungen, Kurzvor-trägen und kulinarischen Überraschungen.
Am 30. März um 19 Uhr hält der Schweizer Grafiker Ruedi Baur einen Vortrag. Er will Rodtschenkos Haltungen der Pluridisziplinarität, der Kultur der Zusammenarbeit, der Integration der Schrift im Bild, Perspektivwechsel mit Hilfe der assoziativen Bildmontage mit unserer Gegenwart und seinen eigenen Arbeiten verbinden. Am 18. Juni 2010 ein internationales Symposium „Malewitsch unter dem Mikroskop" statt.

Abbildungen:
- Kasimir Malewitsch/Kazimir Malevich, Suprematistische Komposition/Suprematist Composition, 1915, Öl auf Leinwand/Oil on canvas, 70 x 60 cm, Sammlung Ludwig/Collection Ludwig
- Kasimir Malewitsch/Kazimir Malevich, Suprematistisches Architekton/Suprematist Architekton, 1926, Gips, Holz/plaster, wood
H 6,5 x B 2 x T 3,5 cm, Sammlung Ludwig/Collection Ludwig
- Kasimir Malewitsch/Kazimir Malevich, Primitiv (Schuhmacher)/Primitive (shoemaker), 1910, Bleistift auf Papier/Pencil on paper, 14,1 x 21,3 cm, Sammlung Ludwig/Collection Ludwig

Ausstellungsdauer: 05.02.2010 bis 22.08.2010

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln

Telefon +49-221-221-26165
Telefax +49-221-221-24114
E-Mail info@museum-ludwig.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage): 10 - 18 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 - 22 Uhr
Montags geschlossen.

Eintritt
Eintrittskarten sind den ganzen Tag gültig und berechtigen zum Eintritt in die Sammlungsräume und in alle Sonderausstellungen.

Erwachsene: 10,00 € ermäßigt: 7,00 € (Kinder unter 14 Jahren, Schüler, Studenten, Auszubildende, Wehr- und Ersatzdienstleistende gegen Vorlage eines gültigen Ausweises, InhaberInnen des Köln-Passes)
Familien: 20,00 €
Eintritt frei für Kinder unter 6 Jahre
Gruppen (ab 20 Personen): 7,50 € pro Person
Schulklassen sowie die begleitenden LehrerInnen: Eintritt frei in die Sammlung 4,00 € pro Schüler/Lehrer im Sonderausstellungsbereich

Am ersten Donnerstag im Monat gilt ab 17 Uhr ein um 50 Prozent reduzierter Eintrittspreis für die Sammlung und alle Sonderausstellungen von 5,00 € (ermäßigt: 3,50 €).

An diesen Abenden bieten wir jeweils ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, Film, Lesungen, Künstlergesprächen und vielem mehr!


Audioguides: Gebühr von 3,- € für Dauer- und Sonderausstellungen. Kostenfrei von der Homepage des Museums auf PC und IPod herunterzuladen.

Museumspädagogik
Das Programm des Museumsdienstes im Museum Ludwig
Angelika von Tomaszewski M.A.
Tel 0221/221-23705
museumsdienst@museum-ludwig.de

Anfahrt und Verkehrsanbindung
Öffentliche Verkerhsmittel: Haltestelle/Station Hauptbahnhof für Bahn, U-Bahn und S-Bahn vom Flughafen Köln/Bonn.
Parken: Parkhäuser befinden sich in unmittelbarer Nähe (Am Dom / Groß St. Martin)

Informationen zur Barrierefreiheit
Das Museumsgebäude ist für den Besuch mit Rollstuhl oder Kinderwagen geeignet. Rollstühle stehen an der Kasse zur Verfügung. Führungen per tourguide für Gäste mit Hörbehinderung. Bitte wenden Sie sich an unser Kassenpersonal.

museum-ludwig.de











Daten zu Kasimir Malewitsch:


- documenta 8, 1987

Weiteres zum Thema: Kasimir Malewitsch



Kunsthalle Bielefeld (10 / 02)


Als 1968 die Kunsthalle Bielefeld eingeweiht wurde, brauchte sie nicht lange auf einen ostwestfälischen Spitznamen zu warten: die Bezeichnung "Elefantenklo" schien dem neuesten Bauwerk des bekannten amerikanischen Architekten Philip C. Johnson als kurze Schmähung wie auf den Leib geschnitten.

Ungeachtet Johnsons Verdienste um die Fortführung der modernen Museumsarchitektur von New York bis Utica galt das Gebäude am Rande des mittelalterlichen Stadtrings als plump, überdimensioniert und unproportional.

Selbst der sonst so beliebte rote Sandstein als Fassadenverkleidung konnte die negative Stimmung in der Bevölkerung nicht besänftigen.

Das Museum beinhaltet fünf Geschosse, von denen zwei im Souterrain versteckt werden. Die Unterbringung von Nutzungen wie Café, Kunstbibliothek und museumspädagogischem Dienst in Zusammenhang mit einem Raumprogramm für die Präsentation der ständigen Sammlung und der Wechselausstellungen ist Ende der sechziger Jahre noch eine Seltenheit gewesen. Bielefeld bekam keine städtische Kunsthalle, sondern ein Kunst- und Kulturzentrum neuester Denkart und mit ihm den Flair von moderner Architektur.

Leider konnten selbst vehemente öffentliche Proteste in den sechziger Jahren nicht verhindern, dass die Kunsthalle den Beinamen "Richard Kaselowsky-Haus", nach dem Ziehvater des Hauptsponsors Rudolf August Oetker, bekam. Erst 1998 entschloss sich der Stadtrat, den Beinamen zu streichen und sich dem Stifter Oetker entgegen zu stellen. Die NS freundliche Haltung des Namensgebers hatte nun auch städtische Ohren erreicht und war damit untragbar geworden.

Trotz aller Widrigkeiten entstand ein Museum für internationale Kunst des XX. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten Deutscher Expressionismus und Plastik des Kubismus. Die vorhandene Sammlung umfasst aber auch bekannte Werke der amerikanischen abstrakten und der zeitgenössischen deutschen Kunst.

Viermal im Jahr werden Wechselausstellungen präsentiert zumeist im ersten Stock, wobei das zweite Obergeschoss der ständigen Sammlung vorbehalten bleibt. Die unterschiedliche Belichtung der Stockwerke durch zum Teil großflächige Verglasung unten und indirekter Sonneneinstrahlung im Obergeschoss kann so flexibel - den ausgestellten Objekten entsprechend - eingesetzt werden.

Die einzelnen Räume im Inneren sind nur durch freistehende Wände aus dem roten Sandstein der Fassade von einander getrennt. Innen und Außen befinden sich durch die Verwendung desselben Materials in einem Wechselspiel. Es entstehen vertikale Räume mit Park auf der einen, Museum auf der anderen Seite und fließende Orte im Spannungsfeld dazwischen.

Auch wenn das obere Stockwerk ein bisschen zu hoch und damit zu schwer geraten ist, hat Johnson Bezüge mit so unterschiedlichen Zusammenhängen geschaffen ohne die Präsentation von Kunst erschweren. Im Gegenteil, es scheint kein Zufall zu sein, dass gerade an dieser Stelle überregional beachtete Ausstellungen ihren Ausgangspunkt hatten, zum Beispiel: Klaus Kinold, Fotograf, 1993; Picasso um 1905, 1999 oder Kasimir Malewitsch - das Spätwerk, 2000.

Die letzten vierzig Jahre haben allen Wogen geglättet. Viele Ausstellungen mit enormer Popularität und hervorragenden Kritiken sind durch das sonst kulturell eher stille Bielefeld gezogen. Es sind ausschließlich positive Bemerkungen zurückgeblieben und ein musealer Ansatz, der auch weniger Kunstinteressierte, häufiger ins Museum führt. Die Ostwestfalen sind still und zufrieden geworden, der Spitzname aber ist geblieben.


Aktuelle Ausstellung: Jeff Koons. Die Bilder 22.09.02 - 10.11.022

Öffnungszeiten: Di.+Do.+Fr.+So. 11.00-18.00 Uhr / Mi. 11.00-21.00 Uhr / Sa. 10.00-18.00 Uhr

Kunsthalle Bielefeld / Arthur-Ladebeck-Strasse 5 / 33602 Bielefeld / Tel.: 0521/32999500

kunsthalle-bielefeld.de

Kasimir Malewitsch und der Suprematismus (1.Teil / Jan 03)


Kasimir Malewitsch (1879-1935), der zu den führenden Künstlern der russischen Avantgarde des zweiten und dritten Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts zählte, erreichte seinen künstlerischen Durchbruch sowie seine Anerkennung als Maler über die Grenzen Russlands hinaus durch seine suprematistischen Bilder. Kennzeichnend für diese Bilder ist eine geometrische Formensprache, die auf die Wiedergabe gegenständlicher Motive völlig verzichtet. Das bekannteste Bild dieser Phase ist ohne Frage das "Schwarze Quadrat", das der Künstler 1915 erstmals in einer Ausstellung präsentierte. Das neue Verständnis von Bildkonzeption verweist auf eine äußerst reduzierte, werkimmanente Struktur und bietet einen fast irreduziblen bildnerischen Sachverhalt.
Der Suprematismus, der nach den Worten Malewitschs Ausdruck eines "neuen malerischen Realismus" bzw. die Umschreibung für das gegenstandslose Schaffen ist, gehörte zu den avantgardistischen Bewegungen, die im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts überall in Europa entstanden und radikal die traditionellen Verständnismuster der Kunst in Frage stellten. Der vielfach bekundete Befreiungsakt von der abbildhaften Wiedergabe der Wirklichkeit findet sich dabei sowohl in den Manifesten beispielsweise der De Stijl-Gruppe als auch in den Schriften der Kubisten wieder. Über die bildnerischen Mittel und die ästhetisch-ideologische Intention gingen die Ansichten jedoch scharf auseinander. Die Vielgestaltigkeit der Sprach- und Bilderwelt ist Ausdruck dieser unterschiedlichen Ansätze.

Welche Reflexionen und künstlerischen Ideen dem Suprematismus zugrundeliegen, können Sie hier lesen.