Jutta Koether Tour de Madame

18. Mai 2018 – 21.Oktober 2018 | Museum Brandhorst, München
Eingabedatum: 16.05.2018

Werkabbildung

Jutta Koether, Untitled, 1987, Öl auf Malkarton, 18 x 24 cm © Jutta Koetherbilder

Kaum eine andere Künstlerin hat unser heutiges Verständnis von Malerei und von der Kulturlandschaft seit den 1980er Jahren so entscheidend geprägt wie Jutta Koether (geb. 1958). Tour de Madame ist die erste umfassende Überblicksschau, die ihrer Arbeit gewidmet ist, und präsentiert erstmals die erstaunliche und beeindruckende Bandbreite ihrer Bilder der Öffentlichkeit. Ein Höhepunkt der Ausstellung wird eine neu geschaffene, 12-teilige Gemäldeserie sein, die – in Anspielung auf Cy Twomblys Lepanto-Zyklus aus der Dauerausstellung des Museums Brandhorst – Koethers eigenen "Kampf" mit der Kunstgeschichte eine konkrete Form gibt. In vielerlei Hinsicht wird die Ausstellung eine Entdeckungsreise sein, führt sie doch die mehr als 150 Gemälde auf eine völlig neue Art und Weise zusammen. Viele der Werke wurden nie öffentlich ausgestellt oder waren seit ihrer ersten Präsentation nicht mehr zu sehen.

Die Ausstellung bietet einen systematischen und chronologischen Überblick über das facettenreiche Oeuvre der Künstlerin. Sie führt zurück zu Koethers Anfängen im Kontext des Kölner Neo-Expressionismus Anfang und Mitte der 1980er Jahre und ihrer anschließenden Auseinandersetzung mit der Farbe Rot als Ausdrucksmittel – eine Antwort auf das Klischee männlicher Maler. Nach ihrem Umzug nach New York Anfang der 1990er Jahre begann Koether atemberaubend intensive und farbenprächtige, großformatige Gemälde zu schaffen, in denen Motive aus Popkultur, Literatur und Kunstgeschichte in dichten malerischen Gesten geschichtet sind. Anfang der 2000er Jahre richtete sich Koether in ihrer Herangehensweise immer stärker auf Performance und Musik aus, was in tiefschwarzen Leinwänden und Assemblagen mit Devotionalien der Punk und Noise-Kultur gipfelte. Das letzte Kapitel der Ausstellung widmet sich Koethers exzentrischer Hinwendung zur Historienmalerei und ihren jüngsten Aneignungen aus dem visuellen Gedächtnis der Kunstgeschichte.

Die Ausstellung positioniert Jutta Koether als eine zentrale Kraft und Bezugspunkt in der jüngeren Geschichte der Malerei. Ihre Arbeit stellt systematisch heraus, wie überaus wichtig Malerei für die Diskurse der alternativen Geschichtsschreibung der Moderne und der Subjektivität ist.

In Tour de Madame zeigt sich Koethers Rolle als Vorläuferin eines Malereibegriffs, der über seine klassische Definition und den Kanon hinausgeht, aber gleichzeitig seine Widersprüche, Intensitäten, Ausdrucksformen und Bezüge beibehält und zum Extremen hin verstärkt.

Am letzten Wochenende der Ausstellung (19. und 20. Oktober) organisiert das Museum Brandhorst in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen und der Akademie der Bildenden Künste München eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Performances und Konzerten.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Ausstellungskatalog, der erstmals eine systematische Auseinandersetzung mit Koethers künstlerischer Praxis bietet und ihr gesamtes Oeuvre von 1983 bis hin zu ihren jüngsten Arbeiten, die für diese Ausstellung geschaffen wurden, in einer umfassenden Bilderreihe mit über 200 Farbreproduktionen präsentiert. Der Katalog ist als maßgebliche Publikation zu Koethers Werk angelegt und dient der weiteren kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Oeuvre. Er erscheint in einer deutschen und einer englischen Ausgabe. Die international bekannten Kunsthistoriker Manuela Ammer, Benjamin H.D. Buchloh, Julia Gelshorn, Achim Hochdörfer, Branden W. Joseph, Tonio Kröner, Michael Sanchez und Anne Wagner beleuchten jeweils eine von Koethers vielfältigen Werkgruppen und -phasen.

Das Museum Brandhorst organisiert die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Mudam Luxembourg, Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean. Sie wurde von Achim Hochdörfer und Tonio Kröner mit Unterstützung von Kirsten Storz initiiert und kuratiert. Sie wird vom 18. Mai bis 21. Oktober 2018 im Museum Brandhorst zu sehen sein. Die Werkschau im Mudam Luxembourg von 09. Februar bis 19. Mai 2019 wird von Suzanne Cotter kuratiert.

Museum Brandhorst
München
museum-brandhorst.de
Presse






Daten zu Jutta Koether:

- Art Basel 2013
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art cologne 2015
- Buchholz - Gallery
- Campoli Presti - Gallery
- Frieze London 2013
- Frieze London 2016
- FUTUR PERFEKT. Vollendete Zukunft,Frankfurter Kunstverein 2013
- Galerie Francesca Pia
- Halle für Kunst Lüneburg 2016
- MoMA Collection
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD
- Shanghai Biennale, 2014
- Whitney Biennale 2006
- Whitney Biennale 2012

Weiteres zum Thema: Jutta Koether



SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX - Kunsthalle Düsseldorf und im KIT (noch bis10.5.09)


SONIC YOUTH: das sind nicht nur vier Noiserocker, die bei Live-Konzerten mit einer Unmenge an (extra für einen Song gestimmten) Gitarren anrücken – SONIC YOUTH sind ein Paradebeispiel für das, was man so gerne als Crossover bezeichnet denn Musik, bildende Kunst und Design gehen hier Hand in Hand. So hat zum Beispiel Kim Gordon, die inzwischen 58 jährige Sängerin und Bassistin der Band, früher Kunst in L.A. studiert, hat als Kuratorin gearbeitet, hat Texte für das Art Forum geschrieben und ist beim Modellabel X-Girl beteiligt - ihre Bandkollegen stehen ihr in Sachen Kreativität in nichts nach. Neben musikalischen Solo- und Nebenprojekten betreiben sie diverse Plattenlabels, machen Videoarbeiten und collagieren was das Zeug hält.

Genau so abwechslungsreich, vielschichtig und experimentell wie die (vor allem ältere) Musik von Sonic Youth ist auch das Umfeld der 1981 ins Leben gerufenen Band. Die Ausstellung >SONIC YOUTH etc.: SENSTAIONAL FIX< gewährt intensive Einblicke in das Sonic Youth´sche Universum und bespielt dabei direkt zwei Düsseldorfer Ausstellungshäuser: die Kunsthalle und das KIT. Die von dem Niederländer Roland Groenenboom kuratierte Ausstellung zeigt über 300 Photos, Zeichnungen, Videos, Plakate, Musikinstrumente, Plattenhüllen, Textdokumente, Filme und Installationen. Sie wurde in engster Zusammenarbeit mit der Band konzipiert, war bereits in St. Nazaire und in Bozen zu sehen und wird nach der Düsseldorfer Station nach Malmö weiterwandern.
In der lebhaften New Yorker Szene der frühen 1980er formierte sich die Band um Kim Gordon (Bass, Gitare, Gesang), Thurston Moore (Gitarre, Gesang), Lee Ranaldo (Gitarre, Gesang) und Steve Shelley (Schlagzeug), die bis heute 27 Alben, über 40 Singles sowie zahlreiche Soundtracks für Filme produziert hat. Nicht nur durch Kim Gordons und Lee Ranaldos Kunststudium, auch durch die ersten Konzerte der Band, die in Galerien und Art Lofts stattfanden, entstand eine kreativer Austausch mit den bildenden Künstlern der Szene und darüber hinaus. So wurden z.B. die SONIC YOUTH Plattencover von Künstlern wie Mike Kelley, Raymond Pettibon, Dan Graham, Richard Prince oder Gerhard Richter gestaltet.

Und genau diese bekommt man als erstes zu sehen, wenn man die Kunsthalle betritt! Weiterhin reihen sich Plakate sowie besonders bearbeitete Gitarren aneinander und man wird von einem “gläsernen Schrein“ mit Flyern, Sprühschablonen, Videos und sonstigem Bandmaterial empfangen. Kunterbunt zeichnet sich hier bereits die ästhetische Spannbreite des Bandgeschmacks ab. Anfangs noch durch eine punkige Do-it-Yourself-Ästhetik inspiriert, wurden die Plakate und Plattencover immer professioneller und kunstvoller gestaltet. Neben der Kollektion an “Banddevotionalien“ zeigt SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX auch Werke aus der bandeigenen Kunstsammlung, Arbeiten der Bandmitglieder sowie Werke von Künstlern aus dem Kontext der Musikgruppe, die aus diversen Sammlungen zusammengetragen wurden. So zum Beispiel Christian Marclays Arbeit >Untitled< (1987), die aus einem über und über mit Schallplatten übersäten Raum besteht, den man durchschreiten muß, um zum nächsten Kunstwerk zu gelangen. Bei all der Liebe zur Musik tut es einem fast im Herzen weh, wenn man dies befolgt und das Vinyl mit vorwurfsvollem Knacken unter dem Körpergewicht zerbricht. Weniger herzzerreißend ist Toy Ourslers >Sound Digressions in Seven Colors< (2006). Die raumfüllende Video-Loop-Sound-Installation zeigt Musiker (u.a. Lee Ranaldo), wie sie mit verschiedenen Instrumenten improvisieren. Noch weiter eintauchen in das musikalische Universum von SONIC YOUTH kann man in Dan Grahams >Sonic Pavilion für Punk Rock< (2008), der dem Besucher die Möglichkeit bietet, sich Grahams Konzertmitschnitte anzuhören, im musikalischen Archiv der Band zu stöbern oder sich Liveauftritte und Videoclips anzuschauen.

Was in der Kunsthalle jedoch leider etwas zu kurz kommt sind Malerei, Zeichnung und Photographie. Es gibt zwar Michael Morleys wunderschöne Zeichnungen von rock´n´rolligem Boxenequipment (>Study for a Revolution<, 2007), doch sind beispielsweise die Arbeiten von John Miller oder Jutta Koether weniger überzeugend.

Zum Glück gibt es noch einen weiteren Teil der Ausstellung im KIT! Dieser ist de facto “kunstvoller“. Hier gibt es u.a. tolle photographische schwarz-weiß Portraits von Michael Lavine, Zeichnungen Raymond Pettibons, ein paar aufschlußreiche Collagen von Thurston Moore, Photos von Allen Ginsberg, die Patti Smith, William S. Burroughs oder Jac Kerouac zeigen oder aber eine Soundschaukel von Tony Conrad >Quartet< (2008). Aber auch im KIT darf die Musik natürlich nicht zu kurz kommen. Als besonderes Highlight wartet hier ein zum Tonstudio umfunktioniertes Zelt auf den musikalischen Besucher: >Reverse Karaoke<- Karaoke andersrum! In der Mitmach-Installation von Kim Gordon und Jutta Koether nämlich, kann man zu Kim Gordons Stimme musizieren. Schlagzeug, E-Gitarre, Bass und Mikro stehen bereit und der eigene Song kann sogar aufgenommen werden! Auch dies scheint dem Bandprinzip zu entsprechen, das Lee Ranaldo wie folgt umschreibt: „Für uns wirklich entscheidend ist die Idee, andere einzubeziehen: In unserer Karriere ging es uns nicht bloß darum, als kleine Band einen Keil durch die Welt zu treiben, sondern es war für uns eine Art von Reise, zu der man aufbricht und auf die man so viele Leute wie möglich mitnehmen möchte.“

Hingehen. Gucken. Zuhören. Mitmachen!

Abbildung:
- Blick in die Ausstellung Kunsthalle Düsseldorf / Logo
- Blick auf die Arbeit: Toy Oursler >Sound Digressions in Seven Colors< (2006)
- Blick in die Ausstellung Kunsthalle Düsseldorf

SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX
31.01.- 10.05.2009
Kunsthalle Düsseldorf + KIT

Kunsthalle Düsseldorf
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
kunsthalle-duesseldorf.de

KIT – Kunst im Tunnel
Mannesmannufer 1b
40213 Düsseldorf
kunst-im-tunnel.de





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